
Am ersten trockenen Samstag im März stehen die Stiefel noch da, wo sie im Oktober gelandet sind, in der Tüte neben der Kellertür. Der linke will nicht über die Ferse, das Leder am Knöchel ist steif geworden. Der Reißverschluss hakt auf halber Höhe.
Und als der Fuß endlich drin ist, steigt dir ein Geruch in die Nase, den du lieber nicht genauer kennen willst. Seit Oktober hat sich keiner um die Stiefel gekümmert. Genau das war das Problem.
Motorradstiefel reinigen und richtig einlagern geht am besten jetzt im Herbst, solange der Dreck der letzten Fahrt noch frisch ist. Die Arbeit selbst dauert einen Abend, den Rest erledigen Luft und Zeit. Und die Tüte neben der Kellertür brauchst du dafür nicht mehr.
Bevor Wasser ins Spiel kommt, nimmst du jeden Stiefel einmal in die Hand, drehst ihn um und schaust dir die Sohle an. Alpinestars zählt in einem Ratgeber für Motocross-Stiefel auf, worauf du dabei achtest. Dazu gehören eine Sohle, die sich an der Kante löst, ein abgelaufenes Profil, Risse, Schnallen, die nicht mehr sicher schließen, und Klett, der nicht mehr richtig greift.
Am Straßenstiefel kommen der Reißverschluss mit seinen Zähnen dazu und die Stelle oben am linken Vorfuß, wo der Schalthebel reibt. Ist das Leder dort schon dünn, fällt es dir spätestens beim Putzen auf.
Was dabei auffällt, gehört jetzt in die Reparatur und nicht erst im April. Im Winter vermisst du den Stiefel nicht, zum Saisonstart schon. Daytona etwa erneuert Sohlen, Reißverschlüsse und die Verstärkung für den Schalthebel und schickt die Stiefel nach zwei bis vier Arbeitswochen zurück. Und eine Sohle, die sich löst, wird beim Putzen und Trocknen sicher nicht fester.
Fang mit dem groben Dreck an, solange er nicht festgebacken ist. Angetrockneter Schmutz geht schwerer ab und kann das Material angreifen. Auch deshalb wartest du damit nicht bis zum Frühjahr. Staub, Insekten und Straßenschmutz kommen mit einem feuchten Tuch herunter. An der Sohle darf es kräftiger sein, im Profil sitzt der Dreck am festesten, und das Profil soll auf der Raste greifen. Für die Sohle nimmt der Motocross-Ratgeber eine harte Bürste, für den Rest eine weiche.
Hat dein Stiefel Schnallen, putzt du sie mit einer alten Zahnbürste und Seifenwasser und spülst die Seife danach gründlich ab. Mit der Zahnbürste kommt auch der Sand aus Klett und Haken.
Beim Leder selbst gehen die Hersteller auseinander. Daytona lässt ein Tuch oder eine Schuhbürste zu, solange sie nicht zu hart ist. Held empfiehlt für Leder eine weiche Bürste mit klarem Wasser. Dainese schreibt für seine Stiefel: nicht bürsten, nichts Scheuerndes, nur ein weiches, feuchtes Tuch, mit dem du sanft reibst.
Wer hat recht? Jeder für seinen eigenen Stiefel. Was für deinen gilt, steht in den Pflegehinweisen seines Herstellers, und die gehen jedem allgemeinen Rat vor. Ein weiches, feuchtes Tuch lehnt keiner von ihnen ab.
Den Hochdruckreiniger lässt du weg. Sein Strahl kann Wasser in Schnallen und Gelenke drücken und dem wasserdichten Futter zusetzen, Leder macht er laut Daytona außerdem brüchig. Auch die Waschmaschine ist raus, für Leder wie für Schuhe mit Membran, der wasserdichten Schicht zwischen Obermaterial und Futter.
Außen siehst du den Dreck, innen riechst du ihn. Eine Saison lang hat der Fuß im Stiefel geschwitzt, oft stundenlang, und nicht alle Feuchtigkeit ist wieder herausgekommen. In einem feuchten Innenleben wachsen Bakterien, und von ihnen kommt der Geruch.
Lässt sich die Innensohle herausnehmen, nimm sie heraus und schüttle sie aus. Ein fest eingebautes Futter wischst du mit einem feuchten Tuch und etwas milder Seife aus. Dabei merkst du auch, ob es an der Ferse durchgescheuert ist oder ob die Polster platt gedrückt sind. Beides gehört mit auf die Liste vom ersten Rundgang. Gegen den Geruch nennt der Motocross-Ratgeber ein antibakterielles Spray für Sportausrüstung, danach kommt Zeitungspapier in den Schaft, das du alle paar Stunden wechselst, bis alles trocken ist.
Hat dein Stiefel einen herausnehmbaren Innenschuh wie manche Motocross- und Endurostiefel, wäschst du ihn von Hand, lauwarm und mit einem milden Waschmittel. Zwischen Handtüchern ausdrücken statt auswringen, und zurück in den Stiefel kommt er erst ganz trocken.
