
Auf dem Prüfhof steht immer einer, der zu spät merkt, dass er etwas vergessen hat. Meistens ist es ein Blatt Papier. Der Auspuff ist eingetragen, ganz sicher, das Gutachten liegt zu Hause im Ordner unter der Werkbank - nur eben nicht hier, und der Prüfer hat in zwanzig Minuten den nächsten Termin.
Die Hauptuntersuchung am Motorrad läuft nach einem festen Ablauf mit ein paar Regeln, und wer diesen Ablauf kennt, hat die halbe Sache hinter sich. Die andere Hälfte passiert in der Garage - und zwar früher, als die meisten denken.
Für Krafträder gilt ein Zwei-Jahres-Takt, und der beginnt sofort. Anders als beim Auto, das nach der Erstzulassung eine längere erste Frist bekommt, muss auch die fabrikneue Maschine nach 24 Monaten antreten. Nachzulesen ist das in § 29 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung mit Anlage VIII.
Es gibt zwei Stellen, an denen du deinen Termin ablesen kannst, und die zweite kennt fast niemand richtig.
Die erste steht in der Zulassungsbescheinigung Teil I. Unter Ziffer 7.1 findest du den Monat und das Jahr der nächsten Hauptuntersuchung. Das ist die verbindliche Auskunft, und sie liegt bei dir in der Schublade.
Die zweite klebt hinten auf deinem Kennzeichen. Die Prüfplakette ist ein kleiner Kreis mit einem Zahlenring außen und einer Zahl in der Mitte. Die Mitte ist das Jahr - steht dort 27, ist deine nächste Untersuchung im Jahr 2027 fällig. Der Ring außen sind die Monate von eins bis zwölf, und jetzt kommt der Trick: Die Plakette wird so aufgeklebt, dass der fällige Monat oben steht, auf zwölf Uhr. Die Zahl, die dort oben steht, ist also dein Monat - den Ring musst du gar nicht absuchen.
Der schwarze Balken am Rand ist die Lesehilfe für die Entfernung. Aufgedruckt ist er über der 12 - und weil die Plakette gedreht aufgeklebt wird, wandert er mit. Er landet dort, wo ein Uhrzeiger für diesen Monat stehen würde: Balken auf zehn Uhr heißt Oktober. Deshalb sieht eine Kontrolle im Vorbeigehen, ob deine Plakette fällig ist, ohne eine einzige Zahl zu lesen.
Die Farbe wechselt jedes Jahr und wiederholt sich nach sechs Jahren. Für dich heißt das vor allem eins: Wenn auf dem Parkplatz zwei Motorräder mit unterschiedlich farbigen Plaketten stehen, ist eins davon in einem anderen Jahr fällig. Auf welchem Stand deins ist, sagt dir die Zahl in der Mitte, nicht der Farbeindruck.
Bleibt ein Fall, der beim Motorrad besonders oft vorkommt und in Foren mehr Varianten kennt, als es gibt: das Saisonkennzeichen. Fällt dein HU-Monat in die Zeit, in der die Maschine gar nicht zugelassen ist, wird die Sache unübersichtlich - und die Antwort darauf gibt dir deine Zulassungsbehörde, nicht der Nachbar. Ein Anruf dort ist die einzige Auskunft, auf die du dich verlassen kannst.
Ein Feierabend, kein Spezialwerkzeug, fünf Bereiche. Das Wichtigste an diesem Abschnitt ist aber nicht die Liste, sondern das Datum: Mach diesen Rundgang nicht am Abend vor dem Termin.
Der Grund ist banal. Eine durchgebrannte Glühlampe kriegst du am Abend davor noch. Bremsbeläge nicht, eine Abnahme für ein Umbauteil nicht, und einen Werkstatttermin schon gar nicht. Wer zwei Wochen Luft hat, kann jeden Fund noch abarbeiten. Wer am Vorabend sucht, hat nur noch die Wahl zwischen hinfahren und hoffen oder absagen.
Nimm dir also etwas zum Schreiben mit: Was du selbst behebst, behebst du gleich, alles andere landet auf der Liste. Und dazu gleich die ehrliche Einschränkung - dieser Rundgang findet, was man sehen kann. Lagerspiel, Rahmenschäden und eine Bremse, die im Grenzbereich versagt, findet er nicht. Dafür fährst du hin.
Zündung an, und dann alles einmal durch: Standlicht, Abblendlicht, Fernlicht, Blinker vorn und hinten auf beiden Seiten, Warnblinker falls vorhanden. Dann das Bremslicht - und zwar zweimal, einmal über den Handhebel und einmal über den Fußhebel. Zwei getrennte Schalter, und dass beide funktionieren, siehst du im Fahren nie.
