Hecktasche und Gepäckrolle fürs Motorrad: Wasserdicht packen für die Tour

MotorradZoneMotorradZoneTipps & Ratgebervor 1 Stunde3 Aufrufe

Der erste eisige Tropfen knallt auf dein Visier, Sekunden später schüttet es wie aus Eimern. Du rollst rechts ran, ziehst fluchend, aber routiniert die Regenkombi über und fährst weiter. Du selbst sitzt trocken. Nur ein Gedanke bleibt: Halten Gepäckrolle und Hecktasche hinten auf dem Soziussitz auch dicht? Über dem Alpenpass steht die Wand aus schwarzen Wolken noch die nächsten zwei Stunden, der Asphalt wird glatt, die Sicht schlecht – und in deinem Sack liegt alles, was den Abend rettet.

Nichts ruiniert einen hart verdienten Abend im Zelt oder im Hotelzimmer schneller als ein klatschnasser Daunenschlafsack oder feuchte Unterwäsche. Wenn du nach 400 Kilometern im Dauerregen durchgefroren absteigst, willst du Wärme und Komfort. Keine muffige Tropfsteinhöhle in deinem Gepäck.

Gepäckrollen und Hecktaschen sind der Inbegriff von puristischem Motorradreisen. Du brauchst kein klobiges, schweres und teures Aluminium-Koffersystem, das dein Motorrad so breit macht wie einen Kleinwagen. Du brauchst keine hässlichen Rohrträgerkonstruktionen, die dein Bike im Alltag verschandeln. Einfach den Sack aufrödeln, festzurren und los. Doch diese vermeintliche Einfachheit hat ihren Preis. Wer falsch packt, den Verschluss unsauber rollt oder das falsche Abspannmaterial wählt, zahlt auf der Autobahn oder im nächsten Wolkenbruch heftiges Lehrgeld.

⚠️ Sicherheitshinweis: Schlecht gesichertes Gepäck auf dem Soziussitz oder der Gepäckbrücke kann während der Fahrt verrutschen, ins Hinterrad oder die Kette geraten und das Motorrad bei Landstraßentempo lebensgefährlich blockieren oder destabilisieren. Ein blockierendes Hinterrad bricht seitlich aus – und daraus wird sehr schnell ein Sturz.

Das Material-Versprechen: Warum „wasserabweisend“ eine dreiste Lüge ist

Lass uns direkt ehrlich sein, wenn es um die Versprechen der Zubehörindustrie geht: Wenn auf einer Hecktasche in der Beschreibung „wasserabweisend“ oder „Water Resistant“ steht, bedeutet das übersetzt für uns Motorradfahrer: „Bei leichtem Nieselregen hast du genau zehn Minuten Zeit, einen Unterschlupf wie eine Brücke zu finden, bevor alles unwiderruflich nass wird.“

Für die Tour zählt nur eine Eigenschaft: dicht bleiben, auch nach der vierten Stunde im Regen. Und das erkennst du nicht am Etikett, sondern an drei Dingen – sind die Nähte verschweißt oder genäht, schließt die Tasche per Rollverschluss oder per Reißverschluss, und was genau sagt der Hersteller in seiner Produktbeschreibung zu. Denn wasserdicht auf dem Motorrad ist physikalisch etwas völlig anderes als wasserdicht beim Wandern oder Radfahren.

Bei 120 km/h auf der Autobahn steht der Regen nicht mehr auf dem Gewebe, er wird dagegen gehalten – eine Stunde lang, zwei Stunden lang. Das ist kein senkrecht fallender Schauer mehr, sondern Dauerbeschuss von vorn: Jeder Tropfen trifft mit deinem eigenen Tempo auf. Die Wassertropfen werden förmlich mit Gewalt in jede Pore des Materials gepresst. Das erreichst du als Gegenwehr in der Regel nur mit maschinell verschweißten (nicht genähten!) Nähten und abriebfesten Materialien. Wir sprechen hier von beschichteten Planenstoffen wie dickem PVC, robustem Tarpaulin oder hochwertigem, umweltfreundlicherem TPU (Thermoplastisches Polyurethan).

