
Ein mittleres Naked Bike ist laut Datenblatt rund 80 Zentimeter breit, eine große Reiseenduro kommt auf über 90. In der Garage steht die Maschine aber schräg auf dem Seitenständer, der Lenker ragt zur Seite, und links daneben brauchst du Platz zum Absteigen.
Solange ein Motorrad neben dem Auto steht, geht das irgendwie. Kommt ein zweites dazu, beginnt vor jeder Ausfahrt das Schieben: die eine Maschine raus, damit die andere vorbeikommt, manchmal auch das Auto. Ob alle drei Fahrzeuge einen festen Platz bekommen, entscheiden oft ein paar Zentimeter und die Frage, worauf die Motorräder stehen.
Bevor du irgendetwas kaufst, nimmst du das Maßband und misst der Reihe nach:
Stell dir eine Africa Twin neben einer MT-09 vor. Honda gibt die eine mit 96 Zentimetern Breite an, Yamaha die andere mit 82. Aufrecht, genau nebeneinander und ohne einen Zentimeter Luft brauchen die beiden also schon 1,78 Meter. Auf den Seitenständern lehnen sie zur Seite, und Platz zum Absteigen ist dann noch keiner dabei.
Erst wenn deine vier Maße auf dem Zettel stehen, lohnt der Blick auf Wippen, Platten, Rollen und Ständer. Jede dieser Lösungen spart Platz auf eine andere Art, und nicht jede passt zu jedem Motorrad.
Eine Radwippe ist eine Halterung für das Vorderrad, manche nehmen auch ein Hinterrad auf. Du schiebst das Rad hinein, die Wippe hält es fest, und das Motorrad steht senkrecht. Der Seitenständer bleibt oben. Damit fällt die Schräglage weg, und die Maschine kann näher an die Wand oder an das zweite Motorrad heran, als es auf dem Seitenständer ginge.
Die Grundfläche einer Wippe ist schmaler als das Motorrad: Drei Wippen von Acebikes und ConStands sind laut ihren Herstellern 52 bis 61 Zentimeter breit. In die kleine von Acebikes passen Räder von 15 bis 19 Zoll mit 90 bis 130 Millimetern Reifenbreite, in die große auch 21-Zoll-Räder und Reifen bis 200 Millimeter. Die Wippe von ConStands nimmt Räder von etwa 15 bis 21 Zoll auf, bei 90 bis 180 Millimetern Breite.
Welche davon zu deinem Motorrad passt, verrät die Reifenflanke. Auf dem Vorderreifen der MT-09 steht 120/70 ZR17, also 120 Millimeter Breite und 17 Zoll, damit passt sie in alle drei. Die Africa Twin rollt in der Grundversion vorn auf 21 Zoll, für die kleine Wippe ist das zu groß. Mit den Zahlen deines eigenen Reifens gehst du genauso an die Datenblätter.
Auf dieselben Maße stellst du die Wippe später ein. Platz braucht sie selbst ebenfalls: 60 bis 70 Zentimeter in der Tiefe, auch wenn das Motorrad unterwegs ist.
Gummifüße halten die Wippen beider Hersteller an ihrem Platz, in der Garage steht die Wippe also frei auf dem Boden. Fest montierte Ausführungen gibt es für den Transport. Schieb das Rad gerade hinein, damit es sauber sitzt. Beim Herausziehen kann der Reifen laut Acebikes leicht in der Wippe kleben, dann lockerst du ihn vorher mit kleinen Bewegungen zur Seite.
Auf einer Rangierplatte steht das Motorrad auf seinem Hauptständer, der es senkrecht hält. Die Platte selbst ist ein flacher Wagen mit Rollen. Ist das Motorrad aufgebockt, schiebst du es zur Seite oder drehst es, ohne zu fahren.
ConStands gibt für seine kleine Platte 41,5 mal zehn Zentimeter Auflagefläche und bis 300 Kilo Tragkraft an und sieht sie auch zum Abstellen über den Winter vor. Acebikes nennt für seine Platte 49 mal 85 Zentimeter und bis 450 Kilo. Beide sind ausdrücklich für Motorräder mit Hauptständer gebaut.
Gerade steht die Maschine schon durch den Hauptständer. Platz bringt die Platte, weil du das Motorrad damit quer in eine Ecke schieben kannst, in die du nie hineinfahren würdest. Dafür sollte der Boden glatt sein.
Was sich leicht in jede Richtung schieben lässt, rollt auch, wenn du es nicht willst. Schon beim Aufbocken kann die Platte unter dem Ständer wegrollen, ein Keil vor den Rollen hält sie fest. Mehr Kraft brauchst du dabei auch, weil der Ständer auf der Platte ein Stück höher steht. Und auf einem Gefälle macht sich die Maschine selbstständig: Eine Garage, deren Boden zum Tor hin abfällt, ist für eine Platte ohne Bremse der falsche Ort.
