
„Klack.“ Mehr kommt nicht. Drei Wochen hat die Maschine in der Garage gestanden, das Display leuchtet noch, aber der Anlasser zuckt einmal und gibt auf. Im Regal liegt der Booster, im Sommer gekauft und noch nie gebraucht. Der Plan für die Starthilfe mit dem Booster ist schnell gemacht: Sitzbank runter, Klemmen dran, in fünf Minuten läuft das Motorrad. Dann ist die Sitzbank ab, und auf dem Batteriegehäuse steht: Lithium.
Ein japanischer Hersteller schreibt für zwei seiner Modelle mit Lithiumbatterie ohne Umschweife, dass ihre Batterie nicht überbrückt werden soll. Ein deutscher Hersteller beschreibt für seine große Reiseenduro Schritt für Schritt, wie die Starthilfe an genau so einer Batterie geht. Beide wissen, welche Batterie in ihren Maschinen steckt. Dein Booster weiß es nicht.
Schlag zuerst dein Handbuch auf. Unter „Batterie leer“ oder „Starthilfe“ findest du je nach Hersteller etwas ganz anderes:
Das Wort Booster steht in keiner dieser Anleitungen. Wo Starthilfe überhaupt vorkommt, ist von einer Spenderbatterie die Rede, bei BMW von der eines anderen Fahrzeugs, bei Honda von einer Autobatterie. Ein Booster ist im Grunde dasselbe in klein: eine Spenderbatterie mit Klemmen und Ladestandsanzeige. Wo die Anleitung Grenzen für die Starthilfe setzt, gelten sie für ihn genauso. Und wo sie „nicht überbrücken“ sagt, hilft auch das schönste Gerät nicht.
Offen bleibt der Fall der Honda-Modelle mit Bleibatterie. Der Hinweis nennt ausdrücklich die Autobatterie. Zum Booster sagt das Handbuch nichts, sein Weg ist das Ladegerät.
Die bequemste Stelle ist oft die falsche. An manchen Maschinen sitzt eine 12-Volt-Steckdose griffbereit vorn, die Batterie dagegen unter Sitzbank und Polkappe. Für F 900 GS und R 1300 GS stellt BMW klar: fremdstarten nicht über die Steckdose, sondern ausschließlich über die Batteriepole. Sonst drohen ein Kabelbrand oder Schäden an der Fahrzeugelektronik.
Wie wenig durch so eine Steckdose passt, steht ein paar Seiten weiter hinten in den technischen Daten. Die Steckdosen der F 900 GS vertragen zusammen höchstens fünf Ampere, die der R 1300 GS zwölf. Ein Booster ist für ganz andere Ströme gebaut, in den Datenblättern stehen mehrere hundert Ampere. Solche Ströme gehören in die dicken Kabel an der Batterie, nicht in eine Steckdosenleitung.
Die zweite Grenze ist die Spannung. Die Spenderbatterie muss in beiden BMW-Anleitungen 12 Volt haben, mehr beschädigt die Fahrzeugelektronik. Die beiden Booster, deren Anleitungen weiter unten vorkommen, sind für 12-Volt-Fahrzeuge gebaut. Wirf trotzdem einen Blick auf das Typenschild, vor allem bei einem geliehenen Gerät, das sonst an größeren Fahrzeugen arbeitet.
Die schwarze Klemme sitzt in den beiden BMW-Anleitungen am Minuspol der leeren Batterie, also direkt neben der roten. Rot kommt aber nicht an jeder Maschine an die Batterie selbst. An R 1250 GS und RT von 2019 gibt es dafür laut BMW einen eigenen Batterieplus-Stützpunkt unter einer Schutzkappe. Nennt dein Handbuch einen anderen Punkt, gilt der.
Sicherheitshinweis: Leg die Klemmen nie so ab, dass sie sich berühren oder die rote an den Rahmen kommt, und klemm erst Plus, dann Minus. Ein Kurzschluss an der Batterie gibt Funken. In einer Bleibatterie kann sich Wasserstoff bilden, der entflammbar und unter Umständen explosiv ist, auch wenn sie entladen ist. Zigarette und Feuerzeug haben neben ihr nichts verloren.
