
Gas in der Luft macht den Sprung nicht weiter. Kein Zentimeter. Sobald das Hinterrad die Kante verlassen hat, ist deine Flugbahn festgeschrieben - Absprunggeschwindigkeit, Absprungwinkel, Erdanziehung, fertig. Alles, was du danach mit Gas, Bremse und Körper machst, ändert genau eine Sache: wie das Motorrad in dieser Flugbahn steht.
Das klingt nach Haarspalterei, ist aber der ganze Unterschied zwischen jemandem, der springt, und jemandem, der geworfen wird. Und es erklärt auch, warum bei der Sprungtechnik im Gelände so viele Leute zu kurz oder zu steil landen, obwohl sie „genug Gas“ hatten. Sie haben am falschen Ende gedreht.
In dem Moment, in dem beide Räder frei sind, wird dein Motorrad zu einem geschlossenen System. Von außen greift nur noch die Schwerkraft an, und die zieht am Schwerpunkt, dreht dich also nicht. Alles, was sich am Drehwinkel deiner Maschine ändert, muss deshalb von innen kommen - und drinnen dreht sich vor allem eines schnell genug, um etwas zu bewirken: die Räder. Die Kurbelwelle zählt mit, ihr Anteil ist gegenüber einem Rad aber klein.
Beschleunigst du das Hinterrad mit Gas, dreht es sich schneller vorwärts. Weil die Summe der Drehbewegungen erhalten bleibt, muss das restliche Motorrad in die Gegenrichtung ausweichen: Das Heck geht runter, die Nase steigt. Bremst du das Hinterrad ab, passiert das Umgekehrte. Das Rad verliert Drehung, das Chassis nimmt sie auf - das Heck steigt, die Nase senkt sich.
Das ist übrigens kein Kreiseleffekt, auch wenn es oft so genannt wird. Es ist schlicht das Gegenstück zum Rückstoß: Wenn du etwas drehst, dreht es dich zurück. Genau deshalb funktioniert der Trick auch nur so lange, wie sich das Rad noch dreht. Ein Hinterrad, das in der Luft schon steht, gibt dir nichts mehr her.
Die zweite Einflussgröße bist du selbst. Verlagerst du dein Gewicht nach vorn, kippt die Maschine mit der Nase nach unten; gehst du zurück, hebt sie die Nase an. Das wirkt langsamer als Gas und Bremse, dafür stufenlos und ohne Motor.
Und der dritte, den fast alle unterschätzen: Was das Fahrwerk in der letzten Sekunde vor der Kante macht, entscheidet über den Absprungwinkel. Genau darum geht es in der Hälfte dieses Artikels.
Anfahrt. Stehend, Knie leicht gebeugt, Ellbogen raus, Blick nicht auf die Kante, sondern dahin, wo du landen willst. Die Geschwindigkeit legst du hier fest und nicht mehr später - und du legst sie so fest, dass du die Landezone vorher gesehen hast. Der klassische Anfängerfehler ist nicht zu wenig Gas, sondern eine Landezone, die niemand angeschaut hat.
Absprung. Hier passiert die eigentliche Arbeit, und hier hält sich der zäheste Irrtum: dass du das Motorrad am Lenker hochreißen musst. Musst du nicht. Du drückst auf der Rampe mit den Beinen nach unten und spannst dabei den Körper an - das Fahrwerk federt ein. Und dann lässt du es an der Kante von selbst wieder ausfedern, während Knie und Ellbogen locker bleiben und die Maschine zu dir hochkommt. Der Schub kommt aus dem Fahrwerk, nicht aus deinen Armen.
Wer stattdessen am Lenker zieht, verlagert Gewicht nach hinten und stört genau die Position, die er in der Luft bräuchte - neutral über dem Motorrad, weder vorn noch hinten. Und wenn du flach bleiben willst statt hoch, machst du dasselbe umgekehrt: Du nimmst die Bewegung des Fahrwerks mit dem Körper auf, statt sie zu verstärken.
Flug. Jetzt gilt das aus dem letzten Abschnitt. Sinkt das Vorderrad zu tief, gibst du kurz Gas und die Nase kommt hoch. Zeigt die Nase zu weit nach oben, tippst du die Hinterradbremse an - das Heck bekommt Auftrieb, die Nase kommt runter. Beides in kleinen Dosen. In der Luft passiert alles schneller, als es sich am Boden anfühlt.
