
Die Honda Africa Twin hat keinen Regenmodus. Die KTM 1290 Super Adventure S von 2021 hat einen und lässt dir darin 100 ihrer 160 PS. Die BMW R 1300 GS hat auch einen, und von weniger Leistung steht in ihrer Anleitung kein Wort.
Drei Reiseenduros, drei Antworten auf dieselbe Frage: Was soll ein Motorrad anders machen, wenn die Straße nass ist? Wer im Herbst auf RAIN schaltet, bekommt die Antwort seiner eigenen Maschine, und die kann ganz anders ausfallen als die vom Kumpel.
Eins gilt für alle drei: Mehr Grip bringt kein Fahrmodus. Er ändert, wie der Motor auf deine rechte Hand reagiert und wie früh die Elektronik eingreift. Den Reifen und die nasse Straße lässt er, wie sie sind.
Auf einen Blick, nach den Unterlagen der Hersteller:
| BMW R 1300 GS | KTM 1290 Super Adventure S | Honda Africa Twin | |
|---|---|---|---|
| Regenmodus | RAIN | RAIN | keiner, dafür USER 1 und USER 2 |
| Leistung | keine Grenze genannt | 100 statt 160 PS | in vier Stufen wählbar |
| Traktionskontrolle | greift am frühesten ein | lässt sehr wenig Schlupf zu | eigene Einstellung, Stufe 1 bis 7 |
| ABS | wie im Modus ROAD | getrennt einstellbar, Road für Asphalt | im USER-Modus wählbar, ON ROAD für die Straße |
Stand der Angaben: Betriebsanleitung R 1300 GS (Ausgabe 02.2023), KTM-Pressemappe 2021 und Bedienungsanleitung 2023, Honda-Onlineanleitung der Africa Twin (2024).
BMW beschreibt RAIN in den Anleitungen der R 1250 GS (Ausgabe 06.2020) und der R 1300 GS (Ausgabe 02.2023) knapp: für Fahrten auf regennasser Fahrbahn. Was sich dabei ändert, steht weiter hinten im Kapitel „Technik im Detail“.
Die Gasannahme nennt BMW an der R 1250 GS „zurückhaltend“, an der R 1300 GS „weich“. Der Motor setzt deine Bewegung am Griff sanfter um. Von einer Leistungsgrenze steht bei RAIN nichts, weder in den Anleitungen noch in der Pressemappe zur R 1300 GS.
Der zweite Unterschied betrifft die Traktionskontrolle, bei BMW DTC genannt. Sie greift in RAIN laut beiden Anleitungen „so früh, dass maximale Fahrstabilität erreicht wird“. In ECO und ROAD kommt sie später. ECO ist damit kein zweiter Regenmodus, auch wenn sein Gas ebenfalls sanft anspricht und die Pressemappe für ihn sogar eine Drehmomentbegrenzung nennt.
Beim Bremsen ändert RAIN an beiden GS nichts: Die ABS-Einstellung entspricht dem Modus ROAD. ABS Pro, das die Regelung an die Schräglage anpasst, steht in ECO, RAIN und ROAD gleichermaßen voll zur Verfügung. An der R 1300 GS ist auch die Verteilung der Bremskraft zwischen vorn und hinten in allen drei Modi dieselbe.
Einen eigenen Regenmodus braucht das ABS auch nicht. Nach der Fahrbahn richtet es sich ohnehin, nur eben erst während der Bremsung. Bevor ein Rad blockiert, passt es den Bremsdruck an die Bremskraft an, die sich auf dieser Fahrbahn gerade übertragen lässt. Auf nasser Straße ist das deutlich weniger, und der Bremsweg wird länger.
Bleibt die Motorschleppmomentregelung, kurz MSR. Sie verhindert, dass das Hinterrad rutscht oder stempelt, also springt, wenn der Motor beim Gaswegnehmen oder Herunterschalten zu stark bremst. In ECO, RAIN und ROAD arbeitet sie gleich, auf maximale Stabilität. An der R 1300 GS ist MSR serienmäßig, an der R 1250 GS gehört sie zur Sonderausstattung Fahrmodi Pro.
KTM geht an der 1290 Super Adventure S einen anderen Weg. Die Pressemappe zum Modelljahr 2021 beschreibt RAIN mit maximaler Traktionskontrolle, weicherem Ansprechverhalten und einer Leistungsgrenze bei 100 PS. In STREET und SPORT gibt der Zweizylinder seine vollen 160 PS ab.
Der Regenmodus kostet also gut ein Drittel der Leistung. Beim zügigen Überholen fehlen dir damit bis zu 60 PS, mit denen du auf trockener Straße rechnest. Wer im Regenmodus überholt, plant die Lücke größer.
Wozu RAIN dient, steht in der Bedienungsanleitung von 2023: für bessere Fahrbarkeit bei geringerer Bodenhaftung. Die Traktionskontrolle lässt dabei sehr wenig Schlupf zu. Schlupf ist der Unterschied zwischen dem, wie schnell sich das Hinterrad dreht, und dem, wie schnell die Maschine fährt.
