Zwei Batterien in vierzehn Monaten: Warum keine von beiden schuld war

Die erste war „halt alt“. Die zweite kam mit Rechnung und Garantieschein. Und stand nach drei Wochen Urlaub genauso tot in der Garage wie ihre Vorgängerin. Spätestens an diesem Punkt sollte der Verdacht die Seite wechseln.

Denn eine Batterie, die zweimal hintereinander an derselben Maschine stirbt, ist selten das Problem. Sie ist das Opfer. Der Ruhestrom am Motorrad ist die Größe, um die es hier geht, und die Zahlen dazu sind unangenehm klein: Zwanzig Milliampere klingen nach nichts. Es sind 0,02 Ampere - dein Anlasser zieht beim Startversuch je nach Maschine um die hundert, also grob das Fünftausendfache. An einer typischen Motorradbatterie reichen diese zwanzig Milliampere trotzdem, um dir in zwei Wochen die Startfähigkeit zu nehmen.

Die Rechnung, die in drei Zeilen passt

Rechnen wir es einmal durch, weil danach jede weitere Diskussion überflüssig ist.

Ein billiger USB-Spannungswandler, wie er zu Tausenden an Motorradlenkern klebt, zieht auch ohne angestecktes Handy Strom. Gemessene Werte aus der Praxis liegen bei rund 17 bis 25 Milliampere. Nimm zwanzig. Zwanzig Milliampere über 24 Stunden sind knapp eine halbe Amperestunde pro Tag.

Gängige Motorradbatterien liegen bei acht bis zwölf Amperestunden; rechnen wir mit neun. Nach zwei Wochen fehlen dir davon etwa sechseinhalb. Das sind rund drei Viertel der Kapazität, und der Anlasser einer Maschine mit ordentlichem Hubraum will genau in dem Moment die höchste Stromspitze des ganzen Bordnetzes.

Deshalb ist das Ergebnis dieser Rechnung nicht „die Batterie ist etwas schwächer“. Das Ergebnis ist ein Motorrad, das nicht anspringt, und eine Batterie, die zusätzlich Schaden nimmt - dazu gleich mehr.

Was Ruhestrom eigentlich ist

Der Begriff klingt technischer, als die Sache ist. Ruhestrom ist das, was dein Motorrad verbraucht, während es nichts tut. Zündung aus, Schlüssel in der Tasche, Maschine in der Garage.

Dass dieser Wert nicht null ist, hat gute Gründe. Eine Wegfahrsperre muss ansprechbar bleiben. Eine Uhr im Cockpit läuft weiter. Ein Steuergerät hält seinen Speicher wach. Eine nachgerüstete Alarmanlage horcht dauerhaft. Alles davon ist gewollt, und alles davon kostet ein paar Milliampere.

Die Größenordnung, die dabei normal ist, unterscheidet sich stark zwischen alt und neu. Eine ältere Maschine ohne nennenswerte Elektronik sollte im Bereich weniger Milliampere liegen. In der Werkstattpraxis gelten dort etwa 5 bis 15 Milliampere als unauffällig, alles deutlich darüber ist erklärungsbedürftig. Moderne Motorräder mit mehreren Steuergeräten liegen höher, brauchen aber nach dem Abstellen erst einmal Zeit: Die Steuergeräte legen sich nicht sofort schlafen, sondern nach einigen Minuten. Wer zu früh misst, misst den Wachzustand und erschrickt grundlos.

Das ist auch der Grund, warum die im Netz kursierende Zahl „unter 50 Milliampere ist in Ordnung“ hier in die Irre führt. Sie stammt aus der Autowelt, wo eine Batterie mit 60 oder 70 Amperestunden dahintersteht. Für ein Motorrad ist derselbe Wert eine völlig andere Hausnummer.

Und es gibt einen Zieher, der in keiner Aufzählung von Verbrauchern vorkommt, weil er gar kein Verbraucher ist: die Batterie-Oberseite selbst. Eine Schicht aus Staub, Salzresten und Feuchtigkeit zwischen den beiden Polen leitet, und zwar überraschend gut - besonders bei älteren, offenen Batterien, an deren Deckel sich über die Jahre ein feiner Säurefilm sammelt. Wer eine Batterie unter der Sitzbank hat, die seit Jahren niemand abgewischt hat, sollte genau dort anfangen - das ist der billigste Reparaturversuch dieses ganzen Artikels.

