
Neues Motorrad, also Lithium-Batterie? Der Gedanke liegt nahe. In Handy, Akkuschrauber und E-Bike steckt längst Lithium, warum also nicht auch unter der Sitzbank?
Dort sieht es nüchterner aus. In den Bedienungsanleitungen von 26 Modellen sechs verschiedener Hersteller ist Lithium nur dreimal die Serienbatterie, und bei einem der drei gilt das in der neuesten Ausgabe schon nicht mehr. Alle anderen starten ab Werk mit Blei. Wissen solltest du es trotzdem, denn eine Lithium-Batterie will beim Laden, bei Frost und beim Tausch anders behandelt werden.
28 Bedienungsanleitungen lagen für diesen Vergleich auf dem Tisch, von 26 Modellen bei Honda, Yamaha, Kawasaki, KTM, Suzuki und BMW, die meisten aus den Jahren 2019 bis 2026. Eine Marktübersicht ist das nicht, große Sportmaschinen etwa fehlen. Für das, was dir am Wochenende auf der Landstraße begegnet, ist das Bild trotzdem deutlich.
| Modelle (Jahr der Anleitung) | Batterie ab Werk | Lithium |
|---|---|---|
| Honda CB650R, CBR650R (2026), CB750 Hornet, XL750 Transalp, NC750X, Gold Wing (2025) | Blei-Säure, wartungsfrei, 8,6 bis 20 Ah | nein |
| Honda NT1100, Africa Twin (2025) | Lithium-Ionen, 6 Ah | Serie |
| Yamaha MT-09, XSR900 GP (2024), Tracer 700 (2020) | Blei-Säure, verschlossen, 6,3 bis 8,6 Ah | nein |
| Kawasaki Ninja 650 (2026), Ninja 125 (2020) | Blei-Säure, versiegelt, 6 und 8,6 Ah | nein |
| KTM 125, 250 und 390 Duke (2026), 890 Adventure (2023) | Blei-Säure, wartungsfrei, 8 und 10 Ah | nein |
| Suzuki SV650, V-Strom 650 | Blei-Säure, versiegelt, 10 Ah | nein |
| BMW F 800 GS, F 900 GS (2023), F 900 XR, R 1250 RT (2019) | AGM, 9 bis 16 Ah | nein |
| BMW R 1250 GS (2019, 2020), R 1250 GS Adventure (2019) | AGM, 12 und 14 Ah | Sonderausstattung, 10 Ah |
| BMW R 1300 GS (2023, 2024) | Lithium-Ionen, 10 Ah | Serie, AGM mit Kaltland-Ausführung |
| BMW R 1300 GS (2025) | AGM, 14 Ah | Sonderausstattung, 10 Ah |
Lithium ab Werk haben also Hondas NT1100 und Africa Twin und die R 1300 GS von BMW in den Ausgaben 2023 und 2024, ein Tourer und zwei große Reiseenduros. Ein Muster nach Größe ist das trotzdem nicht: Die Gold Wing startet mit Blei, und ihre Batterie ist mit 20 Amperestunden die größte der ganzen Liste.
Das AGM in der Tabelle ist keine eigene Chemie, sondern eine Bleibatterie, in der die Säure in einem Glasvlies gebunden ist.
Ältere Jahrgänge können anders aussehen. Für die Africa Twin von 2020 nennt Honda schon Lithium-Ionen und 6 Amperestunden, für die NT1100 von 2022 dagegen 11,2 Amperestunden, von Lithium ist dort keine Rede. Schau also in die Anleitung deines Jahrgangs.
Am schnellsten geht es bei vielen Maschinen so: Sitzbank ab, Handylampe an, Etikett lesen. Darauf steht meist eine Typbezeichnung. YTZ, YTX, ETZ und HTZ gehören in sämtlichen Anleitungen dieser Liste zu Bleibatterien, HJ13L zu den beiden Honda-Modellen mit Lithium.