Ob in deinem Motorrad Blei oder Lithium steckt, steht auf dem Batteriegehäuse und in den technischen Daten der Anleitung. An der R 1300 GS siehst du, dass sogar die Ausgabe zählt. In den Anleitungen von 2023 und 2024 ist Lithium Serie. Eine AGM-Batterie, eine Bleibatterie mit Glasvlies, gibt es dort mit der Kaltland-Ausführung. In der Ausgabe von 2025 ist es umgekehrt: Serie ist die AGM-Batterie, Lithium heißt dort „M Lightweight Batterie“ und ist Sonderausstattung.
Für beide Batterien beschreibt BMW denselben Ablauf. Bei der Lithiumbatterie kommt vorher eine Schutzkappe ab und hinterher wieder drauf, sonst stehen dieselben Schritte da. Für NT1100 und Africa Twin mit ihren Lithiumbatterien steht bei Honda das Gegenteil. Beide Hersteller nennen ihre Batterie Lithium-Ionen-Batterie, und trotzdem geben die Handbücher zwei verschiedene Antworten. Ein Tipp vom Stammtisch, der für die eine Maschine stimmt, kann für die andere falsch sein.
Hast du die Bleibatterie selbst gegen eine Lithiumbatterie getauscht, hilft dir das Handbuch des Motorrads an dieser Stelle nicht weiter. Dann gilt, was der Hersteller der neuen Batterie zur Starthilfe schreibt.
Und der Booster redet auch noch mit. Das GB20 von NOCO ist laut seiner Anleitung ausschließlich mit 12-Volt-Bleibatterien kompatibel und für andere Batterietypen nicht geeignet. Mit einer Lithiumbatterie brauchst du also zwei Zusagen: die deines Motorrads und die deines Boosters.
„Nimm den Großen, der hat 1.500 Ampere.“ Beim BATTERYstart 300 von OSRAM steht diese Zahl im Datenblatt als Peak Amps, auf Deutsch Spitzenstrom, und daneben 300 Cranking Amps, der Startstrom. Was beide bedeuten, verrät erst die Gebrauchsanweisung: 1.500 Ampere für 0,1 Sekunden, 300 Ampere für drei Sekunden.
Für den Start zählt vor allem die zweite Zahl. Dein Anlasser dreht ein paar Sekunden, nicht eine Zehntelsekunde. Zwei Geräte kannst du deshalb nur vergleichen, wenn neben dem Strom auch die Zeit steht. In den technischen Daten des GB20 stehen 500 Ampere Spitzenstrom, eine Zeit steht nicht dabei. Neben die Werte von OSRAM lässt sich das deshalb nicht legen.
Und die Sorge, so viel Strom könne der Elektronik schaden? Die Ampere im Datenblatt sind ein Angebot. Wie viel davon fließt, bestimmt dein Anlasser, solange die Klemmen an den Polen sitzen. Schaden richten eine zu hohe Spannung an oder Strom, der den falschen Weg nimmt, etwa durch eine Steckdose.
Bei der Größe helfen die Hubraumangaben der Hersteller beim Motorrad nur bedingt. OSRAM gibt den kleineren BATTERYstart 200 mit 150 Ampere Startstrom für Benzinmotoren bis drei Liter an, Motorräder nennt die Anleitung nicht eigens. NOCO nennt sie im Datenblatt des GB20 dagegen ausdrücklich. Und das größere Gerät von OSRAM wiegt 490 statt 300 Gramm, das Gewicht trägst du im Tankrucksack mit.
Passen Handbuch, Batterie und Booster zusammen, geht es los. Schalte vor dem Klemmen alles ab, was Strom zieht: Zündung, Heizgriffe, beheizte Weste, Navi. Dann kommen Sitzbank und Polabdeckung ab. Die Batterie bleibt dabei angeschlossen, so steht es in den BMW-Anleitungen für F 900 GS und R 1300 GS: Zum Fremdstarten wird sie nicht vom Bordnetz getrennt.
