Motorrad winterfest machen: Was sechs Anleitungen wirklich verlangen

Die letzte Ausfahrt ist vorbei, und das Motorrad soll bis zum Frühjahr stehen. Für genau diesen Fall steht in der Anleitung eines Herstellers eine Liste, gedacht für eine Standzeit ab 60 Tagen.

Daneben haben wir die Kapitel zur Stilllegung aus fünf weiteren Anleitungen gelegt. Sie folgen derselben Idee und weichen in Einzelheiten ab, manchmal in die Gegenrichtung. Einen Schritt, den deine Anleitung nicht kennt, etwa das Öl in die Zylinder, lässt du weg, und wo sie etwas anderes sagt, gilt sie.

Die Liste Schritt für Schritt

Die Liste stammt aus der Anleitung der Yamaha MT-09 von 2024. So ordnet Yamaha die Vorbereitung für die lange Pause:

  • Reparieren: Was ansteht, wird vorher repariert und gewartet.
  • Pflegen: Waschen, trocknen und konservieren nach dem Pflegekapitel der Anleitung.
  • Tanken: Tank füllen, einen Kraftstoffstabilisator nach der Angabe auf der Packung zugeben und den Motor im Freien fünf Minuten laufen lassen, damit der behandelte Kraftstoff durchs ganze System kommt.
  • Zylinder: Vernebelungsöl nach Produktangabe, ersatzweise ein Teelöffel Motoröl je Kerzenbohrung, beim Durchdrehen liegen die Kerzen an Masse.
  • Schmieren: Seilzüge, Drehpunkte, Hand- und Fußhebel und den Seitenständer.
  • Reifen: Luftdruck prüfen und richtig einstellen, dann die Maschine so anheben, dass kein Rad den Boden berührt, sonst die Räder monatlich etwas drehen.
  • Auspuff: Das Ende des Schalldämpfers mit einer Plastiktüte gegen Feuchtigkeit abdecken.
  • Batterie: Ausbauen und voll laden oder an ein Erhaltungsladegerät hängen.

Du brauchst dafür trockenes Wetter, weil der Motor im Freien läuft, dazu Werkzeug für Kerzen und Batterie und Montageständer, denn einen Hauptständer hat die MT-09 nicht. Wo die anderen Hersteller abweichen, steht in den folgenden Abschnitten.

Waschen mit kaltem Wasser

Alle sechs Anleitungen lassen die Maschine vor der Pause reinigen. Einen Hinweis dazu haben Yamaha und KTM: War Streusalz an der Maschine, wäschst du mit kaltem Wasser, weil warmes das Salz noch aggressiver macht. Hochdruck- und Dampfstrahler schließt Yamaha aus, weil Wasser in Radlager, Bremsen, Dichtungen und Elektrik gedrückt werden kann.

Danach muss die Maschine ganz trocken sein, bevor sie abgedeckt wird. Nass gehört sie laut Yamaha weder in eine Garage ohne Lüftung noch unter eine Plane, sonst bleibt Wasser an den Teilen stehen, und sie rosten. Honda lässt die lackierten Flächen der NC750X wachsen, matt lackierte ausgenommen, und Chromteile mit Rostschutzöl überziehen. BMW nimmt für blanke und verchromte Teile der R 1300 GS säurefreies Fett wie Vaseline.

Nach dem Waschen wird geschmiert. Honda und Kawasaki nennen die Kette, Kawasaki und Yamaha die Seilzüge, Yamaha dazu Hebel, Drehpunkte und Seitenständer, KTM nach dem Abkühlen alle beweglichen Teile und Drehpunkte. BMW sprüht an der R 1300 GS die Lagerung von Brems- und Kupplungshebel ein, bei Maschinen mit Hauptständer auch dessen klappbares Trittstück. Die Lager von Seitenstütze und Hauptständer selbst sind laut BMW wartungsfrei und brauchen keine Schmierung.

Sicherheitshinweis: Silikon oder Ölspray kommt nicht auf Sitzbank, Griffe, Gummifußrasten und Reifenlaufflächen. Laut Yamaha werden sie davon rutschig, bis hin zum Kontrollverlust, und vor der ersten Fahrt reinigst du diese Flächen gründlich. Auch auf Bremsen und Reifen gehört weder Schmiermittel noch Wachs.

Tank, Öl und Zylinder

Beim Tank widersprechen sich die Anleitungen. Vier der sechs Hersteller wollen ihn voll: Yamaha, Suzuki, KTM und BMW, dazu einen Zusatz im Kraftstoff, bei Yamaha und Suzuki einen Stabilisator. Für die Ninja 125 lässt Kawasaki ihn dagegen mit Pumpe oder Heber leeren, an einem gut belüfteten Ort ohne Flammen und Funken. In der Liste für die NC750X erwähnt Honda den Tank nicht. Was davon für dein Motorrad zutrifft, sagt seine Anleitung.