Kommst du nicht heran, hilft die Anleitung. In den Technischen Daten steht eine Zeile zur Batterie. Honda nennt dort etwa HJ13L mit 12 Volt und 6,0 Amperestunden für die beiden Lithium-Modelle und YTZ10S für Hornet und Transalp mit Blei. BMW schreibt die Bauart aus: AGM oder Lithium-Ionen. Bei Yamaha findest du dazu das Kürzel VRLA, gemeint ist eine verschlossene Bleibatterie mit Ventil.
Beim Gebrauchten zählt ohnehin, was heute drinsteckt, nicht was das Werk einmal eingebaut hat. Ein Vorbesitzer kann längst umgerüstet haben, dann sagt das Gehäuse mehr als das Heft.
Für die R 1300 GS reicht nicht einmal der Modellname. Die ersten beiden Ausgaben vom Februar 2023 und Februar 2024 führen Lithium-Ionen als Serienbatterie und AGM für die Kaltland-Ausführung, eine Sonderausstattung. In der dritten Ausgabe vom Februar 2025 kehrt BMW das um: AGM ab Werk, Lithium als Sonderausstattung unter dem Namen M Lightweight. Bei der R 1250 GS hieß die Lithium-Option 2019 noch HP Batterie.
Auf dem Papier ist die Lithium-Batterie die kleinere. Honda nennt für NT1100 und Africa Twin 6,0 Amperestunden, für die Bleibatterien von CB650R, CB750 Hornet und Transalp 9,1 und für die NC750X 11,6, jeweils bei 20 Stunden Entladung. In der R 1300 GS stehen 10 Amperestunden Lithium gegen 14 bei AGM.
Die Angabe mit den Stunden ist keine Erbsenzählerei. Für die YTZ10S nennt Honda 8,6 Amperestunden bei zehn Stunden Entladung und 9,1 bei 20 Stunden. Dieselbe Batterie, zwei Zahlen, deshalb steht in der Tabelle 8,6 und hier 9,1. Vergleichen lassen sich also nur Werte mit derselben Stundenangabe.
Fürs Anlassen reicht die kleinere Zahl, denn ein Start braucht für Sekunden viel Strom, aber kaum Vorrat.
Im Stand kommt etwas dazu: Uhr und Elektronik ziehen laut den Anleitungen der R 1300 GS von 2025 und der Ninja 650 auch in der Garage Strom. Wie lange die Batterie das durchhält, verraten die Amperestunden allein nicht, dafür müsstest du wissen, wie viel deine Maschine im Stand zieht. Klar ist nur: Bei gleichem Verbrauch ist die kleinere Batterie schneller leer. Wie oft sie ans Ladegerät soll, regelt die Anleitung für jedes Modell einzeln.
Beim Laden zieht Honda für Lithium engere Grenzen als für Blei. Zum Laden ausbauen sollst du die Batterie bei beiden Bauarten. Für NT1100 und Africa Twin verlangt Honda aber ein vom Batteriehersteller freigegebenes Ladegerät, und vor dem Laden sollst du dich an deinen Händler wenden. Ein anderes Gerät könne die Batterie dauerhaft schädigen. Überbrücken darfst du sie gar nicht, bei den Blei-Modellen rät die Anleitung nur von Starthilfe mit einer Autobatterie ab.
Eine auf Lithium umgerüstete KTM braucht ein anderes Ladegerät als das von KTM genannte: Laut dem Handbuch der 390 Duke von 2026 eignet es sich nicht für Lithium-Ionen.
Vor einer langen Pause gilt bei Honda für Lithium und Blei dasselbe: Batterie ausbauen, voll laden und an einem schattigen, gut belüfteten Ort lagern. Lässt du sie drin, trennst du die Minusklemme.
Den größten Unterschied liest du in den Warnhinweisen. Bei den Blei-Modellen warnt Honda vor verdünnter Schwefelsäure, die Haut und Augen verätzen kann. In den Anleitungen von NT1100 und Africa Twin geht es um etwas anderes: Die Batterie enthalte als Elektrolyt, also anstelle der Säure, ein brennbares organisches Lösungsmittel. Falscher Umgang könne zu Verbrennungen und schweren Verletzungen führen.