Die rote Klemme kommt an den Pluspol, danach die schwarze an den Minuspol. In dieser Reihenfolge zeigen es die Anleitungen beider Booster, und BMW beschreibt die Kabel vom Spender genauso.
Wann das Gerät eingeschaltet wird und welche Leuchte dir grünes Licht gibt, regeln die Hersteller unterschiedlich. Beim GB20 steckst du laut der aktuellen Anleitung zuerst das Klemmenkabel ins Gerät, dann kommen die Klemmen an die Batterie, dann drückst du den Knopf. Ältere Geräte gleichen Namens hatten eine Anleitung mit anderer Reihenfolge, es gilt die, die bei deinem lag.
Jetzt schaltest du die Zündung wieder ein und startest wie gewohnt, nur kurz: Die OSRAM-Anleitung zeigt höchstens drei Sekunden je Versuch. Springt der Motor nicht an, gönn Anlasser und Booster eine Pause. NOCO nennt 20 bis 30 Sekunden, höchstens fünf Versuche in 15 Minuten und danach 15 Minuten Ruhe. In den BMW-Anleitungen kommt der nächste Versuch erst nach einigen Minuten, zum Schutz von Anlasser und Spenderbatterie. Halte dich an die längere Pause.
Läuft der Motor, kommt zuerst die schwarze Klemme ab, dann die rote. Fass dabei keine Teile der Zündanlage an, die BMW-Anleitungen warnen bei laufendem Motor vor einem Stromschlag. Zum Schluss Polabdeckung oder Schutzkappe zurück, Sitzbank drauf.
Bleibt der Booster stumm, obwohl alles richtig sitzt, ist die Batterie womöglich zu leer. Das GB20 arbeitet mit Bleibatterien, die bis auf zwei Volt entladen sind, darunter bleibt seine Boost-Leuchte aus. Für diesen Fall gibt es eine Handbetätigung, laut NOCO nur für 12-Volt-Bleibatterien, an einer Lithiumbatterie also nie. Funkenschutz und Verpolungsschutz sind dabei abgeschaltet. NOCO mahnt deshalb zu besonderer Vorsicht, zum genauen Blick auf die Polung und dazu, dass sich die Klemmen nicht berühren. Bevor du sie abnimmst, schaltest du das Gerät aus.
Eine so leere Batterie hat womöglich schon gelitten: Steht sie längere Zeit entladen, wird sie zerstört, heißt es in den KTM-Anleitungen. Eine eingefrorene oder beschädigte Batterie überbrückst du laut NOCO gar nicht erst.
Den Start hat dir der Booster geliehen, die Ladung nicht. In der Batterie steckt kaum mehr als vor fünf Minuten. In den Anleitungen der Duke-Modelle von 2026 steht dazu: Wurde die Batterie leergestartet, wird sie unverzüglich geladen. Und das Motorrad soll nie mit entladener Batterie betrieben werden, weil dabei elektronische Bauteile und Sicherheitsvorrichtungen beschädigt werden.
Für die Ninja 650 kommt ein Satz zum ABS dazu: Bei zu schwach geladener Batterie arbeitet es womöglich nicht. In der Anleitung der SV650 steht, bei entladener Batterie sei das ABS nicht verfügbar.
Daheim ist deshalb das Ladegerät dran, nicht eine Ausfahrt zum Nachladen. Willst du gar nicht losfahren, sparst du dir den Booster und hängst die Batterie gleich ans Ladegerät. Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch.
Unterwegs, ohne Ladegerät in der Nähe, kommt es auf die Maschine an. Bei einer Duke heißt das nach der KTM-Regel oben: Ladegerät oder Pannenhilfe. Auf Ninja 650 und SV650 fährst du womöglich ohne ABS. Wo das Handbuch nichts dagegen sagt, geht es ohne Umweg zum nächsten Ladegerät, mit normaler Drehzahl statt Standgas und ohne Heizgriffe und Weste.
