Der unsichtbare Feind am Rad: warum deine Steckachse festgammelt - und wie du sie richtig fettest

Es gibt vier Stufen, wenn eine Steckachse nicht mehr rausgeht. Erst Rostlöser und Geduld. Dann ein Dorn aus Messing und ein Hammer, der nicht aus Stahl ist. Dann Wärme, weil Alu sich schneller ausdehnt als Stahl. Und wenn das alles nicht reicht, kommt die Presse - ab da entscheidet nicht mehr der Mechaniker, sondern das Bauteil, ob du mit deinem Rad nach Hause fährst oder mit einer Bestellnummer.

Zwischen Stufe eins und Stufe vier liegt keine Technik. Da liegt eine Fingerspitze Fett. Die Steckachse fetten dauert beim Reifenwechsel keine zwei Minuten, und es ist ungefähr die einzige Zuwendung, die dieses Teil je von dir verlangt. Trotzdem denkt kaum jemand daran - weil eine Achse nichts sagt. Sie sitzt im Dunkeln, sie rostet stumm, und sie meldet sich genau in dem Moment, in dem du sie brauchst.

Warum ein Stück Stahl in Alu regelrecht festwächst

Die Achse ist aus Stahl. Die Nabe, in der sie steckt, ist aus Aluminium. Bei den meisten Maschinen auch die Gabelfaust, durch die sie geht. Und damit hast du an dieser Stelle etwas, das in der Chemie einen eigenen Namen hat: Bimetallkorrosion, im Werkstattdeutsch Kontaktkorrosion.

Das Prinzip ist ärgerlich simpel. Zwei Metalle mit unterschiedlichem elektrochemischem Potenzial, dazwischen Wasser als Elektrolyt - fertig ist eine kleine Batterie. Und Aluminium zieht dabei fast immer den kürzeren, weil praktisch alle gängigen Gebrauchsmetalle edler sind als es. Es ist also nicht deine Achse, die zerstört wird. Es ist die Nabe drumherum.

Jetzt kommt der Teil, der das Ganze so hartnäckig macht. Wenn Aluminium korrodiert, verschwindet kein Material - es wird umgebaut. Das Korrosionsprodukt braucht mehr Platz als das Metall, aus dem es entstanden ist. In einer Passung, deren Spiel sich in Hundertstelmillimetern bemisst, reicht das völlig aus. Die Achse ist am Ende nicht eingerostet. Sie ist eingekeilt, von einer Nabe, die von innen aufgequollen ist.

Deshalb bringt der Rostlöser von außen so wenig. Er kriecht bis zur ersten Engstelle und bleibt dort stehen. Der Keil sitzt in der Mitte der Nabe, zwei oder drei Zentimeter tief, und dort kommt kein Spray hin.

Wo das Wasser wirklich reinkommt

Die naheliegende Erklärung wäre Regen. Sie ist nicht falsch, aber sie ist die harmloseste.

Schau dir deine vordere Achse an, wenn sie draußen ist: bei vielen Maschinen ist das ein Rohr. Hohl, an beiden Enden offen. Wasser läuft da hinein wie in eine Dachrinne, nur ohne Ablauf. Innen ist die Achse selten beschichtet, sie liegt dauerhaft feucht, und trocknen kann sie nicht, weil kein Luftzug hinkommt. Von innen nach außen rostet es genauso gut.

Der zweite Weg ist der, den kaum jemand auf der Rechnung hat: der Hochdruckreiniger. Die Dichtlippen an deinen Radlagern sind dafür gebaut, Fett drinnen und Spritzwasser sowie groben Schmutz draußen zu halten. Sie sind keine Druckdichtungen. Wer mit der Lanze aus 15 Zentimetern in den Spalt zwischen Nabe und Distanzhülse zielt, arbeitet mit einem Vielfachen des Drucks, für den diese Lippe gerechnet ist. Was danach drin ist, kommt nicht mehr von allein raus.

