
„fits many disc brakes“, schreibt ein Hersteller über ein Schloss mit sieben Millimeter starkem Bolzen. Passt in viele Bremsscheiben. Viele heißt aber nicht deine. Genau daran scheitert ein Bremsscheibenschloss oft, bevor es überhaupt einen Dieb gesehen hat. Am Abend nach dem Auspacken findet der Bolzen kein Loch, das zu ihm passt. Oder das einzige passende sitzt im Ring daneben, an dem das ABS die Raddrehzahl abliest.
Gemessen wird in der Garage, an der kalten Maschine. Nach einer Fahrt kann die Scheibe heiß sein, und deine Finger sind beim Messen sehr nah an der Reibfläche.
Die erste Zahl ist der Durchmesser der Löcher. Dafür brauchst du keinen Messschieber, Bohrer tun es auch. Nimm den glatten Schaft, nicht die Spitze, und probier die Größen von unten nach oben durch, ab fünf Millimetern in ganzen Millimetern. Geht der Fünfer durch, der Sechser aber nicht, lohnt noch ein 5,5er, denn auch so dünne Bolzen gibt es. Der dickste Schaft, der ohne Druck durchs Loch gleitet, ist die Obergrenze für den Bolzen.
Geht ein Bohrer nur mit Nachdruck hinein, ist er zu dick, und ein Bolzen, der später genauso klemmt, arbeitet bei jeder Bewegung gegen den Lochrand. Bei Löchern über zwölf Millimeter nimmst du besser doch den Messschieber. Große Bohrer haben manchmal einen abgesetzten, dünneren Schaft, Metabo führt etwa einen 13,5er mit zehn Millimetern Schaft.
Prüf mehrere Löcher, nicht nur das erste. An manchen Scheiben sind die Bohrungen unterschiedlich groß, an anderen gibt es neben runden Löchern auch Schlitze, und im Träger in der Mitte sitzen oft größere Aussparungen. Schlitze gehen nicht an jeder Scheibe ganz durch. Bevor du dort einen Bohrer als Lehre hineinsteckst, halte die Taschenlampe an die eine Seite und schau von der anderen, ob Licht durchkommt.
Die zweite Zahl ist der Abstand. Im Schloss gleitet die Scheibe in einen Schlitz, und der Bolzen sitzt immer gleich weit von dessen Grund entfernt. Liegt die Lochreihe deiner Scheibe weiter innen, als der Bolzen reicht, kommt er nie bis zum Loch, egal wie dünn er ist. Miss deshalb mit einem Lineal von der Lochmitte gerade nach außen bis zur Kante der Scheibe.
Für einen dicken Bolzen zählt der Abstand besonders. Ihm sind die Bohrungen im Reibring, auf dem die Beläge laufen, oft zu klein, und die größeren Aussparungen im Träger liegen weiter innen.
Die dritte Zahl ist die Dicke der Scheibe. Auf vielen Scheiben steht das Mindestmaß eingeschlagen, die tatsächliche Dicke misst du mit dem Messschieber am Rand. Ist der Schlitz des Schlosses viel breiter als deine Scheibe, sitzt es locker und klappert.
Und dann braucht das Gehäuse Platz. Allein bei den Oxford-Schlössern mit Maßangabe reichen die Außenmaße von 57 mal 55 bis 98 mal 70 Millimeter. Dort, wo dein passendes Loch sitzt, muss so ein Block zwischen Scheibe, Speichen und Bremssattel hineinpassen, ohne an einer Leitung zu liegen.
Mit diesen vier Werten vergleichst du später jedes Angebot:
Schlösser mit Bügel statt Bolzen sehen aus wie ein Vorhängeschloss und folgen derselben Regel. Der Bügel muss durchs Loch, und zwischen Bügel und Schlosskörper muss die Scheibe Platz haben.
Den Bolzendurchmesser nennt Oxford fast überall, die Außenmaße bei einem Teil der Modelle. Schlitzbreite und Abstand des Bolzens vom Schlitzgrund standen auf keiner der Seiten, die wir gelesen haben. Frag danach, bevor du bestellst.
Je dünner der Bolzen, desto mehr Löcher kommen infrage. Oxford wirbt bei sieben Millimetern mit „vielen Bremsscheiben“ und bei 5,5 Millimetern gleich mit allen Rollern. An kleinen Scheiben mit engen Löchern bleibt oft nichts anderes übrig.
Nur trägt ein dünner Bolzen weniger Stahl. Sechs Millimeter sind dünner als ein Bleistift, 14 Millimeter etwa so dick wie ein kleiner Finger. Wie viel der Bolzen aushält, hängt von seinem Querschnitt ab, und der wächst mit dem Quadrat des Durchmessers. Ein Bolzen mit zehn Millimetern hat fast dreimal so viel Querschnitt wie einer mit sechs, einer mit 14 Millimetern mehr als fünfmal so viel.