Deshalb gehört die Batterie weg von Hitze, Funken und Flammen, also nicht neben Flex oder Heizlüfter, und nicht in Kinderhände. Zerlegen, verändern, kurzschließen und Stöße sind laut Honda tabu. Auf dem Batterieaufkleber, den die Anleitung beschreibt, stehen als mögliche Folgen falscher Handhabung Wärmebildung, Feuer und Explosion.
Sicherheitshinweis: Eine falsch behandelte Lithium-Batterie kann im schlimmsten Fall Feuer fangen. Riecht es rund um die Batterie ungewöhnlich, stellst du das Motorrad laut Honda an einer sicheren Stelle im Freien ab und drehst die Zündung aus. Brennbares muss weg, und die Maschine lässt du sofort vom Händler prüfen. Elektrolyt im Auge spülst du 15 Minuten lang wiederholt mit kaltem Wasser, ohne harten Strahl, und gehst unverzüglich zum Arzt.
Ein Morgen mit Frost, die Maschine stand eine Woche in der kalten Garage. Daumen auf den Starter, und der Anlasser klingt müder als sonst. Für diese Lage hat BMW einen Hinweis: Bei niedrigen Temperaturen könne das Startverhalten beeinträchtigt sein. Bei der R 1250 GS stand der Satz 2019 wie 2020 nur bei der Lithium-Sonderausstattung, bei der R 1300 GS steht er in allen drei Ausgaben im Startkapitel für jede Batterie. Honda nennt für NT1100 und Africa Twin keinen eigenen Kältehinweis zur Batterie.
Laut BMW erhöht eine „mehrmalige, kurze Belastung“ der Batterie ihre Temperatur und damit die Leistung, die für den Motorstart bereitsteht. Der Grund: Bei Kälte steigt ihr Innenwiderstand, und der Strom heizt sie von innen etwas auf. Welche Belastung gemeint ist, sagt die Anleitung nicht. Ein bisschen hilft es, die Batterie bei eingeschalteter Zündung eine halbe bis eine Minute arbeiten zu lassen.
Springt der Motor trotzdem nicht an, ist Weiterorgeln bei BMW nicht vorgesehen: Die Batterie soll vor weiteren Versuchen geladen werden oder Starthilfe bekommen. Ist die Spannung zu niedrig, bricht die Maschine den Startvorgang von selbst ab. An NT1100 und Africa Twin bleibt Überbrücken laut Honda tabu.
Bevor du in der kalten Garage anklemmst, schau in die Anleitung von Batterie und Ladegerät, denn bei Frost arbeitet nicht jedes Gerät wie gewohnt. BMWs Batterieladegerät Plus senkt im Lithium-Modus unter 0 Grad den Ladestrom auf 0,5 Ampere und soll Lithium-Ionen-Batterien nur unter Aufsicht laden.
Die Kaltland-Ausführung der R 1300 GS fällt aus der Reihe. In den Ausgaben 2023 und 2024, in denen Lithium Serie ist, bekommt diese Ausstattung als einzige eine AGM-Batterie statt der Lithium-Batterie. Einen Grund nennt BMW nicht, der Name legt ihn aber nahe.
Beim nächsten Batteriewechsel kommt der Gedanke vom Anfang wieder: Lithium wiegt weniger, warum also nicht? In den Anleitungen dieser Liste ist das Umrüsten nirgends als normaler Weg beschrieben. Honda legt den Ersatz in beide Richtungen fest: In die Blei-Modelle soll wieder eine wartungsfreie Batterie desselben Typs, in NT1100 und Africa Twin wieder Lithium-Ionen desselben Typs. Suzuki verlangt für SV650 und V-Strom 650 wieder eine MF-Batterie, also eine wartungsfreie, vom selben Typ.