Dazu Streusalz, das nicht einfach nur „schneller rosten lässt“, sondern das Wasser überhaupt erst richtig leitfähig macht - und damit die kleine Batterie im Nabensitz ordentlich befeuert. Und dann noch der langweiligste Faktor von allen: Die Achse steht. Jahrelang, in derselben Position, ohne eine einzige Relativbewegung, die einen Schmierfilm verteilen oder Schmutz wegwischen würde. Kettenglieder bewegen sich, Lager drehen, Federbeine arbeiten. Die Achse trägt zwar mit - bei jeder Bremsung, bei jedem Schlagloch -, aber sie bewegt sich dabei nicht um einen Millimeter. Sie sitzt und wartet.

Steckachse fetten: was wohin gehört

Die gute Nachricht: Der Aufwand steht in einem lachhaft günstigen Verhältnis zum Ärger. Wenn das Rad sowieso draußen ist - Reifenwechsel, Bremsscheibe, Radlager - ist das der Moment.

Was Fett bekommt: der komplette Schaft der Achse, die Bereiche, an denen die Dichtlippen anliegen, die Stirnflächen und Sitze der Distanzhülsen, und wenn du hinkommst auch die Bohrung in der Nabe. Das Fett wirkt hier gar nicht mal primär als Schmierstoff. Es ist eine Trennschicht, die das Wasser verdrängt und den Elektrolyten zwischen den beiden Metallen wegnimmt. Ohne Elektrolyt keine Batterie, ohne Batterie kein Keil.

Die Dosis: ein dünner Film, mit dem Finger rundum verteilt. So viel, dass die Achse glänzt, nicht so viel, dass sie tropft. Fingerdicke Wülste bringen nichts außer einer Staubfalle - und, siehe weiter unten, einem Weg für Fett dorthin, wo es nichts zu suchen hat.

Und jetzt das Fett selbst, denn hier liegt der eigentliche Fehler. Ein billiges, einfaches Lithiumseifenfett ist an dieser Stelle Geldverschwendung, weil es nicht wasserfest genug ist und mit der Zeit ausgewaschen wird. Was du willst, ist ein Fett, das Nässe aushält: ein Lithiumkomplexfett der Konsistenzklasse NLGI 2 zum Beispiel, oder noch konsequenter ein Kalziumsulfonat-Komplexfett, wie es als Boots- oder Marinefett verkauft wird. Kalziumbasierte Fette gelten als ausgesprochen wasserfest, und genau darum geht es hier. EP-Zusätze schaden nicht.

Was dagegen nicht an diese Stelle gehört, obwohl es dauernd empfohlen wird: Kupferpaste. Kupfer ist deutlich edler als Aluminium. Du schmierst also ausgerechnet den edleren Partner direkt auf den unedleren - und baust damit genau die Potenzialdifferenz auf, die du eigentlich vermeiden willst. Solange das Trägerfett dichthält, passiert oft nichts, deshalb ist die Paste auch so gut beleumundet. Kommt aber doch Wasser dazu, hast du die Lage verschlechtert statt verbessert. Wenn schon Montagepaste, dann eine auf Aluminium- oder Keramikbasis. Und Kriechöl aus der Sprühdose ist keine Alternative: Das Zeug verdrängt Wasser, verdampft aber und lässt nichts zurück, was in drei Jahren noch trennt.

Was du an dieser Stelle niemals fettest

Fett am Rad ist ein Werkzeug mit klarer Zuständigkeit. Außerhalb davon ist es ein Sicherheitsrisiko.

Nichts zu suchen hat es auf der Bremsscheibe, auf den Belägen, auf der Anlagefläche, mit der die Scheibe an der Nabe sitzt - das ist ein Reibschluss, der Reibung braucht -, in den Schraubengewinden der Scheibe und im Felgenhorn, wo der Reifenwulst sitzt. Das ist auch kein Redaktionsgeschmack: In KTM-Anleitungen steht bei genau diesem Arbeitsschritt, die Bremsscheiben öl- und fettfrei zu halten und im Zweifel mit Bremsenreiniger nachzuarbeiten.

Sicherheitshinweis: Fett oder Öl auf Scheibe und Belag kostet dich einen großen Teil deiner Bremsleistung, und verölte Beläge kommen nicht wieder - die gehören in den Müll, nicht in den Reiniger. Bremsen, die im entscheidenden Moment nur zur Hälfte greifen, sind Lebensgefahr.

