Dein Motorradreifen ist neu - und trotzdem alt

Der Reifenmann wischt sich die Hände ab und sagt den Satz, den du kennst: „Fabrikneu, direkt vom Hersteller.“ Er lügt dabei nicht einmal. Der Reifen war nie montiert, nie gefahren, nie im Regen. Er lag nur zweieinhalb Jahre in einem Lager in Belgien, bevor er heute Morgen an dein Hinterrad kam.

Vier Ziffern auf der Flanke hätten dir das vor der Montage verraten. Das Reifenalter am Motorrad steht dort in Klartext eingeprägt, jeder kann es lesen, es kostet zwei Minuten - und trotzdem schaut kaum jemand hin, weil wir alle auf die Profiltiefe konditioniert sind. Nur ist Profil das eine. Gummi, das seine Eigenschaften verliert, ist etwas völlig anderes, und es meldet sich nicht mit einer Verschleißanzeige.

Ist ein Reifen aus dem Lager ein schlechter Kauf?

Bevor daraus eine Empörungsgeschichte wird, muss ich meine eigene Eingangsszene zurechtrücken. Die Aufregung über den „zwei Jahre alten Neureifen“ ist zur Hälfte unbegründet, und wer das nicht dazusagt, verkauft dir Panik.

Der Reifenhandel arbeitet mit zwei Begriffen, und die sind schärfer, als die meisten denken. Nach der Position des Bundesverbands Reifenhandel gilt ein sachgerecht gelagerter, nie montierter Reifen bis zu einem Alter von drei Jahren als fabrikneu und bis zu höchstens fünf Jahren als neu.

Das ist keine Schummelei einzelner Händler, sondern die erklärte Linie der Branchenverbände. Der Grund dahinter ist handfest: Ein unmontierter, kühl, trocken und dunkel gelagerter Reifen steht nicht unter Spannung, sieht kein UV-Licht, wird nicht gewalkt und nicht erhitzt. Der Alterungsprozess, um den es in diesem Artikel geht, läuft unter diesen Bedingungen sehr viel langsamer.

Es gibt dazu sogar einen Versuch aus der Fachpresse, und sein Ergebnis ist unbequem für alle, die gern über Lagerreifen schimpfen. Zwei identische Reifensätze wurden ein Jahr lang unterschiedlich gelagert - einer ideal, der andere in einem Gewächshaus unter UV und Hitze, was einer beschleunigten Alterung von etwa vier bis fünf Jahren entsprechen sollte.

Im anschließenden Handlingparcours ließen sich keine messbaren Unterschiede feststellen. Nur im Nassteil fiel der gealterte Satz leicht ab. Das ist nicht nichts - aber es ist weit entfernt von der halbierten Lebensdauer, die in einschlägigen Foren gern behauptet wird.

Was bleibt trotzdem ein berechtigter Einwand? Die Uhr. Wenn ein Reifen bei der Montage schon zweieinhalb Jahre auf dem Buckel hat, ist das Fenster, in dem er montiert Dienst tun soll, entsprechend kürzer. Und ein Hersteller wie Bridgestone gibt Ware, die älter als drei Jahre ist, mit Nachlass an den Handel weiter - dass dieser Nachlass beim Kunden ankommt, ist keineswegs selbstverständlich.

Der ADAC zieht die Linie deshalb enger als die Verbände: Ein Neureifen sollte beim Kauf nicht älter als zwei Jahre sein, und wer sichergehen will, hält genau das bei der Auftragserteilung schriftlich fest. Das ist der praktisch nützlichste Satz zu diesem ganzen Thema, weil er dir eine Handlung gibt statt einer Meinung.

Es gibt noch einen Grund, warum diese zwei Jahre am Motorrad schwerer wiegen als am Auto: Wir fahren zu wenig. Bei den Kilometern, die ein durchschnittliches Motorrad im Jahr macht, bleibt ein Reifen sechs, sieben Jahre auf der Felge, bevor sein Profil aufgebraucht ist.

Montierst du einen, der schon fünf Jahre im Regal lag, ist er am Ende seines Nutzungslebens zehn Jahre alt. Genau da hört jede Diskussion auf. Der Lagerreifen ist also kein akutes Sicherheitsproblem - aber er frisst dir von hinten die Zeit weg, die du eigentlich noch hättest.

