
Rote Ampel, die Maschine steht. Du rutschst mit dem Hintern ein Stück nach links, bis wenigstens der linke Stiefel ganz auf dem Asphalt steht, der rechte bleibt auf der Bremse. Auf jeder Fahrt ein paar Mal, und jedes Mal mit diesem kurzen Moment, in dem das Gewicht nach links wandert.
Über den Winter soll sich das ändern. Du lässt die Sitzbank abpolstern, der Sattler nimmt Schaum heraus, und im Frühjahr sitzt du ein paar Zentimeter tiefer. Was dabei leicht untergeht: Die Bank wird nicht nur tiefer, sondern auch breiter. Und das kostet einen Teil der Zentimeter, die du am Boden haben willst.
Der Schaum einer Sitzbank ist kein Quader. Oben, wo deine Oberschenkel liegen, ist er meist schmal geformt, nach unten zur Grundplatte hin wird er breiter. Nimmt der Sattler oben eine Schicht weg, liegt die neue Sitzfläche dort, wo der Schaum schon breiter ist. Die Bank kommt tiefer zurück und zugleich breiter.
SW-Motech baut Sitzbänke um und fasst das in den Antworten auf häufige Fragen in einer Zeile zusammen: Aufpolstern macht die Bank höher und schmaler, Abpolstern tiefer und breiter (Stand Oktober 2026). Wie viel breiter, steht dort nicht. Eine allgemeine Zahl kann es dafür auch kaum geben, denn das hängt von der Form deiner Bank ab und davon, wie viel Schaum herauskommt.
Für die Ampel zählt das, weil deine Beine links und rechts an der Bank vorbei müssen. Was sie für die Breite brauchen, fehlt ihnen in der Höhe.
In den Anleitungen der R 1250 GS und der R 1300 GS nennt BMW neben der Sitzhöhe eine zweite Zahl, den Schrittbogen. Vereinfacht ist das die Länge eines Maßbands, das auf der einen Seite am Boden beginnt, über die Bank läuft und auf der anderen Seite wieder am Boden endet. Darin stecken Höhe und Breite der Bank zusammen. Die Sitzhöhe misst dagegen nur, wie hoch die Bank ist, nicht wie breit. Nicht jeder Hersteller gibt den Schrittbogen an.
Beim Abpolstern nimmt die Höhe ab und die Breite zu. Wie viele Zentimeter am Ende für deine Füße übrig bleiben, zeigt erst der Schrittbogen.
Wie stark die Form mitspielt, zeigt die Betriebsanleitung der BMW R 1250 GS, Ausgabe 05.2018. In ihren technischen Daten stehen mehrere Fahrersitze untereinander, jeweils mit Sitzhöhe und Schrittbogen, beides gemessen ohne Fahrer. Drei davon:
Die Komfortsitzbank liegt also 25 Millimeter tiefer als die Serienbank. Einen kürzeren Schrittbogen hat sie trotzdem nicht, ihre Werte liegen mitten im Bereich der Serienbank. Der niedrige Fahrersitz ist nur fünf Millimeter niedriger als die Komfortsitzbank, sein Schrittbogen fällt aber um vier bis sechs Zentimeter kürzer aus.
Warum das so ist, steht in der Anleitung nicht, auch nicht, was die Komfortsitzbank baulich anders macht. Die Zahlen zeigen trotzdem, worauf es hinausläuft: Zwei Bänke mit fast gleicher Höhe können sich für deine Füße um mehrere Zentimeter unterscheiden.
Die Anleitung der R 1300 GS, Ausgabe 02.2025, nennt den Schrittbogen auch für die Bank mit Sitzheizung. Für die Serienbank sind es 1.870 bis 1.910 mm, mit Sitzheizung 1.920 bis 1.940 mm. Einen eigenen Höhenwert für die beheizte Bank gibt diese Anleitung nicht an. Mit Sitzheizung müssen deine Beine für denselben Stand also drei bis fünf Zentimeter mehr überbrücken, beide Seiten zusammengerechnet.
Alle diese Werte gelten ohne Fahrer. Mit dir im Sattel sinken Polster und Federung ein, und du kommst weiter hinunter, als die Anleitungen angeben. Für den Vergleich der Bänke untereinander taugen die Zahlen trotzdem, weil sie unter derselben Bedingung stehen.