Selbst bei derselben Baureihe hat RAIN nicht immer dasselbe bedeutet. In der Anleitung der Vorgängerin von 2018 nimmt der Modus ebenfalls Leistung weg, die Traktionskontrolle lässt aber normalen Schlupf zu, genau wie bei STREET.
Das ABS wählst du an der KTM getrennt vom Fahrmodus. Road ist für Asphalt gedacht, Offroad nur für unbefestigte Straßen. Im Modus Offroad regelt das ABS später und nur noch vorn, das Hinterrad kann blockieren, und die Regelung in Schräglage fehlt.
Honda sortiert die Fahrmodi der Africa Twin anders. Die Onlineanleitung (Stand 2024) nennt vier feste Modi, TOUR, URBAN, GRAVEL und OFF ROAD, dazu USER 1 und USER 2 zum Selbsteinstellen. RAIN ist nicht darunter.
Als Ersatz bietet sich auf den ersten Blick GRAVEL an. Honda beschreibt ihn als gut für stabiles Fahren auf rutschigem Untergrund wie Schotterwegen. Die Leistung steht dort auf der niedrigsten von vier Stufen, die Motorbremse auf der schwächsten von drei, sodass der Motor das Hinterrad beim Gaswegnehmen am wenigsten abbremst. Das ABS aber steht auf OFF ROAD, und diese Einstellung ordnet Honda dem Gelände zu, ON ROAD der Straße.
Einen Regenmodus kannst du dir an der Africa Twin selbst einrichten. In USER 1 und USER 2 lassen sich Leistungsstufe, Motorbremse und ABS-Modus frei wählen. USER 2 ist ab Werk genauso eingestellt wie GRAVEL, also mit der niedrigsten Leistungsstufe und der schwächsten Motorbremse, aber auch mit ABS auf OFF ROAD. Wer ihn für nasse Straßen nutzen will, stellt das ABS auf ON ROAD um.
Die Traktionskontrolle gehört an der Africa Twin nicht zum Fahrmodus, du stellst sie getrennt ein. Sie heißt dort HSTC und hat sieben Stufen, in Stufe sieben regelt sie am stärksten. Verstellen sollst du sie laut Anleitung nur im Stand: anhalten, Stufe wählen, weiterfahren.
Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch.
Weder die Traktionskontrolle noch das ABS noch die MSR messen, wie griffig die Straße gerade ist. Eine Traktionskontrolle merkt erst am Hinterrad, dass es zu viel wird: wenn es sich um mehr als ein festgelegtes Maß schneller dreht, als die Maschine fährt. Dann nimmt die Motorsteuerung Drehmoment zurück.
Die Traktionskontrolle reagiert also auf Schlupf, der schon da ist. Wie viel sie davon zulässt, legt der Fahrmodus fest, so beschreiben es BMW und KTM. Das ist der Kern jedes Regenmodus: Du sagst der Maschine, was sie selbst nicht weiß.
Beim Gaswegnehmen bleibt die Traktionskontrolle allerdings untätig, sie regelt nur beim Beschleunigen. Für die Africa Twin stellt Honda klar, dass sie beim Verzögern nicht wirkt und ein Hinterrad, das unter der Motorbremse rutscht, nicht abfängt.
BMW sagt dasselbe über die DTC der R 1250 GS und nennt als Abhilfe die MSR. Wo es sie nicht gibt, hängt es an deinen Händen.
Sicherheitshinweis: Dreh auf nasser Straße das Gas nie schlagartig ganz zu, auch nicht im Regenmodus.
Die Motorbremse kann das Hinterrad dann ins Rutschen bringen, und die Traktionskontrolle hilft dagegen nicht. In der Anleitung der R 1250 GS rät BMW davon ab, auf glattem Untergrund das Gas schlagartig ganz zuzudrehen, ohne gleichzeitig die Kupplung zu ziehen. Honda warnt davor, es auf rutschigem Belag plötzlich zu schließen.
ENDURO und RAIN teilen sich an der R 1300 GS ein Wort: BMW nennt die Gasannahme in beiden Modi weich. An der R 1250 GS, wo es ENDURO nur mit der Sonderausstattung Fahrmodi Pro gibt, heißen beide „zurückhaltend“. Der Gedanke liegt nahe, dass ENDURO bei Nässe genauso gut taugt, vielleicht sogar besser, weil der Name nach rutschigem Untergrund klingt.
Die Regelung dahinter ist aber auf Gelände ausgelegt. An der R 1300 GS sind ABS und Bremskraftverteilung in ENDURO auf Geländebetrieb abgestimmt, die DTC lässt kurze Wheelies am Kurvenausgang zu, und die MSR regelt mit reduzierter Stabilität.
BMW warnt in beiden Anleitungen vor Sturzgefahr, wenn der Geländemodus auf der Straße eingeschaltet wird. Beim Bremsen und Beschleunigen kann es dann im Regelbereich von ABS und DTC zu instabilen Fahrzuständen kommen. ENDURO gehört danach nur ins Gelände.
