Im Jahr hat ein Motorrad rund ein Zehntel vom CO₂-Ausstoß eines Autos

Dass ein Motorrad im Jahr auf einen Bruchteil vom CO₂-Ausstoß eines Autos kommt, liegt nur zum kleineren Teil am Motor. Pro Kilometer ist eine Mittelklassemaschine nach Herstellerangaben gar nicht so weit vom Durchschnittsauto entfernt. Den Unterschied macht etwas anderes, und es steht vermutlich gerade bei dir um die Ecke: die Garage, in der das Motorrad den größten Teil des Jahres verbringt.

Pro Kilometer liegt das Motorrad nicht weit vorn

Auf dem Prüfstand fährt ein Motorrad auf der Rolle eine festgelegte Runde, den WMTC-Zyklus, und dabei wird sein Abgas gemessen. Daraus stammen der CO₂-Wert pro Kilometer und der Normverbrauch. Für die MT-07 mit Y-AMT, Modelljahr 2025, nennt Yamaha 97 Gramm bei 4,1 Litern auf 100 Kilometer. Honda gibt für die CB650R (2026) 112 Gramm an, für die NT1100 mit Doppelkupplung und elektronischem Fahrwerk 116.

Bei BMW stehen die Werte in der Betriebsanleitung: Die der F 900 GS von 2023 nennt 103 Gramm, die der R 1300 GS von 2025 nennt 110. Wer Mittelklasse und Reiseenduro fährt, bewegt sich also zwischen knapp 100 und gut 115 Gramm. Das wiegt etwa so viel wie eine Tafel Schokolade und füllt als Gas rund 60 Liter, auf jedem Kilometer.

Für die MT-125 nennt Yamaha 47 Gramm pro Kilometer bei 2,0 Litern, weniger als die Hälfte. Gerechnet wird hier trotzdem mit 110 Gramm, weit oben in der Spanne von Mittelklasse und Reiseenduro, damit der Vergleich das Motorrad nicht schönrechnet.

Beim durchschnittlichen Auto in Deutschland liegt der CO₂-Ausstoß pro Kilometer bei 175 Gramm. So rechnet es das Umweltbundesamt für 2024 vor, über alle Pkw und alle Antriebe, Elektroautos eingeschlossen. Pro Kilometer ist das Motorrad damit gut ein Drittel sparsamer. Das ist ein Vorsprung, aber keiner, der ein Zehntel erklärt.

Weil Elektroautos beim Fahren nichts ausstoßen, liegt ein Auto mit Verbrennungsmotor im Schnitt über diesem Wert. Der Durchschnitt schont die Autoseite also ein wenig.

Dass ein Motorrad pro Kilometer trotzdem nicht weit davonzieht, liegt auch an der Luft. Es ist leicht und schmal, aber nicht windschnittig: Du sitzt mitten im Fahrtwind, Räder und Gabel stehen frei drin, und den muss der Motor wegschieben, je schneller, desto mehr. Dazu kommt die Drehzahl: Im selben Tempo dreht ein Motorradmotor meist deutlich höher als ein Automotor, und mehr Umdrehungen bedeuten mehr Reibung.

Und der Vergleich hat einen Haken, der dem Motorrad schmeichelt. Sein Wert stammt aus dem Labor, der Wert für das Auto aus dem Alltag, berechnet aus allem, was auf deutschen Straßen gefahren wird. Einen solchen Alltagswert für Motorräder veröffentlicht das Umweltbundesamt in dieser Reihe nicht, nur für Pkw und Lkw (Stand November 2026). Wie weit Prüfstand und Landstraße beim Motorrad auseinanderliegen, lässt sich deshalb nicht amtlich beziffern.

Der Unterschied steht in der Garage

Wie viele Kilometer ein Fahrzeug im Jahr zurücklegt, ermittelt das Kraftfahrt-Bundesamt aus den Kilometerständen zwischen zwei Hauptuntersuchungen. Für 2025 kommt es bei Krafträdern auf 1.594 Kilometer im Schnitt, bei Pkw auf 10.616. Ein Auto fährt also gut sechseinhalbmal so weit wie ein Motorrad.

Selbst die Benziner unter den Autos, die im Schnitt weniger unterwegs sind als der Rest, kommen auf 8.406 Kilometer. Das ist immer noch gut das Fünffache.

Den Grund für die wenigen Kilometer kennst du aus dem eigenen Kalender. Im Januar steht die Maschine, im April wartet sie auf ein trockenes Wochenende, und zur Arbeit fährt im Zweifel das Auto. Das Motorrad ist für die meisten ein Fahrzeug für gutes Wetter und freie Tage, und so sehen seine Kilometer auch aus.

