Wird die Batterie nach der Starthilfe beim Fahren wieder voll?

Eine BMW R 1300 GS schaltet ihre Heizgriffe selbst ab, wenn die Batterie zu schwach wird, damit der Motor später noch anspringt. Das steht in ihrer Betriebsanleitung, und direkt davor ein Satz, der mehr verrät: Bei Fahrten im unteren Drehzahlbereich kann der Strom für die Griffe die Batterie entladen.

Der Satz zeigt, wie knapp es bei der Lichtmaschine zugeht: Sie versorgt zuerst, was gerade läuft, und hält eine volle Batterie auf längeren Fahrten voll. Für eine leere bleibt bei niedriger Drehzahl wenig übrig, und je voller sie wird, desto weniger nimmt sie an. Das gilt auch nach der Starthilfe.

Trotzdem hält sich der Rat, nach dem Überbrücken einfach eine Runde zu fahren, dann sei alles wieder gut. Für den nächsten Start kann das reichen. Voll wird eine leere Bleibatterie in einer Runde aber kaum. Und warum war sie überhaupt leer?

Wofür die Lichtmaschine eigentlich da ist

Zündung, Einspritzung, Benzinpumpe und Licht verbrauchen den größten Teil dessen, was das Ladesystem eines Motorrads liefert. So steht es im technischen Handbuch des Batterieherstellers Yuasa. Die Batterie springt ein, wenn das Ladesystem nicht nachkommt, und das passiert vor allem, wenn der Motor mit niedriger Drehzahl läuft.

Kommen beheizte Kleidung und Zusatzscheinwerfer obendrauf, reicht es nach demselben Handbuch nicht immer, und die Batterie liefert den Rest. Genau davon handelt der BMW-Hinweis zu den Heizgriffen. Er steht wortgleich auch in der Anleitung der R 1250 GS von 2020.

Fürs Nachladen bleibt, was nach allen Verbrauchern übrig ist. Dieser Rest wächst mit der Drehzahl und schrumpft mit jedem Verbraucher. Im Standgas kann die Bilanz sogar kippen: Dann zieht das Bordnetz Strom aus der Batterie, obwohl der Motor läuft. Wie groß der Rest bei deiner Maschine ausfällt, sagt dir keine Bedienungsanleitung.

Kaum ins Gewicht fällt dabei der Start selbst. Der Anlasser zieht zwar sehr viel Strom, bei großen Motoren 100 Ampere und mehr, aber nur für einen Augenblick. Bei 150 Ampere über zwei Sekunden sind das grob acht Hundertstel Amperestunden, knapp ein Prozent einer Batterie mit zehn. Schwer wiegt das Loch, das schon vorher da war. Ohne dieses Loch hätte es keine Starthilfe gebraucht.

Die letzten Prozent kommen am langsamsten

Selbst wenn genug übrig ist, nimmt eine Bleibatterie Ladung nicht beliebig schnell auf. Geladen wird sie, weil die Spannung des Ladesystems höher ist als ihre eigene. Dieser Unterschied drückt den Strom hinein.

Je voller die Batterie wird, desto kleiner wird der Unterschied, und desto weniger Strom fließt. Der Branchenverband ZVEI beschreibt das für Ladegeräte mit geregelter Spannung: Ist die Grenze erreicht, sinkt der Strom, und die Ladung zieht sich in die Länge. Ein Motorrad lädt nach demselben Prinzip, denn auch sein Regler begrenzt die Spannung.

Dazu kommt ein Aufschlag. Laut ZVEI muss mehr Ladung in die Batterie zurück, als herausgenommen wurde, typisch das 1,2-Fache. Kommt weniger zurück, bleibt die Ladung unvollständig, und die Batterie sulfatiert. Fehlen einer AGM-Batterie mit zehn Amperestunden fünf davon, müssen also sechs zurück. Ein kleines Ladegerät mit einem Ampere bräuchte dafür mindestens sechs Stunden.

Die Lichtmaschine kann auf flotter Fahrt anfangs mehr übrig haben als so ein kleines Ladegerät. Für die letzten Prozent ändert das wenig, denn da bestimmt die Batterie, wie viel sie noch annimmt.