Damit der behandelte Kraftstoff bis in die Einspritzung kommt, lässt Yamaha den Motor danach fünf Minuten laufen, Suzuki einige Minuten. Dafür schiebst du die Maschine ins Freie, in geschlossenen Räumen lässt du sie nie laufen. Parkst du in einer Tiefgarage, kommt der Zusatz schon beim letzten Tanken hinein, wie es KTM vorsieht, und die Heimfahrt verteilt ihn, wenn sie ein paar Minuten dauert. In seinem Stilllegungskapitel warnt Kawasaki vor dem Kohlenmonoxid im Abgas, einem Gas ohne Farbe und Geruch, das zu schweren Hirnschäden oder zum Tod führen kann.

Das Motoröl wechseln Kawasaki und KTM vor der Pause, Kawasaki nach fünf Minuten Warmlaufen, KTM samt Filter und Ölsieben. Suzuki tauscht bei der V-Strom 650 das Altöl gegen frisches, das bis zum Rand der Einfüllöffnung reicht. Vor der nächsten Saison kommt dort alles wieder heraus, mit neuem Filter und frischem Öl bis zur normalen Marke.

Öl für die Zylinderwände nennen nur Yamaha, Kawasaki und Suzuki: Vernebelungsöl in den Brennraum oder ein wenig Motoröl durch die Kerzenbohrung, bei Yamaha danach ein paar Umdrehungen mit dem Anlasser. Kommst du an die Kerzen nicht heran, schickt dich Kawasaki zum Händler. Honda, KTM und BMW haben diesen Schritt nicht in ihrer Liste.

Sicherheitshinweis: Die Kerzen schraubst du erst heraus, wenn der Motor nach dem Lauf abgekühlt ist. Drehst du den Motor mit herausgeschraubten Kerzen durch, steckt jede Kerze in ihrem Stecker und liegt auf dem Zylinderkopf, damit ihre Elektroden Masse haben. Sonst können laut Yamaha Funken entstehen, und die führen zu Schäden und Verletzungen.

Die Räder entlasten

In den Stilllegungskapiteln der sechs Anleitungen steht kein Zuschlag auf den Reifendruck. Yamaha lässt den Druck prüfen und richtig einstellen, Suzuki die Reifen mit dem normalen Fülldruck aufpumpen, KTM den Druck kontrollieren.

Fünf der sechs Hersteller sorgen dafür, dass die Reifen den Winter nicht auf einem Fleck verbringen. Honda stellt die NC750X auf einen Wartungsständer und stützt sie so ab, dass beide Reifen frei sind. KTM bockt die 390 Duke zuerst hinten und dann vorn auf, BMW stellt die R 1300 GS so ab, dass beide Räder entlastet sind.

Yamaha und Kawasaki heben die Maschine ebenfalls an. Geht das nicht, lässt Yamaha die Räder einmal im Monat ein wenig drehen, und Kawasaki legt Bretter unter die Reifen, damit keine Feuchtigkeit vom Boden ans Gummi kommt. Suzuki stellt die V-Strom 650 für die Einlagerung dagegen auf den Seitenständer, auf festen und ebenen Boden, den Lenker ganz nach links eingeschlagen und abgeschlossen.

Auspuff zu, Batterie raus

Yamaha und Kawasaki stülpen eine Plastiktüte über das Ende des Schalldämpfers, damit keine Feuchtigkeit hineinkommt. Motor und Auspuff sind dabei kühl, das verlangt Yamaha schon fürs Abdecken. Im Frühjahr steht das Abnehmen der Tüte bei Kawasaki an erster Stelle, noch vor der Batterie.

Die Batterie steht in allen sechs Listen. Honda lässt sie ausbauen, voll laden und vor Sonne geschützt an einem gut belüfteten Ort lagern. Bleibt sie in der Maschine, klemmst du den Minuspol ab. Beim Ausbau kommt laut Honda und BMW der Minuspol zuerst ab, beim Einbau der Pluspol zuerst dran. Der Schlüssel berührt dabei nie Pluspol und Rahmen zugleich.

Ausgebaut lagert die Batterie bei Yamaha zwischen 0 und 30 Grad, bei KTM zwischen 0 und 35 Grad, bei Suzuki und Kawasaki frostfrei. Yamaha, Kawasaki und Suzuki lassen sie einmal im Monat nachladen, Kawasaki mit höchstens einem Ampere, Suzuki fünf bis zehn Stunden lang mit 1,2 Ampere. Statt des Nachladens nennt Yamaha auch ein Erhaltungsladegerät, das zur Batterie passen muss.

