
Vier Liter. So viel Öl nennt Honda für die NC750X auf der eigenen Website, in den Daten zum Motor steht es unter „Ölvolumen“. In der Anleitung derselben Maschine stehen für den Ölwechsel mit neuem Filter 3,6 Liter, wenn sie ein Schaltgetriebe hat. Beide Zahlen stimmen, in deine Garage gehört aber nur eine davon. Mit der anderen hast du 0,4 Liter zu viel im Motor.
Der Grund: Beim Ablassen kommt nie alles heraus. Ein Teil des alten Öls bleibt drin, bei manchen Maschinen rund ein Zwölftel, bei anderen mehr als ein Fünftel. Das ist kein Pfusch, und es erklärt einiges, von der Zahl auf dem Papier bis zur Farbe im Schauglas.
Am deutlichsten wird es bei Honda. Schlag die Anleitung einer CB650R (Modelljahr 2024) auf. Dort stehen drei Zeilen untereinander: 2,3 Liter, wenn du nur ablässt, 2,6 Liter mit neuem Filter und 3,0 Liter, wenn der Motor zerlegt war.
Die ersten beiden sind für dich gedacht. Die dritte gilt für einen Motor, der in Einzelteilen auf der Werkbank lag, und in einer normalen Garage brauchst du sie nie. Genau diesen Wert zeigt honda.de als Ölvolumen an: 4,0 Liter bei der NC750X, 3,8 bei der CB750 Hornet, 4,8 bei der NT1100 mit Schaltgetriebe. Schaust du nur schnell im Netz nach, landest du also bei der größten Zahl.
Bei Kawasaki findest du die große Zahl sogar in der Anleitung selbst. Für die Ninja 650 (Ausgabe 2026) steht bei den Technischen Daten „Fassungsvermögen 2,3 l“. Erst im Wartungsteil folgen 1,6 Liter ohne und 1,8 Liter mit Filterwechsel. Was die 2,3 bedeuten, verrät die englische Anleitung der Ninja 650 von 2013: „when engine is completely dry“, also bei völlig trockenem Motor. Hältst du dich an die 2,3 Liter, füllst du mehr als ein Viertel zu viel ein.
In den Anleitungen von Yamaha, Suzuki, KTM und BMW, die uns vorliegen, gibt es dieses Rätsel nicht. Dort steht nur, was beim Ölwechsel hineingehört. Bei der Tracer 700 sind das 2,3 oder mit neuer Filterpatrone 2,6 Liter, bei der SV650 von Suzuki 2,4 oder 2,75 Liter. Dafür erfährst du nicht, wie viel Altöl im Motor zurückbleibt.
Honda und Kawasaki liefern immerhin beide Seiten der Rechnung. Die Tabelle zeigt, wie viele Liter beim Ölwechsel mit neuem Filter von der Gesamtmenge erneuert werden und welcher Anteil im Motor bleibt:
| Modell | Neu von gesamt, Liter | Rest in Prozent |
|---|---|---|
| XL750 Transalp | 3,6 von 3,9 | 8 |
| CB750 Hornet | 3,5 von 3,8 | 8 |
| NC750X | 3,6 von 4,0 | 10 |
| CB650R | 2,6 von 3,0 | 13 |
| NC750X DCT | 3,4 von 4,0 | 15 |
| NT1100 | 4,0 von 4,8 | 17 |
| Gold Wing DCT | 4,6 von 5,6 | 18 |
| NT1100 DCT | 4,2 von 5,2 | 19 |
| Ninja 650 | 1,8 von 2,3 | 22 |
Bis auf die Kawasaki Ninja 650 sind das Hondas aus den Anleitungen von 2024 und 2025. DCT steht für Hondas Doppelkupplungsgetriebe, alle anderen schalten von Hand. Die Prozente sind von uns gerechnet und gerundet.
