
Neun Punkte. Das ist der ganze Abstand, den Tim Gajser zwischen sich und den vierten WM-Platz gelegt hat - und ausgerechnet jetzt taucht der Mann, den er auf Distanz halten muss, wieder auf der Nennliste auf. Die MXGP Niederlande 2026 in Arnhem ist Runde 16 von 19, der letzte Halt auf dem europäischen Festland, und für die blaue Yamaha-Armada eines dieser Wochenenden, an denen sich eine ganze Saison nachträglich anders anfühlen kann.
Dazu kommt: Sand. Tief, endlos rhythmisch, und darunter ein Gelände so flach wie ein Tisch. Ein Untergrund, der niemanden fragt, wie viele Titel jemand zu Hause im Regal stehen hat. Und ein Publikum, das sich dicht um die ganze Strecke legt, um einem Mann zuzujubeln, der in diesem Land fast alles gewonnen hat, was zu gewinnen war.
Vergiss die Bilder von Lommel. Der Motorsportpark Gelderland Midden bei Arnhem ist zwar Sand, aber eben nicht die Dünenlandschaft von Lommel - die Serie selbst beschreibt die Piste als flach wie ein Billardtisch. Kein Auf und Ab, keine Steilwände, aus denen du dich herauskatapultierst. Stattdessen ein Kurs, der eng wird, wo du es nicht brauchst, und der mit jeder Runde tiefer, welliger und ehrlicher wird.
Genau deshalb ist Arnhem so speziell. Auf einem Dünenkurs arbeitest du dich am Gelände entlang. Hier musst du dir den Rhythmus selbst bauen. Wer die Spurrillen früh findet, fährt fast entspannt. Wer sie sucht, arbeitet - und Arbeit kostet im Sand nach zwanzig Minuten mehr als anderswo. Sand ist Kraftsport, keine Frage. Vor allem aber ist er eine Frage der Ökonomie: Wer verkrampft, verliert nicht Zehntel, sondern ganze Rennen.
Arnhem ist trotzdem ein Neuling. Erst 2023 kam die Strecke in den WM-Kalender, dieses Wochenende richtet sie den Grand Prix zum vierten Mal in Folge aus. Viele Fahrer aus der Region kennen sie in- und auswendig. Für Gajser nicht - er wohnt und trainiert woanders, kennt den Kurs nur aus den bisherigen Grands Prix.
Und dann ist da Jeffrey Herlings. Beim Premieren-GP 2023 stürzte er im freien Training und brach sich das Schlüsselbein, seither gewann er hier beide Grands Prix. In seinem Heimatland ging er bei 18 Grands Prix an den Start und gewann 16 davon. Das ist keine Statistik mehr, das ist ein Hausrecht.
Ganz lückenlos war die Sache in Arnhem allerdings nicht. Das Qualifikationsrennen am Samstag ging 2024 an einen anderen Niederländer: Glenn Coldenhoff. Merk dir den Namen, er kommt am Ende dieses Textes noch einmal vor.
Eine Sorge bleibt trotzdem. Nach Darstellung der Serie gab es in dieser Saison Probleme mit seinem Material im Sand - in Lommel brachte er die Maschine nur noch ins Ziel, statt sie zu fordern. Arnhem gilt als etwas flüssiger und ein wenig gnädiger zum Motorrad. Ein wenig.
Wenn ihn jemand ärgern kann, dann am ehesten ein Landsmann. Kay de Wolf gewann hier im Vorjahr die MX2 mit zwei Laufsiegen und fährt gerade seine erste Saison auf der 450er - WM-Neunter, mit den kleinen Blessuren, die zu so einem Umstieg dazugehören. Vor eigenem Publikum, im Sand, den er seit seiner Kindheit kennt: Wenn es ein Wochenende gibt, an dem er Herlings wehtut, dann dieses.