Die Prüfsiegel innerhalb einer Baureihe zeigen dasselbe. Oxford nennt auf der Produktseite für die Alarmschlösser seiner XA-Modelle mit sechs und zehn Millimetern kein Siegel. Das Modell mit 14 Millimetern ist nach dem britischen Sold Secure in Gold geprüft, dazu nach SRA, der Einstufung französischer Versicherer. Beim niederländischen ART steht es in Kategorie 4, der ersten für Motorräder.
Ein Beispiel: Gleitet an deiner Scheibe der 10er-Bohrer durch, der 12er aber nicht, dann kommt ein Schloss mit 10-Millimeter-Bolzen infrage, wenn Abstand, Dicke und Platz stimmen. Ein Schloss mit 14 Millimetern scheidet aus, auch wenn es das stärkere wäre.
Ein Bremsscheibenschloss mit dünnem Bolzen ist trotzdem nicht nutzlos. Mit Alarm macht es Lärm, wenn jemand an der Maschine rüttelt, und es hindert das Rad am schnellen Wegrollen. Es ist dann eher ein Alarmgeber mit Schlossfunktion als ein Schloss. Passt in deine Scheibe ein dickerer Bolzen, gibt es keinen Grund für den dünnen.
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Neben oder hinter der Bremsscheibe sitzt an vielen Maschinen mit ABS ein zweiter Ring, gelocht oder gezahnt, und davor ein kleiner Sensor mit Kabel. Der Sensor liest an diesem Ring ab, wie schnell das Rad dreht, vorn wie hinten. Yamaha nennt den Ring in seinen Anleitungen Sensor-Rotor.
Die Löcher in diesem Ring sehen für ein Schloss verlockend aus. In den Anleitungen von Ténéré 700 und Tracer 700 steht dazu eine allgemeine Warnung: Sensor und Sensor-Rotor dürfen nicht beschädigt werden, sonst kann es zu einer Fehlfunktion des ABS kommen. Ein Schlossbolzen, an dem das Rad beim Anrollen zerrt, kann genau diesen Schaden anrichten.
Sicherheitshinweis: Steck den Bolzen nie in den Sensorring des ABS und lass das Schlossgehäuse nicht an Sensor, Sensorkabel oder Bremsleitung anliegen. Ein verbogener Ring kann das ABS stören, und fällt es aus, bremst die Maschine laut Yamaha wie ohne ABS. Bei einer Vollbremsung kann das Rad dann blockieren.
Wo der Ring an deiner Maschine sitzt, zeigt meist das ABS-Kapitel der Anleitung, oft mit Bild. Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch. Bist du dir bei einem Loch nicht sicher, folg dem Kabel bis zum Sensor. Worauf der zeigt, ist der Ring, und dort hat dein Bremsscheibenschloss nichts verloren.
Schau zuerst hinten. Die hintere Scheibe ist oft anders gebohrt als die vordere, und manchmal passt dort, was vorn nicht passt. Hat deine Maschine hinten eine Trommelbremse, wie manche Roller und kleine 125er, fällt diese Möglichkeit allerdings weg. Hinten muss das Gehäuse außerdem zwischen Scheibe, Sattel und Schwinge Platz finden, und das zeigt dir nur ein Versuch. Ein Schloss hinten fällt beim Aufsteigen noch weniger auf als vorn, umso wichtiger ist ein Erinnerungskabel zum Lenker.
Oder du nimmst einen kleinen Bügel statt eines Bolzens. Solche Mini-Bügelschlösser laufen nicht durch eine Bohrung, sondern durch eine größere Aussparung, etwa im Träger der Scheibe oder zwischen den Speichen. Statt des Bolzendurchmessers zählt die lichte Weite, also das Innenmaß des Bügels. Miss die Aussparung, durch die er soll, genauso wie vorher die Löcher, und schau auch hier, wohin der ABS-Sensor zeigt.
Bleibt noch die Kette. Sie läuft durch Rahmen oder Schwinge und braucht kein Loch in der Scheibe, nur etwas Festes zum Anschließen dort, wo du parkst. Und während ein Bremsscheibenschloss laut ADAC das Wegrollen erschwert, hält eine solche Kette die Maschine auch dann fest, wenn jemand sie anheben will.
Was du nie tun solltest: für das Bremsscheibenschloss ein Loch aufbohren oder ein neues in die Scheibe setzen. Die Scheibe bremst dich aus jedem Tempo, und jede zusätzliche Bohrung verändert genau das Teil, auf das es dabei ankommt.