Der CO₂-Ausstoß im Jahr in drei Schritten

Mit diesen Zahlen lässt sich der CO₂-Ausstoß im Jahr grob überschlagen:

  1. Motorrad: rund 175 Kilo. 1.594 Kilometer mal 110 Gramm ergeben 175 Kilogramm CO₂ im Jahr. Mit den 97 Gramm der MT-07 wären es gut 150, mit den 116 der NT1100 gut 180.
  2. Auto: rund 1,86 Tonnen. 10.616 Kilometer mal 175 Gramm ergeben rund 1.860 Kilogramm.
  3. Verhältnis: etwa eins zu zehn. 1.860 Kilo geteilt durch 175 Kilo ergeben 10,6.

Ein Vorbehalt gehört dazu, weil der Motorradwert aus dem Labor kommt. Setzt du für den Alltag ein Fünftel mehr an, eine Annahme und keine Messung, sind es 210 Kilo. Aus eins zu zehn wird dann ungefähr eins zu neun.

An den Kilometern ändert das nichts. Der größte Teil des Abstands kommt daher, dass das Motorrad weniger fährt, und nur der kleinere daher, dass es pro Kilometer weniger verbraucht. Pro Kilometer trennt die beiden gut ein Drittel, im Jahr ein Faktor von etwa sechseinhalb allein bei der Strecke.

Hochgerechnet auf ganz Deutschland kommt die Zahl der Fahrzeuge dazu. Alle Krafträder zusammen legten 2025 laut Kraftfahrt-Bundesamt knapp 7,9 Milliarden Kilometer zurück, alle Pkw gut 562 Milliarden. Mit denselben Gramm-Werten ergibt das bei den Motorrädern knapp 0,9 Millionen Tonnen CO₂ im Jahr, bei den Autos knapp 100 Millionen. Die Motorräder kommen damit auf rund ein Prozent dessen, was die Pkw ausstoßen, auch mit dem Aufschlag von einem Fünftel.

Zähl deine Tankfüllungen

Für deinen eigenen CO₂-Ausstoß reichen die Liter, die du im Jahr tankst. Den Umrechnungsfaktor liefern die Hersteller gleich mit: Rechnest du die Gramm pro Kilometer der genannten Modelle auf den Liter um, landest du bei 2,3 bis 2,4 Kilo CO₂ pro Liter Benzin.

Mit den 1.594 Kilometern des Schnitts und 4,8 Litern auf 100 Kilometer, passend zu den 110 Gramm der Rechnung, braucht ein Motorrad im Jahr knapp 77 Liter. Das sind gut fünf Füllungen eines 15-Liter-Tanks.

Tankst du zehnmal im Jahr voll, liegst du schon beim Doppelten des Schnitts, als Vielfahrer mit 30 Füllungen beim Sechsfachen. Stehen deine Liter in einer Tank-App, nimm sie mal 2,3: Aus 120 Litern werden gut 275 Kilo CO₂.

Wie sieht die Rechnung für Pendler aus?

Fährst du täglich mit dem Motorrad zur Arbeit und kommst auf 10.000 Kilometer im Jahr, sind es mit 110 Gramm 1,1 Tonnen. Das ist mehr als beim Zweitwagen, der im Jahr nur 5.000 Kilometer bewegt wird. Mit 175 Gramm kommt er auf knapp 0,9 Tonnen.

Pro Kopf wird es noch knapper. Im Schnitt sitzen in einem Auto laut Umweltbundesamt 1,4 Menschen, verteilt auf sie sind es pro Person gut 125 Gramm aus dem Auspuff. Ein Motorrad mit einer Person liegt mit 110 Gramm nur wenig darunter, und das mit einem Laborwert. Sitzt du morgens allein im Auto, zählen dagegen die vollen 175 Gramm.

Fährt jemand hinten mit, sind es rechnerisch 55 Gramm pro Kopf, im Auto zu zweit knapp 90. Wer beim Umweltbundesamt nachschlägt, findet in einer anderen Tabelle 164 Gramm pro Personenkilometer, weil das Amt dort alle Treibhausgase und die Bereitstellung der Energie mitzählt.

Ersetzt das Motorrad das Auto, sparst du im Schnitt trotzdem. Mit den Werten dieser Rechnung kostet jeder Kilometer, den die Maschine statt des Autos fährt, rund ein Drittel weniger CO₂. Wer 5.000 Kilometer im Jahr mit dem Motorrad statt mit dem Auto zur Arbeit fährt, spart rechnerisch gut 300 Kilo. Jeder Kilometer, den sie zusätzlich fährt, etwa die Sonntagsrunde über die Pässe, kommt dagegen obendrauf.

Zwei Grenzen hat diese Rechnung. Laborwerte von Motorrad und Auto stammen aus verschiedenen Prüfzyklen und lassen sich nicht direkt gegeneinanderstellen, deshalb rechnet dieser Text beim Auto mit dem Alltagswert. Und gezählt wird nur, was beim Fahren aus dem Auspuff kommt. Herstellung, Wartung und Entsorgung stecken weder im CO₂-Ausstoß der Hersteller noch in den 175 Gramm des Umweltbundesamts.

