
Mit dem Motorrad unterwegs zu sein - das ist für viele mehr als nur Fortbewegung. Es ist Freiheit auf zwei Rädern, pures Loslassen. Kein Stau, kein Termindruck, kein festes Ziel. Nur du, dein Bike und der nächste Horizont. Und wenn dann noch ein Zelt hinten aufgeschnallt ist, wird aus der Tour Motorradcamping - ein echtes Abenteuer. Du fährst, wohin dich die Straße trägt, hältst dort an, wo die Aussicht dich fesselt, und schläfst genau dort, wo du den Sonnenuntergang sehen kannst. Das klingt nach Romantik pur - und ja, das ist es auch. Aber eben nur dann, wenn du weißt, was du tust.
Motorradcamping ist keine spontane Wochenendidee und auch kein improvisierter Trip nach Feierabend. Es ist eine ganz eigene Art zu reisen - reduziert, direkt, ehrlich. Du hast alles dabei, was du brauchst, aber keinen Platz für Überflüssiges. Du bist näher an der Natur, näher am Wetter, näher an dir selbst. Und das ist genau das, was den Reiz ausmacht.

Doch damit die Freiheit nicht im Regen oder im Chaos endet, braucht es etwas Vorbereitung. Eine gute Planung, das richtige Equipment und ein bisschen Know-how machen den Unterschied zwischen einer unbequemen Nacht im nassen Zelt und einer unvergesslichen Reise unter freiem Himmel. In diesem Guide erfährst du, wie du dein Motorradcamping so planst, dass es nicht nur funktioniert, sondern richtig Spaß macht - von der Zeltwahl bis zur perfekten Packordnung.
Dein Zelt ist weit mehr als nur ein Stück Stoff mit Stangen - es ist dein Rückzugsort nach einem langen Tag im Sattel, dein Schutz vor Wind und Wetter, dein kleines Zuhause unter den Sternen. Wenn du abends im Schlafsack liegst und der Regen gleichmäßig auf die Plane trommelt, dann weißt du, ob du die richtige Wahl getroffen hast. Genau deshalb ist das Zelt eine der wichtigsten Anschaffungen für Motorradreisende.
Für Touren auf zwei Rädern gilt: leicht, kompakt und wetterfest - das sind die drei Zauberworte. Ein gutes Motorrad-Zelt muss nicht groß, aber verlässlich sein. Besonders bewährt haben sich Tunnel- und Geodät-Zelte mit doppelter Wandkonstruktion: Innenzelt für Atmungsaktivität, Außenzelt für Regenschutz. Diese Kombination lenkt das Kondenswasser dorthin, wo es nicht stört: Die Feuchtigkeit, die du nachts ausatmest, schlägt sich an der Innenseite des Außenzelts nieder und läuft dort nach unten ab, statt auf deinem Schlafsack zu landen. Bei Einwandzelten fehlt dieser Umweg - dort ist die feuchte Überraschung am Morgen vorprogrammiert. Der zweite Teil der Lösung heißt lüften: Ein Zelt, das du abends komplett dichtmachst, weil es draußen frisch ist, ist morgens innen nass. Die Lüftungsöffnungen gehören offen, auch im Regen.
Achte außerdem auf den Aufbau: Ein freistehendes Zelt ist bei steinigem oder hartem Boden Gold wert, weil du es auch ohne Heringe aufstellen kannst. Für eine hundertprozentige Stabilität und bei Wind solltest du aber auch freistehende Modelle immer mit Heringen und Abspannleinen sichern. Wer oft in den Bergen oder im Ausland campt, wird diese Flexibilität zu schätzen wissen.
Ebenso wichtig ist die Packgröße. Am Motorrad gibt es keinen Stauraum, der einfach alles schluckt - jedes Teil muss sicher, vibrationsfest und an einem Punkt befestigt sein, der dafür vorgesehen ist. Idealerweise passt dein Zelt in eine wasserdichte Rolle (Dry Bag), die du quer über den Gepäckträger oder seitlich am Bike verzurrst. Zu zweit unterwegs? Dann nimm lieber ein Zwei-Personen-Zelt, selbst wenn es etwas größer ausfällt. Du wirst den zusätzlichen Platz für Helm, Stiefel und Kleidung spätestens dann schätzen, wenn das Wetter umschlägt.
Und noch ein Tipp aus der Praxis: Baue dein Zelt zu Hause einmal probeweise auf - am besten im Dunkeln. So weißt du unterwegs genau, wie alles funktioniert, wenn dich der Regen überrascht oder die Sonne schon längst untergegangen ist.
Wer beim Motorradcamping nur an harte Böden, kalte Nächte und unruhigen Schlaf denkt, hat wahrscheinlich mit der falschen Ausrüstung geschlafen. Komfort ist auch unter freiem Himmel möglich - es kommt nur auf das richtige Setup an.

Eine gute Isomatte oder Luftmatratze ist die halbe Miete - und du musst dich dabei längst nicht mehr auf Werbeworte verlassen. Seit Anfang 2020 messen die Hersteller die Dämmwirkung nach einem gemeinsamen Verfahren, dem R-Wert nach ASTM F3340-18. Die Matte wird dabei zwischen eine warme und eine kalte Platte gespannt, und gemessen wird, wie viel Energie nötig ist, um die warme Seite auf Temperatur zu halten. Je höher der R-Wert, desto besser hält die Matte die Bodenkälte draußen - und zwei nach dieser Norm geprüfte Matten sind direkt miteinander vergleichbar. Gängige Modelle bewegen sich etwa zwischen Werten knapp unter 1 und deutlich über 6: Das untere Ende reicht für laue Sommernächte im Flachland, wer im Frühjahr oder Herbst auf 1.800 Metern steht, greift weiter oben zu. Der Unterschied zu einer dünnen Schaumstoffmatte? Wie zwischen Parkbank und Hotelbett. Wer es etwas luxuriöser mag, kann auf ultraleichte Feldbetten für Motorradreisende zurückgreifen - sie sind zwar nicht winzig, aber überraschend kompakt und sorgen für einen ruhigen Schlaf, weit weg vom feuchten Boden.
