Welches Motorrad mit 60? Klein muss es nicht sein, handlich im Stand schon

Mit 60 wird das Motorrad kleiner, heißt es gern. Die Zulassungsstatistik sieht das anders. Von den Maschinen, die auf 60- bis 64-Jährige angemeldet sind, haben fast zwei Drittel 500 Kubik oder mehr, kaum weniger als bei Haltern Ende 20. Halter um die 45 kommen sogar nur auf gut die Hälfte. Erst jenseits der 75 sind die kleineren in der Mehrheit.

Welches Motorrad mit 60 zu dir passt, verraten Hubraum und PS-Zahl kaum. Auf der Landstraße fährt sich fast jede moderne Maschine gut. Ob sie die richtige ist, merkst du, wenn sie steht: in der Garage, an der Ampel, auf einem Parkplatz, der nicht ganz eben ist.

In der Garage hältst du das Gewicht selbst

Solange du fährst, trägt sich das Motorrad selbst. Beim Rückwärtsschieben aus der Garage, beim Aufrichten vom Seitenständer und auf jedem Meter, den du es neben dir her bewegst, hältst du einen Teil seines Gewichts. Je weiter es sich neigt, desto größer wird dieser Teil, und je höher das Gewicht sitzt, desto schneller wächst er. Ein voller Tank oben auf dem Rahmen macht sich deshalb stärker bemerkbar als dieselben Kilo weiter unten.

Wie schwer eine Maschine ist, steht in ihrer Anleitung, nur zählt nicht jeder Hersteller gleich. Bei der 390 Duke ist es ein Trockengewicht, in dem mindestens das Benzin fehlt. Auf der KTM-Website stehen vollgetankt 165 Kilo. Honda, Suzuki und BMW schreiben Leergewicht, BMW erklärt dazu, was darin steckt: fahrfertig und zu 90 Prozent getankt. Für einen ersten Vergleich reicht das, wenn du die Art der Angabe mitliest.

Maschine und AnleitungGewichtSo nennt es der Hersteller
KTM 390 Duke (2026)149 kgTrockengewicht
Suzuki V-Strom 650 (DL650A, DL650XA)214 bis 215 kgLeergewicht
Honda NC750X (2025)216 kg, mit Doppelkupplung 226 kgLeergewicht
Honda NT1100 (2025)238 kg, mit Doppelkupplung 248 bis 249 kgLeergewicht
BMW R 1300 GS (2025)240 kgDIN-Leergewicht, fahrfertig, 90 % getankt, ohne Sonderausstattung
BMW R 1250 RT (2019)279 kgwie bei der R 1300 GS
Honda Gold Wing (2025)371 bis 393 kgLeergewicht, je nach Ausführung

Zwischen der Duke und der Gold Wing liegen mehr als 200 Kilo, zwischen der NC750X und der R 1250 RT rund 60.

Wie sehr das Gewicht im Alltag zählt, hängt weniger an der Zahl als an deinem Boden. Auf glattem, ebenem Beton schiebst du auch eine schwere Maschine. Steigt die Einfahrt zur Straße hin an oder liegt Kies vor dem Tor, wird dieselbe Maschine zu einer anderen.

Das Schwerste, was du im Stand mit einem Motorrad machst, ist, es rückwärts bergauf zu schieben. Auf Parkplätzen hilft deshalb eine Gewohnheit: Fällt der Platz von der Straße weg ab, schieb die Maschine rückwärts hinein, die rechte Hand an der Vorderradbremse, und fahr später vorwärts heraus.

An zwei schweren Maschinen hilft dabei die Technik. Auf der Gold Wing musst du nicht schieben: Du sitzt in normaler Fahrposition, beide Füße am Boden, und ein Schrittgeschwindigkeitsmodus rollt die Maschine vor und zurück. Den Modus haben die Ausführungen mit Doppelkupplung, und nur mit ihr kommt die Gold Wing derzeit nach Deutschland. Honda rät, steile und unebene Flächen zu meiden und nicht mit Sozius rückwärtszufahren.

Beim Aufbocken packt die R 1300 GS mit an, allerdings nur mit zwei Sonderausstattungen: der Adaptiven Fahrzeughöhenregelung mit Aufbockhilfe und dem Hauptständer, den BMW bei der GS ebenfalls extra führt. Du schaltest die Zündung ein und klappst den Ständer aus, dann hebt das Fahrwerk die Maschine an. So hast du den besseren Hebel und brauchst weniger Kraft, schreibt BMW. Den Boden darunter prüfst du trotzdem selbst: Er soll eben und fest sein. Ohne solche Technik bleiben in der Garage Rangierhilfen und Rollbretter.

An der Ampel reicht ein sicherer Fuß

An der Ampel brauchst du keine zwei flachen Sohlen auf dem Asphalt. Meist genügt es, wenn ein Fuß sicher steht, während der andere auf der Fußbremse bleibt. Die Sitzhöhe dafür findest du ebenfalls in der Anleitung, in der Regel ohne Fahrer gemessen.