Und ein Wort zur Vorderradbremse: Finger weg. Nicht, weil sie die Nase besonders wirksam senken würde - das tut sie kaum. Am Hinterrad hängt über Kette und Getriebe der halbe Motor, deshalb wirkt dort jeder Bremsimpuls; das leichte Vorderrad allein bewegt am Winkel der Maschine wenig. Der Schaden entsteht woanders: Ein Vorderrad, das in der Luft steht, kann bei der Landung nicht abrollen. Es gräbt sich ein oder schiebt seitlich weg, und beides schickt dich über den Lenker. Und anders als hinten holst du dich mit Gas nicht zurück.
Landung. Beide Räder gleichzeitig, oder das Hinterrad einen Wimpernschlag früher. Und noch in der Luft, nicht erst beim Aufsetzen, muss das Hinterrad wieder drehen: Kupplung kommen lassen und dabei etwas Gas, damit sich das Rad auf Fahrgeschwindigkeit hochdreht, bevor es den Boden berührt. Die Beine sind Federelemente, nicht Stützen. Wer mit durchgestreckten Knien landet, fängt nichts ab, sondern leitet die Energie durch eine starre Kette: zuerst in Sprunggelenk und Knie, wo Menisken und Bänder sitzen, und was dort nicht bleibt, geht weiter ins Kreuz.
Und jetzt kommt das Detail, das in Fahrtechnikvideos schnell untergeht und in der Praxis den Unterschied macht.
Wenn du in der Luft die Hinterradbremse antippst, bremst du nicht nur das Rad. Bei eingelegtem Gang und geschlossener Kupplung hängt am Hinterrad über Kettenrad und Getriebe der ganze Motor. Du bremst ihn also mit. Bei niedriger Drehzahl - und niedrige Drehzahl hast du oft genau dann, wenn du das Gas vor der Kante zugemacht hast - reicht das, um ihn abzuwürgen.
Sicherheitshinweis: Ein Motor, der in der Luft ausgeht, nimmt dir zwei Dinge gleichzeitig: die Möglichkeit, mit Gas gegenzusteuern, und ein Hinterrad, das sich bei der Landung mitdreht. Du setzt dann mit stehendem Hinterrad und ohne jede Korrekturmöglichkeit auf. Das endet regelmäßig im Sturz - und bei einem Sprung ist ein Sturz kein Umfaller.
Die Lösung ist unspektakulär: Ein Finger bleibt an der Kupplung. Gehst du in der Luft auf die Hinterradbremse, ziehst du gleichzeitig die Kupplung. Damit trennst du den Motor vom Hinterrad, das Rad lässt sich bremsen, der Motor läuft weiter.
Und jetzt der Teil, an dem sich viele Anleitungen selbst widersprechen: Die Kupplung kommt noch in der Luft wieder, nicht beim Aufsetzen. Solange sie gezogen ist, hängt am Hinterrad kein Antrieb - du kannst Gas geben, so viel du willst, das Rad dreht sich davon nicht. Also: rechtzeitig vor der Landung Kupplung kommen lassen und gleichzeitig etwas Gas, damit das Rad hochdreht.
Wer die Kupplung stattdessen im Moment des Aufsetzens fallen lässt, macht beides gleichzeitig falsch: Er landet mit einem stehenden Hinterrad, das schlagartig auf Fahrgeschwindigkeit gerissen wird, und schickt diesen Schlag durch Kette, Getriebe und Kupplung. Genau für solche Lastspitzen sind Kupplungen ausgelegt, sie zu überstehen - nicht dafür, dass es Absicht ist.
Das Ganze ist reine Gewohnheitssache. Wer sich angewöhnt, im Gelände generell mit einem Finger an der Kupplung zu fahren, hat den Griff da, wenn er ihn braucht - und muss in der Luft nicht nachdenken.
Jetzt zum unangenehmen Teil, und der betrifft vor allem alle, die mit einer Reiseenduro ins Gelände fahren.
Fang mit den Zahlen an. Eine ausgewachsene Sportenduro steht mit rund 105 Kilogramm ohne Kraftstoff im Datenblatt. Eine große Reiseenduro liegt fahrfertig jenseits von 230. Die Werte sind unterschiedlich gemessen, das ändert am Bild aber nichts: Die Reiseenduro bringt gut das Doppelte auf die Landung. Und die Energie, die dein Fahrwerk beim Aufsetzen schlucken muss, wächst mit dem Gewicht und mit der Fallhöhe gleichzeitig.
Damit fängt eine Kette an, und sie hat vier Glieder.