Für den Ölwechsel selbst liegen die Mengen weit auseinander. Eine KTM 390 Duke (2026) kommt mit 1,5 Litern aus, bei einer BMW R 1300 GS (Ausgabe 02.2025) steht „max. 5,0 l“ in der Anleitung. Das ist eine Obergrenze, gefüllt wird nach der Ölstandsanzeige. Schau außerdem auf die richtige Zeile: Die NC750X nimmt mit DCT 3,4 statt 3,6 Liter. Und nimm die Anleitung deines Modelljahrs, nicht die Zahl einer Maschine mit ähnlichem Namen.
Ein Ölwechsel ist Schwerkraft. Die Ablassschraube sitzt unten, und heraus kommt, was von allein dorthin findet. Öl in der Pumpe und in den Kanälen, in einem Ölkühler, falls die Maschine einen hat, dazu der Film auf Zahnrädern, Wellen und Kupplungsscheiben: Das meiste davon bleibt, wo es ist.
Warum bleiben bei der Transalp nur acht Prozent im Motor, bei der NT1100 mit Schaltgetriebe aber 17? Am Hubraum allein hängt es nicht, denn die kleine Ninja 650 liegt prozentual noch vor der Gold Wing.
Eine Spur gibt es bei den Doppelkupplungsgetrieben. Die NC750X behält mit DCT 0,6 statt 0,4 Liter, die NT1100 einen Liter statt 0,8. In diesen Getrieben arbeiten zwei Kupplungen im Ölbad, und im Wartungsplan taucht sogar ein eigener Kupplungsölfilter auf. Mehr Teile, mehr Stellen, an denen Öl stehen bleibt: Das liegt nahe, in den Anleitungen erklärt Honda es aber nicht.
Nimm die Prozente deshalb als Größenordnung. Die Literangaben sind gerundet, und wie viel am Ende drinbleibt, hängt auch davon ab, wie warm das Öl war und wie lange es laufen durfte.
Zwischen der Menge ohne und der mit Filterwechsel liegt der Ölfilter. Bei der NT1100 mit Schaltgetriebe macht er nur 0,1 Liter aus, bei der Ninja 650 0,2, bei CB650R und Tracer 700 je 0,3, bei der Yamaha MT-09 von 2024 schon 0,4 Liter.
Lässt du ihn beim Ölwechsel drin, bleibt diese Menge zusätzlich im Motor. Bei der CB650R wächst der Rest dadurch von 13 auf gut 23 Prozent. Bei der Ninja 650 sind es 30 statt 22 Prozent, dort ist also fast ein Drittel der Füllung vom ersten Kilometer an gebraucht.
Ein Drama ist das nicht, es steht sogar so im Plan. Honda lässt bei der NC750X von 2025 das Öl alle 12.000 Kilometer wechseln und spätestens nach einem Jahr, den Motorölfilter nach dem ersten Mal bei 1.000 Kilometern aber nur alle 24.000. Dasselbe Muster zeigt die Europa-Tabelle einer älteren Suzuki V-Strom 650.
Andere kennen nur das Paket. Im Serviceplan der BMW R 1300 GS heißt der Punkt „Ölwechsel im Motor mit Filter“. Bei KTM stehen Öl und Filter für 390 Duke und 890 Adventure in einem Arbeitsschritt, zusammen mit dem Reinigen der Ölsiebe.
Was du machst, hängt also von deinem Plan ab. Wichtig ist nur, dass Filter und Menge zusammenpassen: neuer Filter, größere Zahl. Alter Filter, kleinere Zahl. Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch.
Ein Stück weit hast du selbst in der Hand, wie viel Altöl herauskommt. Kaltes Öl kriecht, warmes läuft. Deshalb sollte das Öl der SV650 laut Suzuki bei warmem Motor abgelassen werden, damit es vollständig ablaufen kann. Yamaha lässt den Motor der Tracer 700 vorher einige Minuten warmlaufen, und KTM setzt bei der 390 Duke einen betriebswarmen Motor voraus.
