
Im Katalog eines Campingausstatters steht eine Reifenhülle für Pkw, Wohnwagen und Reisemobile, mit Ösen für Erdnägel. Die Ausführung mit reflektierender Front soll laut Beschreibung vor intensiver Sonne schützen, das Aufheizen des Reifens verringern und seinem vorzeitigen Altern vorbeugen. Gedacht ist sie für ein Rad, das auf einem Stellplatz lange in der Sonne steht. Verbringt ein Motorrad den Winter in der Garage, setzt seinen Reifen etwas anderes zu.
Im Herbst landen Reifenhüllen trotzdem auf manchem Motorrad, das dann bis März in einer Garage steht, in der es die meiste Zeit dunkel ist.
Ganz verkehrt ist das nicht. Ein Reifenhersteller rät in seinen Lagerempfehlungen für Motorradreifen ausdrücklich dazu, die Reifen abzudecken. Nur steht im selben Satz vorher noch etwas anderes, und das zählt mehr als jede Hülle.
Im Herbst rollst du die Maschine in die Garage. Dann stellt sich die Frage, was als Erstes kommt: die Hülle über die Räder oder das Motorrad auf den Ständer.
Continental hat eigene Lagerempfehlungen für Motorrad- und Rollerreifen veröffentlicht. Für ein Motorrad, das lange abgestellt bleibt, nennen sie zuerst den Hauptständer oder einen Motorradheber, wo es geht, damit das ganze Gewicht von den Reifen kommt. Erst im zweiten Teil desselben Satzes sollen die Reifen abgedeckt werden, um sie vor Umwelteinflüssen zu schützen.
Ob dabei beide Räder frei sind, hängt am Ständer: Für die NT1100 lässt Honda zusätzlich zum Hauptständer einen Block unter das Motorrad setzen, damit beide Reifen den Boden nicht berühren.
Continental schreibt außerdem, Reifen seien so ausgelegt, dass sie Sonnenlicht, Feuchtigkeit und Ozon widerstehen können, einem Gas in der Luft, das Gummi rissig machen kann. Je länger sie lagern, desto mehr Gelegenheit bekommen diese Einflüsse trotzdem. Das Abdecken ist damit für den langen Stillstand gedacht, nicht für die Nacht zwischen zwei Ausfahrten.
Michelin setzt in seinem Ratgeber zur Winterlagerung denselben Schwerpunkt: Den besten Schutz für die Reifen biete ein Ständer, der sie vollständig vom Boden abhebt. Eine Hülle für die Räder kommt dort nicht vor, genannt wird eine atmungsaktive Abdeckung für das ganze Motorrad.
Auch bei den Motorradherstellern kommt das Gewicht von den Reifen: Honda, Kawasaki, KTM und Yamaha lassen die Maschine für die Stilllegung anheben, wo es geht. Wo ihre Anleitungen eine Abdeckung nennen, ist sie für das ganze Motorrad gedacht, bei KTM eine luftdurchlässige Plane oder Decke, bei Yamaha eine porige Abdeckung gegen Staub. Eine eigene Reifenhülle steht in keinem der vier Stilllegungskapitel. Reicht deine Abdeckung tief über die Räder, sind die Reifen schon zum großen Teil darunter.
Wer auf den Seiten von Continental weitersucht, stößt allerdings auf einen Satz, der nach dem Gegenteil klingt. Auf der Seite zur Reifenlagerung heißt es, Reifen müssten vor dem Einlagern weder eingewickelt noch mit einem Glanzmittel eingesprüht werden. Die ganze Seite ist aber für Autoreifen geschrieben, gemeint sind lose Reifen nach dem Wechsel auf die andere Saison. Für das abgestellte Motorrad steht in den Empfehlungen für Motorradreifen der Satz vom Anheben und Abdecken.
Warum Reifenhersteller überhaupt ans Abdecken denken, hat viel mit Licht zu tun. In den Antworten von Pirelli zu Motorradreifen steht beides: Der Lagerraum soll dunkel, trocken, kühl und mäßig gelüftet sein, und längeres Einwirken von UV-Strahlen der Sonne kann das Gummi beschädigen. Michelin will die Reifen vor direkter Sonne geschützt sehen, weil UV-Strahlung das Gummi schneller altern lässt.
