
Die Schlangenlinien, die du auf den ersten Kilometern fährst, wärmen deine Reifen nicht.
Sie fühlen sich gut an, sie sehen professionell aus, und sie geben dir das Gefühl, etwas für die Haftung getan zu haben. Genau darin liegt ihr Problem. Denn wer kalte Reifen am Motorrad für aufgewärmt hält, geht in die erste Kurve mit einem Vertrauen, das der Gummi unter ihm nicht gedeckt hat - und die erste richtige Kurve nach der Garage ist der Bogen, in dem dein Motorrad am wenigsten kann und du am wenigsten damit rechnest.
Ein Reifen wird nicht in erster Linie warm, weil er über den Asphalt schleift. Das ist der erste und größte Denkfehler, und aus ihm folgt fast jeder falsche Ratschlag zu diesem Thema.
Die Wärme entsteht im Gummi selbst, durch Verformung. Bei jeder Radumdrehung wird die Lauffläche im Aufstandsbereich flachgedrückt und federt danach wieder zurück. Diese ständige Walkarbeit verbraucht Energie, und diese Energie wird zu Wärme - im gesamten Reifenaufbau, nicht nur an der Oberfläche. Je stärker die Verformung, desto mehr Wärme.
Reibung an der Oberfläche gibt es natürlich auch - beim Beschleunigen und Bremsen rutscht die Lauffläche minimal gegen den Asphalt, und das heizt die obersten Zehntelmillimeter durchaus auf. Nur ist dieser Anteil klein gegen die Walkarbeit im ganzen Reifen, und er lässt sich auf der Straße nicht gefahrlos dosieren.
Damit ist auch klar, wo die Energie herkommt, die deinen Reifen aufheizt: aus Kraft. Konkret aus Beschleunigen und Bremsen. Wenn du am Gas ziehst, überträgt der Hinterreifen ein hohes Moment und wird dabei kräftig durchgewalkt. Wenn du bremst, passiert dasselbe am Vorderreifen. Ein Reifen, der lediglich mitrollt, macht deutlich weniger Walkarbeit - er wird warm, aber langsam.
Und noch ein Detail, das die Sache im Herbst verschärft: Was der Reifen an Wärme aufbaut, verliert er auch wieder. Fahrtwind kühlt, kalter Asphalt kühlt, und ein schattiger Waldabschnitt nimmt dir einen guten Teil dessen wieder weg, was du dir vorher erarbeitet hast.
Das erklärt nebenbei ein Phänomen, über das sich viele wundern: Warum fühlt sich das Motorrad an einem kühlen Tag nach der Kaffeepause wieder so an wie am Morgen? Weil es das auch ist. Zwanzig Minuten vor einem Café bei zehn Grad reichen, um einen Reifen zurück auf Umgebungstemperatur zu bringen. Die zweite Etappe fängt bei null an, nur fährst du sie mit dem Vertrauen, das du dir auf der ersten erarbeitet hast. Das ist die Kombination, aus der Unfälle entstehen.
Damit lässt sich die Eingangsbehauptung sauber begründen.
Wenn du bei 60 km/h ein paar Mal von links nach rechts wiegst, baust du vielleicht zehn Grad Schräglage auf. Die Seitenkräfte, die dabei wirken, sind ein Bruchteil dessen, was eine einzige beherzte Beschleunigung im zweiten Gang erzeugt. Die zusätzliche Walkarbeit ist entsprechend gering - so gering, dass sie in der Praxis kaum messbar zur Temperatur beiträgt.
Und der zweite Punkt ist der eigentlich unangenehme: Bei zehn Grad Schräglage berührst du die Flanke gar nicht. Du bewegst dich weiterhin auf demselben Streifen in der Mitte des Reifens, der ohnehin schon der wärmste Teil ist. Du erwärmst also ausgerechnet die Stelle noch ein bisschen mehr, die du in der ersten Kurve nicht brauchen wirst.
Warum es die Profis trotzdem machen? Auf der Rennstrecke geht es beim Wiegen in der Einführungsrunde vor allem darum, die Lauffläche von Schmutz und Kies freizubekommen und ein Gefühl für den Grip zu entwickeln - und die Reifen dort kommen aus der Wärmedecke, nicht aus einer kalten Garage. Auf der Landstraße hast du weder das eine noch das andere.