Bei der KTM ist OFFROAD das Gegenstück. Der Modus hat zwar dieselben 100 PS wie RAIN, lässt aber hohen Schlupf zu und ist laut Anleitung für unbefestigte Straßen gedacht. An der Africa Twin sind es GRAVEL und OFF ROAD, beide mit ABS in der Geländeeinstellung.
An der R 1250 GS und der R 1300 GS bleibt der Fahrmodus auch nach dem Ausschalten der Zündung erhalten, samt seinen Einstellungen für Motor, DTC, ABS und MSR. Wer gestern im Regen auf RAIN gestellt hat, fährt heute bei Sonne mit sanftem Gas los. Umgekehrt startet die Maschine an einem nassen Morgen in dem Modus, den du am trockenen Vortag zuletzt hattest.
Umschalten kannst du an der GS im Stand, dann ist der neue Modus nach etwa zwei Sekunden aktiv. Während der Fahrt verlangt BMW einen ganz zugedrehten Gasgriff, keine betätigte Bremse und eine ausgeschaltete Temporegelung. KTM nennt einen geschlossenen Gasdrehgriff und eine deaktivierte Geschwindigkeitsregelanlage.
Such dir dafür eine Gerade, auf der du das Gas ohne Hast ganz schließen kannst. Mitten in der Kurve den Modus zu wechseln hieße, das Gas dort zuzumachen, wo es am wenigsten passt.
An der R 1300 GS kannst du je nach Ausstattung auch festlegen, welche zwei bis vier Modi die Taste überhaupt anbietet. BMW nennt als Beispiel eine Auswahl aus nur ECO und ROAD. Wer sich das so eingerichtet hat, findet den Regenmodus unterwegs nicht auf der Taste.
Welche Antwort dein Motorrad auf nasse Straßen gibt, verrät seine Betriebsanleitung, meist dort, wo die Fahrmodi erklärt werden. Bei den beiden GS findest du im Kapitel „Technik im Detail“ Wörter wie zurückhaltend, weich und früh. Die KTM-Anleitung spricht von reduzierter Leistung, die Zahl dazu liefert die Pressemappe. Bei der Africa Twin ist es eine Tabelle mit Stufen, ohne RAIN.
Schlag nach, solange es trocken ist. Steht bei deiner Maschine neben RAIN eine Zahl, ein Wort oder gar nichts?
Habe ich im Regenmodus weniger Leistung?
Kommt auf das Modell an. KTM begrenzt die 1290 Super Adventure S des Jahrgangs 2021 im Regenmodus auf 100 PS, die übrigen 60 gibt es erst wieder in STREET oder SPORT. Bei der BMW R 1250 GS und R 1300 GS ist von gedrosselter Leistung keine Rede, BMW beschreibt dort eine sanftere Gasannahme.
Was macht der Regenmodus am Motorrad?
Meist lässt der Regenmodus den Motor behutsamer auf den Gasgriff reagieren und die Traktionskontrolle eher eingreifen. Manche Hersteller nehmen zusätzlich Leistung weg. Wie viel davon an deiner Maschine passiert, legt jeder Hersteller selbst fest und schreibt es in die Bedienungsanleitung.
Ist der Regenmodus bei Nässe sicherer?
Der Regenmodus nimmt dir Arbeit ab, weil Gasstöße sanfter ankommen und die Traktionskontrolle eher regelt. Haftung schafft er nicht, und gegen ein Hinterrad, das beim Gaswegnehmen unter der Motorbremse wegrutscht, hilft die Traktionskontrolle nicht. Schließ das Gas auf nasser Straße deshalb immer behutsam.
Ändert der Regenmodus das ABS?
An der BMW R 1250 GS und R 1300 GS nicht, dort entspricht die ABS-Einstellung in RAIN dem Modus ROAD. An der KTM 1290 Super Adventure S wählst du den ABS-Modus gesondert, für Asphalt ist das Road. Einen kürzeren Bremsweg bringt der Regenmodus deshalb nicht.
Bleibt der Regenmodus nach dem Ausschalten der Zündung aktiv?
An der BMW R 1250 GS und R 1300 GS ja, beide behalten den zuletzt gewählten Fahrmodus. Nach einer Regenfahrt musst du also selbst zurück auf ROAD schalten. Wie es an deiner Maschine ist, verrät die Bedienungsanleitung.
Kann ich den Fahrmodus während der Fahrt wechseln?
An der BMW R 1250 GS, der R 1300 GS und der KTM 1290 Super Adventure S ja, mit zugedrehtem Gas und ausgeschaltetem Tempomat, bei BMW zusätzlich ohne Bremse. Am besten auf einer Geraden. Die Traktionskontrolle der Honda Africa Twin, die dort nicht zum Fahrmodus gehört, sollst du laut aktueller Anleitung dagegen nur im Stand verstellen.
Ist der Enduro-Modus bei Regen besser?
Nein. An der R 1250 GS und R 1300 GS reagiert der Motor in ENDURO zwar ähnlich sanft wie in RAIN, Bremsregelung und Traktionskontrolle sind aber auf Gelände eingestellt. Auf der Straße kann das laut BMW zum Sturz führen. Für nassen Asphalt ist RAIN der vorgesehene Modus.
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