Sobald eine Hecktasche klassisch mit Nadel und Faden genäht ist, ist sie eine tickende Schwachstelle. Jede Naht ist ein Loch im Material. Auch getapte Nähte (wie man sie von Zeltplanen kennt) geben irgendwann unter dem ständigen Druck des Fahrtwindes und den harten Vibrationen nach. Und noch weitaus schlimmer sind klassische Reißverschlüsse. Selbst dick gummierte „Aqua-Zips“ bleiben auf dem Motorrad auf Dauer eine Schwachstelle. Sobald sie ungeschützt dem frontalen Fahrtwind ausgesetzt sind, wird Wasser eindringen. Früher oder später.

Deshalb greifen erfahrene Biker auf das bewährte, fast uralte Konzept des Rollverschlusses (Roll-Top) zurück. Keine Reißverschlüsse, die durch Dreck verklemmen, ausreißen oder undicht werden. Nur robustes Planenmaterial, das am Ende mindestens dreimal stramm umgeschlagen und per simplem Klickverschluss (Fastex-Schnalle) gesichert wird. Das ist mechanisch simpel, kaum falsch zu machen und dicht – vorausgesetzt, du beherrschst die Technik. Genau darum geht es jetzt.

Die Kunst des Rollens: So bleibt das Wasser draußen

Eine Gepäckrolle ist immer nur exakt so wasserdicht wie ihr Verschluss. Der häufigste und fatalste Anfängerfehler? Die Tasche wird bis zum Anschlag vollgestopft, weil man unbedingt noch die dritten Ersatzschuhe und drei dicke Pullover mitnehmen will. Wenn du den Rollverschluss am Ende mit zitternden, kraftlosen Fingern nur ein einziges Mal knapp umschlagen kannst, ist die gesamte Tasche für den Regentrip nutzlos. Die physikalische Kapillarwirkung und der permanente Fahrtwind drücken das Wasser durch diesen winzigen, verbleibenden Spalt nach innen.

Faustregel beim Packen: Fülle die Hecktasche höchstens zu drei Vierteln. Du musst das überschüssige Material am Verschluss mindestens drei-, besser viermal straff und faltenfrei umschlagen können. Erst durch dieses mehrfache Übereinanderlegen des Materials entsteht der abdichtende, pressende Effekt, der auch tagelangem schottischem Dauerregen mühelos standhält.

Vor dem eigentlichen Rollen streichst du die gesamte überschüssige Luft aus dem Sack. Nichts ist nerviger und gefährlicher als eine prall aufgeblasene Gepäckrolle, die auf dem Soziussitz thront wie ein Gymnastikball. Sie lässt sich beim Verzurren nicht ordentlich an die flache oder geschwungene Form der Sitzbank anpassen, rutscht hin und her und bietet zudem dem Seitenwind eine riesige, völlig unnötige Angriffsfläche.

Ein kleiner Trick für hochwertige Rollen mit integriertem Entlüftungsventil: Setz dich kurz mit deinem Körpergewicht sanft auf die halb geschlossene Tasche, presse die Luft heraus, schließe das Ventil und rolle den Verschluss dann zu Ende. So erhältst du ein knüppelhartes, kompaktes Paket, das sich perfekt auf dem Bike in Form bringen lässt. Wenn du ins Gebirge fährst, bedenke auch den Luftdruck. Auf 2500 Metern bläht sich ein im Tal luftdicht verschlossener Sack stark auf. Lass also immer etwas „Atemraum“.