Gibt es für deine Maschine ab Werk eine niedrige Bank, schau in die technischen Daten deiner Anleitung, bevor die eigene unter das Messer kommt. Laut Anleitung der R 1250 GS von 2018 bringt der niedrige Fahrersitz 30 Millimeter weniger Höhe und 50 Millimeter weniger Schrittbogen als die Serienbank. Bei einer abgepolsterten Bank kennst du diese zweite Zahl erst hinterher.
Damit du nach dem Umbau eine Zahl zum Vergleich hast, misst du vorher. Das Folgende ist keine Herstellervorgabe, sondern eine einfache Messhilfe für die Garage. Du brauchst ein Maßband aus Stoff, eine gerade Latte und Kreppband.
Nach dem Umbau klebst du im selben Abstand zum Tank einen neuen Streifen auf und misst noch einmal. Die Höhe zeigt dir, wie viel Schaum an dieser Stelle herausgekommen ist. Der Bogen zeigt dir, was davon bei deinen Beinen ankommt.
Ist die Höhe deutlich gesunken, der Bogen aber kaum kürzer geworden, hat die zusätzliche Breite einen Teil davon geschluckt. Auf den Zentimeter ausrechnen lässt sich das nicht, weil das Maßband schräg zur Raste läuft und sich anders anlegt als ein Bein. Für den Vergleich vorher und nachher reicht es trotzdem.
Bevor die Bank im Karton liegt, redest du mit dem Sattler. Beschreib ihm, wo deine Oberschenkel liegen, und frag, wie viel er an dieser Stelle herausnehmen kann. Frag auch, ob er die Bank vorn zugleich schmaler formen kann. Ist die Bank dort schmaler, gehen deine Beine enger am Motorrad nach unten, und dein Fuß steht leichter flach auf. Ob das bei deiner Bank geht, hängt von ihrer Form und von der Grundplatte darunter ab. Das sieht der Sattler meist erst, wenn er die Bank vor sich hat.
Schwieriger wird es mit einer Sitzheizung. Ist sie eingebaut, geht Auf- oder Abpolstern nur begrenzt, schreibt SW-Motech. Unter dem Bezug liegt dann außer dem Schaum auch die Heizung samt Kabel. Eine solche Bank schneidest du nicht selbst auf, und beim Sattler fragst du vorher, ob er sie überhaupt annimmt.
Sprich mit ihm über den Komfort. Weniger Schaum heißt weniger Polster unter dir, und das merkst du eher am Ende eines langen Tages als an der Ampel. Dazu wird der Kniewinkel enger, weil die Fußrasten nicht mitwandern. Bietet der Sattler eine zusätzliche Komfortschicht an, frag, wie dick sie aufträgt und ob sie in der neuen Höhe schon eingerechnet ist. In den Hinweisen von SW-Motech sind es zehn Millimeter. Ist das nicht eingerechnet, geht von den gewonnenen Zentimetern gleich wieder einer verloren.
Wundere dich nach dem Umbau nicht, wenn zwischen Tank und Bank mehr Luft ist als vorher. Dieselben Hinweise erklären das mit dem Bezug, der besonders straff gespannt wird, damit er dauerhaft sitzt.
Und denk an den Weg zurück. Schaum, der draußen ist, kommt nur mit einem neuen Umbau wieder hinein. Willst du die Originalbank behalten, etwa für einen späteren Verkauf, lass eine zweite Bank abpolstern. Ist eine gebrauchte Bank schon stark umgebaut oder beschädigt, kann der Sattler den Auftrag allerdings ablehnen.
Kommt die Bank zurück, setzt du sie so ein, wie es deine Betriebsanleitung vorgibt, und prüfst danach mit einem Zug nach oben, ob sie fest sitzt. Hebt sie sich dabei ab, ist sie nicht richtig eingerastet oder verschraubt, und du setzt sie noch einmal ein. Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch.
Und dann willst du wissen, was die Zentimeter bringen. Naheliegend ist, sich gleich in der Garage draufzusetzen, solange die Maschine auf dem Seitenständer lehnt. So täuscht die Probe, denn dort neigt sich das Motorrad nach links, und dein linker Fuß steht leichter auf als an einer ebenen Ampel, egal wie viel Schaum fehlt. Auf dem Hauptständer täuscht sie ebenso, weil meist ein Rad in der Luft hängt.