Bevor das neue Schloss zum ersten Mal auf einem fremden Parkplatz hängt, probier es zu Hause. Bolzen ins gemessene Loch, abschließen, dann die Maschine langsam vor und zurück schieben, jeweils bis zum Anschlag. Das Gehäuse darf dabei am Bremssattel anstoßen, nicht an Leitung, Kabel, Sensor oder Entlüftungsventil.
Wie weit sich das Rad mit Schloss noch drehen lässt, hängt laut ADAC von dessen Sitz ab, manchmal ist es fast eine ganze Umdrehung. In der Anleitung zum Scheibenschloss von Harley-Davidson heißt es dazu: so nah wie möglich am Bremssattel ansetzen, dann die Maschine langsam vorrollen, bis das Schloss den Sattel sanft berührt. Nach vorn kann sie danach keinen Schwung mehr holen. Und ein Erinnerungskabel zum Lenker soll laut ADAC verhindern, dass du mit dem Schloss losfährst, denn das kann die Bremse beschädigen und zum Sturz führen.
Zieh nach dem Abschließen kräftig am Gehäuse. Ist die Scheibe dicker, als das Schloss es vorsieht, rastet der Bolzen womöglich nicht ganz ein, und das Schloss sieht nur verschlossen aus. Hat es Alarm, heult dabei vielleicht schon die Sirene.
Mach das Ganze einmal mit Handschuhen und einmal im Halbdunkel, denn so sieht ein Novemberabend auf dem Parkplatz aus. Dann hilft es, wenn du das richtige Loch schon kennst: das dritte nach einer Schraube vielleicht, oder eine der großen Aussparungen im Träger.
Neu messen musst du, wenn sich an der Scheibe etwas ändert. Eine Ersatz- oder Zubehörscheibe kann anders gebohrt sein als die originale, und am nächsten Motorrad fängt die Sache ohnehin von vorn an.
Ist das richtige Loch einmal gefunden, sitzt das Schloss beim nächsten Mal, bevor die Finger in den Handschuhen kalt werden.
Welcher Bolzen passt in meine Bremsscheibe?
Den passenden Bolzendurchmesser findest du mit Bohrern als Lehre: Probier den glatten Schaft von fünf Millimetern an aufwärts in mehreren Löchern. Der dickste, der ohne Druck durchgleitet, ist die Obergrenze. Miss außerdem den Abstand der Löcher zur Außenkante der Scheibe, denn so weit muss der Bolzen hineinreichen.
Ist ein Bremsscheibenschloss mit dünnem Bolzen schlechter?
Ein dünner Bolzen passt in mehr Scheiben, bietet aber weniger Stahl: Bei zehn statt sechs Millimetern ist der Querschnitt fast dreimal so groß. Bei den Alarmschlössern der XA-Modelle nennt Oxford erst für die Variante mit 14 Millimetern Prüfsiegel von Sold Secure, SRA und ART. Mit Alarm ist ein dünnes Modell eher ein Alarmgeber als ein Schloss.
Darf der Bolzen in den gelochten Ring neben der Bremsscheibe?
Der gelochte oder gezahnte Ring neben der Scheibe gehört an vielen Maschinen zum ABS, ein Sensor liest dort die Raddrehzahl. Yamaha warnt in seinen Anleitungen, ein beschädigter Sensor-Rotor könne zu einer Fehlfunktion des ABS führen. Ein Schlossbolzen hat in diesem Ring deshalb nichts zu suchen.
Was mache ich, wenn kein Loch meiner Scheibe passt?
Ohne passendes Loch probierst du zuerst die hintere Scheibe, die oft anders gebohrt ist. Ein Mini-Bügelschloss läuft durch größere Aussparungen im Scheibenträger oder zwischen den Speichen. Nie solltest du dafür ein Loch in der Bremsscheibe aufbohren oder neu bohren.
Passt ein Bremsscheibenschloss nach einem Scheibenwechsel noch?
Nach einem Scheibenwechsel prüfst du die Passform neu, denn eine Ersatz- oder Zubehörscheibe kann andere Löcher haben als die originale. Der Bohrer als Lehre zeigt schnell, ob der Bolzen noch durchgeht und die Lochreihe im Abstand liegt, den das Schloss erreicht.
Kann ich ein Bremsscheibenschloss auch hinten anbringen?
Hinten funktioniert ein Bremsscheibenschloss, wenn ein Loch passt und das Gehäuse zwischen Scheibe, Sattel und Schwinge Platz hat. Das zeigt nur ein Versuch an der eigenen Maschine. Lässt du die Maschine danach ein Stück rollen, darf das Schloss keine Leitung und keinen Sensor treffen.
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