Entscheidend ist auch, wie hoch die Ladespannung ist. Zum Laden einer AGM-Batterie nennt der ZVEI mindestens 14,4 Volt. Bei Yuasas Schnellprobe gilt ein Ladesystem am Motorrad dagegen schon ab 13,0 Volt als vermutlich intakt, gemessen bei mittlerer Drehzahl. Liefert dein Ladesystem nur um die 13 Volt, ist das kaum mehr als die 12,8 bis 13,0 Volt einer vollen AGM-Batterie, und dann fließt nicht mehr viel.

Das alles braucht Zeit, und die fehlt auf kurzen Wegen. Wer nur ein paar Mal pro Woche fährt und jedes Mal unter rund 25 bis 30 Kilometern bleibt, hält laut Yuasa womöglich nicht einmal eine gesunde Batterie voll genug für den Start.

Im Herbst und Winter kommt die Kälte dazu. Unter null Grad nimmt eine Bleibatterie laut ZVEI nur mangelhaft Ladung an und muss sich erst erwärmen. Nach einer frostigen Nacht lädt die Lichtmaschine eine kalte Batterie also zunächst schlecht nach, und das ausgerechnet an dem Morgen, an dem der kalte Motor beim Start am meisten verlangt hat.

Tief entladen, schwer zu laden

Richtig zäh wird es, wenn die Batterie ganz unten war. Liegt ihre Ruhespannung unter 11,5 Volt, braucht sie womöglich ein spezielles Ladegerät, schreibt Yuasa. Eine tief entladene Batterie hat einen hohen inneren Widerstand und nimmt Ladung unter Umständen erst bei einer höheren Spannung als üblich an. Bis sie wieder voll ist, können 20 Stunden und mehr vergehen.

Wie viel mehr Spannung erlaubt ist, hängt von der Bauart ab. Der ZVEI nennt für diesen Fall bei konventionellen Starterbatterien mit Verschlussstopfen bis zu 16 Volt, höchstens vier Stunden lang, bei AGM-Batterien dagegen höchstens 14,8 Volt. Der Regler im Motorrad begrenzt die Spannung im Bordnetz und kennt kein Programm für tief entladene Batterien. Wenn überhaupt, holt ein Ladegerät mit so einem Programm die Batterie zurück.

Und die Zeit arbeitet gegen die Batterie. Je länger eine Bleibatterie leer steht, desto mehr Bleisulfat setzt sich auf ihren Platten fest, und das kann sie dauerhaft schädigen. Hat sie während des Urlaubs wochenlang leer gestanden, hilft ihr die Starthilfe über den Moment, aber nicht über einen Schaden, der dabei entstanden ist.

Batterie nach der Starthilfe: erst fahren, dann laden

Stehen lassen musst du das Motorrad nach der Starthilfe nicht. Die Fahrt nach Hause oder zur Arbeit ist in Ordnung, mit ein paar Vorkehrungen.

Schalte ab, was du nicht brauchst: Heizgriffe, beheizte Weste, Zusatzscheinwerfer, das Ladekabel fürs Handy. Fahr nach dem Abklemmen der Kabel mit normaler Drehzahl, statt den Motor in der Einfahrt im Stand laufen zu lassen, denn im Standgas bleibt für die Batterie am wenigsten übrig. Und plane den ersten Halt so, als würde die Maschine danach nicht wieder anspringen, also dort, wo du notfalls Hilfe bekommst, oder mit einem Starthilfegerät im Gepäck.

Weißt du nicht, warum die Batterie leer war, rechne auch mit einem Fehler im Ladesystem. Dann lädt unterwegs wenig oder gar nichts nach, und im schlimmsten Fall geht der Motor mitten auf der Strecke aus.

Zu Hause kommt die Batterie ans Ladegerät, eingestellt auf ihren Typ, und bleibt dran, bis es meldet, dass sie voll ist. Honda gibt für die Gold Wing und die NC750X bei leerer Batterie diesen Weg vor: laden, mit einem Ladegerät für Motorradbatterien und bei ausgebauter Batterie. Ein Gerät für Autobatterien kann sie laut Honda überhitzen und dauerhaft schädigen. Manche Ladegeräte laden Auto- und Motorradbatterien und haben für die kleinen ein eigenes Programm mit weniger Strom. Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch.