Innere Organisation: Zwiebelprinzip und Schutz vor spitzen Gegenständen

Wasserdichtigkeit beginnt nicht erst bei der Außenhülle, sie erfordert Disziplin im Inneren. Eine der größten Gefahren für deine wertvolle Gepäckrolle schlummert nämlich oft unbemerkt tief im Inneren: der spitze Aluminium-Campingkocher, die scharfe Kante des Laptops, das Multitool oder der Hering vom Zelt. Durch die enormen, ständigen Vibrationen des Motorrads (besonders bei Ein- oder Zweizylindern) scheuern diese harten Gegenstände von innen gegen die gespannte Außenwand. Eine unbemerkte Mikroläsion im TPU-Gewebe – und der Wassereinbruch auf der nächsten großen Regenetappe ist vorprogrammiert.

Packe spitze oder harte Gegenstände daher immer zentriert in die Mitte. Wickle sie in weiche Kleidung, in dein Mikrofaserhandtuch oder in den weichen Schlafsack ein. Das schützende Zwiebelprinzip gilt auch hier. Zudem hilft es enorm, Kleidung in kleinere, federleichte Kompressions-Drybags (aus dünnem Nylon) zu sortieren. Das hält nicht nur Ordnung im großen dunklen Sack, sondern bietet eine doppelte Sicherheitsbarriere gegen Wasser. Wenn du an das Ladekabel ganz unten heranmusst, wühlst du nicht im Chaos, sondern ziehst einfach drei farblich sortierte Beutel (z.B. rot für Technik, blau für saubere Wäsche, schwarz für Schmutzwäsche) heraus.

Bedenke auch das unterschätzte Thema Kondenswasser. Wenn du deine Rolle morgens bei 5 Grad im klammen Nebel packst und nachmittags bei 25 Grad in der prallen Sonne über den Asphalt fliegst, entsteht im Inneren der luftdichten Tasche Kondensfeuchtigkeit. Ein kleines Päckchen Silica-Gel (Kieselgel), wie man es oft in Schuhkartons findet, strategisch in die Tasche geworfen, saugt diese Feuchtigkeit zuverlässig auf, bevor deine frischen T-Shirts klamm riechen.

Gewichtsverteilung: Fahrphysik auf der Sitzbank verstehen

Ein prall gefüllter 50-Liter-Packsack wiegt mit Zelt, Isomatte, Kocher, Technik und Kleidung schnell 15 bis 20 Kilogramm. Dieses Gewicht sitzt jetzt weit oben und relativ weit hinten an deinem Motorrad. Das verändert den Schwerpunkt deiner Maschine grundlegend und verschiebt die Radlastverteilung dramatisch nach hinten. Dein Vorderrad wird dadurch spürbar leichter, das Einlenkverhalten in Kurven wird schwammiger, und die Front verliert den gewohnten, vertrauenerweckenden Bodenkontakt.

Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch. Besonders die maximale Zuladung (Fahrer, Sozius, Gepäck) und das zulässige Gesamtgewicht werden auf der großen Reise erschreckend schnell überschritten. Vergiss nicht, nach der Beladung die Federvorspannung an deinem hinteren Federbein entsprechend zu erhöhen (meist über ein Handrad oder einen Hakenschlüssel), damit das Motorrad nicht hinten tief einsackt, die Fahrwerksgeometrie ruiniert wird und der Scheinwerfer nachts den Himmel ausleuchtet.

Packe die wirklich schweren Gegenstände (Werkzeugrolle, Flüssigkeiten, Konserven) immer ganz nach unten in die Hecktasche, so nah an das Motorrad und den Schwerpunkt wie möglich. Und positioniere die gesamte Rolle so weit vorn wie es nur geht. Der Idealplatz ist der Soziussitz, direkt hinter deinem Rücken. Hier ruht das Gewicht zentral, beeinflusst die Hebelwirkung am wenigsten und das Gepäck fungiert auf langen Autobahnetappen sogar als angenehme, stützende Rückenlehne.