Rechnerisch kann er den Titel an diesem Wochenende noch nicht holen, und zwar denkbar knapp: Selbst mit der Maximalausbeute von 60 Punkten käme er auf 176 Zähler Vorsprung - bei drei danach noch ausstehenden Runden sind aber 180 zu vergeben. Es fehlen ihm also genau vier Punkte. Er kann sich aber eine Ausgangslage schaffen, aus der der Titel eine Runde später in der Türkei fallen könnte.
Für Tim Gajser geht es an diesem Wochenende nicht um Herlings. Es geht um den Fahrer, der auf Platz vier steht und aktuell nicht fährt.
Die Ausgangslage nach 15 von 19 Runden: Herlings 735 Punkte, Febvre 619, Gajser 575, Lucas Coenen 566. Der Slowene steht damit selbst auf dem WM-Podest - 44 Zähler hinter Febvre, aber nur neun vor dem Belgier, der wegen einer Hüftverletzung samt Ischiasnerv-Problemen Belgien und Schweden ausgelassen hat und in Tschechien nach dem Samstag nicht mehr antrat. Coenen steht auf der offiziellen Nennliste für Arnhem. Ob er tatsächlich an der Startmaschine steht, war zu Wochenbeginn offen - die Serie selbst spricht von einem Kampf um die Renntauglichkeit.
Das ist die unangenehme Wahrheit dieses Wochenendes: Gajser verteidigt einen Vorsprung von neun Punkten gegen einen Fahrer, der 2026 fünf Grands Prix gewonnen hat, 2024 in Arnhem den MX2-Grand-Prix holte und im Vorjahr hier als Zweiter der Königsklasse ins Ziel kam. Neun Punkte sind im Motocross keine Sicherheit. Neun Punkte sind ein schlechter Start und ein Rutscher in Runde zwei.
Dabei liest sich Gajsers erstes Jahr in Yamaha-Blau besser, als es sich anfühlen dürfte. Fünf Podestplätze stehen zu Buche - dritter Rang in Andalusien, in der Schweiz, in Großbritannien und in Lommel, dazu Platz zwei in Trentino. Was fehlt, ist der Sieg. Nach über einem Jahrzehnt bei Honda ist der Wechsel mit fast 30 Jahren ein Bruch, den man nicht kleinreden sollte, und der ganz große Wurf auf der YZ450FM lässt auf sich warten.
Sein Verhältnis zu den Niederlanden ist besser, als sein Ruf als Nicht-Sandfahrer vermuten lässt: GP-Siege 2015 in Assen und 2021 in Oss, dazu in Arnhem die Plätze fünf, drei und vier. Nur eben keine Steigerung mehr seit 2024. Und dass es auch anders geht, hat er in diesem Land ebenfalls bewiesen - 2016 wurde er hier 18., 2017 sogar 29.
Er selbst gibt sich betont schlicht. Sinngemäß sagt Gajser, er freue sich auf Arnhem, die Strecke sei schön, das Racing mache ihm dort Spaß. Der Plan sei einfach: früh in den Rhythmus finden, weil er schnell sei, sobald er sich auf dem Motorrad wohlfühle. Klingt nach Floskel. Ist im Sand aber die exakte Beschreibung dessen, worauf es ankommt.
Maxime Renaux hat 2026 einen Gegner, den kein Trainingsplan schlägt. Ein Virus hat ihm die Saison zerlegt, das Team spricht offen davon, dass er sich an seine Bestform erst wieder herantastet.
Die Zahlen zeigen, wie tief der Einschnitt sitzt. Zwei Podestplätze stehen 2026 zu Buche: Rang zwei im März in der Schweiz, Rang drei im Juni in Montevarchi. Danach ging es auf und ab, zuletzt aber nur noch ab - in den vergangenen vier Wochenenden ein neunter, zwei dreizehnte und in Uddevalla wieder ein neunter Tagesrang. Achter der WM mit 449 Punkten, fünf hinter seinem Landsmann Tom Vialle.