Nur hat längst nicht jedes Motorrad einen Hauptständer. Die MT-09 etwa hat keinen. Für Arbeiten, bei denen sie sicher und senkrecht stehen muss, rät Yamaha zu geeigneten Montageständern, die das Motorrad vorn oder hinten anheben. Für solche Motorräder fällt die Platte weg.
Für Maschinen ohne Hauptständer gibt es Rollbretter, die das Motorrad unter beiden Rädern anheben, und Schienen mit einer Wippe vorn. Acebikes bietet sein Rollbrett in drei Größen an, für 275, 300 und 450 Kilo. Jede deckt beim Radstand, also dem Abstand zwischen den Radachsen, nur eine bestimmte Spanne ab. Auch die Länge ist begrenzt: Die kleinste nimmt Motorräder bis 210 Zentimeter, die größte bis 250.
Gebaut ist das Rollbrett laut Hersteller nur zum Rangieren. Über längere Zeit soll das Motorrad nicht angehoben darauf stehen: Nach dem Rangieren löst du den Hebel und senkst es wieder auf den Boden ab. Für die erste Einstellung und Bedienung rät er zu zwei Personen.
Die Rangierschiene von ConStands trägt laut Hersteller bis 450 Kilo, hat Bremsrollen und eine Wippe für Vorderräder von 15 bis 21 Zoll, hinten passen Reifen bis 200 Millimeter Breite. Gedacht ist sie auch zum Parken. Weil beide Räder auf ihr stehen, spart sie keine Länge, aber sie macht die Maschine seitlich beweglich.
Für den Kauf zählen drei Zahlen aus deiner Anleitung: Gewicht, Radstand und Länge. Die MT-09 passt mit 2,09 Metern gerade noch auf das kleinste Rollbrett, die Africa Twin mit über 2,30 Metern erst auf das größte. Ist dein Motorrad schwerer oder länger, als der Hersteller zulässt, oder liegt sein Radstand außerhalb der Spanne, ist das Thema erledigt, bevor das Paket kommt.
Hebst du das Motorrad vorn und hinten auf zwei Montageständer, steht es ganz ohne Rollen senkrecht und braucht keine Breite für die Schräglage. Bewegen lässt es sich so kaum, aber über den Winter bleibt es an seinem Platz. Wer im Herbst sowieso aufbockt, gewinnt die Zentimeter gleich mit.
Beides zusammen, gerade stehen und rangieren, kann ein Montageständer, der das Motorrad in der Mitte anhebt. Im Handel heißt er meist Zentralständer. Angesetzt wird er über einen Adapter, der zum jeweiligen Modell passt. Auf seinen Rollen lässt sich das Motorrad dann bewegen, und über den Winter darf es darauf stehen bleiben. Für die MT-09 gibt es so einen Adapter. Ob einer zu deiner Maschine passt, verrät die Liste des Ständerherstellers.
Welche Lösung zu dir passt, hängt an zwei Fragen. Hat dein Motorrad einen Hauptständer, und musst du es in der Garage bewegen?
Mit Hauptständer brauchst du die Platte nur zum Rangieren. Ohne Hauptständer rangierst du mit der Schiene, auf der es auch parken kann, oder mit dem Rollbrett, auf dem es nicht stehen bleiben soll. Rangieren und parken kann auch der Montageständer für die Mitte, wenn es einen Adapter für dein Modell gibt. Soll es nur gerade und schmal stehen, reicht die Wippe, sofern Rad und Reifen passen, über den Winter auch ein Paar Montageständer.
Am wenigsten Platz nimmt ein Motorrad ein, wenn es gerade auf Ständern steht, und viele Anleitungen lassen es für den Winter anheben, bis beide Reifen frei sind. Bei Honda trägt es dann ein Wartungsständer oder der Hauptständer mit einer Stütze darunter.
Mit zwei Montageständern gilt fast immer: erst hinten, dann vorn. Hebst du die Front zuerst an, solange das Motorrad noch auf dem Seitenständer lehnt, kann es umfallen. KTM schreibt diese Reihenfolge für die 390 Duke vor, und BMW will die F 900 GS von 2023 sicher auf einem zweiten Ständer sehen, bevor der Vorderradständer drankommt. Unter beide Ständer gehört fester, ebener Boden.
Sicherheitshinweis: Ein Motorrad, das von einer Platte rollt oder vom Ständer kippt, fällt mit seinem ganzen Gewicht. Füße und Hände gehören nicht unter die aufgebockte Maschine. Ständer und Rangierhilfen sind fürs Motorrad gebaut, nicht für jemanden obendrauf. Deshalb setzt sich niemand auf eine Maschine auf Ständern, auch kein Kind.
Die breiteste Stelle eines Motorrads sitzt meist oben, an Lenker und Spiegeln. Stellst du zwei Maschinen genau nebeneinander, stoßen die Lenker zusammen, lange bevor sich Tank und Motor nahekommen. Versetzt du die eine um etwa eine halbe Länge nach vorn, steht der Lenker der hinteren neben dem Heck der vorderen, und beide rücken zusammen. Mit breiten Seitenkoffern liegt die breiteste Stelle allerdings hinten, dann bringt das Versetzen weniger.