Also: nach dem DOT fragen, bevor der Reifen auf die Maschine kommt - wie du die vier Ziffern liest, steht im nächsten Abschnitt - und die Zwei-Jahres-Grenze in den Auftrag schreiben lassen. Alles darüber ist keine Katastrophe - aber es ist eine Frage, die vor der Montage geklärt gehört und nicht danach. Der Reifen aus dem Einstieg, zweieinhalb Jahre alt und wortreich als fabrikneu verkauft, wäre damit gar nicht erst an die Maschine gekommen.

Wo stehen die vier Ziffern - und was sagen sie?

Such auf der Seitenwand nach den drei Buchstaben DOT. Direkt dahinter steht eine Kombination aus Buchstaben und Zahlen - Werkscode, Größenschlüssel, manchmal eine herstellerinterne Kennung. Die versuch gar nicht erst zu entschlüsseln.

Interessant sind nur vier Ziffern, und die stehen bei vielen Fabrikaten gar nicht direkt hinter dem Rest, sondern abgesetzt in einem eigenen erhabenen Oval, das aussieht wie eine Pille. Das ist ein Wechselschild in der Form, deshalb sitzt es manchmal ein gutes Stück weiter auf der Flanke. Wenn du also hinter dem DOT nur Buchstabensalat findest: Geh die Flanke im Kreis ab, das Oval kommt.

Die ersten beiden sind die Kalenderwoche, die letzten beiden das Jahr. 1425 heißt also: 14. Woche 2025, also Anfang April. 0326 heißt: dritte Januarwoche dieses Jahres. Mehr Systematik steckt nicht dahinter, und genau deshalb ist es so ärgerlich, dass so wenige diese Zahl kennen.

Der Code steht meistens nur auf einer Seite

Wenn du an deinem Motorrad kniest und auf der Seite, die dir zugewandt ist, nichts findest: Das ist normal, kein Fehler und kein Grund zur Sorge. Die zugrunde liegende US-Vorschrift verlangt die vollständige Kennnummer nur auf einer Flanke des Reifens. Auf der anderen Seite steht bei vielen Fabrikaten nur ein Teil davon, und das Datum fehlt dort schlicht.

Für dich heißt das: Du musst unter Umständen auf die andere Seite des Rades wechseln. Vorn ist das leicht, hinten zwischen Auspuff, Kettenschutz und Schwinge wird es fummelig - und dort hilft die banalste aller Methoden: Handy mit Blitz hinhalten, Foto machen, auf dem Display hineinzoomen.

Drei Ziffern statt vier: der alte Code

Wenn du an einem älteren Motorrad nur drei Ziffern findest, hast du einen Reifen aus dem letzten Jahrhundert vor dir. Bis Ende 1999 war der Code dreistellig: zwei Ziffern Woche, eine Ziffer Jahr. Und nein, das Jahrzehnt musst du dabei nicht raten - dafür gibt es ein kleines Dreieck hinter der Zahlenfolge. Steht es da, ist der Reifen aus den Neunzigern; fehlt es, aus den Achtzigern. „115“ mit Dreieck heißt also 11. Woche 1995, ohne Dreieck 11. Woche 1985.

An einem Motorrad, das gefahren wird, hat so ein Reifen nichts mehr zu suchen. Kein Zweifel, keine Diskussion, kein „der sieht doch noch gut aus“. Bei einem Scheunenfund ist das ein anderes Thema, aber auch dort gilt: Der Reifen ist ein Transportmittel bis zur nächsten Werkstatt, nicht mehr.

Jetzt an deinem eigenen Motorrad

Das hier ist der einzige Abschnitt, für den du aufstehen musst. Geh raus, such an beiden Rädern das DOT-Feld, lies die letzten vier Ziffern und rechne aus, wie alt deine Reifen wirklich sind. Werkzeug brauchst du dafür keines, nur eine Taschenlampe oder ein Handy - und die Bereitschaft, dich einmal hinzuknien. Wenn du danach weißt, dass dein Vorderreifen aus der 30. Woche 2020 stammt, hast du in zwei Minuten mehr über deine Maschine erfahren als in der ganzen letzten Saison. Was diese Zahl wert ist, klärt der Rest des Artikels.