Sicherheitshinweis: Mach die Sitzprobe auf beiden Rädern und lass dir die Maschine von einer zweiten Person festhalten, die neben dir steht. Die Anleitung der R 1300 GS schließt das Sitzen auf dem Fahrzeug aus, solange es auf der Seitenstütze steht oder der Hauptständer ausgeklappt ist.
Der Grund steht gleich dabei: Die Maschine kann umfallen. Bei dieser Probe kommt hinzu, dass du gerade erst herausfindest, ob dein Fuß den Boden sicher erreicht.
Steht die Maschine gerade, setz dich in deiner normalen Fahrposition hin, ohne zur Seite zu rutschen, und stell erst den linken, dann den rechten Fuß ab. So merkst du, wie weit jeder Fuß auf ebenem Boden hinunterreicht. Die eigentliche Probe kommt später auf der Straße: an einer Kreuzung, an der die Fahrbahn zur Seite abfällt, an einer Einfahrt mit Kies, beim Wenden auf einem Parkplatz. Erst dort zeigt sich, ob es sich gelohnt hat, die Sitzbank abpolstern zu lassen.
Wie viel Schaum herausgekommen ist, weiß der Sattler. Was davon unten ankommt, sagen dir zwei Zahlen vom Maßband. Und die erste rote Ampel im Frühjahr, an der du sitzen bleibst, wo du sitzt.
Wird eine Sitzbank durch Abpolstern breiter?
Eine abgepolsterte Sitzbank verliert an Höhe und gewinnt dabei meist an Breite. Die neue Sitzfläche liegt tiefer im Schaum, und der läuft zur Grundplatte hin breiter aus. Wie viel breiter deine Bank wird, hängt von ihrer Form ab und von der Menge Schaum, die herauskommt.
Wie viel bringt es, die Sitzbank abpolstern zu lassen?
Wie viel es bringt, die Sitzbank abpolstern zu lassen, lässt sich vorher nicht in Zentimetern sagen, weil sie tiefer und zugleich breiter wird. Messen kannst du es mit einem Maßband, das du vor und nach dem Umbau von einer Fußraste über die Bank zur anderen legst. Der Unterschied zeigt dir, was bei deinen Beinen ankommt.
Warum hilft eine tiefere Sitzbank manchmal kaum?
Eine tiefere Sitzbank hilft wenig, wenn sie dabei breiter wird, denn deine Beine müssen um sie herum und verlieren in der Höhe, was sie seitlich brauchen. Dass die Höhe allein wenig sagt, zeigt die Anleitung der BMW R 1250 GS von 2018: Die Komfortsitzbank ist dort 25 Millimeter niedriger als die Serienbank, beim Schrittbogen aber nicht kürzer. Einen Grund nennt die Anleitung nicht.
Lässt sich eine Sitzbank mit Sitzheizung abpolstern?
Eine Sitzbank mit Heizung lässt sich nur eingeschränkt auf- oder abpolstern, schreibt ein Umbauer von Sitzbänken in seinen Hinweisen. Unter dem Bezug sitzt außer dem Schaum auch die Heizung mit ihrem Kabel. Frag deinen Sattler vor dem Einschicken, ob er die Bank annimmt, und schneide sie nicht selbst auf.
Wird die Sitzbank durch Abpolstern unbequemer?
Eine abgepolsterte Sitzbank hat weniger Schaum unter dir, und das spürst du eher nach einigen Stunden als auf der Runde um den Block. Auch die Knie stehen spitzer, weil sich an den Rasten nichts ändert. Eine zusätzliche Komfortschicht kann helfen, trägt aber wieder etwas Höhe auf.
Wie mache ich die Sitzprobe nach dem Abpolstern?
Die Sitzprobe nach dem Abpolstern machst du auf beiden Rädern, während eine zweite Person die Maschine gerade hält. Auf dem Seitenständer lehnt das Motorrad zur Seite, und dein linker Fuß reicht leichter hinunter als im Alltag. Für die R 1300 GS steht in der Anleitung, dass du weder auf der Seitenstütze noch bei ausgeklapptem Hauptständer auf der Maschine sitzen sollst, weil sie umfallen kann.
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