Es bleibt also ein Ritual - und eines, das im Straßenverkehr nichts kostet, aber auch nichts einbringt. Wer hinter dir fährt, sieht ein Motorrad, das ohne erkennbaren Grund in der Spur hin und her geht, und der schätzt dich in dieser Sekunde falsch ein. Dazu kommt, dass die Fahrbahnmarkierung, über die du dabei ziehst, im Kalten und bei Feuchtigkeit der glatteste Belag weit und breit ist. Für einen Effekt, den es nicht gibt, ist das ein schlechtes Geschäft.
Jetzt zum Kern, und der ist erstaunlich selten irgendwo aufgeschrieben.
Dein Reifen hat keine einheitliche Temperatur. Er hat eine warme Mitte und kalte Flanken. Auf dem Weg aus der Stadt heraus rollst du geradeaus, du bremst geradeaus, du beschleunigst geradeaus - und die gesamte Walkarbeit, die dabei entsteht, konzentriert sich auf den Streifen in der Mitte der Lauffläche. Die Schulterbereiche links und rechts liegen die ganze Zeit in der Luft. Sie waren nie im Kontakt, sie haben nie gearbeitet, sie sind exakt so kalt wie beim Aufschließen der Garage.
Und dann kommt der erste Bogen, und du legst das Motorrad ab - auf eine Zone, deren Temperatur du noch nie in deinem Leben überprüft hast.
Die Reifenhersteller machen es an dieser Stelle noch interessanter. Dazu brauchst du einen Namen: Silica, also Kieselsäure, ist der Füllstoff in der Gummimischung, der bei niedrigen Temperaturen beweglich bleibt - warum das so ist, kommt im nächsten Abschnitt. Bei modernen Sportreifen, die überhaupt Silica in der Mischung haben, verteilen die Hersteller es funktional über die Lauffläche: viel davon in der Mitte, wenig bis gar keins außen an den Flanken. Der Grund ist nachvollziehbar - außen soll der Reifen bei hoher Temperatur und großer Schräglage standfest sein, und dafür taugt eine Silica-Mischung schlechter. Die Nebenwirkung für dich auf der Landstraße im Oktober ist trotzdem eindeutig: Das Material, das im Kalten am besten arbeitet, sitzt genau dort, wo du in der ersten Kurve nicht bist.
Sicherheitshinweis: Die erste beherzte Schräglage auf einer kalten Flanke ist der klassische Lowside. Er kommt ohne Ankündigung, ohne dass sich vorher etwas anders anfühlt, und du bist auf der Seite, bevor du reagieren kannst - im Zweifel mitsamt der Maschine in den Gegenverkehr. Auf der Landstraße ist das Lebensgefahr, und es ist keiner der Stürze, aus denen sich noch etwas retten lässt.
Warum der eine Reifen im Kalten funktioniert und der andere nicht, entscheidet sich in der Mischung. Und dort geht es um zwei Füllstoffe.
Ruß ist der Klassiker. Er ist billig, er ist standfest bei Hitze, und er ist über Jahrzehnte die Basis aller Gummimischungen gewesen. Was er nicht ist: beweglich bei niedrigen Temperaturen. Eine Mischung aus Kautschuk und Ruß ist im Kalten sehr steif, und dann passiert genau das, was Fahrer als „glasig“ beschreiben: Die feinen Spitzen des Asphalts können sich nicht mehr in den Gummi drücken. Der Reifen rollt, aber er verzahnt sich nicht mehr mit der Straße.
Silica, also Kieselsäure, verhält sich umgekehrt. Es bleibt bei tiefen Temperaturen beweglich, es entfaltet seine Eigenschaften ausgerechnet dort optimal, und es ist der Grund, warum Winter- und Ganzjahresmischungen überhaupt funktionieren. Der Preis dafür: Eine Silica-Mischung, die zu heiß wird, fängt an zu rutschen und verschleißt schnell. Genau deshalb verzichten reine Trockenreifen für die Rennstrecke weitgehend darauf.