Und das ist der zweite Grund für den dünnen Film aus dem Abschnitt direkt darüber: Überschüssiges Fett am Achsende wandert unter Fliehkraft nach außen. Von dort bis zur Scheibe ist es kurz. Wer großzügig war, findet es nach der ersten warmen Ausfahrt genau dort wieder. Kettenspray ist dabei übrigens keine Notlösung für die Achse - es ist darauf ausgelegt, in Bewegung zu kriechen und dann abzuschleudern, und beides ist hier das Gegenteil von hilfreich.

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Der Streit ums Gewinde - und warum beide Lager falsch liegen

In jedem zweiten Forum steht dieselbe eiserne Regel: „Achse fetten ja, Gewinde niemals.“ Die Begründung dazu ist physikalisch korrekt. Die Regel selbst ist es nicht.

Fangen wir mit der Physik an, weil die tatsächlich stimmt und weil sie fast niemand kennt. Ein Drehmomentschlüssel misst Drehmoment. Er misst nicht die Klemmkraft, und die ist es, auf die es ankommt. Bei einer trockenen Verschraubung gehen ungefähr neun Zehntel des aufgebrachten Moments in Reibung - unter der Auflagefläche der Mutter und in den Gewindeflanken. Nur der kleine Rest landet als Dehnung in der Schraube. Wer die Reibung verändert, verändert damit das Ergebnis, ohne dass der Schlüssel davon etwas mitbekommt: Er klickt genauso brav wie vorher.

Wie groß der Effekt ist, zeigt eine Versuchsreihe an einer M12-Schraube: Für dieselbe Klemmkraft brauchte es trocken rund 84 Newtonmeter, geschmiert nur 63. Umgedreht heißt das, was du dir merken musst: Wer den Trockenwert auf ein gefettetes Gewinde gibt, zieht die Verbindung grob ein Viertel zu fest. Bei einer Schraube, die dein Rad am Fahrzeug hält, ist das kein Rundungsfehler, sondern der Weg zu einem ausgerissenen Alugewinde.

Nur: Welchen Zustand setzt die Zahl in deinem Handbuch voraus? Genau das lässt die Forenregel weg - und die Antwort fällt je nach Quelle anders aus.

Schau erst mal, was die Hersteller überhaupt sagen. In KTM-Anleitungen steht beim Vorderradeinbau, dass Wellendichtringe und die Anlageflächen der Distanzhülsen zu reinigen und zu fetten sind, und beim Achsbolzen selbst „reinigen, fetten, einsetzen“. Yamaha führt in seinen Werkstattunterlagen ein eigenes Kürzel für Lithiumseifenfett und setzt es unter anderem an der Radachse ein. Fett am Rad ist also nicht die Ausnahme, sondern ausdrücklich vorgesehen - nur eben an Schaft, Dichtlippen und Hülsen.

Zum Gewinde selbst schweigen viele Anleitungen. Und hier gilt die Grundregel, die du dir merken solltest, bevor du irgendwo eine Fettdose aufmachst: Jede Verschraubung am Motorrad wird trocken montiert, solange das Handbuch nicht ausdrücklich etwas anderes verlangt. Bei manchen Radachsen verlangt es das - und dann gilt das dort und nur dort. Übertrag das bitte nicht auf Bremssattelschrauben, Gabelbrücken oder Motoraufhängungen: Das sind Alugewinde, und die reißen bei einem Viertel zu viel Klemmkraft aus, ohne dich vorher zu warnen.

Das eiserne Forenverbot „Gewinde niemals fetten“ ist also nicht falsch als Voreinstellung. Falsch ist nur, es gegen ein Handbuch zu verteidigen, das es anders will.

Kurzfassung: Der Wert im Handbuch gilt nur für den Schmierzustand, den das Handbuch unterstellt. Steht dort etwas zum Gewinde, machst du das. Steht dort nichts, bleibt es trocken. Was dagegen unstrittig ist: Schaft, Dichtlippen und Hülsen bekommen ihren Film. Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch.