Der unauffälligste Kandidat steht nicht auf dieser Liste: die Kennzeichenbeleuchtung. Eine kleine Soffitte für ein paar Cent, hinten unten, wo niemand hinschaut, und wenn sie durch ist, merkst du das schlichtweg nie.
Für alles nach hinten brauchst du dafür keinen Helfer: Stell die Maschine im Dunkeln mit dem Heck einen Meter vor eine helle Wand, Zündung an, und betätige Hand- und Fußhebel einzeln. Am roten Schein auf dem Putz siehst du sofort, ob beide Schalter arbeiten und ob das Kennzeichen ausgeleuchtet ist. Für Scheinwerfer und die vorderen Blinker dreh die Maschine um.
Zwei Dinge hängen am selben Zündschlüssel und gehören in dieselbe Runde. Erstens die Hupe: einmal drücken, das war es. Sie steht auf den Checklisten der Prüforganisationen und fällt im Alltag nie auf, weil sie nie benutzt wird. Zweitens das Cockpit: Wenn nach dem Selbsttest eine Kontrollleuchte anbleibt, ist das kein Schönheitsfehler. Eine ABS-Lampe, die dauerhaft leuchtet, sagt, dass die Regelung abgeschaltet ist - und das sieht der Prüfer, bevor du absteigst.
Die gesetzliche Mindestprofiltiefe beträgt 1,6 Millimeter im Hauptprofil - für Kleinkrafträder und Leichtkrafträder, also auch für die 125er, genügt ein Millimeter. Statt mit einer Münze zu hantieren, such die TWI-Marker: kleine Stege im Profilgrund, deren Position auf der Flanke markiert ist. Liegt der Steg auf einer Höhe mit dem Profil, ist die Grenze erreicht.
Dann die Flanke selbst. Risse, Verhärtung, Beulen, freiliegendes Gewebe - all das beanstandet der Prüfer unabhängig vom Profil. Und schau nach, ob die montierte Reifengröße zu deinen Papieren passt. Hier hat sich etwas geändert, das viele noch anders im Kopf haben: Eine Unbedenklichkeitsbescheinigung des Reifenherstellers - früher als Reifenfreigabe bekannt - gilt seit Anfang 2025 nicht mehr als Nachweis. Fährst du eine Größe, die in deinen Papieren nicht auftaucht, klär das vor dem Termin mit der Prüfstelle; auf dem Hof ist es zu spät. Was dagegen unverändert gilt: Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch.
Drei Blicke. Erstens die Belagstärke: Bei den meisten Sätteln siehst du von der Seite oder von oben genug, um die verbliebene Reibschicht zu beurteilen. Zweitens die Scheibe - auf ihr ist die zulässige Mindestdicke eingeprägt, meist am Rand, und wenn du eine deutliche Kante am Außenrand ertastest, hat sie gearbeitet. Drittens der Flüssigkeitsstand zwischen den Markierungen, dazu ein Blick auf Leitungen und Schläuche: keine feuchten Stellen, keine Risse, nichts gescheuert.
Sicherheitshinweis: Wenn du beim Blick auf Beläge, Scheibe oder Bremsflüssigkeit unsicher wirst, ist das kein Grund, es „beim Termin klären zu lassen“. Eine Bremse an der Verschleißgrenze bringt dich nicht heil zur Prüfstelle, nur weil dort jemand darauf wartet. Das gehört vorher in die Werkstatt, und zwar auf einem Anhänger, wenn es sein muss.
Fest, sauber, unverbogen, vollständig lesbar. Keine getönte Abdeckung, kein Rahmen, der Zeichen verdeckt. Die Plakette muss lesbar sein, und der Halter darf nicht wackeln. Wenn du einen Zubehörhalter montiert hast, ist auch das ein Thema für den nächsten Abschnitt.
Und direkt daneben der rote Rückstrahler hinten. Der gehört zur vorgeschriebenen Ausrüstung und sitzt an vielen Maschinen am originalen Kennzeichenhalter - er verschwindet also genau dann, wenn ein kurzer Zubehörhalter drankommt. Wer sein Heck jemals umgebaut hat, schaut hier zweimal hin.
Zwei Punkte, die es am Auto nicht gibt - und die deshalb auf keiner Liste stehen, die du von dort kennst.