Für dich heißt das eine ziemlich einfache Regel. Ein Touren- oder Sport-Touring-Reifen ist so ausgelegt, dass er dir auch bei zwölf Grad brauchbaren Grip gibt - nicht den vollen, aber einen kalkulierbaren. Ein sportlicher Reifen mit dem Schwerpunkt auf Standfestigkeit und Rundenzeit ist das nicht, und er wird es auf der Landstraße im Herbst auch nicht mehr werden. Das ist keine Materialschwäche, sondern die Auslegung, für die du bezahlt hast.
Welche Mischung auf deiner Maschine montiert ist und welche Freigaben dafür gelten, ist keine Geschmacksfrage: Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch - dort steht auch, welche Reifenkombinationen für dein Modell überhaupt zulässig sind.
Die Temperatur, die dein Motorraddisplay anzeigt, ist die Lufttemperatur. Für deinen Reifen ist sie der weniger wichtige Wert.
Entscheidend ist die Fahrbahnoberfläche, und die hinkt der Luft hinterher. An einem klaren Septembermorgen hat sich die Luft bis zehn Uhr auf angenehme Werte hochgearbeitet, während der Asphalt noch die Nacht gespeichert hat. In der Sonne gleicht sich das im Lauf des Vormittags an. Im Schatten nicht.
Und im Herbst kommen drei Dinge dazu, die es im Sommer nicht gab. Die Sonne steht flacher, also bleiben Waldstücke, Hangkurven und Nordseiten den ganzen Tag im Schatten - nicht nur morgens. Der Tau bleibt in diesen Abschnitten oft bis mittags liegen, weil ihn nichts abtrocknet. Und es ist Erntezeit: Auf Landstraßen zwischen Feldern liegt Erde, die bei der ersten Feuchtigkeit zu einem Film wird, den du nicht kommen siehst.
Der gefährliche Moment ist deshalb nicht die kalte Ausfahrt an sich. Es ist der Übergang: fünfzehn sonnige Kilometer, das Vertrauen ist da, die Reifen fühlen sich brauchbar an - und dann eine Kurve im Wald, in der Fahrbahn und Gummi in Sekunden wieder auf Anfang stehen.
Sicherheitshinweis: Auf kaltem, feuchtem Asphalt im Schatten verlängert sich dein Bremsweg spürbar - und dein ABS greift früher ein als gewohnt, weil das Rad schon bei viel weniger Handkraft zum Blockieren neigt. Das ABS hält dich dabei stabil, aber es kann den Bremsweg nicht kürzer machen, als der Reifen es zulässt. Plane Abstand und Bremspunkt in schattigen Abschnitten großzügiger, statt dich auf die Elektronik zu verlassen.
Und dann ist da noch eine Zahl, die mit der Temperatur fällt, ohne dass es jemand merkt.
Der Reifendruck, den dein Hersteller vorgibt, ist ein Kaltdruck. Gemessen wird er, bevor du losfährst, am nicht gefahrenen Reifen - nicht an der Tankstelle nach 30 Kilometern. Und Luft zieht sich beim Abkühlen zusammen: Als grobe Orientierung verlierst du rund 0,1 bar je zehn Grad Temperaturabfall. Der Druck, den du im Juli bei 28 Grad eingestellt hast, ist im Oktober bei 8 Grad also schon aus diesem Grund allein messbar zu niedrig. Dazu kommt, was jeder Reifen ohnehin tut: Luft wandert langsam durch das Gummi nach draußen. Über ein Vierteljahr summieren sich Temperatursturz und Diffusion, und beide ziehen in dieselbe Richtung.
Warum das hier steht: Ein zu weicher Reifen walkt zwar mehr und wird dadurch schneller warm - er verliert aber gleichzeitig an Präzision und Standfestigkeit, und im Kalten summieren sich beide Effekte zu einem Fahrgefühl, das schwammig und schwer einzuschätzen ist. Prüfen, bevor die Saison zu Ende geht. Dauert zwei Minuten.
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Der Wert vom Hersteller ist ein Kaltdruck. Bis du an der Säule stehst, ist der Reifen gefahren - und dann misst und füllst du etwas anderes als das, was oben gemeint war.