Im Sommer kommt die Hitze dazu. Für gelagerte Reifen nennt Pirelli höchstens 35 Grad, ideal sind weniger als 25. Über 50 Grad kann die Qualität des Reifens leiden. Für diesen Fall ist die Hülle vom Campingplatz gemacht: Sie hält die Sonne vom Reifen fern und soll das Aufheizen verringern.
Im Winter in einer geschlossenen Garage fehlt dieser Gegner fast ganz. Es ist kühl, und die meiste Zeit ist es dunkel. Ganz ohne Licht ist eine Garage aber nicht. Fällt durch ein Fenster Sonne auf ein Rad, hält eine Hülle sie dort ab.
Sogar Kunstlicht mit hohem UV-Anteil steht in den Empfehlungen für Motorradreifen auf der Liste, und für den Lagerraum sind dort Glühlampen lieber gesehen als Leuchtstoffröhren. Eine Röhre an der Garagendecke, die nur brennt, wenn du drin bist, ist allerdings nicht die Julisonne auf dem Stellplatz.
Was eine Hülle nicht kann: den Reifen das Gewicht abnehmen. Steht ein Motorrad von November bis März auf seinen Reifen, drückt es sie die ganze Zeit an derselben Stelle zusammen. Yamaha schreibt in der Anleitung der MT-09, die Reifen könnten beschädigt werden, wenn sie ständig an derselben Stelle aufliegen. Pirelli schreibt für gelagerte Reifen, dass sie nicht durch Spannung, Zug oder Druck verformt werden dürfen.
Continentals Empfehlung nennt einen zweiten Grund, und der hat wieder mit Ozon zu tun. Lässt sich das Motorrad nicht anheben, wird empfohlen, es jeden Monat zu bewegen, damit sich in der Auflagefläche weniger Ozonrisse und Standplatten bilden, also abgeflachte Stellen im Reifen. Bilden sich doch welche, verschwinden sie in der Regel nach kurzer Fahrt, so steht es dort auch.
Michelin rät ohne Ständer, das Motorrad regelmäßig ein paar Zentimeter vor oder zurück zu rollen, damit der Reifen auf einer anderen Stelle steht. Roll dabei lieber eine Handbreit als zwei Finger weit, sonst liegt fast dieselbe Stelle wieder unten.
Continental will das Motorrad in diesem Fall außerdem ganz entladen haben, Koffer und Gepäck kommen herunter. Der Boden darunter soll fest, einigermaßen eben, gut entwässert und sauber sein. Für denselben Fall lässt Kawasaki Bretter unter Vorder- und Hinterrad legen, damit vom Boden keine Feuchtigkeit an die Reifen kommt.
Beim Luftdruck gehen die beiden Reifenhersteller auseinander. Michelin will vor dem Einlagern den Druck, den der Motorradhersteller empfiehlt, und warnt, dass Reifen mit zu wenig Luft eher Standplatten bekommen. Continental erlaubt für Reifen, die das Motorrad tragen, sogar den Höchstdruck, der auf der Seitenwand steht. Vor der ersten Fahrt muss der Druck dann zurück auf den Wert aus deiner Anleitung, das steht dort ausdrücklich dabei.
WERBUNG
🛒 Ständer, Heber und eine Abdeckung für drinnen
Die mit * gekennzeichneten Links sind Provisionslinks. Kommt über einen solchen Link ein Einkauf zustande, erhalten wir eine Provision. Für dich ändert sich am Preis nichts. Wo, wann und ob du ein Produkt kaufst, bleibt selbstverständlich dir überlassen. Für die Aufnahme in diese Liste zahlt niemand: Die Auswahl trifft die Redaktion unabhängig. Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen.