Ob die Batterie wirklich voll ist, zeigt eine Messung erst nach einer Pause. Lichtmaschine und Ladegerät hinterlassen laut Yuasa eine Oberflächenladung, und die hebt die Spannung vorübergehend an. Ein Blick aufs Display direkt nach der Fahrt sagt deshalb wenig. Lass die Batterie nach der Fahrt oder dem Laden mindestens eine Stunde ruhen und miss erst dann. Voll ist eine AGM-Batterie bei 12,8 bis 13,0 Volt Ruhespannung, eine konventionelle mit Verschlussstopfen schon bei 12,6.

Erreicht deine Batterie ihren Wert nicht mehr oder verliert sie abgeklemmt in wenigen Tagen deutlich an Spannung, hat sie vermutlich ihre beste Zeit hinter sich. Umgekehrt beweist eine gute Spannung noch nicht, dass sie für den Anlasser stark genug ist. Gewissheit bringt erst ein Belastungstest, den eine Werkstatt machen kann.

Sicherheitshinweis: Klemm das Ladegerät erst an die Batterie und steck danach den Netzstecker ein. Zum Abklemmen ziehst du zuerst den Stecker. Lade in einem gut belüfteten Raum. Fühlt sich das Gehäuse heiß an, zieh den Netzstecker und lass die Batterie abkühlen, bevor du weiterlädst.

Beim Laden kann eine Bleibatterie Wasserstoff abgeben, und ein Funke an der Klemme kann ihn entzünden. Wer bei eingestecktem Netzstecker abklemmt, riskiert laut Yuasa eine Explosion.

Und wenn es Lithium ist?

Ob es Lithium ist, verrät der Aufdruck auf der Batterie. Was ursprünglich eingebaut war, steht in der Anleitung. Die R 1300 GS hat laut BMW ab Werk eine Lithium-Ionen-Batterie, in der Kaltland-Ausführung eine AGM-Batterie. Bei der R 1250 GS ist es ab Werk eine AGM-Batterie, Lithium gab es dort als Sonderausstattung.

Die Anleitungen der Batteriehersteller lesen sich bei Lithium anders. Ein Hersteller schreibt, das serienmäßige Ladesystem eines Motorrads lade seine Batterien korrekt, und wer genug fahre, müsse sie nur selten ans Ladegerät hängen. Unter 13,2 Volt Ruhespannung sollen sie allerdings nachgeladen werden, und unter 11 Volt können die Zellen Schaden nehmen.

Für den Notfall haben manche seiner Batterien eine Reserve. Zieht etwa das vergessene Licht zu viel Strom, schalten sie sich rechtzeitig ab und halten genug Energie für einen Start zurück, den ein Knopf freigibt. Danach verlangt der Hersteller mindestens eine Stunde Fahrt, damit wieder eine brauchbare Ladung drin ist, und so bald wie möglich eine volle Ladung am Ladegerät. Auch bei ihm ersetzt die Runde nach dem Notstart nicht das volle Laden.

Unter 10 Volt rät derselbe Hersteller von einer Starthilfe ganz ab, in seinen Sicherheitshinweisen unter dem Stichwort Brand.

Sicherheitshinweis: Lade eine Lithiumbatterie nur mit einem Ladegerät, das ein Lithium-Programm hat, und nimm sie außer Betrieb, wenn sie heiß wird oder sich aufbläht.

Die meisten Bleiladegeräte haben laut dem Hersteller der Batterien mit Startreserve einen Entsulfatierungsmodus mit Spannungsspitzen, und der kann eine Lithiumbatterie beschädigen. Ein anderer Hersteller lässt höchstens 15 Volt Ladespannung zu. Der erste warnt bei falscher Behandlung sogar vor Brand und Explosion.

Eine Batterie nach der Starthilfe gehört bei Blei also ans Ladegerät, die Runde ist nur der Weg dorthin. Bei Lithium gilt, was die Anleitung deiner Batterie sagt.

Die Ursache fährt mit

Einen typischen Fall beschreibt Yuasa: Die Batterie ist leer, eine neue kommt hinein, das Motorrad springt eine Woche lang anstandslos an, und dann ist auch die neue leer. Die Ursache lag woanders, in einem schwachen Ladesystem oder einer lockeren Verbindung.