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    Die zweite Zahl: 1,6 Millimeter sind Vorschrift, der ADAC rät schon bei zwei zum Wechsel. Das Alter des Gummis sagt er dir allerdings nicht.

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Was verliert ein Reifen, der nur herumsteht?

Ein Reifen besteht aus mehreren Dutzend Zutaten, und ein Teil davon ist flüchtig. Weichmacher wandern über die Jahre aus der Mischung heraus, die Schutzstoffe gegen Sauerstoff und Ozon verbrauchen sich. Was bleibt, ist ein Material, das härter ist als am ersten Tag.

Härter klingt harmlos. Für einen Reifen ist es das Gegenteil, weil Haftung auf zwei Dingen beruht. Das eine ist die Reibung im engeren Sinn. Das andere ist die Fähigkeit des Gummis, sich in die feinen Spitzen und Rauheiten des Asphalts hineinzudrücken und sie zu umschließen. Genau diese Fähigkeit verliert eine gealterte Mischung zuerst.

Das erklärt, warum sich ein alter Reifen im Trockenen bei Landstraßentempo oft völlig unauffällig anfühlt. Da reicht die verbliebene Haftung locker. Auffällig wird er bei Nässe, bei Kälte und in den Momenten, in denen du wirklich alles brauchst - also genau dann, wenn niemand einen Test machen wollte.

⚠️ Sicherheitshinweis: Ein gealterter Reifen verliert seinen Grip nicht gleichmäßig, sondern zuerst dort, wo du ihn im Ernstfall brauchst: bei Nässe, bei niedrigen Temperaturen und bei Vollbremsungen. Das Vertrauen, das dir trockene Sommerkilometer geben, deckt diese Situationen nicht ab.

Es gibt dafür ein Bild, das jeder Schrauber kennt: den Gummischlauch, der jahrelang in der Ecke lag. Beim ersten Biegen fühlt er sich normal an, beim zweiten knackt er. Dem Reifen passiert dasselbe - nur langsamer und ohne den hörbaren Moment dazwischen, sodass du dich Stück für Stück an das gewöhnst, was der Gummi noch kann.

Ein zweiter Punkt kommt dazu, den viele unterschätzen: UV-Licht. Ein Motorrad, das jeden Sommer draußen unter dem Carport steht, altert seine Reifen deutlich schneller als eines in einer dunklen Garage. Der ADAC weist ausdrücklich darauf hin, dass die Verhärtung früher einsetzen kann, wenn die Maschine viel in der Sonne steht.

Reifenalter am Motorrad: fünf, sechs, sieben oder zehn Jahre?

Wenn du fünf Quellen fragst, bekommst du fünf Zahlen. Das liegt nicht daran, dass eine davon falsch ist, sondern daran, dass sie verschiedene Fragen beantworten.

Michelin empfiehlt, Reifen ab dem fünften Jahr im Gebrauch jährlich von einem Fachbetrieb prüfen zu lassen, und rät, alle Reifen, die zehn Jahre lang nicht ausgetauscht wurden, sicherheitshalber zu wechseln. Der ADAC formuliert es strenger: Eine Nutzung über das sechste Jahr hinaus wird üblicherweise nicht mehr empfohlen. Die Fachpresse zieht die Linie bei montierten Reifen spätestens nach sieben Jahren, weil dann die Leistungsfähigkeit trotz ausreichenden Profils spürbar nachgelassen habe.

Fünf, sechs, sieben, zehn - das sieht nach Widerspruch aus und ist keiner. Zehn Jahre ist die absolute Obergrenze. Fünf ist der Punkt, ab dem hingeschaut wird. Sechs bis sieben ist das Fenster, in dem ein gefahrener Reifen ohnehin fällig wird.

Für den Alltag heißt das etwas sehr Einfaches: Zwischen fünf und sechs Jahren wird das Alter zum eigenständigen Grund, den Reifen zu tauschen - unabhängig davon, was das Profil sagt. Vorher entscheidet der Zustand. Was für deine Maschine und deine Reifenfreigabe gilt, steht nirgends besser als bei dir zu Hause: Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch.

Welche Risse sind gefährlich - und welche nicht?

