Nasse Stiefel nach jeder Regenfahrt? Regenüberschuhe halten sie trocken

Am Morgen nach einer Regenfahrt ist der Stiefel immer noch nass. Also kommen für die nächste Fahrt Tüten über die Socken, oder die Gummistiefel aus dem Keller. Die Tüte hält die Socke trocken, während sich der Stiefel weiter vollsaugt. Und der Gummistiefel steht bei TÜV und DEKRA in einer Reihe mit Sandalen.

Regenüberschuhe setzen eine Lage weiter außen an. Sie kommen über den Motorradstiefel, den du ohnehin trägst, und halten Regen und Spritzwasser fern, bevor sich das Leder vollsaugt. So muss der Stiefel am nächsten Morgen gar nicht erst trocknen. Und falls doch Wasser hineinläuft, hat ein Stiefelhersteller einen Rat, der zuerst seltsam klingt: Sohle nach oben.

Wo Tüte und Gummistiefel aufhören

Die Tüte über der Socke ist ein alter Trick, und für den Fuß funktioniert er. Der Stiefel drumherum bekommt trotzdem jeden Tropfen ab. Er saugt sich voll und wird schwer und kalt. Dazu kommt, dass eine Tüte nichts durchlässt, auch keinen Schweiß. Auf einer langen Strecke kann die Socke so auch von innen feucht werden.

Der Gummistiefel ist dicht. Ein Motorradstiefel wird er dadurch nicht. TÜV und DEKRA haben eine Arbeitshilfe zur Schutzkleidung für Fahrschule und Prüfung geschrieben (Stand März 2023). Ein geeigneter Motorradstiefel hat danach festes, stabiles Material, eine rutschhemmende, robuste Sohle und einen Schaft über den Knöchel. Gleich danach steht: „Ungeeignet sind beispielsweise Halbschuhe, Turnschuhe, Sandalen oder Gummistiefel.“

Verboten ist der Gummistiefel trotzdem nicht. Die Liste ist für Ausbildung und Prüfung geschrieben, und die deutsche Straßenverkehrsordnung verlangt auf dem Motorrad nur einen Helm. Bei einem Sturz schützt ein weicher Gummischaft den Knöchel aber kaum, und dafür ist der Motorradstiefel gebaut. Der Überschuh lässt den Stiefel, wie er ist, und übernimmt nur das Wasser.

Regenüberschuhe kommen über den Stiefel und unter die Hose

Ein Regenüberschuh ist eine wasserdichte Hülle, die du über den ganzen Stiefel ziehst. Ein Unterschied zwischen den Modellen ist, wie sie aufgehen. Manche haben einen Reißverschluss an der Innenseite, andere schließen seitlich mit Klett. Je weiter sich die Hülle öffnen lässt, desto leichter kommt sie am Straßenrand über einen klobigen Tourenstiefel.

Bei der Größe zählt der Stiefel, nicht der Fuß. Oxford gibt für seine Rainseal-Überschuhe Schuhgrößen an, S für 39 bis 41 und M für 41 bis 43. Ein klobiger Touren- oder Endurostiefel kann dabei mehr Platz brauchen, als seine Nummer verrät. Liegst du genau auf der Grenze, probier beide Größen über dem Stiefel, mit dem du fährst. Ein zu großer Überzug wirft Falten an der Spitze, also genau dort, wo später der Schalthebel sitzt.

Oben schließen die meisten Überschuhe mit einem elastischen Rand oder einem Riemen um den Schaft. Manche haben am Rand eine rutschhemmende Beschichtung, damit der Überschuh beim Tragen nicht verrutscht. Hohe Modelle decken dabei noch einen Teil des Unterschenkels ab.

Am Hosenbein ändert der Überschuh nichts: Es gehört darüber, so wie sonst über den Stiefel. Das Wasser läuft am Bein nach unten. Steckt das Hosenbein im Überschuh, läuft es hinein. Liegt es darüber, läuft es außen ab.

Schalthebel, Raste und Fußbremshebel

Zwei Hersteller zeigen in ihren Beschreibungen, wo ein Überschuh am meisten aushalten muss: DIFI und Oxford verstärken je ein Modell dort, wo geschaltet wird. Beim Hochschalten schiebt sich die Spitze unter den Hebel, und der scheuert jedes Mal über den Stoff. Schaltest du mit einer Wippe, wie an manchen Cruisern, trifft es auch die Ferse.

Jeder Überschuh macht die Spitze etwas dicker. Prüf im Stand, ob sie mit dem Überzug noch bequem unter den Hebel passt, ohne dass du den Fuß von der Raste nehmen musst. Passt sie nicht, hilft ein flacheres Modell oder an manchen Maschinen eine andere Grundstellung des Hebels. Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch.

Rechts trittst du mit der Sohle auf den Fußbremshebel, und durch eine Lage mehr fühlt sich der Druck dort etwas anders an. Das willst du nicht erst bei einer Vollbremsung merken. Schau im Sitzen auch nach, wie nah die Ferse dem Auspuff kommt: Ein Überschuh aus dünnem Kunststoff kann an einem heißen Rohr anschmelzen.

