
„Den Reifenluftdruck vor jeder Fahrt prüfen und ggf. korrigieren.“ Das schreibt Yamaha in die Anleitungen der Tracer 700, der MT-07 und der MT-09. Honda verlangt, den Reifendruck mindestens einmal im Monat zu messen. Nebeneinander sieht das aus, als wären sich zwei Hersteller uneinig, und wer selten misst, hält sich gern an den zweiten Satz.
Nur steht der Yamaha-Satz sinngemäß auch bei Honda. In der Liste, die vor dem Aufsteigen abzuarbeiten ist, verlangt Honda bei Rädern und Reifen, Zustand und Luftdruck zu prüfen. Der Monat ist die Untergrenze für das Messgerät, kein Ersatz für die Prüfung vor der Fahrt.
Jede Anleitung, die wir für diesen Text aufgeschlagen haben, setzt den Luftdruck in die Kontrolle vor der Fahrt. Nur die Worte unterscheiden sich.
Suzuki legt in der deutschen Anleitung der älteren V-Strom 650 den Zeitpunkt fest: täglich vor dem ersten Fahrtantritt. Kawasaki zählt den Reifendruck bei der Ninja 125 zu den Kontrollen, die jeden Tag vor dem Losfahren anstehen. BMW hat für die R 1250 GS und die R 1300 GS eine Checkliste „Vor jedem Fahrtantritt“ mit dem Punkt „Reifenfülldruck prüfen“. Bei KTM steht der Reifendruck für die 890 Adventure und die 390 Duke in der Liste für jede Fahrt.
Honda verlangt die Prüfung vor dem Aufsteigen in allen neun deutschen Anleitungen der Jahre 2021 bis 2025, ob CB650R, Transalp oder Gold Wing.
Der ADAC fasst das auf seiner Seite zu Motorradreifen als Ansicht der Hersteller zusammen. Praktisch wichtig sei der Reifendruck vor der Fahrt vor allem dann, wenn die Maschine Tage oder Wochen gestanden habe.
Der Monatssatz steht bei Honda nicht in der Liste vor der Fahrt, sondern im Wartungskapitel. Wörtlich lautet er in den Anleitungen der NC750X und der NT1100 von 2025 so: „Sichtprüfen Sie Ihre Reifen, und messen Sie mindestens einmal im Monat, oder immer, wenn Ihnen ein Reifen luftarm vorkommt, mit einem Luftdruckmesser den Reifendruck.“
Vier Dinge stecken darin: ein Blick, ein Messgerät, eine Untergrenze und ein Anlass. Öfter darf es sein, seltener nicht. Und wenn ein Reifen weich wirkt, wartet die Messung nicht auf den nächsten Monat.
In der Liste vor der Fahrt nennt Honda kein Werkzeug. Das Messgerät kommt erst im Wartungskapitel vor, zusammen mit dem Monat.
Für die XL750 Transalp und die Africa Twin gibt es einen zweiten Takt. Vor und nach jeder Geländefahrt kommt das Messgerät ans Ventil, auf der Straße einmal im Monat. Wer den Reifendruck fürs Gelände verändern will, soll das laut Honda nur in kleinen Schritten tun.
BMW setzt nach dem Gelände einen Warnhinweis in die Anleitungen der R 1250 GS und der R 1300 GS. Mit dem fürs Gelände abgesenkten Druck auf befestigten Wegen weiterzufahren, nennt BMW eine Unfallgefahr, weil sich die Fahreigenschaften verschlechtern.
Vieles findet vor der Fahrt schon der Blick. Yamaha zählt in den Anleitungen auf, worauf er fallen soll: zu wenig Profiltiefe, eingefahrene Nägel oder Glassplitter, rissige Flanken. Findest du so etwas, soll die Fachwerkstatt den Reifen laut Yamaha umgehend wechseln.
Den Reifendruck zeigt der Blick nicht. Zwei, drei Zehntel zu wenig siehst du einem Reifen nicht an.
Gerade diese kleinen Abweichungen zählen aber. Das Institut für Zweiradsicherheit schreibt, schon 0,2 bar zu wenig oder zu viel könnten die Fahrsicherheit beeinträchtigen, und rät, mindestens alle zwei Wochen zu messen, immer am kalten Reifen. Auch zu viel Luft ist also ein Fehler: Laut Pirelli verschlechtert zu hoher Druck Fahrverhalten, Fahrkomfort und Abriebbild.
