
„Super E10, 14,62 Liter, 30,47 Euro.“ So steht es auf dem Bon, darunter die Mehrwertsteuer, mehr nicht. Rechnerisch stecken darin rund zweieinhalb Euro CO₂-Preis, nur steht davon nichts auf dem Zettel. Zum Jahreswechsel wird über den Spritpreis wieder viel geredet werden, und der CO₂-Preis bekommt dabei gern die Schuld. Nach heutigem Stand ändert sich an ihm im Januar wenig, an der Energiesteuer, der früheren Mineralölsteuer, dagegen einiges.
Ein Liter Benzin wiegt rund 755 Gramm. Beim Verbrennen entsteht daraus gut das Dreifache an CO₂, und das klingt erst einmal nach einem Rechenfehler. Ist es aber nicht, denn das meiste Gewicht kommt nicht aus dem Tank, sondern aus der Luft.
Benzin besteht zum größten Teil aus Kohlenstoff. Im Brennraum hängen sich an ein Kohlenstoffatom zwei Sauerstoffatome, und den Sauerstoff saugt der Motor über den Luftfilter an. Aus einem Kilo Kohlenstoff werden so fast 3,7 Kilo CO₂.
Für die Abrechnung legt eine deutsche Verordnung Standardwerte fest, aus denen sich 2,394 Kilogramm CO₂ pro Liter Benzin ergeben, rund 2,4 Kilo. Mit dieser Zahl wird der CO₂-Preis berechnet, und zwar lange bevor das Benzin an der Zapfsäule ankommt.
Bezahlt wird der CO₂-Preis weiter vorn in der Kette. Wer Benzin in Deutschland auf den Markt bringt, braucht für das CO₂, das daraus entsteht, Zertifikate, eines pro Tonne. Das Geld dafür geht an den Bund, die Kosten stecken im Literpreis, so wie Steuern und Transport. Deshalb taucht der Posten auf dem Bon nicht auf.
Angefangen hat das 2021 mit einem Festpreis von 25 Euro je Tonne, bis 2025 stieg er in Stufen auf 55 Euro. Für 2026 werden die Zertifikate erstmals versteigert, innerhalb eines Korridors von 55 bis 65 Euro, also mit festem Mindest- und Höchstpreis. Bei der ersten Versteigerung an der Energiebörse EEX in Leipzig am 1. Juli 2026 lag der Preis gleich am oberen Ende, bei 65 Euro.
Bei diesen 65 Euro blieb es: Alle elf Versteigerungen bis zum 9. September schlossen laut EEX zu diesem Preis, und damit rechnet dieser Text. Wer danach noch Zertifikate für 2026 braucht, zahlt ab November an der EEX 68 Euro je Tonne. Wie viel davon im Literpreis landet, sieht von außen niemand.
Eine Füllung mit 15 Litern E10 enthielt 2021 knapp einen Euro CO₂-Preis, heute sind es rund 2,50 Euro. Und hinter einer Tonne steckt mehr Benzin, als es klingt: gut 400 Liter. So viel verbraucht ein durchschnittlich genutztes Motorrad in gut fünf Jahren.
Mit 2,394 Kilo und 65 Euro je Tonne kostet das CO₂ im Liter 15,6 Cent. Darauf kommt, wie auf den ganzen Literpreis, noch die Mehrwertsteuer von 19 Prozent, dann sind es 18,5 Cent pro Liter Benzin ohne Ethanol.
Beim E10 fällt der Betrag etwas kleiner aus. Bis zu zehn Prozent davon sind Ethanol aus Pflanzen, und für nachhaltig erzeugten Biokraftstoff wird nach dem Gesetz kein CO₂ angesetzt. Rechnest du mit einem Zehntel Ethanol, bleiben 14 Cent netto und knapp 17 Cent an der Säule. Beim Super E5 mit bis zu fünf Prozent Ethanol liegt der Betrag dazwischen.
Viel Spielraum hat die Zahl nicht. Bei 55 Euro je Tonne wären es für Benzin ohne Ethanol knapp 16 Cent mit Mehrwertsteuer, bei den 68 Euro aus dem Verkauf ab November gut 19. Zwischen dem billigsten und dem teuersten Fall liegen keine vier Cent pro Liter, auf einem Motorradtank mit 15 Litern also gut ein halber Euro.
Der ADAC nannte am 28. Oktober 2026 für Super E10 einen bundesweiten Schnitt von 2,084 Euro je Liter. Füllst du 15 Liter nach, zahlst du 31,26 Euro.
Leg das Geld in Gedanken auf die Sitzbank und sortiere es. Der größte Haufen, gut 16 Euro, ist für das Benzin selbst, seinen Weg bis zur Säule und die Tankstelle. Gut 7,70 Euro gehen an die Energiesteuer, gerechnet mit dem Tankrabatt, der gesenkten Steuer bis Jahresende. Knapp fünf Euro sind Mehrwertsteuer, die auch auf Energiesteuer und CO₂-Preis erhoben wird. Der kleinste Haufen ist der CO₂-Preis mit rund 2,10 Euro. Rechnest du seinen Anteil an der Mehrwertsteuer dazu, sind es zweieinhalb.