Und wenn hinten jemand sitzt? Dann fällt der Idealplatz weg, und die Rechnung sieht anders aus. Der Sozius wiegt ein Vielfaches deiner Gepäckrolle und sitzt genau dort, wo sie hingehört hätte. Was bleibt, ist die Gepäckbrücke oder ein Träger – also weiter hinten und weiter oben, das ungünstigste Eck. Deshalb bei zwei Personen: Volumen runter, das Schwere nach vorn in den Tankrucksack, Federvorspannung und Reifendruck an die Zuladung anpassen und die Restlast so flach und so weit vorn wie möglich halten. Und vorher einmal ins Handbuch schauen, wie viel überhaupt übrig bleibt – bei vielen Maschinen ist die Zuladung mit zwei Personen praktisch ausgereizt.

Je weiter das Gewicht über das Hinterrad oder gar hinter die Hinterachse hinausragt – etwa auf einem weit nach hinten stehenden Topcase-Träger -, desto länger wird der Hebel und desto unruhiger das Fahrverhalten. Typisch ist das Pendeln, im Fachjargon Weave: ein langsames Aufschaukeln des ganzen Fahrzeugs bei höherem Tempo, gern in langgezogenen Kurven. Das Lenkerschlagen, der Shimmy, ist ein anderes Phänomen – es kommt aus dem Vorderrad, tritt eher im mittleren Tempobereich auf und wird begünstigt, wenn die Front zu leicht wird. Schweres Gepäck weit hinten kann beides fördern: das eine über den Hebel, das andere über die entlastete Front.

Zurrgurte und Spanngummis: die Lebensversicherung für dein Gepäck

Jetzt kommt der kritischste Teil: die Befestigung am Fahrzeug. Vergiss klassische Gummi-Expander, also diese oft bunten Gepäckspinnen mit dicken Metallhaken aus dem Baumarkt. Als alleinige Sicherung sind sie die falsche Wahl, und dafür gibt es gleich drei Gründe. Die Metallhaken verkratzen den Lack. Das Gummi leiert durch UV-Strahlung, Hitze und Nässe schnell aus. Und bei der ersten harten Bodenwelle oder beim Überfahren eines Schlaglochs federt die 20-Kilo-Tasche nach oben, das Gummi dehnt sich abrupt, und die Tasche rutscht zur Seite weg. Gummi-Spannbänder haben als Hauptsicherung an einem fahrenden Motorrad nichts verloren.

Die Standardlösung vieler sicherheitsbewusster Biker sind einfache, statische Spanngurte mit Klemmschloss (keine riesigen Ratschen, die beschädigen das Material). Sie sind billig, ordentlich reißfest – die Bruchlast liegt je nach Ausführung bei mehreren hundert Kilo – und tun ihren Job. Aber sie haben einen entscheidenden Nachteil: Sie sind völlig starr. Setzt sich das weiche Gepäck während der Fahrt – weil die verbliebene Luft aus dem Schlafsack langsam entweicht oder die Tasche durch Vibrationen ihre Form leicht verändert – verliert der starre Gurt sofort seine Spannung. Die Tasche lockert sich unbemerkt. Du musst bei jedem Tankstopp rigoros prüfen und nachziehen.

Die praktischste Lösung für Tourenfahrer sind hybride Spanngurte: ein statischer Nylon-Zurrgurt mit einem kurzen, kräftigen Gummielement in der Mitte. Du ziehst den Gurt straff, das Gummi hält ihn dauerhaft unter Vorspannung. Wenn deine Gepäckrolle auf einer stundenlangen Schotterpiste im Piemont arbeitet und sich dabei ein Stück komprimiert, nimmt das Gummi diesen Weg auf, statt ihn als Lose im Gurt zu hinterlassen. Das Gepäck sitzt fest, ohne dass du an jeder Tankstelle nachziehen musst. Der Unterschied zeigt sich nicht am Morgen, sondern am dritten Tankstopp: Mit starren Gurten greifst du jedes Mal nach, mit hybriden greifst du gar nicht mehr hin.