Der Ständer soll in Fahrstellung sicher oben bleiben, und danach wird gefragt. Klapp ihn ein paar Mal hoch und lass ihn los: Er gehört von selbst nach oben, nicht irgendwohin dazwischen. Bleibt er unterwegs hängen, hat die Feder ihre Spannung verloren. Hat deine Maschine einen Seitenständerschalter, prüf ihn gleich mit: Motor läuft, Ständer ausgeklappt, ersten Gang einlegen - dann sollte der Motor ausgehen. An manchen älteren Maschinen verhindert der Schalter nur das Starten, das ist dort kein Fehler. Und manche Maschinen haben gar keinen Schalter: Dort zieht die Feder den Ständer schon hoch, wenn du die Maschine nur aufrichtest und ihn dabei entlastest. Ausgeklappt losfahren geht damit nicht, und mehr wird auch nicht verlangt.
Die Kette braucht drei Blicke: Durchhang, Schmierung, steife Glieder. Den Durchhang messen, nicht schätzen - den Wert dafür nennt dein Handbuch. Dann das Hinterrad langsam durchdrehen und schauen, ob die Kette irgendwo klemmt. Zu lose, trocken oder mit spitz gefressenem Kettenrad wird sie angesprochen.
Hier scheitern die Termine, die technisch längst gewonnen waren.
In der Praxis hakt es fast immer am zweiten Spiegelstrich. Ein Teilegutachten allein ist noch nicht das Ende der Geschichte - solche Teile brauchen zusätzlich eine Abnahme, und was du danach in der Hand hast, ist erst mal eine Bescheinigung darüber. Ob damit noch ein Gang zur Zulassungsbehörde fällig ist, hängt am Teil und an dem, was sich dadurch ändert. Eine Allgemeine Betriebserlaubnis funktioniert anders: Die führst du mit. Ob daran Bedingungen hängen, steht auf dem Papier selbst - lies es einmal ganz durch, bevor du davon ausgehst, dass Mitführen reicht. Und im Zweifel ruf vorher bei der Prüfstelle an und frag. Das ist ein Anruf von zwei Minuten und erspart dir eine ganze Anfahrt.
Und ein Tipp aus der Kategorie, die niemand aufschreibt: Fotografier deine Papiere mit dem Handy und leg die Bilder in einen Ordner. Nicht als Ersatz - der Prüfer will das Original. Aber wenn du am Vorabend um elf wissen willst, ob dein Endtopf jetzt eine ABE hat oder ein Gutachten, findest du es in zehn Sekunden statt in einer halben Stunde Kellersuche.
Seit 2006 gehört zur Hauptuntersuchung bei Krafträdern auch eine Abgasuntersuchung, die AUK. Sie betrifft Maschinen mit Ottomotor, die ab 1989 erstmals zugelassen wurden - wer einen älteren Klassiker fährt, ist davon nicht betroffen. Gemessen werden drei Dinge: Motortemperatur, Drehzahl und der Kohlenmonoxid-Anteil im Abgas.
Das erste Wort ist der Grund für diesen Abschnitt. Der Motor muss betriebswarm sein. Wer zehn Minuten vor dem Termin ankommt, die Maschine abstellt und dann noch eine Viertelstunde in der Schlange steht, bringt sie ausgekühlt an die Sonde - und dann läuft sie erst mal warm, während der Prüfer wartet und du dich ärgerst.
Also: Fahr die letzten Kilometer am Stück - und frag beim Anmelden, wie lange es dauert. Wenn dir jemand eine Viertelstunde nennt, ist das kein Grund zu warten, sondern der Grund für eine kurze Runde um den Block, kurz bevor du dran bist. Und wenn es an dem Tag ohnehin kalt ist und regnet, fahr die letzte halbe Stunde über die Landstraße statt durch die Stadt.
Zweite Sache, die nichts kostet: Mach die Maschine sauber. Nicht für den Eindruck - für die Lesbarkeit. Der Prüfer muss deine Fahrzeug-Identifizierungsnummer finden und lesen können, meistens am Rahmen im Bereich des Lenkkopfs, manchmal unter einer Abdeckung. Er muss die Markierungen auf der Reifenflanke lesen können. Er muss sehen, ob irgendwo Öl austritt - und eine Maschine, an der überall alter Straßenfilm klebt, macht diese Frage schwerer, als sie sein müsste.
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Der Termin selbst dauert weniger lang, als die meisten erwarten. Und er läuft in einer Reihenfolge ab, die sich zwischen den Prüfstellen kaum unterscheidet.
Zuerst kommt die Identifizierung: Papiere, Fahrzeug-Identifizierungsnummer, ein Abgleich der Daten. Danach geht der Prüfer einmal um die Maschine herum und schaut sich an, was man sehen kann - Beleuchtung, Reifen, Rahmen, Anbauteile, Undichtigkeiten, Kennzeichen. Das ist der Teil, den dein Rundgang in der Garage vorweggenommen hat.