Es gibt zwei Sorten Risse, und sie bedeuten nicht dasselbe. Wer sie verwechselt, wirft entweder einen brauchbaren Reifen weg oder fährt auf einem, der wegmuss.

Die weniger dramatisch aussehende Variante sind feine Risse am Grund der Profilrillen oder zwischen den Blöcken. „Harmlos“ ist das falsche Wort dafür: Sie zeigen, dass die Mischung spröde geworden ist, und sie werden nicht wieder besser. Wenn die Substanz weiter nachlässt, steigt die Gefahr, dass sich Profilteile lösen - und das passiert dann bei Tempo und nicht in der Garage. Solche Risse sind also kein Zustand, den du beobachtest, sondern der Startschuss für einen Termin.

Die ernste Variante sind Risse in der Seitenwand. Die Flanke ist der Teil des Reifens, der bei jeder Umdrehung durchgeknetet wird und der Last und Seitenführung trägt. Rissbildung dort schwächt die Struktur, und im schlechtesten Fall bedeutet das plötzlichen Druckverlust bei hoher Belastung. Ein Reifen mit Rissen in der Flanke gehört runter, und zwar ohne Diskussion über das Restprofil. Was die Sache tückisch macht: Diese Risse sitzen gern in der Nähe der Felge, wo sie kaum jemand sucht.

Dazu kommt die Stelle, an der beide Sorten zusammentreffen: den Übergang von der Lauffläche zur Schulter. Wenn du dort feine Linien siehst, die quer zur Laufrichtung stehen, hat der Reifen an einer Stelle angefangen zu reißen, die bei jeder Kurve arbeitet. Das ist kein Beobachtungsfall mehr.

Bleibt der Punkt, an dem ich meine eigene Recherche korrigieren muss - weil hier ein Irrtum kursiert, der auch in der Fachpresse steht. Ein bräunlicher, matter Schleier auf der Flanke gilt weithin als Alterssignal. Chemisch ist er das Gegenteil.

Was du da siehst, sind die Schutzstoffe des Reifens bei der Arbeit. Moderne Mischungen enthalten sogenannte Antiozonantien, allen voran eine Substanz mit dem Kürzel 6PPD. Die wandert von innen langsam an die Oberfläche und reagiert dort mit Sauerstoff und Ozon, bevor die beiden das Gummi selbst angreifen können - ein Opferanstrich, der sich ständig erneuert. Dabei verfärbt er sich braun. Das nennt sich Blooming, es passiert auch an fabrikneuen Reifen, es tritt bei Sonne und Hitze stärker auf, und es ist kein Schmutz.

Heißt für dich vor allem: liegen lassen. Wenn es dich optisch stört, geh mit mildem Seifenwasser und einem weichen Lappen ran - aber niemals mit Bremsenreiniger oder scharfem Lösungsmittel. Damit wäschst du genau die Schutzschicht weg, die dort gerade ihre Arbeit macht, und der Reifen muss sie aus seinem Vorrat neu nachliefern.

Die Warnzeichen, auf die es ankommt, sind die aus den beiden Absätzen davor: Risse und ein Gummi, das sich hart und tot anfühlt. Ein Reifen, der braun blüht, sagt dir nur, dass sein Schutzsystem noch etwas zu tun hat.

Warum ist der Vorderreifen fast immer der ältere?

Ein Zusammenhang, den selten jemand ausspricht, obwohl er die Entscheidung erklärt.

Der Hinterreifen überträgt das Antriebsmoment und trägt beim Beschleunigen die größere Last. Er hält je nach Maschine und Fahrweise grob zwischen 6.000 und 12.000 Kilometern, sportlich gefahren auch weniger. Der Vorderreifen wird dagegen vor allem beim Bremsen und in der Kurve gefordert, sein Profil hält deutlich länger - Größenordnung 10.000 bis 20.000 Kilometer, bei Tourenreifen mehr.

Rechne das jetzt gegen die Jahre, mit einer Zahl, die viele überrascht: Das Kraftfahrt-Bundesamt kommt für Krafträder zuletzt auf gut 2.000 Kilometer im Jahr - ermittelt aus den Tachoständen bei der Hauptuntersuchung, nicht aus Umfragen. Der Trend zeigt seit Jahren nach unten.

