Dein Motorrad auf der Fähre steht besser auf dem Seitenständer als auf dem Hauptständer

Auf dem Fahrzeugdeck gehört die Maschine auf den Seitenständer, auch wenn sie einen Hauptständer hat. So steht sie auf drei festen Punkten und kommt bei Seegang nicht ins Wackeln.

Zu Hause ist es oft umgekehrt: Für die lange Pause kommt das Motorrad auf den Hauptständer, weil es dort aufrecht steht und am sichersten wirkt. Zurrst du dein Motorrad auf der Fähre zum ersten Mal selbst fest, nimmst du diese Gewohnheit gern mit an Bord.

Mit dem Ständer allein ist es aber nicht getan. Dazu gehören Gurte, ein eingelegter Gang, ein Kabelbinder am Bremshebel und ein Griff zum Seitenschneider, bevor es wieder hinausgeht. Der Ablauf beginnt deshalb schon zu Hause und endet erst, wenn du die Rampe wieder hinunterrollst.

Warum der Seitenständer an Bord besser steht

Der Rat stammt vom ADAC, aus seinen Tipps für die Fähre vom Mai 2026. Das Abstellen auf dem Seitenständer sei generell besser als auf dem Hauptständer, heißt es dort, weil das Fahrzeug dann drei feste Auflagepunkte habe und nicht ins Wackeln kommen könne. Die drei Punkte sind die beiden Reifen und der Fuß des Seitenständers, und der Gurt über der Sitzbank zieht die Maschine von oben auf diese Punkte.

Zum Hauptständer nennt der Club gleich den Gegenfall. Steht die Maschine darauf, soll ein Keil unter den Freiraum des Vorderreifens, damit sie nicht kippt. Der aufrechte Stand, der in der Garage beruhigt, ist auf einem Schiff, das sich bewegt, also die unruhigere Stellung.

Auch auf dem Seitenständer hält sich die Maschine bei Seegang nicht von allein. Nötig sind ein Gurt, der sie in den Ständer drückt, und die Hauptsicherung mit Gurten zu den Ösen im Deck. Die Reedereien selbst sagen zum Ständer wenig. Stena Line beschreibt in ihren Antworten für Motorradfahrer einen Gurt über den Sitz zu zwei Zurrpunkten im Deck, ohne ein Wort zur Stellung der Maschine.

Was du schon zu Hause vorbereitest

Ob es an Bord Gurte gibt, entscheidet die Reederei. Einige stellen Spanngurte und Schutzmaterial, andere nicht. Corsica Ferries schreibt, die Fährgesellschaften stellten in der Regel die nötige Ausrüstung, rät aber trotzdem, ein paar zusätzliche Spanngurte mitzunehmen. Der ADAC wird deutlicher: Besser sind mindestens zwei eigene Zurrgurte und etwas Schutzmaterial als Unterlage.

Vor der Reise prüfst du die Gurte auf Beschädigungen und übst einmal, wie die Ratsche auf- und zugeht. Dann schaust du dir an deinem Motorrad an, wo die Gurte halten können. Merk dir dabei auch Teile, die ein Gurt nicht abklemmen soll, und Kanten, an denen er scheuern würde. Für solche Stellen reichen Stoffreste oder ein altes Handtuch.

Welche Teile an deiner Maschine tragen, hängt vom Modell ab. Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch. Und plane die Wege der Gurte so, dass keiner am Auspuff anliegt. Auspuffrohr und Schalldämpfer sind auch direkt nach dem Abstellen noch sehr heiß, davor warnt etwa Kawasaki. Ein großer Gurthersteller gibt für seine Zurrgurte aus Polyester höchstens plus 100 Grad an.

Klappt dein Seitenständer von selbst ein, sobald die Maschine aufrecht steht, brauchst du einen weiteren Gurt. Er wird durch das Vorderrad gefädelt und bindet den Ständer nach vorn, damit er an Bord nicht hochklappt.