Das sind etwa acht Prozent deiner Rechnung. Beim Auto mit 50-Liter-Tank sind es pro Füllung gut acht Euro, beim Motorrad bleibt es bei zwei Münzen.
Ein Motorrad in Deutschland fährt laut Kraftfahrt-Bundesamt im Schnitt 1.594 Kilometer im Jahr. Das klingt nach wenig, der Schnitt zählt aber auch jede Maschine mit, die kaum aus der Garage kommt. Gerechnet mit fünf Litern auf 100 Kilometer, einem runden Wert für viele Mittelklasse-Maschinen, sind das knapp 80 Liter. Mal knapp 17 Cent ergibt das gut 13 Euro CO₂-Preis im Jahr, mit Super E5 rund 14.
Pro 100 Kilometer sind das gut 80 Cent, auf einer Tagestour mit 300 Kilometern rund 2,50 Euro. Fährst du viel, zahlst du entsprechend mehr: Mit 6.000 Kilometern im Jahr sind es 300 Liter und rund 50 Euro.
Eine 650er mit 649 Kubik kostet in Deutschland 47 Euro Kfz-Steuer im Jahr, und beim Motorrad mit Verbrennungsmotor zählt dafür allein der Hubraum, das CO₂ spielt keine Rolle. Mit durchschnittlich 1.594 Kilometern zahlst du an der Säule also gut ein Viertel davon als CO₂-Preis. Erst bei rund 5.600 Kilometern im Jahr ist er so hoch wie die Steuer.
Für eine 125er mit höchstens elf Kilowatt, ein Leichtkraftrad, fällt in der Regel gar keine Kfz-Steuer an. Den CO₂-Preis zahlst du an der Säule trotzdem, Liter für Liter.
Der Bundestag hat am 15. Oktober beschlossen, dass der Korridor für den CO₂-Preis auch 2027 bei 55 bis 65 Euro je Tonne bleibt. Der Bundesrat muss sich noch damit befassen. Ohne die Änderung hinge der Preis 2027 an den Versteigerungen im europäischen Emissionshandel für Kraftwerke und Industrie, weil der neue europäische Handel für Verkehr und Gebäude erst 2028 starten soll.
Der Tankrabatt läuft dagegen aus: In Deutschland gilt nach § 68 Energiesteuergesetz der niedrigere Satz für Benzin vom 1. Oktober bis zum 31. Dezember 2026, danach wieder der normale. Der Unterschied beträgt gut 14 Cent je Liter, mit Mehrwertsteuer knapp 17 Cent. Steigt der Literpreis im Januar um diese Größenordnung, liegt das nach heutigem Stand eher an der Steuer, die zurückkommt, als am CO₂-Preis.
Viele Motorräder stehen im Januar in der Garage. Den Sprung merkst du dann erst beim ersten Tanken im Frühjahr, und bis dahin kann sich am Literpreis noch einiges tun.
Zufall, aber leicht zu merken: Die knapp 17 Cent Tankrabatt sind ungefähr so viel, wie der CO₂-Preis im E10 ausmacht. Für den Motorradtank geht es bei beidem um rund 2,50 Euro pro Füllung, übers Jahr um gut 13 Euro.
Offen ist, was die Bundesregierung noch vorhat. Laut ADAC will sie in Gesprächen mit der Mineralölwirtschaft einen Spritpreisdeckel nach dem Vorbild Luxemburgs oder Belgiens erreichen, spätestens zum 1. Januar 2027. Konkrete Pläne lagen Ende Oktober noch nicht vor, und laut Medienberichten lehnen die Mineralöl- und Tankstellenverbände eine Beteiligung an einem freiwilligen Deckel ab. Auch Ölpreis und Wettbewerb spielen mit. Eine ehrliche Zahl für die Säule am 2. Januar gibt es deshalb nicht. Nach heutigem Stand gehört der CO₂-Preis dabei zu den kleineren Posten.
Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel ordnet die Lage allgemein und journalistisch ein (Stand: Oktober 2026). Er ist keine Rechtsberatung, und Einzelfälle können anders liegen. Den aktuellen Stand zu Energie- und Kfz-Steuer veröffentlicht der Zoll, zum CO₂-Preis die Deutsche Emissionshandelsstelle im Umweltbundesamt.
Beim Motorrad fällt der CO₂-Preis kaum auf, weil der Tank klein ist. 15 Liter sind schnell drin, die Summe auf dem Bon bleibt zweistellig, und ein Unterschied von zwei Euro geht zwischen Kaffee und Schokoriegel an der Kasse unter. Sparen lässt sich beim Tanken trotzdem, nur kaum am CO₂.