Und eine Ausnahme, die keine ist: Wo Schraubensicherung hingehört, muss das Gewinde öl- und fettfrei sein. An den meisten Maschinen fallen die Schrauben der Bremsscheibe in diese Kategorie. Dort ist Fett kein Rechenfehler, sondern eine Sicherung, die nicht hält.

Ohne die Distanzhülse ergibt der Rest keinen Sinn

Jetzt zu der Behauptung, die in der Kurzfassung gern kursiert: zu fest angezogen, Radlager hin. So einfach ist es nicht, und das Detail dahinter ist genau der Punkt, an dem es wirklich gefährlich wird.

Zwischen den beiden Radlagern sitzt ein Rohr, die Distanzhülse. Sie ist es, die die Klemmkraft aufnimmt. Zieh die Achse an, und die Kraft läuft über Lagerinnenring, Hülse, Lagerinnenring wieder hinaus - die Hülse stützt den Stapel von innen ab. Genau dafür ist sie da. Ist sie richtig bemessen und unbeschädigt, schützt sie die Lager davor, axial zusammengedrückt zu werden. Auch bei einem etwas zu hohen Moment.

Interessant wird es, wenn sie nicht in Ordnung ist. Ist sie zu kurz, eingedellt oder von einer früheren Überdrehung bereits gestaucht, kommt das zweite Lager nicht bis an seinen Anschlag - und dann verspannen sich Innen- und Außenring gegeneinander, die Kugeln laufen unter Last. Und der Klassiker: Beim Zusammenbau bleibt eine seitliche Distanzscheibe liegen. Dann geht die volle Klemmkraft in die Innenringe, ohne dass irgendetwas sie abfängt.

Sicherheitshinweis: Ein axial vorgespanntes oder seitlich verspanntes Radlager läuft heiß und stirbt früh. Blockiert vorne ein Lager bei Tempo, ist das kein Reparaturfall, sondern ein Sturz - und beim Vorderrad einer der schlimmsten, die es gibt.

Praktische Konsequenz, und die kostet dich nichts: Wenn das Rad draußen ist, fotografiere die Distanzstücke, bevor du sie irgendwo hinlegst. Zähle sie. Notiere, welches links und welches rechts war, denn sie sind selten gleich lang. Die Maschine sagt dir das hinterher nicht mehr, und der Reifenmonteur weiß es auch nicht besser als du.

Die Reihenfolge, an der die meisten scheitern

Beim Vorderrad ist das Anzugsmoment nur die halbe Geschichte. Die andere Hälfte ist die Reihenfolge, und die wird in Ratgebern über Drehmoment fast immer unterschlagen.

Das Prinzip dahinter ist bei allen Bauformen gleich, auch wenn die Schrittfolge sich unterscheidet: Wenn die Achse ihr Moment bekommt, muss die Achse selbst gegen das Mitdrehen gehalten oder auf einer Seite geklemmt sein - „mal kurz von Hand angezogen“ hält bei den Momenten, um die es hier geht, nicht, und dann leidet der Innensechskant im Achskopf. Und wenn du am Ende die Klemmschrauben festziehst, müssen die Gabelrohre vorher ihre Lage gefunden haben: also Vorderrad auf dem Boden, Vorderbremse ziehen und mehrfach kräftig einfedern, während die Klemmung der beweglichen Seite noch offen ist. Und ja, das setzt voraus, dass die Bremssättel schon wieder dran sind und der Hebel Druck hat - nach dem Auseinanderdrücken der Beläge musst du dafür erst ein paar Mal pumpen, bis der Hebel wieder steht. Sonst rollt das Rad nur weg, und die Gabel federt gar nicht ein. Erst dann kommen die Klemmschrauben auf ihr Moment, und das ist ein deutlich kleineres als das der Achse.

Welche Seite geklemmt wird, in welcher Reihenfolge und mit welchen Werten, steht im Handbuch deiner Maschine. Da gibt es keine Faustregel, die über alle Bauformen trägt - bei manchen Modellen schraubt die Achse direkt in ein Gabelrohr und es gibt gar keine Mutter.