Es beginnt bei den Federn. Ein Serienfahrwerk an einer Reiseenduro ist auf Komfort und Straßenlast ausgelegt, auf Fahrer plus Sozius plus Koffer - nicht auf einen Einschlag aus zwei Metern. Zu weich heißt, dass die Maschine schon beim Anfahren der Rampe tief einfedert und dir damit einen guten Teil des Weges wegnimmt, den du bei der Landung bräuchtest.
Die Dämpfung ist der zweite Punkt, und sie versagt zeitversetzt. Ein Dämpfer wandelt Bewegungsenergie in Wärme um; ein Geländefahrwerk ist darauf ausgelegt, das rundenlang und in kurzen Abständen zu tun, ein Tourenfahrwerk nicht. Es wird heiß, das Öl wird dünner, die Dämpfung lässt nach. Deshalb fühlt sich die Sache bei der ersten Landung in Ordnung an und bei der dritten wie Pudding - und deshalb glauben so viele, es sei ihre Technik gewesen.
Dazu kommt, was am Ende des Federwegs passiert. Sportliche Geländefahrwerke behalten das letzte Stück als Reserve gegen harte Einschläge, je nach Bauart über die Dämpfungskennlinie, über Anschlagpuffer oder über eine hydraulische Endlagendämpfung. Ist diese Reserve dünn oder für ein anderes Einsatzprofil ausgelegt, schlägt die Gabel durch. Du spürst das als metallischen Schlag im Lenker, und die Kraft, die in diesem Moment durch Gabelbrücke, Lenkkopf und Rahmen geht, ist genau die, die dort nicht hingehört.
Und über allem steht die banalste Größe: Der Federweg ist schlicht kürzer. Dieselbe Energie muss auf weniger Strecke abgebaut werden. Das ist keine Frage des Fahrkönnens, sondern Geometrie - und dagegen hilft kein Mut.
Nichts davon heißt, dass eine Reiseenduro nicht abheben darf. Es heißt: Sie darf es aus zwanzig Zentimetern über einer Bodenwelle, nicht aus zwei Metern über einer Sprungschanze. Und wer mehr will, kommt an einem Fahrwerksumbau nicht vorbei - Federn nach Fahrergewicht, überarbeitete Dämpfung, im Zweifel ein anderes Federbein.
Und hier ist der Mechanismus, um den es beim Katapultieren wirklich geht - der wird selten sauber erklärt, weil er kontraintuitiv ist.
Die Zugstufe bremst das Ausfedern. Ist sie zu offen eingestellt, also zu wenig gedämpft, kehrt das Fahrwerk hastig in die Ausgangsposition zurück und das Motorrad fängt an zu hüpfen. Auf einer geraden Strecke ist das unangenehm. An einer Absprungkante ist es gefährlich.
Denk den Ablauf durch. Du fährst die Rampe hoch, das Federbein federt unter der Beschleunigung und der Rampenneigung tief ein. Am Ende der Rampe wird die Maschine schlagartig entlastet. Ein Federbein mit zu wenig Zugstufendämpfung schießt in diesem Moment aus - und schleudert dein Heck nach oben, genau in der Sekunde, in der du die Kante verlässt. Ergebnis: Die Nase zeigt nach unten, und du hängst plötzlich deutlich weiter vorn über dem Lenker, als du wolltest.
Sicherheitshinweis: Ein Heck, das an der Absprungkante ausschlägt, kippt die Maschine in der Luft nach vorn - und in dieser Lage kommst du mit Gas nur begrenzt zurück, weil dir die Zeit fehlt. Das ist der klassische Weg über den Lenker, und er endet mit dem Kopf zuerst auf der Landung. Wer sein Fahrwerk noch nie eingestellt hat, springt nicht groß.
Genau deshalb machen es schnelle Fahrer andersherum: Sie schleifen die Hinterradbremse die Rampe hoch, wenn sie flach bleiben wollen. Die Bremse arbeitet dabei über den Sattel gegen die Schwinge und hält das Heck unten - das Federbein bleibt unter Last, statt an der Kante auszuschießen und die Maschine höher zu werfen, als der Fahrer es haben wollte.
Und damit zurück zum Absprung, wo genau das Gegenteil stand - lass das Fahrwerk ausfedern. Ein Widerspruch ist das nicht, aber der Unterschied ist der ganze Punkt: Beim Absprung federst du bewusst ein und lässt die Maschine als Ganzes wieder hochkommen, im Takt, den du selbst gesetzt hast. Beim Katapult schießt nur das Heck aus, ungewollt, in einem Moment, den die Dämpfung bestimmt hat und nicht du. Gewollt und dosiert ist Technik, ungewollt und einseitig ist ein Abflug.