Mehr bringt, was der ADAC nennt: Zwischen zwei Tankstellen liegen im Normalfall bis zu sieben Cent je Liter, auf 15 Litern also gut ein Euro, an der Autobahn deutlich mehr.
Seit dem 1. April 2026 dürfen Tankstellen in Deutschland ihre Preise nur noch einmal am Tag erhöhen, um 12 Uhr. Im Mai 2026 sprang Super E10 dabei laut ADAC im Schnitt um 14,6 Cent je Liter, fast so viel wie der ganze CO₂-Preis. Am günstigsten ist Tanken deshalb inzwischen kurz vor Mittag und nicht mehr am frühen Abend. Auf der Sonntagstour also: vor der Mittagspause tanken, nicht danach.
Super E5 kostet laut ADAC im Schnitt fünf bis sechs Cent mehr als E10. Die Faustregel, nach der Benziner ab Produktionsdatum November 2010 E10 vertragen, stammt aus der Autowelt und gilt fürs Motorrad nicht automatisch. Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch.
Nachrechnen kannst du es mit einer Zeile: Liter mal 17 Cent, das ist dein CO₂-Preis, bei Super E5 knapp 18. Selbst wenn du 30 Liter in einen großen Reisetank füllst, sind es rund fünf Euro.
Wie viel CO₂-Preis zahle ich pro Tankfüllung am Motorrad?
Eine Tankfüllung von 15 Litern E10 enthält rund 2,50 Euro CO₂-Preis, gerechnet mit 65 Euro je Tonne und Mehrwertsteuer. Bei einem bundesweiten Literpreis von 2,084 Euro am 28. Oktober 2026 sind das etwa acht Prozent der Rechnung. Im ganzen Jahr kommt ein durchschnittlich genutztes Motorrad mit knapp 80 Litern auf gut 13 Euro.
Wie viel CO₂-Preis steckt in einem Liter Benzin?
Rund 15,6 Cent CO₂-Preis stecken bei 65 Euro je Tonne in einem Liter Benzin, mit Mehrwertsteuer 18,5 Cent. E10 kommt mit einem Zehntel Bioethanol samt Steuer auf knapp 17 Cent, weil dafür bei nachhaltiger Erzeugung kein CO₂ angesetzt wird. Mit dem Mindestpreis von 55 Euro wären es knapp drei Cent weniger, mit den 68 Euro aus dem Novemberverkauf knapp einen Cent mehr.
Wie hoch ist der CO₂-Preis 2026?
Der CO₂-Preis entsteht 2026 zum ersten Mal in Auktionen, mit 55 Euro Mindest- und 65 Euro Höchstpreis pro Tonne. Alle elf Auktionen an der EEX von Juli bis September 2026 schlossen bei 65 Euro. Zusätzliche Zertifikate für 2026 verkauft die Börse ab November für 68 Euro je Tonne. Bis 2025 galt ein Festpreis, zuletzt 55 Euro.
Wie viel CO₂ entsteht aus einem Liter Benzin?
Ein Liter Benzin ergibt beim Verbrennen rund 2,4 Kilogramm CO₂, amtlich angesetzt sind 2,394 Kilogramm. Das ist gut dreimal so viel, wie der Liter selbst wiegt, weil im Brennraum Sauerstoff aus der angesaugten Luft an den Kohlenstoff bindet.
Steigt der CO₂-Preis 2027?
Der Preiskorridor soll 2027 so bleiben wie 2026, also zwischen 55 und 65 Euro pro Tonne. Das hat der Bundestag am 15. Oktober 2026 beschlossen, das Verfahren im Bundesrat stand Ende Oktober noch aus. Hintergrund ist, dass der europäische Emissionshandel für Verkehr und Gebäude erst 2028 beginnen soll.
Wann endet der Tankrabatt?
Der Tankrabatt läuft in Deutschland nach dem Energiesteuergesetz am 31. Dezember 2026 aus. Bis dahin ist die Steuer auf Benzin um 14,04 Cent pro Liter gesenkt, an der Säule sind das samt Mehrwertsteuer etwa 16,7 Cent. Ab dem 1. Januar 2027 sieht das Gesetz wieder den regulären Satz vor, es sei denn, es wird vorher noch geändert.
Warum ist der CO₂-Preis bei E10 niedriger?
E10 enthält bis zu zehn Prozent Ethanol aus Pflanzen. Nach dem Brennstoffemissionshandelsgesetz zählt nachhaltig erzeugter Biokraftstoff mit null Emissionen, für diesen Anteil wird also kein CO₂-Preis fällig. Bei einem Zehntel Ethanol sind es deshalb je nach Zertifikatspreis gut 1,5 bis knapp zwei Cent weniger pro Liter als bei Benzin ohne Ethanol.
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