Anschlagpunkte finden: Wo der Gurt wirklich hält und nichts zerstört

Die besten und teuersten Gurte bringen dir nichts, wenn du sie an den falschen Stellen deines Motorrads befestigst. Verkleidungen aus dünnem ABS-Plastik, zierliche LED-Blinkerarme, Auspuffhalterungen oder der filigrane, oft nachgerüstete sportliche Kennzeichenhalter sind Tabuzonen. Sie reißen unter der dynamischen Last des arbeitenden Gepäcks (beim scharfen Bremsen zerrt die Last zusätzlich nach vorn, mit annähernd ihrem eigenen Gewicht) einfach ab.

Suche akribisch nach massiven Rahmenteilen (Gitterrohrrahmen sind hier ein Segen), den soliden Haltegriffen für den Sozius oder speziellen, ab Werk verbauten Gepäckhaken. Auch die dicken Ausleger der Soziusfußrasten (sofern aus Metallguss) sind oft perfekte Verzurrpunkte, die die Kraft nach unten leiten. Bei Sportmotorrädern ohne Griffe hilft es oft, kleine Schlaufen (sogenannte Subframe-Loops) dauerhaft um den Heckrahmen unter der Sitzbank zu legen und diese bei Bedarf hervorzuholen.

Führe die Gurte idealerweise immer überkreuz (also in einer X-Form) über die Gepäckrolle. Das verhindert effektiv, dass sie beim scharfen Bremsen nach vorn oder beim starken Beschleunigen nach hinten unter den Gurten herausrutschen kann. Achte pingelig darauf, dass alle losen Gurtenden ordentlich aufgerollt, verstaut oder verknotet sind. Nichts darf im Fahrtwind wild flattern. Ein langes, im sich drehenden Hinterrad oder in der Antriebskette verfangenes Gurtband zieht dir im Bruchteil einer Sekunde das Heck weg und blockiert das Rad unvermittelt.

Und weil sich all das auf wenige Handgriffe eindampfen lässt, hier der Check, der vor jeder Abfahrt dran ist: an jedem Gurt einmal kräftig ziehen, alle losen Enden verstaut, nichts flattert. Mit der flachen Hand zwischen Tasche und Auspuff fahren – passt da noch Luft? Tasche seitlich anschieben: Wandert sie, ist sie zu locker. Dreißig Sekunden, jeden Morgen und nach jedem Tankstopp, an dem du etwas herausgeholt hast.

Ein letzter, teurer Tipp zum Schutz deiner Maschine: Wo Gurte und raue Hecktaschen auf den glänzenden, feinen Lack der Heckverkleidung treffen, entsteht durch feinen Straßenstaub und die hochfrequenten Vibrationen schnell fieser Abrieb. Das wirkt nach 500 Kilometern wie Schmirgelpapier. Klebe die Kontaktflächen vorher großzügig mit durchsichtiger Lackschutzfolie ab oder nutze ein großes Stück rutschfestes Gumminetz (Antirutschmatte für Kofferräume) als weiche, haftende Unterlage zwischen Sitzbank, empfindlichem Lack und rauer Tasche.

Modulare Systeme vs. der klassische, einfache Zylinder-Packsack

Der klassische, runde Zylinder-Packsack (oft liebevoll „Seesack“ genannt) ist der ungeschlagene Preis-Leistungs-Sieger. Für unter 30 Euro bekommst du robusten, wasserdichten Stauraum, der viele Jahre hält. Der gravierende Nachteil ist jedoch die lausige Organisation. Willst du am Nachmittag an das Taschenmesser, die Ersatzhandschuhe oder die Regenhose, die nach Murphys Gesetz natürlich ganz unten liegen, musst du den kompletten Sack im strömenden Regen am Straßenrand ausräumen und wieder einräumen.