Bei dieser Fahrleistung ist der Hinterreifen nach drei bis sechs Jahren am Ende seines Profils. Der Vorderreifen bräuchte fünf bis zehn. Und damit läuft er in fast jedem Fall in die Altersgrenze, bevor die Verschleißanzeige überhaupt etwas dazu sagt.

Ein Sonderfall, den bei diesem Thema fast alle vergessen: Speichenräder mit Schlauch, also der halbe Enduro- und Klassikerbestand. Dort altert nicht nur die Decke, sondern auch der Schlauch darin - und der ist ein Verschleißteil, das beim Reifenwechsel mit rausgehört und nicht „noch mal mitgemacht“ wird. Der Unterschied im Ernstfall ist erheblich: Ein schlauchloser Reifen verliert die Luft meist langsam genug, um noch anzuhalten. Ein platzender Schlauch ist in einer Sekunde leer.

Deshalb ist der Vorderreifen fast immer der ältere am Motorrad, und deshalb ist er der, an dem du nachschauen solltest. Ausgerechnet das Rad, an dem in einer Vollbremsung fast die gesamte Verzögerung hängt - und dessen Wegrutschen sich im Gegensatz zum Hinterrad praktisch nicht mehr abfangen lässt. Das ist der eigentliche Grund, warum sich dieser ganze Artikel lohnt.

Wenn du beide Reifen gleichzeitig neu bekommst, hast du dieses Problem für ein paar Jahre nicht - dafür ein anderes, nämlich zwei nagelneue Reifen gleichzeitig einzufahren.

Weil an dieser Stelle die Frage nach der Untergrenze kommt: Vorgeschrieben sind 1,6 Millimeter im Hauptprofil, für Kleinkrafträder und Leichtkrafträder - also auch für die 125er - genügt 1 Millimeter (§ 36 Abs. 3 StVZO, Stand September 2026).

Die zweite Zahl ist allerdings eine Grenze und keine Empfehlung: Eine 125er von heute läuft weit über 100 km/h, und ein Millimeter Profil verdrängt bei diesem Tempo im Regen fast kein Wasser mehr. Der ADAC rät unabhängig von der Fahrzeugklasse, spätestens bei zwei Millimetern zu wechseln. Ob ein bestimmter Reifen an deinem Motorrad beanstandet wird, sagt dir die Prüforganisation bei der Hauptuntersuchung - und die schaut sich dabei nicht nur die Zahlen an, sondern den Reifen.

Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel ordnet die Lage allgemein und journalistisch ein (Stand: September 2026). Er ist keine Rechtsberatung, und Einzelfälle können anders liegen. Wenn es bei dir konkret wird, frag eine Prüforganisation, deinen Versicherer oder einen Fachanwalt für Verkehrsrecht.

Und wer entscheidet das jetzt?

In Deutschland gibt es kein gesetzliches Höchstalter für Motorradreifen. Alle Altersangaben in diesem Artikel - fünf, sechs, sieben, zehn - sind Empfehlungen von Herstellern, Verbänden und Clubs, und sie beantworten unterschiedliche Fragen. Diese Entscheidung trifft also niemand für dich.

Drei Dinge liegen dabei auf dem Tisch, und du kennst sie nach diesem Artikel alle drei: das Datum auf der Flanke, der Zustand von Profil, Flanke und Schulter, und die Art, wie du fährst. Ein sechs Jahre alter Tourenreifen an einer Maschine, die im Sommer bei Sonnenschein bewegt wird, ist etwas anderes als derselbe Reifen an einem Motorrad, das im November über nasse Landstraßen geht. Die Zahl allein entscheidet nichts, aber sie ist der Einstieg in die Frage.

Was dir beim Händler bleibt, sind zwei Sätze. Der erste: „Wie alt ist der Reifen, den du montierst?“ Der zweite: „Schreib mir bitte in den Auftrag, dass er bei der Montage nicht älter als zwei Jahre ist.“ Der erste kostet nichts, der zweite ist die einzige Absicherung, die du in dieser Sache selbst in der Hand hast.

Und wenn du dann feststellst, dass deine beiden Reifen aus verschiedenen Jahren stammen und der vordere der ältere ist: Das ist der Normalfall, kein Versäumnis. Es ist nur eben ein Normalfall, von dem die meisten nichts wissen - bis sie einmal hingeschaut haben.