Die 390 Duke von 2026 kommt laut KTM unbelastet auf 820 Millimeter, die V-Strom 650 von Suzuki und die XSR900 GP von Yamaha auf je 835. Mit dir im Sattel sinkt eine Maschine mit normalem Fahrwerk noch ein Stück ein.

Bei manchen Tourern lässt sich die Sitzbank verstellen oder tiefer bestellen. Für die R 1250 RT von 2019 nennt BMW eine verstellbare Höhe von 805 bis 825 Millimetern, mit dem niedrigen Fahrersitz als Sonderausstattung 760 bis 780. Bei der R 1300 GS mit Adaptiver Fahrzeughöhenregelung senkt sich das Fahrwerk beim Anhalten selbst in die tiefe Fahrhöhe ab. Im Modelljahr 2025 misst die Sitzhöhe dann 815 bis 825 Millimeter, in der Grundausstattung 845 bis 855.

Ob dir eine dieser Zahlen reicht, zeigt erst das Sitzen, mit der Maschine aufrecht zwischen den Beinen. Eine breite Bank spreizt die Beine weiter als eine schmale, auch wenn beide gleich hoch sind.

Tiefer zu sitzen hat noch einen Preis, der sich erst unterwegs zeigt. Mit einer niedrigeren Sitzbank rückst du näher an die Rasten, dein Knie bleibt stärker angewinkelt, und auf langen Etappen spürst du das. Ein Fahrwerk, das sich beim Anhalten absenkt, nimmt Sitzbank und Rasten dagegen gemeinsam mit nach unten, und dein Knie behält seinen Winkel.

In der Sackgasse entscheidet der Lenkeinschlag

Irgendwann endet eine Feierabendrunde in einer Sackgasse, und du musst auf der engen Straße wenden. Dann zählt, wie weit der Lenker einschlägt, und das hat mit dem Motor wenig zu tun.

Yamaha nennt für die XSR900 GP einen Mindest-Wendekreis von 3,5 Metern, für die MT-09 3,0 Meter. Gemeint ist der Radius, Honda und Suzuki schreiben dafür Wenderadius. Der ganze Kreis misst also sieben und sechs Meter im Durchmesser. Beide haben 890 Kubik. Die GP steht auf einem längeren Radstand, 1.500 gegen 1.430 Millimeter. Den Unterschied machen Radstand und Lenkeinschlag, nicht der Motor.

Ob du dabei Platz übrig hast oder im letzten Moment den Fuß brauchst, spürst du bei der ersten Wende im Schritttempo sofort. Sie gehört deshalb zu jeder Probefahrt.

Zu zweit zählt die Zuladung mehr als das Gewicht

Bist du oft zu zweit und mit Koffern unterwegs, wird eine andere Zahl wichtiger: die Zuladung. Sie begrenzt alles, was auf und an die Maschine kommt, also dich selbst, deine Begleitung, Gepäck und angebautes Zubehör.

Bei der NT1100 erlaubt Honda 194 Kilo, bei der leichteren NC750X 209. Die R 1250 RT darf laut BMW 226 Kilo tragen, die R 1300 GS 225, die sportlichere XSR900 GP von Yamaha 165. Die schwerere Maschine trägt also nicht automatisch mehr.

Unterwegs übernehmen Doppelkupplung, Schaltassistent und Tempomat Handgriffe, je nach Modell serienmäßig oder gegen Aufpreis. Bei Honda bringt die Doppelkupplung rund zehn Kilo mehr auf die Waage. Ob dir das die gesparte Arbeit an der Kupplung wert ist, merkst du eher im Stadtverkehr als auf der Landstraße.

Rechne vor dem Kauf einmal nach: dein Gewicht in voller Montur, das deiner Begleitung, dazu Koffer samt Inhalt. Steht die Summe nah an der Zahl aus der Anleitung, ist für die zweite Woche Urlaub kein Kilo mehr frei. Ob ein Motorrad mit 60 zu zweit taugt, zeigt diese Rechnung eher als die Seite im Prospekt, auf der die PS stehen.

Das Motorrad mit 60 suchst du auf dem Hof aus

Ein Datenblatt sagt dir, welches Motorrad mit 60 überhaupt in Frage kommt. Ob eine der Maschinen die richtige ist, zeigt der Hof des Händlers, noch bevor du losfährst.

Sicherheitshinweis: Eine fremde schwere Maschine kippt anders, als du es von deiner eigenen kennst. Neigt sie sich über den Punkt hinaus, an dem du sie noch halten kannst, lass sie los und bring Beine und Füße aus dem Weg, statt dich dagegenzustemmen. Beim ersten Abnehmen vom Ständer darf deshalb ruhig jemand auf der anderen Seite stehen.