Yamaha verlangt für MT-09 und XSR900 GP ausdrücklich die Originalbatterie. Eine andere könne die IMU ausfallen lassen, den Sensor für die Lage des Motorrads, und damit gehe der Motor aus. Nach einem Wechsel des Batterietyps meldet die R 1300 GS laut Anleitung einmal „Fehler in der Bordnetzbatterie“, denn ihr Steuergerät ist auf einen bestimmten Batterietyp codiert. Vor dem Umrüsten rät BMW zum Gespräch mit einer Fachwerkstatt. Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch.
Ein Satz aus der Ninja-650-Anleitung von Kawasaki lässt sich leicht falsch verstehen. „Niemals eine konventionelle Batterie“ steht dort, sonst arbeite die elektrische Anlage nicht einwandfrei. Das klingt, als müsste es Lithium sein. Ab Werk sitzt in der Ninja 650 aber eine versiegelte Bleibatterie, und konventionell meint nach dem Zusammenhang die offene Bauart, bei der du den Säurestand prüfst und destilliertes Wasser nachfüllst. Lithium verlangt dieser Satz also nicht.
Neues Motorrad heißt meist nicht Lithium. Ein Blick unter den Sitz ist trotzdem schnell getan, und danach weißt du, welches Ladegerät an deine Batterie darf.
Wie finde ich heraus, ob mein Motorrad eine Lithium-Batterie hat?
Die Bedienungsanleitung nennt Bauart oder Typ der Batterie in den Technischen Daten, manchmal mit einem eigenen Warnhinweis zu Lithium-Ionen. Auf der Batterie selbst steht eine Typbezeichnung. Kürzel wie YTZ, YTX oder ETZ gehören in vielen Anleitungen zu Bleibatterien. Bei einem gebrauchten Motorrad zählt die eingebaute Batterie, weil der Vorbesitzer sie gewechselt haben kann.
Haben neue Motorräder serienmäßig eine Lithium-Batterie?
Lithium ab Werk ist selten. Von 26 Modellen aus sechs Marken, deren Anleitungen für diesen Artikel ausgewertet wurden, haben drei serienmäßig eine Lithium-Ionen-Batterie, die R 1300 GS allerdings nur in den Ausgaben 2023 und 2024. Bei zwei weiteren Modellen und bei der R 1300 GS ab 2025 ist Lithium Sonderausstattung. Die übrigen fahren mit Blei-Säure-Batterien in wartungsfreier, verschlossener oder AGM-Bauweise.
Darf ich eine Bleibatterie gegen eine Lithium-Batterie tauschen?
Viele Bedienungsanleitungen verlangen beim Wechsel eine Batterie desselben Typs wie ab Werk. Einige Hersteller warnen ausdrücklich: Mit einer anderen als der Originalbatterie kann laut Yamaha bei zwei Modellen die IMU ausfallen. BMW empfiehlt für die R 1300 GS vor dem Umrüsten das Gespräch mit einer Fachwerkstatt. Verbindlich ist das Handbuch deines Modells.
Ist eine Lithium-Batterie im Motorrad gefährlich?
Die Lithium-Ionen-Batterie von NT1100 und Africa Twin enthält laut Honda ein brennbares organisches Lösungsmittel. Sie verlangt deshalb Abstand zu Hitze und Flammen, sie darf weder geöffnet noch kurzgeschlossen werden. Bei ungewöhnlichem Geruch gehört das Motorrad ins Freie, mit ausgeschalteter Zündung und ohne Brennbares daneben. Prüfen lassen solltest du es dann sofort vom Händler.
Springt ein Motorrad mit Lithium-Batterie bei Kälte schlechter an?
Eine kalte Batterie hat weniger Leistung für den Anlasser übrig. Bei der R 1250 GS bindet BMW seinen Kältehinweis an die Lithium-Batterie und beschreibt mehrere kurze Belastungen als Weg, sie anzuwärmen. Springt der Motor trotzdem nicht an, wird die Batterie vor dem nächsten Versuch geladen. Bei Frost gelten dafür die Temperaturvorgaben von Batterie und Ladegerät.
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