Ganz ohne zusätzliche Tiefe kommst du aus, wenn du eine der beiden rückwärts hineinschiebst. Dann steht ihr Lenker neben dem Heck der anderen. Schaust du vom Tor in die Garage, gehört die rückwärts geparkte nach rechts: Ihr Seitenständer steht dann auf deiner rechten Seite, und beide Maschinen lehnen nach außen, voneinander weg. Zwischen ihnen brauchst du so keinen Platz zum Absteigen. Rückwärts schieben ist Arbeit, auf einem ansteigenden Boden erst recht.
Schmaler wird ein Motorrad auch mit eingeschlagenem Lenker. Je weiter du einschlägst, desto weniger ragt er zur Seite, dafür steht ein Griff weiter vorn. Fürs Lenkschloss drehst du ihn ganz zur Seite, bei den meisten Motorrädern nach links.
Steht eine der beiden Maschinen in einer Wippe, kann sie näher an die andere heran, weil sie nicht zur Seite lehnt. Fast jedes Motorrad lehnt auf dem Seitenständer nach links, die Wippe gehört deshalb rechts daneben, und links bleibt Platz zum Absteigen. Bei den beiden vom Anfang kommt die MT-09 in die Wippe, sie passt in jede der drei. Die Africa Twin steht links daneben und lehnt von ihr weg. Und klapp die Spiegel der inneren Seite weg, bevor sie den Lack der anderen finden.
Beim Versetzen stellst du das Motorrad, das du öfter fährst, näher ans Tor. Dann kommt es heraus, ohne dass du das andere bewegen musst.
Steht alles, markier dir die Stellen von Wippe und Rädern mit einem Streifen Klebeband auf dem Boden. Dann findet jedes Motorrad seinen Platz auch nach einer langen Tour beim ersten Versuch.
Wie breit steht ein Motorrad auf dem Seitenständer?
Ein Motorrad auf dem Seitenständer braucht mehr Platz als die Breite im Datenblatt, weil es zur Seite lehnt und der Lenker dabei weiter hinausragt. Gängige Naked Bikes, Tourer und Reiseenduros sind laut Datenblatt etwa 78 bis 96 Zentimeter breit, auf dem Ständer kommt durch die Schräglage etwas dazu. Links daneben brauchst du außerdem Platz zum Absteigen.
Spart eine Radwippe Platz in der Garage?
Eine Radwippe spart Platz, weil das Motorrad darin senkrecht steht und nicht wie auf dem Seitenständer zur Seite lehnt. Am Boden nehmen die Modelle von Acebikes und ConStands 52 bis 61 Zentimeter in der Breite und 60 bis 70 in der Tiefe ein. Passen müssen Felgendurchmesser und Reifenbreite, beide stehen auf der Reifenflanke.
Funktioniert eine Rangierplatte ohne Hauptständer?
Eine Rangierplatte ist für Motorräder mit Hauptständer gebaut, die Maschine steht mit dem Ständer darauf. Ohne Hauptständer bleiben zum Rangieren Rollbretter, die beide Räder anheben, eine Schiene mit Wippe für das Vorderrad oder ein Montageständer mit Rollen für die Mitte. Für Rollbrett und Schiene zählen Gewicht, Radstand und Länge, für den Montageständer ein Adapter, der zu deinem Modell passt.
Wie schwer darf ein Motorrad auf einer Rangierhilfe sein?
Die zulässige Last einer Rangierhilfe nennt ihr Hersteller, bei den Modellen von Acebikes und ConStands liegt sie zwischen 275 und 450 Kilo. Vergleiche sie mit dem Gewicht aus deiner Bedienungsanleitung, vollgetankt und mit allem, was dauerhaft am Motorrad hängt, etwa Koffern.
Wie bocke ich ein Motorrad mit zwei Montageständern auf?
Mit zwei Montageständern hebst du fast immer zuerst das Heck an und danach die Front, so verlangt es etwa KTM für die 390 Duke. BMW lässt die F 900 GS von 2023 erst sicher auf einem anderen Ständer stehen, bevor der Vorderradständer drankommt. Maßgeblich ist deine Anleitung, und unter die Ständer gehört fester, ebener Boden.
Wie stelle ich zwei Motorräder platzsparend nebeneinander?
Zwei Motorräder brauchen nebeneinander weniger Platz, wenn eines etwa eine halbe Länge weiter vorn steht oder rückwärts eingeparkt ist, sodass die Lenker nicht auf einer Höhe liegen. Ein eingeschlagener Lenker spart Breite. Hast du eine Wippe, stellst du die Maschine darin dicht neben die andere, und die zweite lehnt auf ihrem Seitenständer nach außen.
0 Stimmen: 0× Daumen hoch, 0× Daumen runter (0 Punkte)