Ozon entsteht auch in der Garage selbst, in Geräten, die dort oft stehen. In den Empfehlungen für Motorradreifen sollen Reifen nicht in der Nähe von Elektromotoren und anderen Geräten lagern, die Ozon abgeben können. Welche das sind, steht auf Continentals Lagerseite: Motoren mit Kontaktbürsten, also mit Schleifkontakten, an denen im Betrieb kleine Funken entstehen, etwa in Generatoren, Kompressoren und Schmutzwasserpumpen.
Das passiert nur, solange der Motor arbeitet. Ein Kompressor, der in der Ecke steht und schweigt, erzeugt nichts. Läuft er im Januar ein paar Minuten, weil du etwas aufpumpst oder ausbläst, ist das etwas anderes als eine Schmutzwasserpumpe, die den ganzen Winter über immer wieder anspringt.
Getrennt davon stehen in den Empfehlungen für Motorradreifen Akkuladegeräte, Öfen und offenes Feuer, in deren Nähe Reifen nie lagern sollen. Bei Ofen und Feuer ist es die Hitze, von Heizkörpern und anderen Hitzequellen will auch Pirelli gelagerte Reifen fernhalten. Das Ladegerät, das den Winter über an der Batterie hängt, legst du ebenfalls nicht direkt an den Reifen. Und wer zum Schrauben heizt, stellt den Ofen nicht vor das Rad.
Das Regal ist der letzte Punkt. Pirelli schließt für den Lagerraum von Reifen Kraftstoffe, Lösungsmittel, Schmierstoffe und Chemikalien aus, die Empfehlung für Motorradreifen nennt außerdem Farben, Säuren und Desinfektionsmittel. Ganz leer räumen lässt sich eine Garage selten, das Motorrad hat ja selbst Benzin im Tank. Es muss aber nicht mit dem Hinterrad direkt vor dem Regal stehen.
Wo die Maschine über den Winter parkt, entscheidest du einmal im Herbst: so weit weg von Pumpe, Ofen und Regal, wie es die Garage hergibt.
Ein ideales Reifenlager ist die Garage nicht. In den meisten Garagen schwanke die Temperatur zu stark, und es sei meist sehr feucht, schreibt Continental auf derselben Lagerseite. Für lose Reifen eigne sich so ein Raum deshalb nicht unbedingt, perfekt sei der Keller. Michelin sieht in der unbeheizten Garage zwar den besseren Ort als draußen, warnt aber vor Kondenswasser, wenn die Temperatur schwankt. Ein Motorrad passt nun mal nicht in den Keller.
Neben der Hülle gibt es eine zweite gut gemeinte Idee für den Herbst: den Reifen mit Reifenglanz einsprühen, in der Hoffnung, das schütze ihn über den Winter. Continental hält das für unnötig. Solche Produkte könnten die Lebensdauer eher verkürzen als verlängern, heißt es dort. Die Mischung sei so gebaut, dass sie gegen Ozonrisse beständig ist.
Beim großen Putzen vor dem Winter landet schnell etwas daneben, und davor warnen die Anleitungen der Motorradhersteller: Was auf den Reifen gerät, gehört dort nicht hin. Honda lässt beim Wachsen der Maschine das Wachs von Reifen und Bremsen fernhalten. Kawasaki will für die Stilllegung kein Öl an Gummiteilen und Bremsen.
Sicherheitshinweis: Was auf Reifen oder Bremsen zurückbleibt, kann dir in der ersten Schräglage die Kontrolle über das Motorrad nehmen. Glanzspray, Wachs und Kettenspray gehören deshalb gar nicht erst auf den Reifen, und was doch dort gelandet ist, kommt vor der ersten Fahrt herunter. Yamaha nennt dafür warmes Wasser mit einem milden Reinigungsmittel und lässt vor schnelleren Fahrten Bremsen und Kurvenverhalten testen. Und hast du den Druck für den Winter erhöht, stellst du ihn vorher zurück auf den Wert aus der Anleitung.
Anders sieht es aus, wenn das Motorrad den Winter unter einem Carport, im Hof oder hinter dem Haus verbringt. Dann ist die Sonne zurück, auch im Januar, und von unten kommt Nässe. Für Reifen, die im Freien lagern, nennt Continental eine lichtundurchlässige, wasserdichte Abdeckung. Darunter soll sich aber weder Wärme noch Dampf stauen, die Luft muss zirkulieren können.