Auch für die Vorderradbremse brauchst du einen Plan. Nimmst du einen Kabelbinder, gehört ein kleiner Seitenschneider dazu, sonst wird das Lösen am Ende mühsam. Ein Gummi oder ein kleiner Gurt tun es auch.

Bleibt das Gepäck für die Zeit an Bord. Was du auf der Überfahrt brauchst, verstaust du so, dass du gut herankommst. Bei Grimaldi Lines und Minoan Lines sind die Garagendecks während der ganzen Fahrt gesperrt. Was dann noch am Motorrad hängt, bleibt bis zur Ankunft unten.

Ohne Hast die Rampe hinauf

Vor dem Hafen noch einmal volltanken? Lieber nicht bis zum Rand. Der ADAC rät, möglichst nicht mit einem bis zur Oberkante gefüllten Tank auf die Fähre zu fahren, weil bei Seegang kleine Mengen Benzin auslaufen können. Und ein leichteres Motorrad lasse sich einfacher sichern.

Beim Beladen großer Seefähren kommen Motorräder meist ganz am Anfang oder ganz am Ende an die Reihe, und das Personal arbeitet oft unter Zeitdruck. Lass dich davon nicht hetzen. Die Decks sind häufig dick mit glatter Farbe lackiert und können mit Wasser und Öl darauf sehr rutschig sein. Fahr deshalb auf den geriffelten Spuren der Rampe, sie sind griffiger.

Die Rampe nimmst du am besten in einem Zug, wenn sie frei ist, und um einen besseren Platz drängelst du nicht. Halte Abstand zu Lkw, Gespannen und Wohnmobilen. Sie brauchen oft Raum zum Rangieren, und hinter ihnen verschwindet ein Motorrad schnell aus dem Blick. Welcher Platz deiner ist, sagt dir das Personal, im Zweifel fragst du nach.

Motorrad auf der Fähre sichern: der Ablauf an Bord

Die Handgriffe stammen aus der Liste des ADAC, in derselben Reihenfolge.

  1. Frag zuerst, ob du selbst Hand anlegen kannst, sollst oder musst. Das Hinschauen nimmt dir die Besatzung nicht ab. Traust du dir das Zurren nicht zu, hilft dir das Personal in der Regel gern.
  2. Stell die Maschine auf den Seitenständer und leg den ersten Gang ein. Grimaldi Lines verlangt, nach dem Parken an Bord einen Gang einzulegen. Hat dein Motorrad ein Doppelkupplungsgetriebe, schau ins Handbuch, ob der Gang hält. Bei der Africa Twin DCT rückt die Kupplung laut Honda beim Ausschalten im Gang automatisch aus, zum Parken soll dort die Feststellbremse angezogen werden. Ein selbst einklappender Ständer bekommt jetzt seinen Gurt durch das Vorderrad.
  3. Zieh die Vorderradbremse mit Kabelbinder, Gummi oder kleinem Gurt an. So halten Gang oder Feststellbremse das Hinterrad und die Bremse das Vorderrad. Hat die Maschine eine Alarmanlage, schaltest du sie aus, falls das geht.
  4. Verzurre die Maschine zwischen tragenden Abspannpunkten und den Bodenösen. Je nach Motorrad kommen Gabelbrücken, Lenker, Motorschutzbügel, Fußrastenausleger, Rahmenrohre oder Gepäckträger in Frage. Vorn ist für das Institut für Zweiradsicherheit die untere Gabelbrücke erste Wahl. Am Lenker bleibst du so nah wie möglich an der Gabel, weil sich die Enden breiter oder dünner Lenker verbiegen können. Die Gurte sollen gegen Öffnen gesichert sein, aber nicht überspannt.
  5. Leg einen Gurt quer über die Sitzbank, mit einer Unterlage darunter, damit er das Motorrad in den Seitenständer drückt. Der ADAC nennt ihn die Mindestsicherung. Stena Line nennt in ihren Antworten nur diesen einen Gurt, mit den Handschuhen als Unterlage. Ein altes Handtuch tut es genauso.
  6. Rüttle zum Schluss einmal kräftig an der Maschine. Der Wackeltest zeigt schnell, wo die Sicherung noch Lücken hat.