Nur bitte nicht mit einem trockenen Lappen trocken reiben: Auf der Deckfläche sitzen Säurereste, und die gehören neutralisiert. Ein feuchtes Tuch mit etwas Natron im Wasser, Handschuhe an, danach trocken nachwischen. Dasselbe gilt für grünlich angelaufene Polklemmen und für Steckverbindungen, in die von oben Wasser läuft.

Warum eine Motorradbatterie das nicht wegsteckt

Hier liegt der Unterschied, den fast jeder Ratgeber übergeht, weil er aus dem Automobilbereich abgeschrieben ist.

Nimm dieselben zwanzig Milliampere und häng sie an eine Autobatterie mit sechzig Amperestunden. Nach vierzehn Tagen fehlen ihr dieselben sechseinhalb Amperestunden. Aber das sind gut zehn Prozent ihrer Kapazität. Das Auto springt an, niemand merkt etwas, und der Fehler kann jahrelang unentdeckt mitlaufen.

An deinem Motorrad sind es drei Viertel. Ein und dieselbe Ursache, ein und derselbe Zeitraum, zwei völlig verschiedene Ergebnisse. Motorräder verzeihen einen Kriechstrom schlicht nicht, weil ihr Energievorrat um den Faktor sechs bis acht kleiner ist.

Dazu kommt der zweite Effekt, und der ist der teure. Eine Bleibatterie mag es nicht, entladen herumzustehen. Bei jeder Entladung bildet sich Bleisulfat auf den Platten. Das ist normal und wird beim Laden wieder aufgelöst. Bleibt die Batterie aber tagelang in entladenem Zustand, wachsen diese Kristalle, werden grob und lassen sich irgendwann nicht mehr zurückverwandeln. Die Batterie verliert dauerhaft Kapazität, und das ist der Punkt, an dem aus einem Elektrikproblem ein Neukauf wird.

Deshalb sterben so viele Motorradbatterien einen völlig unnötigen Tod. Nicht am Alter, nicht an der Kälte - sondern daran, dass sie wochenlang halbleer in der Garage standen, weil irgendwo etwas zog.

Ein Wort zu den Lithium-Batterien, die inzwischen in immer mehr Maschinen sitzen: Die Zahlen oben beschreiben Bleitechnik. Lithium verhält sich anders - die Selbstentladung ist sehr gering, dafür zieht die eingebaute Schutzelektronik selbst ein wenig Strom.

Und dann gibt es dort einen Moment, der jedes Jahr funktionierende Batterien in den Müll befördert: Das Messgerät zeigt null Volt. Das bedeutet in aller Regel nicht, dass die Batterie tot ist, sondern dass ihre Schutzschaltung wegen Unterspannung abgeschaltet hat. Ein Ladegerät mit Lithium-Programm bringt sie in vielen Fällen zurück. Was du dagegen nicht tun solltest: sie mit einem Blei-Ladegerät und dessen Aufweck- oder Desulfatierungsimpulsen zwingen zu wollen. Und wenn das Gehäuse aufgebläht ist, ist die Sache erledigt - dann kommt kein Programm der Welt mehr an.

Sicherheitshinweis: Beim Ab- und Anklemmen zuerst den Minuspol lösen und ihn zuletzt wieder anschließen. Rutschst du mit dem Schlüssel vom Pluspol an den Rahmen, während der Minuspol noch dran ist, hast du einen satten Kurzschluss mit Funken direkt über einer Batterie, die unter Ladung Wasserstoff freisetzen kann. Dazu kommt der Strom selbst: Ein Ringschlüssel, der Plus und Masse verbindet, wird in Sekunden glühend heiß. Das ist kein theoretisches Risiko. Ringe und Armbanduhr gehören vorher ab.

Der Hauptverdächtige sitzt am Lenker

Wenn du raten müsstest, wer bei dir zieht, dann rate auf das, was du selbst angeschraubt hast.