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Die ehrliche Antwort auf „Wie wärme ich meine Reifen auf?“ lautet: gar nicht richtig. Zumindest nicht auf der Straße, nicht im Herbst, und nicht auf einen Wert, der diesen Namen verdienen würde.
Deshalb ist die Aufgabe eine andere. Es geht nicht darum, den Reifen auf dein Tempo zu bringen, sondern dein Tempo auf den Reifen.
Konkret für die ersten fünfzehn bis zwanzig Minuten: Bring die Energie über Beschleunigen und Bremsen in den Reifen, aber geradeaus, weich und mit ansteigendem Druck - nicht mit einem Griff in den Hebel und nicht im ersten Gang am Ortsausgang. Ein hartes Bremsmanöver auf kaltem Asphalt mit kalten Reifen ist genau der Fehler, den dieser Artikel verhindern soll, und im Zweifel hast du auch noch jemanden hinter dir. Was du suchst, ist eine freie, gerade Strecke und mehrere ruhige Zyklen, kein einzelnes beherztes Manöver. Halte dabei die Schräglagen klein, auch wenn die Kurve mehr hergäbe. Fahre die erste Landstraßenkurve nach der Garage bewusst zu langsam an; das ist die eine Kurve des Tages, bei der niemand zusieht und die du dir schenken kannst. Setze den Bremspunkt früher und die Linie weiter außen, damit du Reserve hast.
Und dann gibt es noch den Test, den du kostenlos hast und den kaum jemand macht. Bei der ersten Pause, wenn die Maschine steht und du ohnehin absteigst: Zieh den Handschuh aus und leg die Hand kurz auf die Reifenflanke. Nicht auf die Mitte - auf die Flanke. Und pass dabei auf, wo deine Hand hinkommt: Bremsscheibe und Krümmer sind nach der Fahrt heiß genug für eine ernsthafte Verbrennung, an einer Ampel im Sattel hat diese Übung nichts zu suchen. Wenn sich die Flanke kalt anfühlt wie das Gartentor im November, dann weißt du genau, worauf du gleich in die Kurve gehst.
Ein zweiter Blick lohnt sich am stehenden Motorrad, und die meisten lesen ihn falsch herum. Bei den meisten Reifen sind die unbenutzten Streifen ganz außen die glänzenden - dort liegt noch die glatte Haut aus der Form, und nichts hat sie je abgerieben. Die Zone, die arbeitet, wird dagegen matt, leicht rau und stumpf grau. Wenn deine Schulter also spiegelt, während die Mitte stumpf aussieht, hat diese Zone in ihrem Leben noch nicht gearbeitet.
Verlass dich darauf aber nicht blind, denn die Regel gilt nicht mehr für alles, was heute montiert wird. Es gibt inzwischen Reifen, die schon aus der Form mit einer bewusst aufgerauten Oberfläche kommen, weil der Hersteller im Werkzeug auf Trennmittel verzichtet. Die sind von Anfang an matt, und dann sagt dir der Glanzvergleich gar nichts. Wenn du unsicher bist, hilft der Tastsinn mehr als das Auge: Die Zone, die gearbeitet hat, fühlt sich anders an als die daneben.
Das ist kein Vorwurf und kein Grund, die Schulter unbedingt abfahren zu wollen. Es ist nur eine ehrliche Auskunft darüber, welche Reserve du dort hast - nämlich eine, die du noch nie überprüft hast.
Ein kalter Reifen fühlt sich nicht kalt an. Das ist das ganze Problem.
Er rollt normal. Er lenkt normal. Er fühlt sich beim gemütlichen Mitschwimmen an wie immer und gibt dir keine einzige Rückmeldung, die dich warnen würde. Er kann nur weniger, und zwar in beide Richtungen: Der Bremsweg ist länger, und wenn du zum ersten Mal wirklich Seitenführung abrufst, ist die Antwort ein sehr kurzes Nein. Genau deshalb sind kalte Reifen am Motorrad kein Anfängerthema. Erfahrene Fahrer trifft es öfter, weil sie schneller wieder in ihr gewohntes Tempo finden.