Der Grund dahinter ist mechanisch, nicht rituell. Die beiden Gabelrohre sind oben in den Brücken geführt und unten über die Achse miteinander verbunden. Wer unten festklemmt, bevor die Rohre ihre Lage gefunden haben, baut eine dauerhafte Verspannung in die Gabel ein. Es bricht nichts. Es fühlt sich nur an wie ein Fahrwerk, das ungleichmäßig anspricht, und es geht auf Kosten von Buchsen und Simmerringen. Reihenfolge und Werte unterscheiden sich von Maschine zu Maschine erheblich - das ist eine Handbuch-Frage, keine Geschmacksfrage.

Wenn sie schon fest sitzt

Angenommen, du liest das zu spät. Dann gilt eine Reihenfolge, und Geduld ist der wichtigste Punkt darin.

Zuerst Rostlöser, und zwar mit Zeit - über Nacht, nicht fünf Minuten. Wenn möglich mehrfach, aus beiden Richtungen. Dann ein Dorn aus Messing oder Kunststoff und kontrollierte Schläge, niemals auf das Gewinde und niemals direkt auf das Achsende. Ein Gewinde, das du plattschlägst, verwandelt ein Zwei-Minuten-Problem in eine neue Achse.

Wärme funktioniert, weil Aluminium sich etwa doppelt so stark ausdehnt wie Stahl - die Nabe gibt also die Passung frei, bevor die Achse mitwächst. Nur hat diese Methode zwei Grenzen, die du kennen musst, bevor du den Heißluftfön ansetzt.

Erstens: Das Fett im Radlager ist hitzefester, als die meisten denken, gute Radlagerfette laufen dauerhaft bis rund 150 Grad. Die Schwachstelle sind die Dichtungen. Übliche Nitrilkautschuk-Dichtringe sind für etwa 100 Grad Dauertemperatur gebaut, kurzzeitig 120, und darüber verlieren sie Elastizität. Wenn die Nabe richtig heiß geworden ist, plane die Radlager ein - dasselbe gilt für die Gummis des Ruckdämpfers im Hinterrad.

Zweitens, und das ist der wichtigere Punkt: Ein Heißluftfön schafft mehrere Hundert Grad, und ab etwa 200 Grad fängt eine Alufelge an, Festigkeit zu verlieren. Aluminium zeigt dir das nicht an - es glüht nicht, es verfärbt sich nicht, es sieht hinterher genau aus wie vorher. Also dosiert arbeiten, in kurzen Intervallen, die Wärme in die Nabe und nicht in die Felge, und kein offenes Feuer. Was gar nicht geht: der Schlagschrauber auf eine festsitzende Achse, ein Stahlhammer aufs Gewinde, und die Idee, das Rad „mal kurz“ auf dem Seitenständer freizukriegen. In der Sekunde, in der die Achse draußen ist, hält das Rad nichts mehr.

Und dann der Satz, den keiner hören will: Wenn nach zwei Abenden nichts passiert, ist die Werkstatt die günstige Lösung, nicht mehr Kraft. Eine halbe Stunde an der Presse ist bezahlbar. Eine gerissene Nabe ist ein neues Rad, und je nach Maschine bewegt sich das im drei- bis vierstelligen Bereich. Es bleibt dabei: Die Steckachse fetten kostet dich zwei Minuten alle paar Jahre, und dieser Abschnitt ist der Preis dafür, sie nicht investiert zu haben.

Beim nächsten Reifenwechsel

Der Moment für all das ist nicht heute Abend in der Garage. Es ist der Tag, an dem das Rad sowieso draußen ist - Reifen, Scheibe, Lager, egal warum.

Vier Griffe für diesen Tag. Achse mit Bremsenreiniger abwischen und dünn mit wasserfestem Lagerfett einreiben, Dichtlippen und Hülsensitze mit. Distanzstücke fotografieren und beschriften, bevor du sie irgendwo ablegst. Im Handbuch nachlesen, welches Moment, welche Reihenfolge und welcher Schmierzustand für deine Maschine gelten - vorher, nicht mit dem Schlüssel in der Hand. Und Bremsscheibe und Beläge am Ende trocken kontrollieren, ob doch Fett gewandert ist.