Auch der Untergrund spielt mit. Dunkler Asphalt, der Wärme schluckt, gilt in derselben Empfehlung als schlechter Platz für Reifen, ebenso die Nähe stark spiegelnder Flächen wie Schnee. Ein verschneiter Hof wirft das Licht von unten an die Reifen zurück.
Hier passt die Hülle aus dem Campingkatalog zu ihrer Aufgabe, zumindest auf dem Papier. Sie deckt die Lauffläche und die Front ab, am Wohnwagen also die Seite, die nach außen zeigt. Am Motorrad liegen beide Seiten des Rades offen, und ob die Hülle zwischen Kotflügel, Gabel und Schwinge überhaupt sitzt, zeigt erst die Anprobe.
Sie kommt außerdem nur auf ein trockenes Rad, sonst bleibt die Nässe darunter. Michelin nennt für das Motorrad im Freien eine hochwertige Abdeckung, die wasserdicht und atmungsaktiv ist und damit nicht nur die Reifen schützt.
Bevor irgendeine Hülle über das Rad kommt, ob drinnen oder draußen, lohnt sich ein letzter Blick auf den Reifen. Continental nennt dafür auf seiner Lagerseite Schnitte, Stiche und Risse, und gefundene Schäden lässt du vom Fachmann prüfen. Wer schaut schon unter eine Hülle, solange das Motorrad steht?
Braucht ein Motorrad in der Garage eine Reifenhülle?
Eine eigene Reifenhülle nennt keiner der drei Reifenhersteller, Continental empfiehlt aber, die Reifen eines abgestellten Motorrads abzudecken. Für eine lange Standzeit kommt die Maschine dort zuerst auf Hauptständer oder Heber, erst danach werden die Reifen abgedeckt. In den Anleitungen der Motorradhersteller liegt die Plane über der ganzen Maschine, und eine tief reichende Plane deckt die Reifen mit ab.
Wie schütze ich Motorradreifen ohne Ständer über den Winter?
Motorradreifen ohne Ständer schonst du, indem du die Maschine jeden Monat ein Stück weiterrollst und Koffer und Gepäck abnimmst. Continental erlaubt für diesen Fall, den Druck bis zum Höchstwert auf der Seitenwand zu erhöhen. Vor der ersten Fahrt gehört er zurück auf den Wert, den der Motorradhersteller vorgibt.
Woher kommt Ozon in der Garage?
Ozon in der Garage kann aus Elektromotoren mit Kontaktbürsten kommen, solange sie laufen. Als Beispiele nennt Continental Generatoren, Kompressoren und Schmutzwasserpumpen. Das Gas greift Gummi an und lässt Risse entstehen, deshalb gehören solche Geräte nicht neben gelagerte Reifen.
Ist Reifenglanz vor dem Winter gut für Motorradreifen?
Reifenglanz vor dem Winter hält Continental auf seiner Lagerseite für Autoreifen für unnötig, weil solche Mittel die Lebensdauer eher verkürzen als verlängern können. Auf einem Motorradreifen wird jeder rutschige Film zum Risiko: Reste von Schmiermittel oder Wachs auf dem Reifen können in der Kurve die Haftung kosten. Was im Herbst doch auf dem Gummi gelandet ist, wird vor der ersten Fahrt gründlich abgewaschen.
Was brauchen Motorradreifen, wenn die Maschine draußen überwintert?
Motorradreifen im Freien brauchen Schutz vor Sonne, Bodennässe und Wärmestau. Continental empfiehlt für Reifen draußen eine lichtundurchlässige, wasserdichte Abdeckung mit genug Luftzirkulation und rät von dunklem Asphalt ab. Michelin nennt für das Motorrad im Freien eine wasserdichte, atmungsaktive Plane über der ganzen Maschine.
0 Stimmen: 0× Daumen hoch, 0× Daumen runter (0 Punkte)