Spezifische, moderne Motorrad-Hecktaschen, oft Tailbags genannt, sind deutlich teurer, aber viel cleverer aufgebaut. Sie haben eine vorgeformte, oft rechteckige Form, die wesentlich stabiler und flacher auf der Sitzbank ruht und deutlich weniger wackelt. Sie bieten Rollverschlüsse über die gesamte Längsseite, sodass du wie bei einer herkömmlichen Sport- oder Reisetasche bequemen Zugriff auf den kompletten Inhalt hast, ohne alles umzuwühlen.

Einige spezialisierte Hersteller bieten voll modulare, wasserdichte Systeme an. Hierbei ist die große Hecktasche die Basis auf dem Soziussitz. Über clevere, integrierte Steckverschlüsse lassen sich kleinere Zusatztaschen (5, 10 oder 20 Liter), Trinkflaschenhalter oder Werkzeugrollen außen anclipsen. Das ist logistisch perfekt, um etwa eine verdreckte Regenkombi, das nasse, klebrige Kettenfett oder schlammiges Werkzeug strikt getrennt vom sauberen, trockenen Schlafsack zu transportieren. Du bist flexibel – für den sportlichen Tagestrip am Wochenende nimmst du nur das flache 10-Liter-Modul, für den dreiwöchigen Nordkap-Trip packst du die vollen, kombinierten 60 Liter auf dein Bike.

Sicherheit und Diebstahlschutz auf der Tour

Ein oft vernachlässigter Aspekt bei weichem Gepäck (Soft-Luggage) ist die Sicherheit. Während Alukoffer verschließbar sind, lädt ein offener Rollsack am Supermarkt-Parkplatz Langfinger förmlich ein.

Gegen ein Messer ist eine Stofftasche machtlos, daran ändert kein Schloss etwas. Aber du kannst Gelegenheitsdiebe abschrecken. Nutze kleine Stahlnetz-Sicherungen aus dem Reisezubehör, die du über die Tasche ziehst und am Rahmen abschließt. Alternativ helfen lange Stahlkabelschlösser, die du durch die D-Ringe der Tasche (falls vorhanden), den Verschluss-Clip und den Motorradrahmen ziehst. Wenn jemand die Tasche abnimmt, kommt er zwar an den Inhalt, kann aber nicht einfach die ganze Tasche im Vorbeigehen mitnehmen. Nimm Wertsachen wie Kamera, Laptop oder Papiere bei jedem Stopp im Tankrucksack mit dir. Die Heckrolle ist nur für Kleidung, Zelt und Schlafsack.

Egal für welches Gepäck-System du dich am Ende entscheidest und wie viel Geld du in deine Ausrüstung investierst: Der wahre Luxus auf einer anspruchsvollen, langen Motorradreise ist nicht das klobige Aluminium-Koffersystem für tausend Euro, das dich durch die halbe Welt schaukelt. Der wahre Luxus ist der Moment, in dem du abends den Verschluss aufrollst und dir trockene Socken entgegenkommen. Egal, was der Himmel tagsüber gemacht hat.

Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel ordnet die Lage allgemein und journalistisch ein (Stand: August 2026). Er ist keine Rechtsberatung, und Einzelfälle können anders liegen. Wenn es bei dir konkret wird, frag eine Prüforganisation, deinen Versicherer oder einen Fachanwalt für Verkehrsrecht.

Vergiss am Ende der Planungstouren nie: Die Fahrt in den eiskalten Regen ist ein echter Teil des Abenteuers Motorradfahren. Wer sein Motorrad immer nur bei strahlendem Sonnenschein und perfekten 25 Grad aus der Garage holt, verpasst die besten, dramatischsten Wolkenstimmungen in den Alpen, völlig leere, traumhafte Landstraßen und den Moment, in dem du nach fünf Stunden Dauerregen die Hütte betrittst, die nassen Handschuhe auf die Heizung legst und die erste Tasse Kaffee in die Finger bekommst. Mit dem richtigen, wasserdichten Gepäck-Setup bist du nicht länger das frierende, jammernde Opfer des Wetters. Du bist mittendrin, und es kann dir völlig egal sein.