Warm heißt allerdings nicht frisch von der Autobahn. Mit dem Ablassen wartest du, bis sich Schraube und Auspuffrohre ohne Handschuh anfassen lassen, so verlangt es Suzuki im selben Kapitel. Auch beim Ständer gibt es keine Einheitsregel: Zum Ablassen steht die SV650 auf dem Seitenständer, für die Tracer 700 nennt Yamaha nur ebenen Untergrund.
Sicherheitshinweis: Heißes Öl verbrüht die Haut, also lass die Maschine erst abkühlen und trag ölfeste Handschuhe. Läuft der Motor ohne genug Öl oder mit lockerer Ablassschraube, droht ein teurer Motorschaden, und Öl auf dem Hinterreifen kann dich in der nächsten Kurve zu Fall bringen. Den Probelauf machst du nur im Freien, denn Abgas enthält giftiges, geruchloses Kohlenmonoxid.
Bleibt die Stammtischregel, das Öl über Nacht abtropfen zu lassen. In den geprüften Anleitungen von Honda bis BMW taucht sie nicht auf. KTM verlangt nur, das Öl vollständig ablaufen zu lassen, und nennt keine Zeit. Ein paar Tropfen laufen über Nacht bestimmt noch nach. Gefährlich ist eher der Morgen danach: neuer Tag, neue Ablenkung, und plötzlich weißt du nicht mehr sicher, ob die Ablassschraube schon festgezogen ist.
Motoröl gibt es oft im Vier-Liter-Kanister. Bei der NC750X mit Schaltgetriebe bleiben nach dem Ölwechsel mit Filter 0,4 Liter darin übrig, zufällig so viel, wie im Motor geblieben ist. Im Kanister gluckert ein Rest, im Regal steht schon der vom letzten Mal, und was soll der Schluck da noch? Also rein damit.
Das lässt du besser, auch wenn sich der Schluck wie eine Reserve anfühlt. Honda warnt vor Motorschäden durch zu viel wie durch zu wenig Öl und schreibt ausdrücklich: nicht mehr als bis zur oberen Füllmarke. BMW nennt es bei der R 1300 GS „Motorschaden durch Fehlbefüllung“, für zu wenig wie für zu viel. KTM führt in der Fehlersuche der 890 Adventure einen zu hohen Ölstand als Ursache für hohen Ölverbrauch auf.
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Die Füllmenge bringt dich ohnehin nur in die Nähe. Das letzte Wort hat beim Ölwechsel die Anzeige: Nach dem Probelauf und der Wartezeit aus der Anleitung muss das Öl zwischen den Marken stehen. Steht es zu hoch, ziehst du den Überschuss mit einer Spritze oder einem ähnlichen Sauggerät über den Einfüllstutzen ab, so beschreibt es Kawasaki für die Ninja 650.
Im Schauglas goldgelb, und 300 Kilometer später schon nicht mehr. Einen Teil der Erklärung kennst du jetzt. Bei der CB650R ist gut ein Achtel der Füllung schon am Tag des Ölwechsels gebraucht, und es mischt sich beim ersten Start unter das neue Öl.
Das klingt schlimmer, als es ist. Die Füllmengen sind ja auf diesen Rest ausgelegt, und auch die Intervalle gelten für einen Motor, der beim Ölwechsel nie ganz leer wird.
Spülen musst du deshalb nichts, von einer Motorspülung steht in den durchsuchten Anleitungen kein Wort. Yamaha warnt für die Tracer 700 sogar vor chemischen Zusätzen: Das Motoröl schmiert dort auch die Kupplung, und die soll nicht rutschen. Kawasaki will für die Ninja 650 ebenfalls keine Zusätze im Öl sehen.