Serienmäßige Verbraucher sind ab Werk ausgelegt. Ein Hersteller, der eine Wegfahrsperre einbaut, weiß, wie viel sie zieht, und legt die Batterie danach aus. Was er nicht ausgelegt hat, ist der USB-Anschluss aus dem Zubehörhandel, die Handyhalterung mit Ladefunktion, die Alarmanlage vom Vorbesitzer, der GPS-Tracker unter der Verkleidung, Heizgriffe mit elektronischer Steuerung, der nachgerüstete Zusatzscheinwerfer mit eigenem Relais oder der Reifendrucksensor mit Empfänger im Cockpit.

Und der entscheidende Fehler ist fast immer derselbe: Das Ding hängt direkt an den Batteriepolen. Das ist die bequemste Montage - zwei Ringkabelschuhe, fertig, kein Suchen nach einem geschalteten Kabel. Nur bedeutet direkt an der Batterie eben auch: immer an. Der kleine Spannungswandler in so einer Steckdose arbeitet rund um die Uhr weiter, ob ein Handy dranhängt oder nicht.

Ein 12-auf-5-Volt-Wandler mit gemessenen 17 Milliampere Leerlauf reicht rechnerisch aus, um eine 14-Amperestunden-Batterie in etwa einem Monat leerzuziehen. Bei den kleineren Batterien, die in den meisten Naked Bikes und Mittelklassemaschinen sitzen, geht es entsprechend schneller. Und schließ Heizgriffe mit Taster statt Drehschalter nicht vorschnell aus, nur weil sie im September ohnehin aus sind: Wenn ihre Elektronik direkt an der Batterie hängt, gehört sie auf die Verdächtigenliste wie jedes andere Anbauteil auch.

Eine Ausnahme gehört dazu, weil sie sonst falsch verstanden wird: Eine Alarmanlage muss dauerhaft am Strom hängen, das ist ihr ganzer Sinn. Sie gehört also nicht auf ein geschaltetes Kabel. Bei ihr geht es darum, den Verbrauch zu kennen und einzuplanen - und wer eine hat, kommt um ein Erhaltungsladegerät bei längeren Standzeiten praktisch nicht herum.

Die Lösung ist für alle anderen unspektakulär und dauert eine Stunde: Der Verbraucher gehört auf ein Kabel, das nur mit eingeschalteter Zündung Spannung führt, abgesichert und über ein kleines Relais, wenn er nennenswert Strom zieht. Wofür du dabei keine Verwendung hast, sind die aufklemmbaren Stromdiebe aus dem Zubehörregal: Ihre Schneidklemme verletzt die Litze, und was am Auto jahrelang hält, arbeitet sich am vibrierenden Motorrad durch den Draht. Gelötet und geschrumpft oder ordentlich gecrimpt - anders nicht. Wo an deinem Modell ein solcher geschalteter Abgriff sitzt und wie er abgesichert ist, steht im Schaltplan. Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch, bevor du an der Bordelektrik etwas veränderst - an manchen Maschinen hängen an vermeintlich harmlosen Leitungen Steuergeräte.

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Müde Batterie oder wacher Verbraucher? Der Test ohne Messgerät

Um die beiden Fälle auseinanderzuhalten, brauchst du kein Multimeter. Du brauchst ein Ladegerät, einen Schraubenschlüssel und zwei Wochen Geduld.

  1. Batterie voll laden. Nicht halb, nicht „war ja gestern erst dran“ - mit einem passenden Ladegerät bis zum Ende des Programms. Danach erst das Ladegerät vom Netz nehmen und ein paar Minuten warten, bevor du die Klemmen anfasst: Eine Bleibatterie gast gegen Ende der Ladung am stärksten, und ein Funke direkt darüber ist das Letzte, was man dort brauchen kann.
  2. Minuskabel abklemmen und zur Seite binden. Dass es den Rahmen berührt, ist dabei egal - dort hängt sein anderes Ende ohnehin. Worauf es ankommt: Es darf nicht an den Minuspol der Batterie zurückfedern, denn dann läuft dein Test zwei Wochen lang ins Leere, ohne dass du es merkst. Ein Kabelbinder oder ein Streifen Klebeband erledigt das.
  3. Zwei Wochen warten und die Maschine dabei in Ruhe lassen.
  4. Wieder anklemmen und starten. Springt sie normal an, war nie die Batterie das Problem. Dann zieht etwas an deinem Motorrad. Ist sie auch abgeklemmt schwach geworden, ist die Batterie selbst am Ende.