Ein Booster wie die beiden hier ist selbst ein Lithium-Akku, und der mag es weder eisig noch heiß. Das GB20 arbeitet laut seiner Anleitung zwischen minus 20 und plus 50 Grad, laden soll es nur zwischen null und 40 Grad.
Gelagert werden darf das GB20 im selben Bereich wie im Betrieb, im Durchschnitt aber bei null bis 25 Grad. Eine kalte Nacht in der Garage liegt also im Rahmen. Bleibt die Garage aber längere Zeit unter null, gehört der Booster über den Winter ins Haus. Laden darfst du ihn ja erst ab null Grad.
Ab Werk ist das GB20 laut Anleitung nur teilweise geladen und muss vor dem ersten Einsatz voll aufgeladen werden. Unbenutzt entlädt es sich mit der Zeit. Ein Gerät, das seit dem Kauf im Regal liegt, ist also vielleicht gar nicht so voll, wie du denkst.
Ein Blick auf die Ladestandsanzeige genügt. Schau nach, wenn du das nächste Mal an Batterie und Ladegerät denkst, und nicht erst, wenn der Anlasser eines Morgens nur noch klackt.
Lässt sich ein Motorrad mit Lithiumbatterie per Booster starten?
Mit Lithiumbatterie startest du ein Motorrad nur dann mit dem Booster, wenn das Handbuch die Starthilfe für diese Batterie beschreibt. Bei NT1100 und Africa Twin (Modelljahr 2025) dürfen die Lithiumbatterien laut Honda nicht überbrückt werden. BMW beschreibt die Starthilfe dagegen für die R 1300 GS. Auch der Booster muss für die Batterie gedacht sein, manche sind nur für Bleibatterien ausgelegt.
Wo kommen die Klemmen des Boosters am Motorrad hin?
Die Klemmen des Boosters gehören an die Pole der Motorradbatterie oder an den Punkt, den das Handbuch dafür nennt. Rot kommt an Plus, Schwarz an Minus. Für F 900 GS und R 1300 GS schließt BMW die Steckdose als Anschluss ausdrücklich aus, dort sind je nach Modell höchstens fünf oder zwölf Ampere erlaubt. Abgenommen wird in umgekehrter Folge, zuerst Schwarz.
Was bedeuten Peak Amps und Cranking Amps beim Booster?
Peak Amps bezeichnet meist den Spitzenstrom eines Boosters, den er nur einen Wimpernschlag lang abgibt. Cranking Amps steht meist für den Startstrom, der einige Sekunden fließen kann. Ein Gerät mit 1.500 Peak Amps hält diesen Wert laut seiner Gebrauchsanweisung eine Zehntelsekunde, seine 300 Cranking Amps drei Sekunden lang. Für den Anlasser zählt vor allem der zweite Wert.
Wie stark muss ein Booster für ein Motorrad sein?
Ein Booster für ein Motorrad braucht vor allem die Spannung des Bordnetzes, bei modernen Motorrädern 12 Volt. Hubraumangaben wie „Benzinmotoren bis drei Liter“ helfen beim Motorrad nur bedingt, verlässlicher ist ein Gerät, dessen Hersteller Motorräder ausdrücklich nennt. Wie viel Strom fließt, entscheidet der Anlasser.
Wie lange darf ich mit dem Booster am Anlasser orgeln?
Ein Startversuch mit dem Booster dauert nur wenige Sekunden, ein Hersteller zeigt in seiner Anleitung höchstens drei. Dazwischen braucht das Gerät eine Pause, laut einer der Anleitungen 20 bis 30 Sekunden und nach fünf Versuchen eine Viertelstunde. BMW sieht an F 900 GS und R 1300 GS einige Minuten bis zum nächsten Versuch vor, damit Anlasser und Spender geschont werden.
Muss die Batterie nach dem Start mit dem Booster geladen werden?
Eine leergestartete Batterie gehört nach dem Booster-Start ans Ladegerät, KTM schreibt dafür „unverzüglich“. Der Booster liefert nur den Strom für den Anlasser. Mit leerer Batterie kann laut den Anleitungen der Ninja 650 und der SV650 sogar das ABS ausfallen.
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