Bei Modellen mit durchgehender Sohle steht auf der Raste nicht mehr dein Stiefel, sondern der Überschuh. Manche Hersteller beschreiben ihre Sohlen ausdrücklich als rutschfest. Wie das auf deiner Raste und auf nassem Asphalt wirkt, merkst du beim ersten Halt, wenn der Fuß zum Boden geht. Besser ist, du merkst es vorher.

Sicherheitshinweis: Ein loser Riemen kann sich um den Schalthebel, den Fußbremshebel oder die Fußraste legen. Dann hängt dein Fuß fest, wenn du schalten, bremsen oder dich abstützen musst. TÜV und DEKRA warnen aus demselben Grund vor herunterhängenden Schnürsenkeln. Zieh jeden Riemen fest und probier Schalten, Bremsen und Absetzen auf einem leeren Parkplatz, bevor du damit in den Verkehr fährst.

Welcher Stiefel braucht einen Überzug?

Ob sich Regenüberschuhe für dich lohnen, hängt vor allem davon ab, was zwischen Leder und Socke steckt.

Ohne Membran

Viele Lederstiefel haben keine wasserdichte Zwischenschicht, darunter manche Sport- und Klassikstiefel. Bei ihnen hält nur das Leder den Regen ab, und das schafft es eine Weile. Daytona schreibt in den Pflegetipps zu seinen Stiefeln, dass Nässe Fett und Farbe aus dem Leder wäscht und es auf Dauer weniger wasserabweisend macht. Bei Dauerregen ist der Überschuh für so einen Stiefel der einzige Schutz, den der Fuß hat.

Mit Membran

Steckt eine Membran im Stiefel, bleibt der Fuß trocken, solange oben kein Wasser in den Schaft läuft. Das Leder außen kann sich trotzdem vollsaugen. Daytona rät deshalb, solche Stiefel regelmäßig zu imprägnieren, und schreibt einen Satz dazu, der im Herbst zählt: „Trockenes Außenmaterial hält besser warm!“

Der Überschuh hält das Leder trocken und den Fahrtwind ab, und die Öffnung oben am Schaft deckt er gleich mit. Reicht dein Hosenbein im Sitzen nicht ganz über den Stiefel, ist ein hoher Überschuh ein einfacher Ausweg, solange das Hosenbein noch über seinen oberen Rand fällt.

Wenn die Membran nicht mehr dicht hält

Etwas Schweiß ist nach ein paar Stunden im Stiefel normal. Nass ist etwas anderes: Du könntest die Socke auswringen, obwohl das Hosenbein über dem Schaft lag und von oben nichts hineinlaufen konnte. Dann kommt das Wasser durch den Stiefel. Imprägnieren hilft dem Leder, eine undichte Membran macht es nicht wieder dicht. Bis neue Stiefel im Schrank stehen, hält ein Überschuh die alten noch eine Weile im Dienst.

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Regenhandschuhe über der Stulpe

An den Händen funktioniert es genauso. Ein wasserdichter Überzieher kommt über den Motorradhandschuh, den du sowieso trägst. Im Handel heißen solche Überzieher Regenhandschuhe oder Überziehhandschuhe. Bei vielen Modellen sitzt am Ende der Stulpe ein Kordelzug oder ein Stopper. Ein Hersteller schreibt, damit passe sich der Überzieher an die Jacke an. Er gehört also über die Stulpe deines Handschuhs und schließt am Ärmel, mit festgezogenem Kordelzug ohne Spalt.

Lang genug muss er dafür sein. Endet der Überzieher auf halber Stulpe, läuft das Wasser an seiner Kante hinein, und der Handschuh darunter wird doch nass. Nimm zur Anprobe die Handschuhe mit, über die er später soll, denn nach ihnen richtet sich die Größe.

Die zusätzliche Lage fühlt sich am Griff erst einmal fremd an. Für Halt am Lenker haben viele Modelle eine rutschfeste Innenhand, mit Patches oder einem Aufdruck aus Silikon. Probier vor der ersten Regenfahrt im Stand, ob du Kupplung und Bremse damit so fein dosierst wie ohne.

Der Beutel fährt immer mit

Regenüberschuhe helfen nur, wenn sie dabei sind, sobald der Regen kommt. Manche Modelle bringen dafür einen eigenen Beutel mit. Pack die Überschuhe zusammen mit den Überziehern für die Hände so, dass du sie erreichst, ohne das halbe Gepäck auszuräumen.

Anziehen solltest du sie beim ersten Regen, nicht erst, wenn das Wasser schon im Leder steht. Über einen nassen Stiefel gezogen, sorgt der Überschuh nur noch dafür, dass es nicht noch nasser wird. Lieber einmal zu früh in eine Parkbucht rollen als eine halbe Stunde zu spät.

Ein Nebeneffekt im Herbst: Mehrere Regenüberschuhe tragen reflektierende Streifen, zum Beispiel hinten an der Ferse. Die sieht im Scheinwerferlicht, wer im Dunkeln hinter dir fährt.

Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel ordnet die Lage allgemein und journalistisch ein (Stand: Oktober 2026). Er ist keine Rechtsberatung, und Einzelfälle können anders liegen. Welche Kleidung in der Fahrstunde und in der Prüfung als geeignet gilt, sagt dir deine Fahrschule.

Ein nasser Stiefel steht über Nacht kopf

Läuft doch Wasser hinein, gilt der Rat vom Anfang. Daytona schreibt: nasse Stiefel mit Zeitungspapier ausstopfen oder auf einem Spanner trocknen, bei Zimmertemperatur, nie auf der Heizung und nie in der prallen Sonne. Und dann mit der Sohle nach oben hinstellen. So komme die Feuchtigkeit zwischen den Schichten besser heraus, bei Stiefeln mit Membran das Wasser zwischen Futter und Obermaterial. Lehn sie dafür schräg an die Wand, damit die Öffnung am Schaft nicht flach auf dem Boden steht.

Hitze ist also der falsche Weg. Luft, die sich bewegt, beschleunigt das Trocknen auch ohne Wärme. Ein Hersteller von Schuhtrocknern bietet für empfindliche Materialien wie Leder Modelle an, die auch ohne zugeschaltete Hitze trocknen.

Lässt sich die Innensohle herausnehmen, trocknet sie neben dem Stiefel schneller. Das Papier tauschst du, sobald es sich nass anfühlt. Und den Überschuh hängst du ebenfalls auf, nass gehört er nicht zurück in den Beutel.

Ist der Stiefel wieder trocken, braucht das Leder eine Runde Pflege, weil der Regen Fett ausgewaschen hat. Für Stiefel mit Gore-Tex rät Daytona zu Mitteln mit wenig Fett und Öl, sonst leide die Atmungsaktivität. Was der Hersteller deines Stiefels zur Pflege schreibt, geht vor.

Am schnellsten trocken ist immer noch der Stiefel, der gar nicht erst nass wird. Steck die Überschuhe also wieder ein, sobald sie trocken sind, und leg den Beutel dorthin, wo er bei der nächsten Fahrt mitkommt.

❓ Häufige Fragen zu Regenüberschuhen

Sind Gummistiefel auf dem Motorrad erlaubt?

Gummistiefel sind auf dem Motorrad in Deutschland nicht verboten, die Straßenverkehrsordnung schreibt nur einen Helm vor. In einer Arbeitshilfe, die TÜV und DEKRA für Fahrschule und Prüfung geschrieben haben, stehen sie aber ausdrücklich bei den ungeeigneten Schuhen. Als geeignet gelten dort Stiefel aus festem Material mit rutschhemmender Sohle, die über den Knöchel reichen.


Was bringen Regenüberschuhe beim Motorradfahren?

Regenüberschuhe halten Regen und Spritzwasser vom Motorradstiefel fern, sodass er nach der Fahrt nicht erst trocknen muss. Bei Stiefeln ohne Membran schützen sie so auch den Fuß, bei Stiefeln mit Membran vor allem das Leder. Laut Daytona hält trockenes Außenmaterial außerdem besser warm.


Welche Größe sollten Regenüberschuhe haben?

Für Regenüberschuhe zählt die Größe des Stiefels, über den sie kommen. Oxford gibt dafür Bereiche an, für M etwa 41 bis 43. Liegt dein Stiefel zwischen zwei Größen, probier beide darüber an, denn überschüssiger Stoff vorn ist beim Schalten im Weg.


Stören Regenüberschuhe beim Schalten?

Regenüberschuhe machen die Stiefelspitze ein wenig dicker, und sie muss trotzdem locker unter den Schalthebel passen. Manche Hersteller verstärken ihre Modelle dort, wo der Hebel anliegt. Schalten, Bremsen und Absetzen probierst du vorher auf einem leeren Parkplatz.


Braucht ein Stiefel mit Membran noch Regenüberschuhe?

Ein Stiefel mit Membran hält den Fuß trocken, solange kein Wasser von oben in den Schaft läuft. Das Leder außen nimmt den Regen aber auf und braucht danach Zeit und Pflege. Auf langen Regenfahrten lohnt sich der Überzug also auch hier, besonders wenn das Hosenbein den Schaft nicht ganz bedeckt, über einen hohen Überschuh aber noch reicht.


Wie trocknet ein nasser Motorradstiefel am besten?

Ein nasser Motorradstiefel trocknet laut Daytona am besten bei Zimmertemperatur, ausgestopft mit Zeitungspapier und mit der Sohle nach oben. Ein Gebläse ohne Heizung macht es schneller. Heizkörper und pralle Sonne schließt der Hersteller aus, und nach dem Trocknen braucht das Leder Pflege.


Wie trage ich Regenhandschuhe über Handschuhen mit Stulpe?

Regenhandschuhe zum Überziehen kommen über den ganzen Motorradhandschuh und reichen bis auf den Jackenärmel. Dort ziehst du den Kordelzug oder Stopper am Ende fest, den viele Modelle haben. Ist der Überzieher zu kurz, findet das Wasser seinen Weg in den Handschuh darunter.

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