Auf dem Hof setzt du dich drauf, ziehst die Vorderradbremse und nimmst die Maschine vom Seitenständer in die Senkrechte. Du hältst sie eine Weile so, erst mit beiden Füßen, dann nur mit dem linken wie an der Ampel. Steht der rechte Fuß danach sicher am Boden, prüfst du, ob du den Seitenständer im Sitzen mit dem linken Stiefel erreichst. Hat sie einen Hauptständer, lässt du dir zeigen, wie sie hinaufgeht, und probierst es selbst. Zum Schluss schiebst du sie ein paar Meter rückwärts, einmal auch leicht bergauf.

Dann erst kommt die Probefahrt, mit der Wende auf dem Hof am Ende und einem Halt dort, wo es nicht ganz eben ist. Achte dabei weniger auf die Beschleunigung als auf das Abstellen danach. Bringst du die Maschine entspannt auf den Ständer, ohne dass es eng wird, hat sie die wichtigste Prüfung bestanden.

Am Ende stehen vielleicht zwei Maschinen in der engeren Wahl. Die eine ist schwer und verwöhnt dich auf langen Etappen, die andere holst du auch an einem grauen Dienstag ohne Nachdenken aus der Garage. Welche davon es wird, nimmt dir keine Tabelle ab. Die Statistik vom Anfang sagt dir nur, dass du mit 60 und einer großen Maschine nicht die Ausnahme bist.

❓ Häufige Fragen zum Motorrad mit 60

Welches Motorrad passt mit 60 Jahren?

Ein Motorrad mit 60 passt dann, wenn du es im Stand sicher hältst, in der Garage bewegen kannst und an der Ampel mit einem Fuß gut aufkommst. Hubraum und Leistung spielen dafür eine kleinere Rolle als Gewicht, Sitzhöhe, Lenkeinschlag und die Zuladung, falls du zu zweit fährst. Die Werte stehen in der Anleitung, den Rest zeigt eine Probe beim Händler.


Fahren ältere Motorradfahrer kleinere Maschinen?

Die Motorräder älterer Halter sind in Deutschland bis Mitte 60 kaum kleiner als die jüngerer. Laut Kraftfahrt-Bundesamt haben 64 Prozent der Krafträder von 60- bis 64-jährigen Haltern 500 Kubik oder mehr, bei Haltern zwischen 25 und 29 sind es 69 Prozent. Erst ab 75 überwiegen Maschinen unter 500 Kubik.


Welches Motorrad hat einen Rückwärtsgang?

Ein Rückwärtsgang ist am Motorrad selten und findet sich vor allem an schweren Tourern. Die Gold Wing, die Honda in Deutschland derzeit serienmäßig mit Doppelkupplung anbietet, hat einen Schrittmodus, der vorwärts und rückwärts fährt. Steile und unebene Flächen sollst du dabei meiden, und mit Sozius rät Honda vom Rückwärtsfahren ab.


Kann sich ein Motorrad beim Anhalten absenken?

Manche Motorräder senken sich beim Anhalten elektronisch ab. Die BMW R 1300 GS von 2025 kann das mit der Sonderausstattung Adaptive Fahrzeughöhenregelung. Sie hebt das Fahrwerk nach dem Losfahren an und senkt es beim Anhalten wieder ab. Die Sitzhöhe liegt dann bei 815 bis 825 Millimetern statt 845 bis 855.


Wie viel schwerer macht eine Doppelkupplung ein Motorrad?

Eine Doppelkupplung macht ein Motorrad bei Honda rund zehn Kilo schwerer. Die NC750X von 2025 wiegt mit Schaltgetriebe 216 Kilo, mit Doppelkupplung 226, bei der NT1100 sind es 238 und 248 Kilo. Dafür entfällt der Kupplungshebel, und die Gänge wechselt das Getriebe auf Wunsch selbst.


Wie viel Zuladung braucht ein Motorrad für zwei Personen?

Die nötige Zuladung für zwei Personen ergibt sich aus beiden Körpergewichten in Montur plus Gepäck und Zubehör. Tourer wie die Honda NT1100 oder die BMW R 1250 RT erlauben laut Anleitung um 200 Kilo, genau 194 und 226. Bei sportlicheren Maschinen kann es weniger sein, die Yamaha XSR900 GP liegt bei 165.


Wie schwer darf ein Motorrad sein, das ich allein rangiere?

Eine feste Gewichtsgrenze fürs Rangieren gibt es nicht, es kommt auf Boden, Gefälle und die Neigung der Maschine an. Auf ebenem Beton bewegst du auch einen schweren Tourer, auf Kies oder an einer abschüssigen Einfahrt wird schon eine Mittelklasse mühsam. Rückwärtsgang, Aufbockhilfe oder eine Rangierhilfe erleichtern Ausparken, Aufbocken und Wenden in der Garage.

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