Das Argument am Stammtisch gewinnt der Kalender

„Ein Spielzeug, das die Luft verpestet“, sagt jemand am Stammtisch und meint dein Motorrad. Die Zahlen geben dir eine gute Antwort, nur vielleicht nicht die, die du erwartest. Ein durchschnittlich genutztes Motorrad kommt im Jahr rechnerisch auf rund 175 Kilo CO₂, ein durchschnittliches Auto auf das Zehnfache. Gewonnen ist die Runde damit, aber nicht mit Technik.

Nimm den Nachbarn, der seinen Kombi 15.000 Kilometer im Jahr zur Arbeit fährt. Mit 175 Gramm sind das gut 2,6 Tonnen. Dein Motorrad, das im Jahr auf 3.000 Kilometer kommt, liegt bei 110 Gramm bei 330 Kilo, also bei einem Achtel. Wer am Stammtisch rechnet, sollte die eigenen Kilometer kennen, sonst rechnet er mit dem Durchschnitt eines anderen.

Denn das Motorrad gewinnt vor allem, weil es steht. Auf den Kilometer gerechnet liegt es gut ein Drittel vorn, im Jahr ein Vielfaches, und den Rest erledigen Winter, Regen und Arbeitswoche. Das ist ehrlicher als jede Behauptung, Motorräder seien von sich aus Klimaschützer.

Fürs Klima zählt am Ende jeder gefahrene Kilometer, egal auf welchem Fahrzeug. Die Frage hinter der Statistik ist deshalb eine persönliche. Wie viele der Kilometer auf deinem Tacho hätte sonst das Auto gemacht?

❓ Häufige Fragen zum CO₂-Ausstoß von Motorrädern

Wie viel CO₂ stößt ein Motorrad pro Kilometer aus?

Ein Motorrad der Mittelklasse oder eine Reiseenduro kommt nach Angaben der Hersteller auf etwa 97 bis 116 Gramm CO₂ pro Kilometer, gemessen im Prüfzyklus WMTC. Die MT-07 mit Y-AMT liegt laut Yamaha bei 97 Gramm, die CB650R laut Honda bei 112 und die R 1300 GS nach ihrer Betriebsanleitung bei 110. Eine 125er wie die Yamaha MT-125 kommt auf 47 Gramm.


Wie viel CO₂ stößt ein Motorrad im Jahr aus?

Ein durchschnittlich genutztes Motorrad stößt in Deutschland rechnerisch rund 175 Kilogramm CO₂ im Jahr aus. Gerechnet ist das mit 1.594 Kilometern, die das Kraftfahrt-Bundesamt für 2025 als mittlere Fahrleistung von Krafträdern angibt, und 110 Gramm pro Kilometer, einem Wert, wie ihn Hersteller für Mittelklasse und Reiseenduro nennen. Wer mehr fährt, liegt entsprechend darüber.


Wie viel CO₂ stößt ein Auto im Jahr aus?

Ein durchschnittliches Auto in Deutschland kommt auf etwa 1,86 Tonnen CO₂ im Jahr. Das Umweltbundesamt beziffert die direkten Emissionen aller Pkw für 2024 auf 175 Gramm pro Kilometer, das Kraftfahrt-Bundesamt die mittlere Fahrleistung für 2025 auf 10.616 Kilometer. Elektroautos sind im Durchschnitt mitgerechnet.


Ist ein Motorrad umweltfreundlicher als ein Auto?

Beim CO₂ im Jahr kommt ein durchschnittliches Motorrad auf rund ein Zehntel eines Autos. Der Grund ist vor allem die geringe Fahrleistung, pro Kilometer ist der Abstand mit gut einem Drittel deutlich kleiner. Lärm und Schadstoffe sind in dieser Rechnung nicht enthalten.


Was bedeutet WMTC beim Motorrad?

WMTC ist der weltweit abgestimmte Prüfzyklus für Motorräder, in dem Hersteller CO₂ und Verbrauch auf dem Prüfstand ermitteln. Daraus stammen die Gramm-Werte in Datenblättern und Anleitungen. Im Alltag können die Werte davon abweichen, weil Tempo, Beladung und Fahrweise anders sind als im Zyklus.


Zählt beim CO₂ des Motorrads auch die Herstellung?

Die Herstellung ist in den CO₂-Angaben von Motorrädern nicht enthalten, gemessen wird nur das Abgas im Prüfzyklus. Der Pkw-Wert des Umweltbundesamts zählt ebenfalls nur die direkten Emissionen im Betrieb. Wer Bau, Wartung und Entsorgung vergleichen will, braucht eine Ökobilanz, und die liefern diese Zahlen nicht.

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