Warum das funktioniert, ist simpel: Eine gesunde Bleibatterie verliert im Ruhezustand nur wenig von allein. Für klassische Nassbatterien werden je nach Quelle etwa fünf bis zehn Prozent im Monat genannt, moderne AGM-Bauarten liegen deutlich darunter. Zwei Wochen abgeklemmt merkt eine intakte Batterie also kaum. Zwei Wochen angeklemmt mit einem Kriechstrom merkt sie sofort.

Ein Zwischenschritt lohnt sich, falls du wenigstens ein einfaches Spannungsmessgerät hast. Miss die Ruhespannung - also frühestens ein paar Stunden nach der letzten Ladung oder Fahrt, sonst misst du die Restspannung der Ladung mit. Eine volle Bleibatterie steht bei etwa 12,6 bis 12,8 Volt. Bei rund 12,4 Volt hat sie schon ein gutes Stück abgegeben, bei 12,2 Volt ist sie ungefähr halb leer, und unterhalb von 12,0 Volt ist sie praktisch leer und sulfatiert bereits vor sich hin - das ist der Punkt, an dem sie ans Ladegerät gehört und nicht erst nächste Woche. Wer eine Batterie bei knapp über 10 Volt findet, hat meistens eine durchgeschlagene Zelle vor sich. Die gehört dann geprüft und nicht einfach ans Ladegerät gehängt, weil der Ladestrom die verbliebenen Zellen nur zum Kochen bringt. Zwei solche Messungen im Abstand von einer Woche sagen dir mehr als jede Ferndiagnose.

Wenn du doch ein Multimeter besitzt, geht es schneller - aber nur mit Krokodilklemmen. Das Messgerät kommt im Strommessbereich in Reihe zwischen Minuspol und Minuskabel, und dann heißt es zehn bis fünfzehn Minuten warten, bis die Steuergeräte schlafen. Wer die Prüfspitzen dabei in der Hand hält, hat verloren: Jedes Zucken unterbricht den Stromkreis, die Elektronik wacht auf, und die Wartezeit fängt von vorn an.

Es gibt dafür einen Handgriff aus der Werkstatt, der den Ärger komplett vermeidet. Klemm das Messgerät an, solange das Minuskabel noch fest sitzt: eine Krokodilklemme an den Minuspol, die andere an den Kabelschuh, der darauf sitzt. Das Gerät überbrückt damit nur eine Verbindung, die ohnehin schon geschlossen ist - es fließt praktisch nichts hindurch, und nichts wacht auf. Erst danach löst du die Schraube und hebst den Kabelschuh vom Pol. Der Strom wandert weich ins Messgerät, ohne dass der Kreis je unterbrochen war, und du sparst dir obendrein den Einschaltstoß, der sonst gern die Sicherung im Messgerät kostet. Am Ende geht es andersherum: erst das Kabel wieder festschrauben, dann die Klemmen abnehmen.

Zwei Dinge noch, die einem beim ersten Mal die Laune verderben. Die rote Leitung gehört trotzdem in die Buchse für den hohen Strombereich: Zwanzig Milliampere liegen weit darunter, aber ein vergessenes Standlicht oder ein echter Fehler im Bordnetz sprengt die feine Sicherung sofort. Und rechne damit, dass eine Alarmanlage in dem Moment losgeht, in dem du den Stromkreis wieder schließt.

Danach ziehst du Sicherung für Sicherung, bis der Wert einbricht. Dann weißt du, in welchem Stromkreis dein Verbraucher sitzt. Sitzt er direkt an den Polen, findest du ihn so allerdings nie, und das ist der Grund, warum dieser Einbaufehler so lange unentdeckt bleibt.