Und die Marke? Honda rät für die CB650R, verschiedene Ölmarken und -sorten nicht zu mischen, weil sich das auf Schmierung und Kupplungsbetätigung auswirken kann. Der Satz steht allerdings beim Nachfüllen. Wechselst du beim nächsten Ölwechsel die Marke, mischt sich der Rest zwangsläufig mit, und dazu sagt die Anleitung nichts. Halte dich in dem Fall an die Spezifikation aus dem Handbuch.
Dieser Rest schrumpft außerdem mit jedem Wechsel. Von dem Öl, das heute in einer CB650R steckt, bleiben beim Ablassen 13 Prozent im Motor. Nach dem nächsten Ölwechsel sind es noch knapp zwei Prozent, nach dem übernächsten gut 0,2 Prozent.
Bei drei Litern Motorinhalt sind das rechnerisch sieben Milliliter.
Wie viel Öl kommt beim Ölwechsel in den Motor?
Die Menge hängt vom Modell ab und davon, ob der Filter mitgetauscht wird. Für eine Honda CB650R (2024) nennt die Anleitung 2,3 oder mit neuem Filter 2,6 Liter, die Ausgabe 2026 für die Kawasaki Ninja 650 nennt 1,6 oder 1,8 Liter. Nach dem Probelauf entscheidet die Anzeige am Motor.
Warum nennt die Website mehr Öl als die Anleitung?
Honda zeigt auf der Website als Ölvolumen den Wert für den zerlegten Motor, bei der NC750X 4,0 Liter. Für den normalen Ölwechsel mit Filter nennt die Anleitung 3,6 Liter mit Schaltgetriebe und 3,4 Liter mit Doppelkupplungsgetriebe, denn ein Teil des alten Öls kommt beim Ablassen nicht heraus. Die größere Zahl gehört also zur Motorüberholung.
Wie viel altes Öl bleibt beim Ölwechsel im Motor?
Rechnerisch bleiben beim Ölwechsel mit neuem Filter etwa acht bis 22 Prozent altes Öl im Motor, das zeigen die Honda- und Kawasaki-Modelle, deren Anleitungen eine Gesamtmenge nennen. Eine Honda CB650R behält 0,4 von 3,0 Litern, eine Kawasaki Ninja 650 0,5 von 2,3 Litern. Bleibt der Filter drin, steigt der Anteil. In den geprüften Anleitungen von Yamaha, Suzuki, KTM und BMW fehlt die Gesamtmenge, dort lässt sich der Rest nicht ausrechnen.
Darf der alte Ölfilter beim Ölwechsel drinbleiben?
Ob der alte Ölfilter drinbleiben darf, regelt der Wartungsplan des Herstellers. Bei der Honda NC750X von 2025 sieht der Plan nach dem ersten Wechsel bei 1.000 Kilometern einen neuen Motorölfilter nur bei 24.000 und 48.000 vor. Das Öl wird dagegen alle 12.000 Kilometer gewechselt, spätestens nach einem Jahr. Auch bei einer älteren Suzuki V-Strom 650 kommt der Filter seltener dran als das Öl. In den Plänen von BMW R 1300 GS, KTM 390 Duke und 890 Adventure gehört er jedes Mal dazu. Ohne neuen Filter gilt die kleinere Füllmenge.
Was passiert bei zu viel Öl im Motorrad?
Ein zu hoher Ölstand kann dem Motor schaden, Honda und BMW warnen in ihren Anleitungen davor. Für die KTM 890 Adventure steht er außerdem in der Fehlersuche unter hohem Ölverbrauch. Abziehen lässt sich der Überschuss bei der Kawasaki Ninja 650 laut Anleitung von oben, durch den Einfüllstutzen.
Bringt es etwas, das Öl über Nacht abtropfen zu lassen?
Keine der geprüften Anleitungen von sechs Herstellern verlangt ein längeres Abtropfen oder nennt eine Menge, die über Nacht noch nachläuft. Ein paar Tropfen kommen sicher nach. Wichtiger ist, dass das Öl warm abläuft, und zwar erst, wenn Schraube und Auspuff nicht mehr heiß sind.
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