Gore lässt Schuhe mit seiner Membran zum Reinigen sogar ganz untertauchen, verweist bei Lederschuhen aber auf die Pflegehinweise des Schuhherstellers. Die Stiefelhersteller selbst bleiben bei Tuch, Bürste und Wasser von außen. Ohne ausdrückliche Freigabe seines Herstellers tauchst du deinen Stiefel also nicht unter.
Nach dem Reinigen ist der Stiefel nasser als vorher, und die Versuchung ist groß, ihn über Nacht an den Heizkörper zu stellen. Er braucht aber Zeit: Für das vollständige Trocknen rechnet Alpinestars mit 24 bis 48 Stunden.
In dieser Zeit hilft vor allem Luft. Überschüssiges Wasser saugst du mit einem Tuch auf, dann kommt Zeitungspapier hinein, das du wechselst, sobald es nass ist. Die Stiefel stehen dabei an einem luftigen Platz, bei Alpinestars aufrecht und mit offenen Schnallen. Daytona stellt nasse Stiefel mit der Sohle nach oben, damit Nässe zwischen Futter und Außenleder leichter entweicht. Ein Ventilator, der Luft durch den Schaft bläst, macht es schneller, ebenso ein Schuhtrockner auf niedriger Stufe.
Direkte Hitze ist tabu, ob vom Heizkörper, aus der prallen Sonne oder vom Föhn. Der Wäschetrockner steht bei Alpinestars ebenfalls auf der Verbotsliste, samt Begründung: Hitze kann den Kleber lösen, der Sohle und Bauteile hält. Dazu altern die Polster, und das Material schrumpft. Ein Stiefel, der dabei Millimeter verliert, sitzt im nächsten Jahr anders.
Nass stehen lassen solltest du ihn aber auch nicht. Wer den feuchten Stiefel in den Schrank stellt, findet im März heraus, was dort über den Winter gewachsen ist.
„Leder braucht Fett.“ Den Satz hört jeder, der einmal einen Lederstiefel gekauft hat, und für Leder ohne Membran stimmt er im Kern. Held empfiehlt Pflegemittel, damit Leder keine Risse und keine spröde Oberfläche bekommt und nicht an Widerstandskraft und Wasserdichte verliert. Für Schutzkleidung ist die Widerstandskraft der Punkt, auf den es ankommt. Und das steife Leder am Knöchel aus dem März? Nass gewordenes Leder kann sich nach dem Trocknen so anfühlen, schreibt Dainese, und eine Pflege macht es wieder geschmeidig.
Steckt eine GORE-TEX-Membran im Stiefel, sieht die Sache anders aus. Daytona nimmt für solche Stiefel Mittel, in denen nur wenig Fett und Öl steckt, sonst leide die Atmungsaktivität. Gore nennt für die Imprägnierung von Schuhen mit seiner Membran ein Pumpspray auf Wasserbasis und schließt Imprägnierwachs und Fett aus, aus demselben Grund. Die Membran kann Feuchtigkeit nur abgeben, wenn das Leder darüber sie durchlässt, und eine dicke Schicht Wachs oder Fett macht es dichter.
Pflege kommt nur auf sauberes, trockenes Leder. Eine Imprägnierung lässt Daytona einen Tag einziehen, bevor glattes Leder mit einem weichen Tuch poliert und Rauleder noch einmal gebürstet wird. Auf die Sohle kommt nichts davon: Schutzmittel verringern dort laut Alpinestars die Haftung.
Beim Modell AC Classics GTX aus Nubukleder, einem angeschliffenen, samtigen Leder, nimmt Daytona die eigene Lederpflege und die eigene Imprägnierung ausdrücklich aus. Ein Mittel, das auf dem einen Stiefel richtig ist, passt also nicht automatisch auf den nächsten, auch wenn beide aus demselben Haus kommen. Was dann passt, weiß der Hersteller des Stiefels.
Ob die Imprägnierung noch wirkt, zeigt ein einfacher Test aus der Gore-Anleitung. Ein paar Tropfen Wasser auf das trockene Obermaterial: Perlen sie ab, ist alles gut. Zieht das Wasser ein, ist eine neue Imprägnierung fällig. Sonst fühlt sich der Schuh feucht und klamm an, als wäre er undicht, heißt es dort.
Damit der Reißverschluss im März nicht auf halber Höhe hakt, bekommt er vor dem Winter ein Gleitmittel, bei Daytona sogar alle paar Wochen. Das Mittel kommt direkt auf die Zähne, danach ziehst du ihn ein paar Mal auf und zu. Für ihn, und nur für ihn, lässt der Hersteller Druckluft zu: Ist er stark verschmutzt, pustest du ihn mit dem Kompressor oder einem Druckluftspray kurz durch.
Sauber und trocken sind die Stiefel jetzt. Wie sie im März aussehen, entscheidet der Platz, an dem sie die nächsten Monate stehen. In eine luftdichte Plastiktüte gehören sie nicht, Held schließt das für alle Lederprodukte aus. Plastik hält die Feuchtigkeit drinnen, und genau darin wächst, was dir im März in die Nase steigt.