Yamaha formuliert das Ziel für Arnhem als Top-Fünf-Ergebnis. Ehrlich gesagt: Das wäre nach diesen vier Wochenenden mehr als eine Bestätigung, das wäre ein Sprung. Renauxs bestes Resultat in den Niederlanden bleibt der zweite Platz von 2020 in der MX2 - damals hinter Vialle. In der Königsklasse steht als Bestmarke ein sechster Rang, aufgestellt beim Premieren-GP in Arnhem 2023.
Er selbst nennt die Strecke sinngemäß anständig, stellenweise eng und ziemlich ruppig - weshalb es darauf ankomme, einen guten Fluss zu finden. Sein Plan: konstant bleiben, gut starten, alles geben. Man hört einem Fahrer zu, der gerade keine großen Ansagen macht, weil er weiß, was der Körper an einem Sandsonntag von ihm verlangt.
Kurz die Lage in der Klasse, sonst ergibt der Rest keinen Sinn. Guillem Farres führt die MX2 mit 701 Punkten an - und das, obwohl er in Schweden mit übel zugerichtetem Gesicht gefahren ist. Dahinter Sacha Coenen mit 677, der ihm dort mit einem Doppelsieg über die Hälfte des Vorsprungs abgenommen hat, und Camden McLellan mit 656. Titelverteidiger Simon Längenfelder folgt mit 640.
Für Arnhem ist vor allem der dritte Name wichtig. McLellan ist der Mann für diesen Untergrund: In Lommel gewann er vor drei Wochen beide Läufe, in Arnhem stand er 2024 und 2025 jeweils auf Rang vier. Wenn der Titelkampf an diesem Wochenende kippt, dann durch ihn.
Und dann ist da diese Geschichte, die eigentlich zu schön für eine Ergebnisliste ist: zwei lettische Brüder, beide im Werksteam, beide in derselben Klasse, WM-Sechster und WM-Siebter.
Janis Martins Reisulis, der Jüngere der beiden, liegt mit 552 Punkten auf Rang sechs, sein gut zwei Jahre älterer Bruder Karlis Alberts mit 441 auf Rang sieben. Drei Podestplätze haben sie 2026 gemeinsam eingefahren - Janis wurde in Portugal Zweiter und in Südafrika Dritter, Karlis in Tschechien Dritter. Im tiefen Sand von Lommel landeten sie auf den Rängen vier (Karlis) und fünf (Janis). Das ist die eigentlich interessante Fußnote vor diesem Wochenende: Im schwersten Sand des Kalenders standen beide unmittelbar hinter dem Podest.
Für Janis ist Arnhem ohnehin ein Ort mit Vorgeschichte. Hier gewann er im Vorjahr mit einem 2-1 - Rang zwei im ersten Lauf, Sieg im zweiten - die EMX250-Tageswertung, in der beide Läufe zusammengezählt werden und legte den Grundstein für den Europameistertitel, den er in der Türkei einfuhr. Davor, 2023, holte er mit 15 Jahren den EMX125-Titel. Geradlinig war der Weg trotzdem nicht: Ein Kreuzbandriss ruinierte ihm 2024 den Einstieg in die EMX250.
Sinngemäß sagt Janis, er fühle sich stark und selbstbewusst, es sei nicht nur der letzte Europa-GP, sondern auch ein Heimrennen für das Team. Die Strecke sei schnell und fordernd, hart für den Körper, den niederländischen Sand möge er. Der Plan: weit vorne starten und bis zum letzten Meter kämpfen.
Bei Karlis lohnt der genaue Blick, weil sein eigenes Zitat und die Ergebnisliste auf den ersten Blick nicht zusammenpassen. Er sagt sinngemäß, in seinem ersten MX2-Jahr sei es in Arnhem gut gelaufen und er habe die Strecke damals richtig gespürt. Sein erstes MX2-Jahr war 2024. In der Tageswertung steht dort ein fünfzehnter Rang, 2025 dann eine glatte Null. Wer nur die Wertung liest, hält das für Schönfärberei.