Fünf Minuten. So lange dauert es von der Garage bis zu der Kurve, in der es ernst wird. Und es sind die fünf Minuten, in denen dein Motorrad am wenigsten kann und du am meisten willst.
Fünfzehn bis zwanzig Minuten dauert es, bis der Gummi halbwegs da ist. Die Differenz fährst du auf Kredit.
Wärmen Schlangenlinien die Reifen auf?
Praktisch nicht. Bei Landstraßentempo baust du dabei nur wenige Grad Schräglage auf, die zusätzliche Verformung ist minimal - und die Flanke berührst du dabei gar nicht. Du wärmst also allenfalls die Mitte, die ohnehin schon der wärmste Teil des Reifens ist. Auf der Rennstrecke geht es beim Wiegen vor allem darum, die Lauffläche freizubekommen und Grip zu erfühlen.
Wodurch wird ein Motorradreifen überhaupt warm?
Durch Walkarbeit, also die ständige Verformung des Gummis bei jeder Radumdrehung. Diese Verformung verbraucht Energie, und die wird zu Wärme. Am meisten Energie fließt beim Beschleunigen und beim Bremsen in den Reifen - deutlich mehr als beim bloßen Mitrollen.
Warum ist die Reifenflanke kälter als die Mitte?
Weil sie bei Geradeausfahrt gar keinen Bodenkontakt hat. Die gesamte Walkarbeit auf dem Weg aus der Stadt konzentriert sich auf den Streifen in der Mitte der Lauffläche. Die Schulterbereiche arbeiten erst, wenn du sie in Schräglage aufsetzt - und dann sind sie noch so kalt wie beim Losfahren.
Was ist der Unterschied zwischen Silica und Ruß in der Mischung?
Ruß ist standfest bei Hitze, wird im Kalten aber steif. Silica, also Kieselsäure, bleibt bei niedrigen Temperaturen beweglich und ist der Grund, warum Winter- und Ganzjahresmischungen funktionieren; dafür rutscht und verschleißt eine Silica-Mischung, wenn sie zu heiß wird. Reine Trockenreifen für die Rennstrecke enthalten deshalb gar kein Silica.
Haben Sportreifen an der Flanke andere Mischung als in der Mitte?
Bei modernen Sportreifen, die überhaupt Silica enthalten, wird es funktional über die Lauffläche verteilt: viel in der Mitte, wenig bis gar keins außen. Außen soll der Reifen bei Hitze und großer Schräglage standfest sein. Für kalte Landstraßenfahrten heißt das: Die Zone, die im Kalten am besten arbeitet, ist ausgerechnet nicht die, auf der du in der ersten Kurve stehst.
Wie lange dauert es, bis Motorradreifen warm sind?
Das hängt an Reifentyp, Außen- und Fahrbahntemperatur und vor allem an der Fahrweise. Verlässlicher als jede Kilometerangabe ist die Einsicht, dass ein sportlicher Reifen auf der Straße im Herbst seine eigentliche Betriebstemperatur gar nicht mehr erreicht. Die Aufgabe ist deshalb nicht, den Reifen auf dein Tempo zu bringen, sondern dein Tempo auf den Reifen.
Ist der Asphalt genauso warm wie die angezeigte Lufttemperatur?
Nein, die Fahrbahn hinkt der Luft hinterher und bleibt besonders im Schatten deutlich kälter. Im Herbst steht die Sonne flach, deshalb bleiben Waldstücke, Hangkurven und Nordseiten den ganzen Tag kühl und feucht. Der gefährlichste Moment ist der Wechsel von einem sonnigen Abschnitt in einen schattigen.
Muss ich den Reifendruck im Herbst anpassen?
Prüfen auf jeden Fall. Der vorgegebene Wert ist ein Kaltdruck, gemessen vor der Fahrt am nicht gefahrenen Reifen. Als grobe Orientierung verliert ein Reifen rund 0,1 bar je zehn Grad Temperaturabfall - der im Sommer eingestellte Druck ist im Herbst also zu niedrig, ohne dass Luft entwichen wäre. Die verbindlichen Werte stehen im Fahrzeughandbuch.
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