Sicherheitshinweis: Beim Messen in Reihe darf der Anlasser nicht betätigt werden, und die Zündung bleibt aus. Der Anlaufstrom zerstört das Messgerät oder seine Sicherung augenblicklich, und billige Geräte quittieren das gelegentlich mit einem Lichtbogen. Verwende die Buchse für den hohen Strombereich und nimm das Gerät ab, bevor du startest.

Warum das Ladegerät die Ursache nicht beseitigt

Hier bin ich anderer Meinung als der halbe Stammtisch: Ein Erhaltungsladegerät ist ein hervorragendes Gerät. Es hält die Spannung oben, es verhindert genau die Sulfatierung, über die wir eben gesprochen haben, und für eine mehrmonatige Winterpause ist es die richtige Antwort. Niemand sollte darauf verzichten.

Nur beseitigt es die Ursache nicht. Es macht das Symptom unsichtbar. Solange die Maschine am Kabel hängt, füttert das Gerät den unbekannten Verbraucher gleich mit, und du merkst nie, dass es ihn gibt. Auffliegen wird die Sache dann irgendwann in der Saison - drei Wochen Urlaub, Motorrad in der Tiefgarage, keine Steckdose in Reichweite. Oder beim Wiederverkauf, wenn der Nächste sich wundert.

Es kommt hinzu, dass ein Ladegerät den Verbraucher ja nicht abschaltet. Das Ding läuft weiter, Tag und Nacht, Monat für Monat. Bei einem USB-Wandler ist das egal. Bei einer schlecht verbauten Alarmanlage oder einem gammeligen Zusatzscheinwerfer-Relais ist es das nicht unbedingt.

Die Reihenfolge ist damit klar: erst den Zieher finden, dann das Ladegerät als Komfort. Nicht das Ladegerät als Ersatz für die Suche.

Batterietrennschalter: für wen sich das wirklich lohnt

Als Universallösung wird an dieser Stelle regelmäßig ein Trennschalter am Minuspol genannt: eine Vierteldrehung, und das Bordnetz hängt ab.

Für einen Teil der Fahrer ist das genau richtig. Wer ein Saisonfahrzeug ohne Steckdose in der Garage hat, wer einen Klassiker mit mehreren Standmonaten fährt oder wer schlicht keine Lust hat, jedes Mal den Pol zu lösen, bekommt hier für wenig Geld eine saubere Lösung.

Ein Satz vorweg, der wichtiger ist als alles andere zu diesem Bauteil: Ein Trennschalter wird nie bei laufendem Motor betätigt. Ohne Batterie fehlt der Lichtmaschine die Last, die ihre Spannung puffert, und die Spitze, die dann durchs Bordnetz läuft, sucht sich das empfindlichste Bauteil - meistens ein Steuergerät. Ein Schalter, der sich durch Vibration von selbst lösen kann, ist an dieser Stelle darum die schlechteste aller Bauformen.

Und auch sonst ist es für die meisten eine Krücke, aus drei nüchternen Gründen. Ein Trennschalter behebt nichts, er kaschiert. Er ist außerdem eine zusätzliche Verbindungsstelle in genau dem Kabel, das die höchste Stromstärke deines Motorrads führt, und eine schlecht sitzende oder korrodierte Verbindung an dieser Stelle produziert Startprobleme, die anschließend niemand mehr der Batterie zuordnet. Und bei modernen Maschinen hat das Abhängen Nebenwirkungen: Uhr und Tageskilometer sind weg, manche Steuergeräte brauchen danach ein paar Kilometer, bis sie wieder eingelernt sind, und einzelne Modelle verlangen eine bestimmte Prozedur.

Wenn du dich dafür entscheidest, dann für ein ordentliches Bauteil mit passendem Querschnitt, an einer trockenen, erreichbaren Stelle, und mit dem Wissen, was dein Motorrad danach vergessen hat.

Wer zieht, wenn niemand fährt

Am Ende ist das hier keine Elektrikgeschichte, sondern eine über Zuschreibung. Eine Batterie kann sich nicht wehren. Sie liegt unter der Sitzbank, sie hat keine Kontrollleuchte, und wenn sie nicht mehr kann, ist sie die naheliegendste Erklärung für sich selbst.