❓ Häufige Fragen zum Reifenalter am Motorrad

Wie lese ich die DOT-Nummer richtig?

Such auf der Seitenwand die Buchstaben DOT. Entscheidend sind die letzten vier Ziffern der Kennung: Die ersten beiden stehen für die Kalenderwoche, die letzten beiden für das Jahr. 1425 bedeutet also 14. Woche 2025. Ein dreistelliger Code stammt aus der Zeit vor dem Jahr 2000.


Warum finde ich die DOT-Nummer nur auf einer Seite des Reifens?

Weil die zugrunde liegende Vorschrift die vollständige Kennnummer nur auf einer Flanke verlangt. Auf der Gegenseite steht bei vielen Reifen nur ein Teil der Kennung ohne Datum. Wenn du auf der zugewandten Seite nichts findest, schau auf der anderen nach - beim Hinterrad hilft ein Handyfoto mit Blitz.


Wie alt darf ein Motorradreifen sein?

Ein gesetzliches Höchstalter gibt es in Deutschland nicht. Die Empfehlungen liegen zwischen fünf und zehn Jahren: Michelin rät ab dem fünften Jahr zur jährlichen Kontrolle und spätestens nach zehn Jahren zum Wechsel, der ADAC empfiehlt eine Nutzung über das sechste Jahr hinaus nicht mehr. In der Praxis wird das Alter zwischen fünf und sechs Jahren zum eigenständigen Wechselgrund.


Ist ein zwei Jahre alter Reifen aus dem Lager ein schlechter Kauf?

Sicherheitstechnisch meist nicht. Ein unmontierter Reifen, der kühl, trocken und dunkel gelagert wurde, altert deutlich langsamer als einer am Fahrzeug. Der Bundesverband Reifenhandel sieht einen sachgerecht gelagerten Reifen bis drei Jahre als fabrikneu und bis fünf Jahre als neu an. Der ADAC empfiehlt dagegen, beim Kauf nicht über zwei Jahre zu gehen und das im Auftrag festzuhalten. Frag also nach dem DOT, bevor der Reifen montiert wird.


Sind Risse im Reifen immer ein Grund zum Wechseln?

Nein, aber es kommt darauf an, wo. Feine Risse am Grund der Profilrillen sind ein Alterssignal und ein Grund, den Wechsel einzuplanen. Risse in der Seitenwand sind etwas anderes: Sie schwächen den Teil des Reifens, der Last und Seitenführung trägt, und bedeuten Wechsel ohne Diskussion über das Restprofil.


Meine Reifenflanke ist braun geworden. Ist der Reifen hin?

Nein, im Gegenteil. Der bräunliche Schleier heißt Blooming: Das Schutzmittel 6PPD wandert aus der Mischung an die Oberfläche und reagiert dort mit Sauerstoff und Ozon, bevor die das Gummi angreifen können. Das passiert auch an fabrikneuen Reifen und wird durch Sonne und Hitze verstärkt. Die echten Warnzeichen sind Risse und ein hart gewordener Gummi.


Warum ist mein Vorderreifen meistens älter als der hintere?

Weil der Hinterreifen das Antriebsmoment überträgt und schneller verschleißt - grob 6.000 bis 12.000 Kilometer gegenüber 10.000 bis 20.000 vorn. Bei der durchschnittlichen Fahrleistung von gut 2.000 Kilometern im Jahr, die das Kraftfahrt-Bundesamt für Krafträder ausweist, ist der Hinterreifen nach drei bis sechs Jahren durch, der Vorderreifen bräuchte fünf bis zehn. Er erreicht damit die Altersgrenze, bevor sein Profil aufgibt.


Was ist die Mindestprofiltiefe bei Motorradreifen?

1,6 Millimeter im Hauptprofil; für Kleinkrafträder und Leichtkrafträder, also auch für die 125er, genügt 1 Millimeter (§ 36 Abs. 3 StVZO, Stand September 2026). Der ADAC empfiehlt unabhängig davon, spätestens bei zwei Millimetern zu wechseln, weil die Wasserableitung schon deutlich vorher nachlässt. Was an deinem Motorrad im Einzelfall beanstandet wird, sagt dir die Prüforganisation bei der Hauptuntersuchung.

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