Das Ladesystem kannst du mit einem Multimeter selbst prüfen, eingestellt auf Gleichspannung. Maschine im Freien, Leerlauf eingelegt, die Messleitungen an die Batteriepole, am bequemsten mit Krokodilklemmen, die sonst nichts berühren. Dann den Motor starten und kurz bei 3000 bis 4000 Umdrehungen halten. Zeigt das Messgerät 13,0 bis 14,5 Volt, arbeitet das Ladesystem laut Yuasa vermutlich. Viele Werkstatthandbücher verlangen mindestens 14 Volt, einige lassen schon 13,5 gelten.

Bleibt die Spannung da, wo sie bei stehendem Motor war, kommt vom Ladesystem nichts an. Steigt die Spannung über den Höchstwert im Werkstatthandbuch deiner Maschine, bei vielen um 15 Volt, ist der Regler verdächtig.

Arbeitet das Ladesystem, bleiben die üblichen Verdächtigen: ein Verbraucher, der auch bei ausgeschalteter Zündung Strom zieht, eine alte Batterie, zu viele kurze Wege. Keiner davon verschwindet durch die Starthilfe.

❓ Häufige Fragen zur Batterie nach der Starthilfe

Lädt sich die Motorradbatterie nach der Starthilfe beim Fahren wieder auf?

Zum Teil, sofern das Ladesystem arbeitet. Zuerst versorgt die Lichtmaschine Zündung, Einspritzung, Pumpe und Licht, die Batterie bekommt nur den Rest. Der fällt bei niedriger Drehzahl klein aus, und gegen Ende nimmt eine Bleibatterie immer weniger Strom an. Für den nächsten Start kann es reichen, ganz voll wird sie so kaum.


Wie lange muss ich nach einer Starthilfe fahren?

In den Motorrad-Anleitungen, die wir für diesen Text gelesen haben, steht keine feste Zahl. Nach Yuasa können schon für eine gesunde Batterie Fahrten unter rund 25 bis 30 Kilometern zu kurz sein, wenn das Motorrad nur selten läuft. Ein Lithium-Hersteller, dessen Batterien eine Reserve für einen Notstart zurückhalten, nennt danach mindestens eine Stunde Fahrt und verlangt trotzdem, die Batterie bald ganz voll zu laden.


Warum soll ich nach der Starthilfe die Heizgriffe ausschalten?

Weil sie Strom brauchen, der dann der Batterie fehlt. Für die R 1250 GS wie für die R 1300 GS schreibt BMW, dass Heizgriffe bei niedriger Drehzahl die Batterie entladen können. Bei zu schwacher Batterie schaltet die Maschine sie selbst ab. Beheizte Kleidung und Zusatzlicht gehören in dieselbe Rechnung.


Ab welcher Spannung braucht eine Motorradbatterie ein spezielles Ladegerät?

Yuasa zieht die Grenze bei 11,5 Volt Ruhespannung. Darunter lässt sich die Batterie mit der üblichen Spannung schlecht laden, und eine höhere liefert das Bordnetz nicht. Am passenden Gerät kann die Ladung dann 20 Stunden und länger dauern.


Darf ich ein Motorrad mit Lithiumbatterie überbrücken?

Das hängt von Spannung und Hersteller ab. Einer rät unter 10 Volt davon ab, und zwar in seinen Warnungen vor Brand. Schäden an den Zellen hält er schon unter 11 Volt für möglich. Geladen wird eine Lithiumbatterie nur mit einem Lithium-Programm. Was für deine gilt, steht auf der Batterie oder in ihrer Anleitung.


Woran erkenne ich, ob die Lichtmaschine lädt?

Miss an den Batteriepolen, während der Motor im Freien mit eingelegtem Leerlauf kurz bei etwa 3000 bis 4000 Touren läuft. Liegt die Anzeige zwischen 13,0 und 14,5 Volt, lädt das System nach Yuasa wahrscheinlich, viele Werkstatthandbücher verlangen mindestens 14 Volt. Ändert sich gegenüber dem stehenden Motor nichts, kommt kein Ladestrom an, und auch eine neue Batterie wäre bald leer.

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