Besser ist ein Beutel, der atmet, etwa aus Stoff, zur Not tut es ein alter Kissenbezug. In den Schaft kommen Stiefelspanner oder locker zusammengeknülltes Zeitungspapier, damit er seine Form behält. Die Stiefel stehen aufrecht, damit der Schaft keine Knicke bekommt, die Schnallen, wenn es welche gibt, halb offen, damit die Riemen nicht unter Spannung überwintern, und obendrauf liegt nichts Schweres.
Auf den nackten Betonboden stellst du sie besser nicht, Beton kann Feuchtigkeit weiterleiten. Ideal sind laut Alpinestars 15 bis 25 Grad und 40 bis 60 Prozent Luftfeuchtigkeit, fern von großer Hitze und Kälte. Eine unbeheizte Garage ist im Januar meist deutlich kälter, ein trockener Abstellraum in der Wohnung liegt oft näher dran.
Benzinkanister und Lösungsmittel gehören nicht daneben. Steht der Beutel im Keller oder in der Garage, schaust du ab und zu kurz nach Schimmel, Geruch und Schädlingen. Wer seine Motorradstiefel so gereinigt, getrocknet und gelagert hat, ist mit diesem Blick schnell fertig.
Held gibt auf seine GORE-TEX-Stiefel eine erweiterte Garantie von fünf Jahren. Dafür meldest du die Stiefel über ein Formular auf der Herstellerseite an, und im Garantiefall gehst du zu dem Händler, bei dem du sie gekauft hast. Ausgenommen sind unter anderem Schäden durch unsachgemäße Behandlung oder Pflege. Was für deinen Stiefel gilt, steht in den Garantiebedingungen seines Herstellers.
„Unsachgemäß“ klingt abstrakt. Was ein Hersteller unter richtiger Pflege versteht, steht in seiner Pflegeanleitung. Ein paar Punkte tauchen in mehreren davon auf: kein Hochdruck, keine Heizung, keine Waschmaschine, kein Wachs auf den Membranstiefel.
Die meisten Stiefel überstehen einen Winter in der Ecke. Den fünften vielleicht nicht mehr.
Womit reinige ich Motorradstiefel aus Leder?
Motorradstiefel reinigst du von außen mit einem weichen, feuchten Tuch, an der Sohle auch mit einer festeren Bürste. Ob eine weiche Bürste aufs Leder darf, sehen die Hersteller verschieden: Daytona und Held erlauben sie, Dainese nicht. Ein Hochdruckreiniger bleibt weg, er macht Leder brüchig.
Wie bekomme ich den Geruch aus Motorradstiefeln?
Gegen Geruch im Motorradstiefel hilft zuerst Trockenheit, denn er entsteht durch Bakterien im feuchten Innenleben. Herausnehmbare Sohlen und Innenschuhe kommen heraus, ein festes Futter wird mit milder Seife feucht ausgewischt. Dazu kommen ein antibakterielles Spray für Sportausrüstung und Zeitungspapier, das regelmäßig gewechselt wird.
Dürfen Motorradstiefel in die Waschmaschine?
Motorradstiefel gehören nicht in die Waschmaschine. Gore schließt sie für Schuhe mit seiner Membran aus, Held für Lederprodukte, auch das Schleudern. Gereinigt wird von Hand, außen mit Tuch oder weicher Bürste, je nach Hersteller.
Wann sind gewaschene Motorradstiefel wieder trocken?
Bis ein frisch gereinigter Motorradstiefel ganz trocken ist, vergehen laut Alpinestars 24 bis 48 Stunden. Frisches Zeitungspapier, ein Ventilator oder ein Schuhtrockner ohne viel Wärme verkürzen die Zeit. Auf die Heizung gehört er auch dann nicht, wenn es eilt.
Welche Pflege brauchen Motorradstiefel mit Membran?
Bei Motorradstiefeln mit GORE-TEX-Membran kommt nur Pflege mit wenig Fett und Öl aufs Leder, rät Daytona, damit die Membran atmen kann. Für die Imprägnierung nennt Gore ein Pumpspray auf Wasserbasis und schließt Wachs und Fett aus. Ob sie noch wirkt, zeigen Wassertropfen auf dem trockenen Leder: Sie müssen abperlen.
Wo überwintern Motorradstiefel am besten?
Motorradstiefel überwintern sauber, ganz trocken und in einem atmungsaktiven Beutel, nicht in einer luftdichten Plastiktüte. Zeitungspapier oder Spanner halten die Form, und der Platz sollte erhöht, kühl und trocken sein. Alpinestars nennt 15 bis 25 Grad und rät, einmal im Monat nach Schimmel zu sehen.
Gilt die Garantie auch bei falscher Pflege?
Schäden durch falsche Pflege schließen manche Hersteller ausdrücklich von der Garantie aus. Held etwa nimmt Schäden aus, die durch falsche Behandlung oder Pflege entstanden sind, auch bei der Fünf-Jahres-Garantie für seine GORE-TEX-Stiefel. Für deinen Stiefel gelten die Bedingungen seines Herstellers.
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