Der umgekehrte Fehler existiert auch. Zu viel Zugstufendämpfung heißt, das Fahrwerk bleibt eingefedert und ist für die nächste Bodenwelle nicht rechtzeitig wieder bereit. Über mehrere Schläge hintereinander arbeitet es sich damit immer tiefer, bis nichts mehr da ist. Das ist die harte, tote Variante - und sie fühlt sich fälschlicherweise nach „stabil“ an.
Die meisten Fahrwerksprobleme sind keine Dämpfungsprobleme. Sie sind Federprobleme, und die löst kein Klicker.
Der Startpunkt heißt Negativfederweg, in der Werkstatt Sag. Gemeint ist der Weg, den das Fahrwerk allein durch Gewicht einfedert. Zwei Werte gehören dazu: der statische Sag, den die Maschine ohne Fahrer erreicht, und der dynamische, mit Fahrer in voller Montur. Gemessen wird am Heck, zwischen einem festen Punkt an der Schwinge und einer Marke am Heck - und für die meisten MX-Bikes liegt der dynamische Wert dort zwischen 100 und 105 Millimetern, der statische zwischen 25 und 40 Millimetern.
Diese beiden Zahlen zusammen sagen dir, ob deine Feder überhaupt passt. Stimmt der dynamische Wert nur, weil du die Vorspannung weit hineingedreht hast, und der statische ist dann viel zu klein, ist deine Feder zu weich für dich. Umgekehrt: viel statischer Sag bei zu wenig dynamischem heißt zu harte Feder. Kein Klicker der Welt korrigiert das.
Ein Vorbehalt zu den Millimetern: Sie gelten für eine leichte Cross- oder Sportenduro mit rund 300 Millimetern Federweg. Übertrag sie nicht auf deine Reiseenduro und auch nicht auf die Gabel. Bei schweren Maschinen wird in Prozent gerechnet statt in Millimetern: grob ein Viertel bis ein Drittel des Gesamtfederwegs als Negativfederweg mit Fahrer, bei bepackten Tourern eher Richtung Drittel. Was für dein Modell gilt, steht im Handbuch.
Erst danach kommen die Klicker. Und dort gilt eine Regel, an der sich viele vorbeimogeln: Du fängst bei der Grundeinstellung deines Herstellers an, nicht bei einer Zahl aus einem Forum. Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch - dort stehen die Ausgangswerte für Zug- und Druckstufe, und dort steht auch, ob von ganz geschlossen oder von ganz offen gezählt wird. Drehe den Klicker sanft bis zum Anschlag, zähle von dort und notiere jede Änderung.
Und dann: eine Sache auf einmal, ein bis zwei Klicks, dieselbe Strecke fahren. Wer an drei Schrauben gleichzeitig dreht, lernt nichts.
Das Beste an dieser Disziplin: Fast alles davon kannst du am Boden lernen.
Fang mit dem Griff an, den du in der Luft brauchst. Erster Gang, Schrittgeschwindigkeit, ein Finger an der Kupplung: ziehen und im selben Moment kurz auf die Hinterradbremse, immer wieder, bis der Ablauf sitzt und du nicht mehr hinschauen musst. Genau diese Kombination holst du dir später mit dem Vorderrad in der Luft - und dort hast du keine Zeit zum Nachdenken.
Dazu kommt die Stehposition, und die übst du nicht auf einem Platz, sondern auf jeder Ausfahrt: Knie am Tank, Ellbogen raus, Gewicht auf den Rasten und nicht auf dem Lenker. Wer im Gelände grundsätzlich steht, hat die Grundhaltung schon, wenn sie zählt.
Erst dann kommen die Kanten - und zwar kleine. Eine Bodenwelle, ein flacher Erdhügel, ein Table-Top mit durchgehendem Rücken. Der Unterschied zu einem Doppelsprung ist nicht die Höhe, sondern die Strafe: Ein zu kurzer Anlauf kostet dich auf einem Table nichts und auf einem Double alles. Genau deshalb lernst du Springen auf Tables.
Und dann der langweiligste Rat in diesem Artikel, den die meisten Verletzten im Nachhinein gern befolgt hätten: Sieh dir die Landung vorher an. Nicht vom Sattel aus. Runter, hinlaufen, nachschauen, was hinter der Kuppe liegt.