❓ Häufige Fragen zu Hecktaschen und Gepäckrollen

Welches Volumen sollte eine wasserdichte Hecktasche idealerweise haben?

Für einen einfachen Wochenendausflug ohne Campingausrüstung reichen meist kompakte 30 Liter völlig aus. Wenn du jedoch ein Zelt, einen dicken Schlafsack und Isomatte für eine längere Reise mitnimmst, solltest du direkt zu 50 oder 60 Litern greifen. Volumina über 60 Liter werden auf dem Motorrad schnell unhandlich, wackeln im Fahrtwind und gehen durch den hohen Schwerpunkt spürbar zu Lasten der Fahrstabilität.


Wie befestige ich eine Gepäckrolle am sichersten auf dem Motorrad?

Nutze ausschließlich feste Spanngurte mit starken Klemmschlössern oder noch besser: hybride Spanngurte, also Zurrgurte mit eingearbeitetem Gummielement. Kreuze die Gurte idealerweise in X-Form über der Tasche und befestige sie an massiven Rahmenteilen, Fußrastenauslegern oder Soziushaltegriffen. Vermeide einfache Gummi-Gepäckspinnen aus dem Baumarkt, da sie nicht dauerhaft straff genug sitzen und unvorhersehbar ausleiern.


Sind Reißverschlüsse an teuren Motorradtaschen wirklich 100% wasserdicht?

Nein, normale Reißverschlüsse sind konzeptionsbedingt nie komplett wasserdicht. Auch speziell gummierte Aqua-Zips halten normale Nässe zwar ab, kapitulieren aber oft bei stundenlangem Dauerregen in Kombination mit dem Druck des Fahrtwinds. Ein klassischer Rollverschluss aus dicker Lkw-Plane (Tarpaulin oder TPU) ist die zuverlässigste Konstruktion für lange Touren bei jedem Wetter.


Darf die beladene Gepäckrolle den Auspuff berühren?

Auf gar keinen Fall. Die heißen Abgase und das stark erhitzte Metall des Auspufftopfes schmelzen moderne Kunststoffgewebe wie TPU oder PVC in kürzester Zeit durch. Achte beim Verzurren auf mindestens 10 Zentimeter Luftabstand zum Auspuff und bedenke immer, dass die weiche Tasche während der holprigen Fahrt oft noch leicht nach unten sacken kann.


Kann man eine Gepäckrolle zur Not auch vorne auf dem Tank befestigen?

Kleine, schmale Gepäckrollen lassen sich theoretisch auch auf dem Tank festzurren, verdecken dort aber oft die Instrumente, stören den Fahrer in der Ergonomie oder schränken den Lenkeinschlag ein. Für den Tank gibt es spezielle, anatomisch vorgeformte Tankrucksäcke mit Riemen- oder Tankring-Befestigung, die viel sicherer und fahrstabiler zu montieren sind.


Wie oft muss der Rollverschluss umgeschlagen werden, damit er wirklich dicht ist?

Damit die Rolle auch starkem Spritz- und Fahrtwasser standhält, muss der obere Rand der Tasche mindestens drei-, idealerweise viermal straff und faltenfrei eingerollt und dann erst per Klickverschluss verschlossen werden. Stopfst du die Tasche zu voll und rollst sie nur ein- oder zweimal, drückt der Fahrtwind das Wasser durch den verbleibenden Spalt.


Wie sichere ich eine wasserdichte Gepäckrolle gegen Diebstahl?

Softbag-Gepäck lässt sich nie vollständig sichern, weil das Material mit einem Messer aufschlitzbar ist. Gegen Gelegenheitsdiebe helfen jedoch spezielle Stahlnetze aus dem Reisezubehör, die über die Rolle gezogen und am Rahmen verschlossen werden, oder lange Stahlkabelschlösser, die durch die Verzurrösen der Tasche und den Heckrahmen deines Motorrads geführt werden.

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