Das ist alles. Merken wirst du davon nichts, weder auf der nächsten Ausfahrt noch in der Saison danach. Merken würdest du nur die Variante, in der du es nicht gemacht hast: den Anruf, der mit „also, wir haben da ein Problem“ anfängt.

❓ Häufige Fragen zur Steckachse am Motorrad

Wie oft sollte ich die Steckachse fetten?

Immer dann, wenn das Rad ohnehin draußen ist - also beim Reifenwechsel, beim Tausch der Bremsscheibe oder der Radlager. Ein eigener Termin dafür lohnt sich nicht, weil du zum Fetten die Achse ziehen musst. Bei Maschinen, die viel Nässe, Salz oder Hochdruckwäsche sehen, ist der Reifenwechsel der Mindesttakt.


Welches Fett gehört auf die Radachse?

Ein wasserfestes Lagerfett, zum Beispiel ein Lithiumkomplexfett der Klasse NLGI 2 oder ein Kalziumsulfonat-Komplexfett, wie es als Bootsfett verkauft wird. Einfache, billige Lithiumseifenfette werden zu leicht ausgewaschen. Ein dünner Film reicht, dicke Wülste bringen nichts.


Darf ich das Gewinde der Achsmutter fetten?

Das entscheidet dein Handbuch, nicht eine allgemeine Regel. Viele Anleitungen sagen zum Gewinde gar nichts - sie schreiben ausdrücklich das Fetten von Achsschaft, Dichtringen und Distanzhülsen vor. Wenn dort nichts zum Gewinde steht, änderst du den Zustand nicht auf eigene Faust: Das angegebene Anzugsmoment ist für eine bestimmte Reibung gerechnet, und gefettet landet bei gleichem Drehmoment grob ein Viertel mehr Klemmkraft in der Verbindung. Wo Schraubensicherung vorgesehen ist, muss das Gewinde ohnehin fettfrei bleiben.


Ist Kupferpaste an der Steckachse eine gute Idee?

Für diese Stelle nicht die beste. Kupfer ist elektrochemisch deutlich edler als das Aluminium der Nabe, und genau diese Potenzialdifferenz treibt die Kontaktkorrosion an, die du verhindern willst. Solange das Trägerfett Wasser fernhält, passiert meist nichts - kommt Wasser dazu, ist die Lage schlechter als vorher. Wasserfestes Lagerfett oder eine Paste auf Aluminium- beziehungsweise Keramikbasis sind die sinnvollere Wahl.


Warum frisst sich eine Stahlachse in einer Alunabe überhaupt fest?

Weil Stahl und Aluminium mit Wasser dazwischen eine kleine galvanische Zelle bilden. Aluminium ist der unedlere Partner und korrodiert. Das Korrosionsprodukt braucht mehr Platz als das Metall, aus dem es entstanden ist - die Passung wächst also von innen zu und klemmt die Achse ein. Reiner Rost auf der Achse wäre das kleinere Problem.


Kann ein zu fest angezogenes Rad die Radlager zerstören?

Nicht direkt, solange die Distanzhülse zwischen den Lagern in Ordnung ist - sie nimmt die Klemmkraft auf und schützt die Lager. Kritisch wird es, wenn diese Hülse zu kurz, gestaucht oder eingedellt ist oder wenn beim Zusammenbau eine Distanzscheibe fehlt. Dann verspannen sich die Lagerringe gegeneinander, das Lager läuft heiß und hält nicht lange.


Was mache ich, wenn die Achse schon festsitzt?

Rostlöser mit viel Zeit, dann ein Dorn aus Messing oder Kunststoff und kontrollierte Schläge - nie aufs Gewinde. Wärme auf die Nabe hilft, weil Aluminium sich stärker ausdehnt als Stahl, aber Radlager, Dichtlippen und Gummiteile sitzen direkt daneben, also Heißluft statt offener Flamme. Wenn nach zwei Anläufen nichts geht, ist die Presse in der Werkstatt billiger als eine gerissene Nabe.

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