Und die ehrlichste Empfehlung zum Schluss dieses Abschnitts: Ein Tag Geländetraining bringt dich weiter als eine Saison Ausprobieren, und er ist billiger als ein gebrochenes Handgelenk. Zur Sprungtechnik im Gelände gehört zuallererst jemand, der von außen sieht, was du falsch machst - denn im Flug fühlt sich fast jeder Fehler richtig an.
Frag jemanden, der es kann, was an einem Sprung schwierig ist, und du bekommst nie „abheben“ zur Antwort. Abheben kann jeder. Was zählt, ist die halbe Sekunde, in der die Maschine wieder aufsetzt - und die entscheidet sich in den zwei Sekunden davor.
Deshalb ist dieser Artikel zur Hälfte ein Fahrwerksartikel geworden. Weil das, was die meisten für einen Fahrfehler halten - dieses plötzliche Nach-vorn-Kippen an der Kante -, in vielen Fällen ein Schraubenzieher-Problem ist. Ein Federbein, das nicht zum Fahrergewicht passt, wirft dich ab, egal wie sauber deine Technik ist.
Und der Rest ist Übung an Stellen, an denen ein Fehler nichts kostet. Der Table-Top, an dem du dreißigmal zu kurz warst, ist die beste Investition in den Sprung, den du irgendwann sauber stehst.
Warum hebt Gas in der Luft die Nase an?
Weil du das Hinterrad beschleunigst und das restliche Motorrad in die Gegenrichtung ausweichen muss - das Heck geht runter, die Front kommt hoch. Bremst du das Hinterrad, dreht sich der Effekt um. Das funktioniert nur, solange sich das Rad noch dreht.
Muss ich beim Bremsen in der Luft wirklich die Kupplung ziehen?
Ja. Bei eingelegtem Gang hängt am Hinterrad über Kette und Getriebe der Motor, den du mitbremst. Bei niedriger Drehzahl würgst du ihn ab - und landest dann mit stehendem Hinterrad und ohne Gas als Korrektur. Ein Finger an der Kupplung löst das.
Darf ich in der Luft die Vorderradbremse benutzen?
Besser nicht. Am Winkel der Maschine ändert sie ohnehin wenig, weil am Hinterrad über die Kette der Motor mithängt und am Vorderrad nicht. Gefährlich ist die Landung danach: Ein stehendes Vorderrad rollt nicht ab, es gräbt sich ein oder schiebt weg - und mit Gas zurückholen lässt sich das nicht.
Was bedeutet Sag und welche Werte gelten?
Sag ist der Negativfederweg, also der Weg, den das Fahrwerk unter Gewicht einfedert. Am Heck gemessen liegt der dynamische Wert mit Fahrer bei den meisten MX-Bikes bei 100 bis 105 Millimetern, der statische ohne Fahrer bei 25 bis 40 Millimetern. Für die Gabel gelten andere Werte. Passen die beiden Zahlen nicht zusammen, ist die Feder falsch, nicht die Dämpfung.
Wieso wirft mich das Fahrwerk an der Absprungkante nach vorn?
Weil das Federbein auf der Rampe tief einfedert und an der Kante schlagartig entlastet wird. Ist die Zugstufe zu offen eingestellt, schießt es dort aus und schleudert das Heck hoch - die Nase zeigt nach unten. Deshalb schleifen schnelle Fahrer die Hinterradbremse die Rampe hoch, wenn sie flach bleiben wollen.
Kann ich mit einer Reiseenduro springen?
Über Bodenwellen und kleine Kanten ja, über echte Sprünge nur mit umgebautem Fahrwerk. Das Gewicht ist etwa doppelt so hoch wie bei einer Sportenduro, die Federn sind auf Straßenlast ausgelegt, die Dämpfung wird bei Wiederholung heiß und am Ende des Federwegs fehlt die hydraulische Reserve gegen das Durchschlagen.
Wie lande ich richtig?
Mit beiden Rädern gleichzeitig oder dem Hinterrad einen Moment früher, stehend, Knie und Ellbogen gebeugt. Wichtig: Hast du in der Luft die Kupplung gezogen, muss sie noch in der Luft wieder kommen - zusammen mit etwas Gas, damit das Hinterrad vor dem Aufsetzen wieder dreht. Bei gezogener Kupplung bringt Gas nichts, weil kein Antrieb am Rad hängt. Durchgestreckte Beine leiten die gesamte Energie in den Rücken statt sie abzufangen.
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