Die Zeitenlisten geben ihm trotzdem recht, und zwar in beiden Jahren. 2024 war er im freien Training Vierter, im Warm-up Dritter, im ersten Lauf Siebter - bis ihn der zweite Lauf zwölf Runden zurückwarf. 2025 wieder Vierter im freien Training, Fünfter im Warm-up - dann ein überrundetes Qualifikationsrennen und ein Sturz im Warm-up, der ihn nach Angaben der Serie um beide Sonntagsläufe brachte.
Zweimal dasselbe Muster: Speed ja, Ertrag nein. Der Fahrer erinnert sich an das Gefühl, das Blatt Papier erinnert sich an das Ergebnis. Wenn er das an diesem Wochenende zusammenbringt, ist ein Podestplatz drin - das ist keine Yamaha-Prosa, das steht so in den Zeiten.
Im Unterbau passiert an diesem Wochenende etwas, das leicht untergeht: Sleny Goyer und Levi Townley fahren erstmals EMX250.
Der Grund ist banal und trotzdem interessant. Die EMX125 macht in Arnhem keine Station - ihr Kalender umfasst zehn Runden, das Finale steigt am 5. und 6. September in der Türkei. Statt ein Wochenende auszusetzen, schickt Yamaha die beiden eine Klasse höher, auf die 250er, gegen ein Feld von 76 Nennungen. Nach den offiziellen Nennlisten stehen Goyer mit der 350 und Townley mit der 26 für Yamaha Europe Monster Energy MJC auf der Liste.
Sportlich ist das ein Härtetest ohne Netz. Goyer ist in der EMX125 Tabellendritter, Townley Elfter - in der EMX250 treffen sie auf Fahrer, die seit März auf diesem Material sitzen, darunter die Yamaha-Kollegen Mano Faure und Jarne Bervoets.
An der Spitze dieser vorletzten von zwölf Runden ist der Titel praktisch vergeben: Francisco Garcia führt mit 402 Punkten vor Nicolai Skovbjerg (315) und wird nach Rechnung der Serie schon am Samstag Europameister, sofern er im ersten Lauf nicht 13 Punkte auf Skovbjerg verliert. Für die beiden Yamaha-Junioren geht es deshalb nicht um Zähler, sondern um eine Standortbestimmung: Wie weit ist der Weg von der 125er zur 250er wirklich?
Die Frauen-WM, im Fahrerlager kurz WMX, ist bei der MXGP Niederlande 2026 mit ihrer vierten von fünf Runden dabei - und ihr Titelkampf ist so eng, dass zwei Punkte darüber entscheiden, wer das rote Nummernschild trägt, das in dieser Serie der Tabellenführung vorbehalten ist. Kiara Fontanesi führt mit 141 Zählern vor Daniela Guillen mit 139. Für die Italienerin ist das eine kleine Zeitreise: Das rote Schild hatte sie zuletzt im September 2018 in der Hand.
Die Geschichte, die in den Niederlanden aber alle interessiert, ist eine andere. Lotte van Drunen, zweifache Weltmeisterin und im eigenen Land ein Name, steht nach einer verkorksten Saison mit 85 Punkten auf Rang sieben. In Arnhem gewann sie 2023 und 2024 beide Läufe, im Vorjahr verlor sie hier ein Duell gegen Guillen. Rechnerisch ist sie nicht raus, realistisch schon. Ein Grand-Prix-Sieg vor den eigenen Fans ist dagegen sehr wohl drin.
Beste Niederländerin in der Tabelle ist derzeit Shana van der Vlist als Vierte. Wenn es am Sonntagvormittag beim zweiten WMX-Lauf also besonders laut wird, weißt du jetzt, warum.