Dann wird es körperlich. Für das Spiel an Lenkkopflager, Radlagern und Schwinge muss das jeweilige Rad entlastet sein, also kommt die Maschine hoch. Der Prüfer rüttelt am Vorderrad, dreht den Lenker von Anschlag zu Anschlag und horcht auf das, was du im Fahren als „ein bisschen unruhig“ abgetan hast.
Die Bremse läuft am Motorrad anders als am Auto. Der Rollenprüfstand, den du aus der Pkw-Werkstatt kennst, ist für Einspurige nicht überall vorhanden, und an vielen Maschinen lässt sich ein Verzögerungsmessgerät auch gar nicht sinnvoll befestigen. Deshalb wird die Bremswirkung häufig im Fahrversuch beurteilt. Je nach Prüfstelle fährt der Prüfer selbst ein Stück, oder er bittet dich, auf dem Hof zu bremsen, während er zuschaut. Beides ist normal, und es lohnt sich, vorher zu wissen, dass es kommt.
Zum Schluss die Sonde in den Endtopf. Die geht ein gutes Stück hinein, bei kurzen Endrohren mit einer Verlängerung, damit an der Messung nichts vorbeizieht. Und falls es Anlass dazu gibt, ein Blick oder ein Ohr auf die Geräuschentwicklung.
Alles zusammen dauert bei einer unauffälligen Maschine selten länger als dreißig Minuten. Die Kosten für Hauptuntersuchung und Abgasuntersuchung zusammen unterscheiden sich je nach Bundesland und Prüforganisation deutlich; die von den Prüforganisationen veröffentlichten Preise lagen zu Jahresbeginn 2026 grob zwischen 75 und 100 Euro. Was deine Prüfstelle nimmt, steht in der Regel auf ihrer eigenen Seite - und dort steht meist auch, ob du einen Termin brauchst oder einfach vorbeikommen darfst. Beides gibt es, und die Wartezeit auf dem Hof unterscheidet sich erheblich.
Danach bekommst du einen Untersuchungsbericht. Der ist wichtiger als die Plakette, denn dort steht im Klartext, was gefunden wurde - auch das, was noch keine Beanstandung war. Heb ihn auf. Beim nächsten Termin ist die Liste von heute deine Vorbereitung.
Das passiert häufiger, als der Stammtisch zugibt, und es ist kein Drama.
Befunde werden in Stufen sortiert, von der Kleinigkeit über den erheblichen Mangel bis zu dem Fall, in dem die Maschine so nicht weiterfahren soll. Was in welche Stufe fällt und welche davon du selbst beheben darfst, ist ein eigenes, ziemlich umfangreiches Thema.
Für den Termin selbst zählen drei praktische Dinge.
Erstens: Lass dir zeigen, was er meint. Ein Prüfer, der sagt „Lagerspiel vorn“, zeigt dir das auch, wenn du fragst. Du fährst danach zur Werkstatt und kannst genau benennen, worum es geht, statt „irgendwas mit dem Lager“ zu sagen.
Zweitens: Diskutier nicht auf dem Hof. Wenn du eine Einschätzung für falsch hältst, ist der Weg nicht die Debatte zwischen Tür und Angel, sondern die Nachfrage bei der Prüforganisation oder eine zweite Meinung. Auf dem Hof gewinnst du nichts.
Drittens: Bei einem erheblichen Mangel bekommst du keine Plakette, sondern eine Nachuntersuchung. Die ist deutlich günstiger als eine komplette neue Untersuchung, aber nur, wenn die Maschine innerhalb eines Monats nach dem Untersuchungstag wieder vorsteht. Danach ist es eine neue Hauptuntersuchung zum vollen Preis. Teuer wird an der Hauptuntersuchung am Motorrad also selten die Untersuchung selbst - teuer werden die Reparatur und, wenn du den Monat verstreichen lässt, die zweite Rechnung.
Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel ordnet die Lage allgemein und journalistisch ein (Stand: September 2026). Er ist keine Rechtsberatung, und Einzelfälle können anders liegen. Wenn es bei dir konkret wird, frag deine Prüforganisation oder die Zulassungsbehörde.
Bleibt der Fall, den niemand plant und trotzdem viele haben: Der Monat auf der Plakette liegt hinter dir.
Zwei Dinge sind dabei wichtig, und eines davon wird ständig falsch erzählt.