Zwei Batterien in vierzehn Monaten sind aber keine zwei defekten Batterien. Sie sind zwei Quittungen für denselben unentdeckten Fehler. Und das Erstaunliche daran ist, wie oft dieser Fehler in einer Stunde Arbeit und einem Kabel für wenige Euro besteht.

Der Ruhestrom am Motorrad ist die Rechnung, die weiterläuft, während du gar nicht da bist. Wer sie nie liest, bezahlt sie trotzdem.

❓ Häufige Fragen zum Ruhestrom am Motorrad

Wie viel Ruhestrom ist am Motorrad normal?

Das hängt stark vom Baujahr ab. Bei älteren Maschinen ohne nennenswerte Elektronik gelten in der Werkstattpraxis etwa 5 bis 15 Milliampere als unauffällig. Moderne Motorräder mit mehreren Steuergeräten liegen höher, brauchen aber nach dem Abstellen zehn bis fünfzehn Minuten, bis die Elektronik schläft. Die oft zitierte Grenze von 50 Milliampere stammt aus der Autowelt und passt nicht zu einer 9-Ah-Batterie.


Wie schnell entlädt ein kleiner Kriechstrom eine Motorradbatterie?

Zwanzig Milliampere entsprechen knapp einer halben Amperestunde pro Tag. Bei einer 9-Ah-Batterie fehlen nach zwei Wochen rund drei Viertel der Kapazität - genug, damit der Anlasser nicht mehr durchkommt. Dieselben zwanzig Milliampere kosten eine 60-Ah-Autobatterie im gleichen Zeitraum nur gut zehn Prozent.


Wie finde ich ohne Messgerät heraus, ob etwas zieht?

Batterie voll laden, Minuskabel abklemmen und mit einem Kabelbinder zur Seite fixieren, zwei Wochen warten, wieder anklemmen und starten. Wichtig ist nur, dass das Kabel nicht an den Minuspol zurückfedert - der Rahmen stört nicht, dort hängt sein anderes Ende ohnehin. Springt die Maschine danach normal an, war nie die Batterie das Problem, sondern ein Verbraucher. Bleibt sie auch abgeklemmt schwach, ist die Batterie selbst am Ende.


Warum ist eine nachgerüstete USB-Steckdose so oft schuld?

Weil sie meist direkt an die Batteriepole geklemmt wird, was „immer an“ bedeutet. Der Spannungswandler darin arbeitet dann rund um die Uhr weiter, auch ohne angestecktes Gerät. Gemessene Leerlaufwerte liegen bei etwa 17 bis 25 Milliampere - genug, um eine 14-Ah-Batterie in ungefähr einem Monat leerzuziehen. Richtig ist der Anschluss an ein geschaltetes, abgesichertes Kabel.


Löst ein Erhaltungsladegerät das Problem?

Nein, es macht es unsichtbar. Solange das Motorrad am Kabel hängt, versorgt das Gerät den unbekannten Verbraucher gleich mit. Auffliegen wird die Sache erst, wenn keine Steckdose in Reichweite ist. Als Ergänzung ist ein Erhaltungslader trotzdem sinnvoll, gerade über den Winter - nur nicht als Ersatz für die Fehlersuche.


Warum stirbt eine Batterie, die nur halbleer herumsteht?

Bei jeder Entladung bildet sich Bleisulfat auf den Platten. Wird zeitnah geladen, löst sich das wieder auf. Steht die Batterie dagegen tagelang entladen herum, wachsen die Kristalle und lassen sich irgendwann nicht mehr zurückverwandeln. Die Batterie verliert dauerhaft Kapazität - deshalb ist ein Kriechstrom teurer als der Strom, den er verbraucht.


Lohnt sich ein Batterietrennschalter?

Für Saison- und Klassikerfahrer ohne Steckdose in der Garage ja. Wichtig ist dabei eine Regel: nie bei laufendem Motor betätigen. Ohne Batterie fehlt der Lichtmaschine die puffernde Last, und die Spannungsspitze trifft das empfindlichste Steuergerät. Für alle anderen kaschiert der Schalter nur die Ursache, bringt eine zusätzliche Verbindungsstelle in das Kabel mit der höchsten Stromstärke am Motorrad, und beim Abhängen gehen Uhr und Tageskilometer verloren.

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