Zurrt die Besatzung, schaust du trotzdem hin

Ob du selbst zurrst, ist von Reederei zu Reederei verschieden. Bei Stena Line parken und sichern nach Erfahrung der Reederei die meisten Motorradfahrer lieber selbst, das Personal hilft auf Wunsch.

Ein Handbuch zur Ladungssicherung hat jedes Schiff, das Ladung befördert. Laut ADAC gehört es zur Zertifizierung, und darin stehen die Ladungsarten an Bord, Motorräder eingeschlossen, mit verschiedenen Sicherungen je nach Seegang. Geprüft wird es von einer Klassifikationsgesellschaft, also einer Prüforganisation für Schiffe. Bei Scandlines werden Motorräder nach Angaben der Reederei so gesichert, wie es dieses Handbuch vorgibt, auf eigens dafür eingerichteten Stellplätzen. Umgesetzt wird es laut ADAC aber von Land zu Land unterschiedlich.

Von den Fährbetreibern fordert der Club Gurte und Unterlagen in ausreichender Zahl, eine Besatzung, die das Verlaschen komplett übernimmt, und einen Hinweis vor der Einfahrt, wenn Passagiere selbst zurren müssen.

Setzt die Besatzung die Gurte, bist du trotzdem nicht nur Zuschauer. Leg deine Unterlagen an die Stellen, an denen ein Gurt scheuern würde, und zeig der Crew, wo nichts abgeklemmt werden soll, etwa an Leitungen und Zügen. Den Wackeltest machst du danach selbst, auch wenn die Crew gezurrt hat.

Mit Hauptständer braucht es einen Keil

Steht die Maschine auf dem Hauptständer, kommt laut ADAC ein Handgriff dazu: der Keil unter den Freiraum des Vorderreifens. Er soll verhindern, dass sie kippt. In der Packliste des ADAC für die Vorbereitung fehlt er. Ob an Bord einer bereitliegt, weiß das Personal.

Auch die Mindestsicherung passt dann nicht mehr ganz. Der Gurt über der Sitzbank soll das Motorrad nach dem Wortlaut des ADAC in den Seitenständer drücken. Auf dem Hauptständer gibt es diesen Gegenhalt nicht, die Gurte zu den Bodenösen braucht die Maschine erst recht.

Für diese Stellung nennt der ADAC nur diesen einen zusätzlichen Handgriff. Zu Hause ist ein Hauptständer ein Gewinn, etwa beim Kettenschmieren, an Bord nimmt er dir keine Arbeit ab. Beim Motorrad auf der Fähre bleibt der Seitenständer die Stellung, für die der Rest der Liste geschrieben ist.

Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel ordnet die Lage allgemein und journalistisch ein (Stand: Oktober 2026). Er ist keine Rechtsberatung, und Einzelfälle können anders liegen. Welche Regeln auf deiner Fähre gelten und was bei einem Schaden an Bord zu tun ist, sagen dir die Reederei und dein Versicherer.

Vor dem Abrollen kommt alles wieder ab

Kurz vor der Ankunft wird es auf dem Deck eng. Weil es beim Verlassen der Fähre zügig gehen muss, rät der ADAC, den Seitenschneider griffbereit in den Tankrucksack zu legen. Ganz unten im Koffer hilft er dir in diesem Moment nicht. Die Gurte löst du trotzdem erst, wenn das Schiff ruhig liegt.

Bevor du den Motor startest, machst du einen Rundgang um die Maschine. Die Zurrgurte kommen ab, dann der Gurt über der Sitzbank, der Gurt aus dem Vorderrad und zuletzt der Kabelbinder oder das Gummi am Bremshebel. Die Gurte rollst du auf und packst sie weg, statt sie lose über den Gepäckträger zu hängen, wo ein Ende in Kette oder Hinterrad geraten kann.