Die MXGP Niederlande 2026 läuft am Samstag, 22., und Sonntag, 23. August. Der Samstag gehört den Trainings, dem ersten WMX-Lauf (15:00 Uhr), dem ersten EMX250-Lauf (15:45 Uhr) und den Qualifikationsrennen von MX2 (16:35 Uhr) und MXGP (17:25 Uhr).
Denk dran: Das Qualifikationsrennen am Samstag bringt bereits WM-Punkte für die Top Ten und legt die Reihenfolge der Startplatzwahl für beide Sonntagsläufe fest. Ein verpatzter Samstag kostet also zweimal.
Der Sonntag beginnt um 09:40 Uhr mit dem zweiten EMX250-Lauf, um 11:30 Uhr folgt der zweite WMX-Lauf. Die WM-Läufe steigen um 13:15 Uhr (MX2) und 14:15 Uhr (MXGP), die zweiten Durchgänge um 16:10 Uhr und 17:10 Uhr. Alle Zeiten sind Ortszeit - und damit identisch mit der Zeit in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Als Sender führt die offizielle Broadcaster-Liste der Serie für alle drei Länder Eurosport, für Deutschland zusätzlich More Than Sport, für die Schweiz die SRG. Daneben gibt es MXGP-TV, den kostenpflichtigen Stream der Serie selbst. Ein Blick in diese Liste kurz vor dem Start lohnt sich - sie ändert sich von Saison zu Saison.
Für DACH-Zuschauer lohnt der Blick über die Yamaha-Boxengasse hinaus. In der MX2 startet mit Simon Längenfelder der amtierende Weltmeister und nach Ken Roczen erst der zweite deutsche Titelträger dieser Klasse - er liegt als WM-Vierter allerdings mehr als ein Rennwochenende hinter der Spitze. In der MXGP gehen mit Maximilian Spies, Tom Koch, Noah Ludwig, Dave Abbing und Peter Koenig fünf deutsche Fahrer an den Start, dazu der Schweizer Jeremy Seewer, der 2026 auf einer KTM des Teams Venrooy sitzt. Sein Landsmann Kevin Brumann hat nach einem schweren Sturz in Schweden kurzfristig zurückgezogen. Wer bei der MXGP Niederlande 2026 also nur auf die vier Namen an der Tabellenspitze schaut, verpasst die Hälfte.
Wenn die MXGP Niederlande 2026 am Sonntagabend abgerechnet ist, wird eine Zahl über allem stehen - und sie wird nicht Herlings gehören. Sie wird lauten: neun plus X oder neun minus X. Ob Gajser sein WM-Podest verteidigt hat oder ob ein Belgier, der drei Grands Prix ohne Rennen hinter sich hat, ihm den Platz in zwei Läufen wieder abgenommen hat.
Und dann sind da noch diese zwei Brüder, die seit März dieselbe Boxengasse teilen, dieselbe Farbe fahren und in der Tabelle 111 Punkte auseinanderliegen - zugunsten des Jüngeren. Janis, Jahrgang 2008, kam vom Europameistertitel hierher. Karlis, gut zwei Jahre älter, von zwei Wochenenden auf genau dieser Strecke, an dem er schnell war und trotzdem nichts mitnahm. Der Sand von Arnhem hat mit beiden noch eine Rechnung offen.
Und dann ist da der Mann, der 2024 in Arnhem das Qualifikationsrennen gewonnen hat. Glenn Coldenhoff, im Vorjahr WM-Dritter, fährt in dieser Saison die brasilianische Meisterschaft und kommt mit einer Wildcard - also einem Startplatz außerhalb der WM-Stammfahrer - für dieses eine Wochenende zurück, auf einer privat eingesetzten Yamaha. Aus der MXGP hatte er sich schon im vergangenen Jahr verabschiedet; nach eigenen Worten ist Arnhem nun sein letzter Start bei einem Heim-Grand-Prix. In der Yamaha-Pressemappe zu diesem Wochenende kommt er nicht vor. Solche Momente stehen eben in keiner Tabelle.