Das erste: Ab einer Überschreitung von mehr als zwei Monaten wird die Untersuchung erweitert. Der Prüfer schaut tiefer hin, das dauert länger, und dementsprechend kostet es mehr - üblicherweise rund zwanzig Prozent Aufschlag. Die aktuellen Gebühren nennt dir deine Prüforganisation, sie unterscheiden sich regional.
Das zweite ist die gute Nachricht, und die kennen erstaunlich wenige: Die Plakette wird nicht rückdatiert. Du bekommst die vollen 24 Monate ab dem Monat der Untersuchung, nicht ab dem Termin, den du verpasst hast. Wer im September vorführt, obwohl im Juni fällig gewesen wäre, ist danach bis September in zwei Jahren durch. Die drei Monate sind nicht verloren.
Was dabei nicht verschwindet: Eine überzogene Hauptuntersuchung am Motorrad ist eine Ordnungswidrigkeit, und was das kostet, steht im Bußgeldkatalog - die aktuelle Fassung liest du dort selbst nach, und sie hängt daran, wie lange du drüber bist.
Bleibt der nüchterne Teil. Die Maschine wird durch eine abgelaufene Plakette nicht schlechter, und sie wird durch eine neue nicht besser. Was die Untersuchung leistet, ist ein Blick von jemandem, der zweihundert Motorräder im Monat sieht und dein Lenkkopflager anders beurteilt als du. Genau dafür lohnt sich der Termin - der Aufkleber ist nur der Beleg dafür, dass jemand hingeschaut hat.
Wie oft muss ein Motorrad zur HU?
Alle 24 Monate, und das schon ab der Erstzulassung. Die beim Pkw übliche längere Erstfrist gibt es beim Kraftrad nicht, auch eine fabrikneue Maschine muss nach zwei Jahren antreten. Geregelt ist das in § 29 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung mit Anlage VIII.
Was muss ich zur HU mitbringen?
Die Zulassungsbescheinigung Teil I und für jedes nachträglich montierte Teil den passenden Nachweis, also ABE oder Teilegutachten. Fährst du eine Reifengröße, die in den Papieren nicht steht, brauchst du dafür einen Nachweis - die alte Reifenfreigabe des Herstellers ist seit Anfang 2025 keiner mehr. Fehlt ein Papier, war die Anfahrt umsonst.
Wie lese ich die Prüfplakette richtig?
Die Zahl in der Mitte ist das Jahr. Der Zahlenring außen sind die Monate, und die Plakette wird so montiert, dass der fällige Monat auf zwölf Uhr steht - du musst also nur schauen, welche Zahl oben ist. Verbindlich ist trotzdem der Eintrag unter Ziffer 7.1 in der Zulassungsbescheinigung Teil I.
Muss das Motorrad zur HU warm sein?
Wenn deine Maschine der Abgasuntersuchung unterliegt, ja. Betroffen sind Krafträder mit Ottomotor ab Erstzulassung 1989; gemessen werden Motortemperatur, Drehzahl und der Kohlenmonoxid-Anteil, und dafür muss der Motor betriebswarm sein. Wer weit vor dem Termin ankommt und die Maschine auskühlen lässt, wartet nachher, bis sie wieder warm ist.
Wie wird die Bremse am Motorrad geprüft?
Anders als am Auto oft nicht auf dem Rollenprüfstand. Nicht jede Prüfstelle hat einen für Einspurige, und an vielen Maschinen lässt sich ein Verzögerungsmessgerät nicht sinnvoll befestigen. Deshalb wird die Bremswirkung häufig im Fahrversuch beurteilt - entweder fährt der Prüfer selbst, oder du bremst auf dem Hof, während er zuschaut.
Was passiert, wenn ich die HU überziehe?
Ab mehr als zwei Monaten Überschreitung wird die Untersuchung erweitert und kostet rund zwanzig Prozent mehr. Die Plakette wird dabei nicht rückdatiert: Du bekommst die vollen 24 Monate ab dem Monat der Untersuchung. Dass die Überschreitung selbst eine Ordnungswidrigkeit ist, bleibt davon unberührt - was sie kostet, steht im Bußgeldkatalog.
Was ist der Unterschied zwischen Nachuntersuchung und neuer HU?
Bei einem erheblichen Mangel bekommst du keine Plakette, sondern eine Nachuntersuchung. Dabei wird nur der beanstandete Punkt erneut angeschaut, was deutlich günstiger ist als eine komplette Untersuchung. Voraussetzung ist, dass die Maschine innerhalb eines Monats nach dem Untersuchungstag wieder vorsteht - danach ist es eine neue Hauptuntersuchung zum vollen Preis.
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