Erst danach sitzt du auf, ziehst die Vorderradbremse, richtest die Maschine mit dem rechten Fuß am Boden auf und klappst den Ständer mit dem linken ein.

Sicherheitshinweis: Bleibt ein Gurt im Vorderrad hängen, kann er beim Anrollen das Rad blockieren, und auf einer glatten Rampe ist das besonders gefährlich. Schalte vor dem Start in den Leerlauf, löse eine angezogene Feststellbremse und roll die Maschine im Sitzen ein Stück vor. Rollt sie leicht und ohne Widerstand, sind Bremse und Vorderrad frei.

Beim Abnehmen der Gurte siehst du dein Motorrad aus der Nähe. Ist dabei ein Schaden zu erkennen, der vorher nicht da war, meldest du ihn laut ADAC noch vor dem Verlassen der Fähre beim Personal. Fotografier den Schaden gleich, solange die Maschine noch an ihrem Platz steht.

❓ Häufige Fragen zum Motorrad auf der Fähre

Wie verzurre ich mein Motorrad auf der Fähre?

Zum Verzurren auf der Fähre brauchst du Gurte von tragenden Teilen des Motorrads zu den Ösen im Deck, je nach Maschine etwa von der Gabelbrücke oder vom Fußrastenausleger. Zusätzlich hält ein Gurt über der Sitzbank die Maschine auf dem Seitenständer, am besten mit einem Tuch darunter. Die Gurte sicherst du gegen Öffnen und überspannst sie nicht.


Ist der Seitenständer auf der Fähre besser als der Hauptständer?

Der Seitenständer ist auf der Fähre nach Einschätzung des ADAC generell die bessere Stellung. So ruht das Motorrad auf beiden Reifen und dem Ständerfuß und kann nicht wackeln. Kommt es doch auf den Hauptständer, gehört ein Keil unter den Freiraum des Vorderreifens, damit es nicht kippt.


Brauche ich eigene Zurrgurte für die Fähre?

Eigene Zurrgurte sind auf der Fähre kein Muss, aber eine gute Absicherung. Manche Reedereien stellen Gurte und Polstermaterial, andere nicht. Mit mindestens zwei eigenen Gurten und einer Unterlage bist du unabhängig davon, was an Bord bereitliegt.


Verzurrt die Besatzung mein Motorrad?

Ob die Besatzung dein Motorrad verzurrt, hängt von der Reederei ab. Bei Stena Line etwa sichern die meisten Motorradfahrer lieber selbst, und die Crew hilft, wenn du fragst. Der ADAC verlangt von den Fährbetreibern, dass ihr Personal das Sichern ganz übernimmt. Am besten fragst du beim Einweisen, ob du selbst Hand anlegen sollst.


Sollte der Tank auf der Fähre voll sein?

Ein randvoller Tank ist auf der Fähre keine gute Idee. Bei Seegang kann etwas Benzin herauslaufen, und ein leichteres Motorrad lässt sich einfacher sichern. Füll vor dem Hafen also nicht bis zur Oberkante.


Was mache ich mit einem Seitenständer, der von selbst einklappt?

Ein selbst einklappender Seitenständer braucht auf der Fähre einen eigenen Gurt. Er läuft durch das Vorderrad und hält den Ständer nach vorn. Vor dem Abrollen nimmst du diesen Gurt nach den anderen ab. Vergisst du ihn, kann er beim Anrollen das Rad blockieren.


Kann ich während der Überfahrt zu meinem Motorrad?

Zum Motorrad kommst du während der Überfahrt bei manchen Reedereien nicht, bei Grimaldi Lines und Minoan Lines etwa sind die Garagendecks für die ganze Fahrt gesperrt. Was du an Bord brauchst, nimmst du deshalb gleich mit nach oben. Pack es zu Hause so, dass du schnell herankommst.

Vorheriger Artikel

Nächster Artikel

Lade nächsten Beitrag...
Suche
Jetzt beliebt
Wird geladen

Anmeldung in 3 Sekunden …

Registrierung in 3 Sekunden …