Yamaha, Suzuki, Kawasaki, BMW und KTM trennen Blick und Messung nicht nach dem Kalender. Dort heißt es schlicht prüfen, am kalten Reifen und mit dem Auftrag, bei Bedarf zu korrigieren. Wörtlich genommen kommt das Messgerät dort vor der Fahrt ans Ventil.
Kappe ab, das Messgerät gerade und zügig aufsetzen, ablesen, bei Bedarf nachfüllen, Kappe wieder drauf. An die Ventilkappe erinnern Kawasaki, KTM und Michelin eigens.
Sicherheitshinweis: Fehlt einem Reifen sichtbar Luft, fahr nicht damit los, und füll nicht einfach nach, ohne nach dem Grund zu sehen. Sackt der Druck in wenigen Wochen um rund ein Bar ab, ist das laut ADAC ein Fall für eine gründliche Suche nach dem Leck, am Reifen, am Rad und am Ventil.
Mit zu wenig Luft lenkt die Maschine träger ein, der Reifen walkt stärker und wird heiß. Fährst du mit falschem Reifendruck, kannst du laut Yamaha die Kontrolle über das Motorrad verlieren, mit Verletzungs- oder Lebensgefahr.
Blick und Messung ergänzen sich also. Der Blick fängt das Grobe ab, das Manometer das Schleichende.
Auch Reifenhersteller nennen einen Mindesttakt, und er ist enger als Hondas Monat. Bei Metzeler ist es wöchentlich. Michelin hält zwei Wochen für unbedingt notwendig und dazu eine Messung vor jeder längeren Fahrt.
Ein Grund dafür ist der langsame Verlust. Ein intakter Reifen verliert laut Continental bis zu 0,1 bar im Monat, und das gilt als normal.
Der zweite Grund kommt jetzt im Herbst dazu. Hast du den Reifendruck im September bei 20 Grad eingestellt, zeigt das Messgerät an einem Oktobermorgen bei fünf Grad knapp zwei Zehntel weniger, ohne dass Luft entwichen ist. Mit einem Monat Verlust obendrauf fehlen fast drei Zehntel. Das ist mehr als die 0,2 bar, die laut dem Institut für Zweiradsicherheit schon die Fahrsicherheit beeinträchtigen können.
Am kalten Oktobermorgen füllst du deshalb bis zum Sollwert aus der Anleitung nach.
Daraus ergibt sich ein Takt. Vor jeder Fahrt prüfst du so, wie es deine Anleitung verlangt. Nennt sie dabei kein Messgerät, wie bei Honda, kommt das Manometer trotzdem spätestens alle zwei Wochen ans Ventil. Das sind gut zwei Dutzend Termine im Jahr, je ein paar Minuten an zwei Rädern, und die Anlässe im nächsten Abschnitt kommen noch dazu.
Steht die Maschine die ganze Woche, ist jede Wochenendrunde zugleich die erste Fahrt nach einer Standzeit.
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Unabhängig vom Kalender gibt es Anlässe, bei denen du misst, bevor du losfährst.
Für Alpentouren heißt der dritte Punkt: kalt messen, also am Morgen vor der ersten Etappe, und nicht direkt nach der Passstraße mit warmen Reifen.
Auf den kalten Reifen bestehen alle. Nur beschreibt jeder das Wort kalt anders.
Yamaha meint einen Reifen, dessen Temperatur der Umgebung entspricht. Kawasaki zieht für die Ninja 125 eine Grenze in Kilometern: in den letzten drei Stunden nicht mehr als 1,6 Kilometer gefahren. Michelin nennt zwei Stunden ohne Fahrt oder weniger als drei Kilometer bei niedrigem Tempo.
Die Tankstelle fünf Kilometer weiter ist nach jeder dieser Beschreibungen schon zu weit. Das Gerät dort misst einen angewärmten Reifen. Am einfachsten ist es deshalb, zu Hause zu messen, bevor du losfährst.
Füllst du doch an der Säule nach, dann nur, wenn du den Unterschied zum kalten Wert kennst. Michelin schreibt dazu einen Satz, der sich merken lässt: Aus einem heißen Reifen wird nie Luft abgelassen.
Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch. Der Sollwert für den Reifendruck steht dort, bei vielen Modellen auch auf einem Aufkleber an der Maschine.
Manche Maschinen messen selbst, und das verführt dazu, das Manometer ganz in der Schublade zu lassen. Honda sieht das anders. In der Anleitung der Gold Wing von 2025 steht vor dem Monatssatz der Zusatz, er gelte auch dann, wenn das Motorrad eine Reifendrucküberwachung hat.
Den Druck nach den Werten im Display einzustellen, schließt Honda dort aus. Die Anzeige warnt dich, wenn deutlich Luft fehlt. Den Druck stellst du mit dem Messgerät am kalten Reifen ein.
Bei der R 1250 GS und der R 1300 GS bezieht die Reifendruck-Control von BMW, sofern verbaut, alle Werte auf 20 Grad. Auf einem kalten Hof zeigt sie deshalb etwas anderes als dein Manometer, ohne dass eines von beiden falsch liegt. Welcher der beiden Werte beim Nachfüllen zählt, erklärt der Text zum Reifendrucksensor im Kasten weiter oben.
Genügt es, den Reifendruck einmal im Monat zu messen?
Einmal im Monat genügt nur als Untergrenze: Mindestens so oft verlangt Honda, den Reifendruck mit einem Luftdruckmesser zu prüfen. Vor jeder Fahrt verlangen trotzdem alle Anleitungen, die wir gelesen haben, eine Prüfung von Reifen und Luftdruck, auch die von Honda. Metzeler und Michelin raten beim Messen zu einem Abstand von ein bis zwei Wochen.
Wann gilt ein Motorradreifen als kalt?
Als kalt gilt ein Reifen bei Yamaha, wenn er so warm ist wie die Luft ringsum. Bei der Kawasaki Ninja 125 darf die Maschine in drei Stunden höchstens eine Meile, also 1,6 Kilometer, bewegt worden sein. Michelin spricht von zwei Stunden Pause oder einer kurzen, langsamen Strecke unter drei Kilometern.
Darf ich den Reifendruck an der Tankstelle prüfen?
Prüfen darfst du dort, richtig messen kannst du aber nur am kalten Reifen, und kalt ist er nach wenigen Kilometern Anfahrt nicht mehr. Liegt die Tankstelle weiter weg, miss zu Hause und füll an der Säule nur nach, wenn du den Unterschied zum kalten Wert kennst. Aus einem heißen Reifen lässt du keine Luft ab.
Muss ich mit Reifendruckkontrolle trotzdem selbst messen?
Selbst messen musst du zum Beispiel bei der Honda Gold Wing von 2025, auch wenn sie eine Reifendrucküberwachung hat. Ihre Anleitung verlangt, mindestens einmal im Monat mit einem Luftdruckprüfer zu messen, und den Druck nach den Werten im Display einzustellen, schließt sie aus. Die Reifendruck-Control von BMW zeigt bei R 1250 GS und R 1300 GS, sofern verbaut, auf 20 Grad bezogene Werte, die vom Manometer abweichen können.
Ändert sich der Reifendruck in den Bergen?
Der Reifendruck ändert sich in den Bergen mit der Temperatur und mit der Höhe. Kawasaki rät in der Anleitung der Ninja 125, den Druck zu prüfen und anzupassen, wenn eine Fahrt große Unterschiede bei Temperatur oder Höhe bringt. Miss dabei am kalten Reifen, also nicht direkt nach der Passfahrt.
Wann prüfe ich den Reifendruck bei Fahrten im Gelände?
Für XL750 Transalp und Africa Twin verlangt Honda, den Reifendruck vor jeder Geländefahrt und danach zu messen. Fürs Gelände verstellst du den Druck nur schrittweise. Für die R 1250 GS und die R 1300 GS nennt BMW es eine Unfallgefahr, mit dem niedrigen Geländedruck wieder auf Asphalt zu fahren.
Was bedeutet es, wenn nach zwei Wochen deutlich Luft fehlt?
Fehlt nach zwei Wochen deutlich Luft, ist das mehr als der normale Verlust, den Continental mit bis zu 0,1 bar im Monat angibt. Bei rund einem Bar in wenigen Wochen sieht der ADAC einen Grund, gründlich nach dem Leck zu suchen, am Reifen, an der Felge und am Ventil. Einfach nachfüllen und weiterfahren reicht dann nicht.
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