Damit du uns am Montag festnageln kannst, hier unsere Erwartung: Herlings gewinnt, weil ihn in diesem Land auf diesem Untergrund seit Jahren niemand schlägt. Gajser hält Platz drei - nicht weil er schneller wäre, sondern weil ein Fahrer nach drei Grands Prix ohne Rennen an einem Sandsonntag keine 60 Punkte holt. Und in der MX2 tippen wir auf McLellan.
Danach geht es nach Anatolien, nach Shanghai und nach Darwin. Drei Runden weit weg vom europäischen Publikum, mit Zeitverschiebung und halbleeren Wohnzimmern. Aber an diesem Wochenende ist die WM noch zum Anfassen nah.
Wann findet die MXGP Niederlande 2026 statt?
Der Grand Prix läuft am Samstag, 22. August, und Sonntag, 23. August 2026 im Motorsportpark Gelderland Midden bei Arnhem. Es ist Runde 16 von 19 der Motocross-Weltmeisterschaft und der letzte Grand Prix auf dem europäischen Festland in dieser Saison.
Wann starten die einzelnen Rennen?
Die beiden MXGP-Läufe starten am Sonntag um 14:15 und 17:10 Uhr, die MX2-Läufe um 13:15 und 16:10 Uhr. Das MXGP-Qualifikationsrennen läuft schon am Samstag um 17:25 Uhr. Die Ortszeit entspricht der Zeit in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Warum ist Platz drei in der MXGP-Wertung so umkämpft?
Tim Gajser liegt mit 575 Punkten auf Rang drei, nur neun Zähler vor Lucas Coenen (566). Der Belgier hat zuletzt drei Runden wegen einer Hüftverletzung ausgelassen, steht für Arnhem aber auf der Nennliste. Ein einziges gutes Wochenende von ihm reicht rechnerisch, um die Reihenfolge zu drehen.
Zählt das Qualifikationsrennen am Samstag für die WM?
Ja. Die besten zehn Fahrer bekommen dort Punkte nach dem Schlüssel 10-9-8 bis 1, ab Rang elf gibt es nichts. Das Ergebnis legt zusätzlich fest, in welcher Reihenfolge die Fahrer am Sonntag ihren Startplatz an der Startmaschine wählen dürfen.
Wie schlägt sich Tim Gajser normalerweise in den Niederlanden?
Besser, als sein Ruf als Nicht-Sandspezialist vermuten lässt. 2015 gewann er den Grand Prix in Assen in der MX2, 2021 in Oss in der Königsklasse, 2020 wurde er Zweiter. In Arnhem selbst stehen die Plätze fünf (2023), drei (2024) und vier (2025) zu Buche.
Wer sind die Reisulis-Brüder?
Janis Martins und Karlis Alberts Reisulis sind lettische Brüder und fahren beide im Yamaha-Werksteam in der MX2. Janis liegt mit 552 Punkten auf WM-Rang sechs, Karlis mit 441 auf Rang sieben. Janis holte 2023 den EMX125- und 2025 den EMX250-Europameistertitel, letzteren unter anderem mit einem 2-1 und dem Tagessieg in Arnhem.
Warum fahren Sleny Goyer und Levi Townley plötzlich EMX250?
Weil die EMX125 in Arnhem keinen Lauf austrägt - ihr Finale steigt erst Anfang September in der Türkei. Yamaha nutzt das Wochenende, um beide Junioren eine Klasse höher antreten zu lassen. Für die Europameisterschaft der 125er hat das keine Auswirkung.
Kann Jeffrey Herlings in Arnhem schon Weltmeister werden?
Nein. Sein Vorsprung auf Romain Febvre beträgt 116 Punkte, und mit vier ausstehenden Runden sind noch deutlich mehr Punkte zu vergeben. Er kann sich aber eine Ausgangslage schaffen, in der der Titel bei der nächsten Runde in der Türkei fallen könnte.
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