Der richtige Platz

Yamaha will die MT-09 kühl und trocken lagern, KTM trocken und ohne große Temperaturschwankungen, BMW in einem trockenen Raum. Feuchte Keller, Ställe und Räume mit scharfen Chemikalien meidet Yamaha ausdrücklich, Ställe wegen des Ammoniaks.

Abgedeckt wird mit etwas, das Luft durchlässt. KTM warnt vor dichten Materialien, weil die Feuchtigkeit darunter nicht entweichen kann und Korrosion verursacht. Steht die Maschine draußen, nennt Honda eine Motorradgarage als Möglichkeit und lässt nach Regen die Plane abnehmen und die Maschine trocknen.

Den Motor zwischendurch nur kurz anzuwerfen, lässt du besser bleiben. KTM begründet das damit, dass er dabei nicht auf Temperatur kommt und Wasserdampf aus der Verbrennung an Ventilen und Auspuff kondensiert. Friert es am Stellplatz, zählt der Frostschutz im Kühlmittel. KTM lässt ihn vor der Pause samt Kühlmittelstand prüfen, und welcher Wert reicht, steht in deiner Anleitung.

Im Frühjahr rückwärts

Nach dem Winter läuft die Liste ungefähr rückwärts. Kawasaki nimmt zuerst die Tüte vom Schalldämpfer, lädt die Batterie bei Bedarf und baut sie ein, tankt frischen Kraftstoff und schmiert die Drehpunkte. KTM nimmt die 390 Duke von den Ständern, baut die Batterie ein, stellt Uhrzeit und Datum und schließt mit einer Probefahrt ab. Bei Suzuki kommt vor dem ersten Start das randvolle Öl wieder heraus.

Bei BMW wird zuerst die Konservierung entfernt und die Maschine gereinigt. Auf Sitzbank, Griffen, Fußrasten und Reifen darf danach nichts Rutschiges mehr sein. Was du im Herbst angebracht hast, kommt im Frühjahr als Erstes wieder ab: die Tüte am Auspuff, das Fett auf blanken Teilen, die Ständer unter der Maschine. Erst dann drückst du den Starter.

❓ Häufige Fragen zum Motorrad im Winter

Soll ich den Reifendruck für die Winterpause erhöhen?

Einen höheren Reifendruck für die Winterpause nennt keines der sechs Stilllegungskapitel, die wir gelesen haben. Yamaha und Suzuki wollen den normalen Druck. Gegen Standplatten heben Honda, Yamaha, Kawasaki, KTM und BMW die Räder vom Boden. Wo das nicht geht, lässt Yamaha sie monatlich ein Stück drehen, und Kawasaki legt Bretter gegen die Bodenfeuchte unter.


Muss ich vor dem Winter Öl in die Zylinder geben?

Öl in die Zylinder gibst du vor dem Winter nur, wenn deine Anleitung es vorsieht. Yamaha, Kawasaki und Suzuki nennen den Schritt, Honda, KTM und BMW nicht. Liegen die Kerzen so, dass du nicht herankommst, lässt Kawasaki das den Händler machen.


Hilft es, den Motor im Winter ab und zu laufen zu lassen?

Den Motor im Winter ab und zu laufen zu lassen, hilft ihm nicht. KTM rät davon ab, weil er im Stand nicht warm wird und sich Kondenswasser aus der Verbrennung an Ventilen und Auspuff niederschlägt. Wo eine Anleitung zur Vorbereitung einen Lauf vorsieht, findet er draußen statt.


Welche Abdeckung ist für die Winterpause richtig?

Für die Winterpause taugt eine Abdeckung, die Luft durchlässt. Yamaha nennt sie porig, und KTM rät von dichten Materialien ab, unter denen Feuchtigkeit hängen bleibt. Drauf kommt sie erst, wenn die Maschine getrocknet und der Auspuff kühl ist.


Wie wasche ich das Motorrad vor dem Winter?

Vor dem Winter wäschst du das Motorrad gründlich, aber ohne Hochdruck- oder Dampfstrahler. Klebt Streusalz daran, nehmen Yamaha und KTM kaltes Wasser, weil warmes die Korrosion durch das Salz verstärkt. Abgedeckt oder untergestellt wird erst nach dem vollständigen Trocknen.


Was mache ich im Frühjahr zuerst?

Im Frühjahr nimmst du zuerst ab, was du im Herbst angebracht hast, bei Kawasaki steht dafür die Tüte am Schalldämpfer ganz oben. Danach kommen Batterie, frischer Kraftstoff, wo der Tank leer war, und die Kontrollen vor der ersten Fahrt. KTM setzt ans Ende eine Probefahrt.

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