Beim Schlafsack solltest du nie am falschen Ende sparen. Auch im Hochsommer kann es in den Bergen empfindlich kühl werden, und das ist keine Frage des Pechs, sondern der Höhe: Pro 100 Meter Anstieg sinkt die Lufttemperatur grob um ein halbes bis ein ganzes Grad. Was im Tal ein lauer Abend mit 25 Grad war, sind auf 2.000 Metern eben nur noch ein paar Grad über null - und die kälteste Stunde der Nacht kommt erst kurz vor Sonnenaufgang. Und hier lohnt der Blick aufs Etikett, denn die Zahlen dort sind genormt. Nach EN ISO 23537-1 stehen auf einem Schlafsack mehrere Temperaturen nebeneinander: Der Komfortwert ist der, bei dem du entspannt schläfst. Der Grenz- oder Limitwert markiert das Ende des gerade noch Erträglichen. Und der Extremwert ist überhaupt kein Komfortversprechen, sondern ein reiner Überlebenswert - zwischen Limit und Extrem ist laut Norm mit starkem Kälteempfinden und mit Unterkühlung zu rechnen. Wer nach der größten Zahl auf der Verpackung kauft, kauft sich am Ende eine kalte Nacht. Maßgeblich ist der Komfortwert, und der gehört unter die Temperatur, die du wirklich erwartest. Achte außerdem auf gute Kompressionseigenschaften, damit der Schlafsack wenig Platz braucht. Eine leichte Hüttenschlafsack-Einlage aus Baumwolle oder Seide sorgt nicht nur für Hygiene, sondern kann an heißen Nächten auch als alleinige Decke dienen.
Ein weiterer Tipp: Nimm dir ein kleines aufblasbares Kissen mit - es wiegt fast nichts, macht aber den Unterschied zwischen „irgendwie schlafen“ und „wirklich ausgeruht aufwachen“. Denn wer gut schläft, fährt am nächsten Tag konzentrierter und sicherer.
Bevor du den ersten Riemen ziehst, lohnt ein Blick in die Zulassungsbescheinigung Teil I. Dort steht unter F.1 die technisch zulässige Gesamtmasse, also das Maximum, das der Hersteller freigegeben hat, und unter G die Masse des Fahrzeugs in Betrieb. Deine Zuladung ist die Differenz aus beidem - und von dieser Differenz gehen zuerst du selbst ab, in kompletter Montur, nicht in Unterhemd und Sneakern. Erst was dann noch übrig bleibt, dürfen Zelt, Schlafsack, Kocher und Wasser für sich beanspruchen. Ein häufiger Irrtum: G sei das zulässige Gesamtgewicht. Ist es nicht, G ist die Leermasse. Und in dieser Leermasse steckt der Tank nur zu 90 Prozent voll.
Wie viel Luft du hast, hängt komplett von der Maschine ab. Der ADAC beziffert die Zuladekapazitäten aktueller Motorräder auf eine Spanne von etwa 125 bis rund 270 Kilogramm. Das ist ein Faktor von mehr als zwei - dein persönlicher Wert steht nirgends im Internet, sondern in deinen eigenen Papieren.
Die zweite Grenze wird noch häufiger übersehen, und sie ist deutlich enger: Jeder Gepäckträger, jedes Topcase und jedes Koffersystem hat eine eigene Traglast. Hersteller geben für Topcases meist eine zulässige Beladung zwischen fünf und zehn Kilogramm an, und dabei werden ständig zwei verschiedene Zahlen verwechselt: Die eine klebt im Koffer und meint den Inhalt. Die andere steht in der Anleitung des Trägersystems oder im Fahrzeughandbuch und meint die Traglast der Aufnahme am Motorrad - die schließt den Koffer und die Grundplatte mit ein. Ein Kunststoff-Topcase wiegt je nach Größe gut und gerne drei bis fünf Kilo. Es gilt immer der kleinere der beiden Werte.
Für Motorradcamper ist das die unangenehme Nachricht des Tages, denn Campinggerät ist selten schwer, dafür fast immer voluminös - und die Versuchung, den letzten Rest oben aufs Heck zu schnallen, ist groß. Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch und in der Montageanleitung deines Trägersystems.
Motorradcamping ist wie Tetris auf zwei Rädern. Jeder Gegenstand braucht seinen festen Platz - sonst herrscht nach dem ersten Regenschauer Chaos. Und wer schon einmal im strömenden Regen den halben Koffer ausgeräumt hat, um an das Zelt zu kommen, weiß: Ordnung ist überlebenswichtig.
Das wichtigste Prinzip: Schweres gehört nach unten und zentral. Werkzeug, Kocher, Ersatzteile oder schwere Lebensmittel gehören tief und nah am Schwerpunkt - am besten in die Seitenkoffer oder in den Tankrucksack. Leichtere, aber sperrige Dinge wie Kleidung oder Schlafsack kommen als weiches Paket auf den Soziussitz - also tief und nah am Schwerpunkt. Was dagegen hoch und weit hinter der Hinterachse sitzt, hängt am längsten Hebel, den dein Motorrad zu bieten hat. Und das merkst du nicht zuerst in der Kurve, sondern auf der Geraden: Gepäck an dieser Stelle senkt die Schwelle, ab der eine Maschine anfängt zu pendeln - jene langsame S-Bewegung, bei der die ganze Maschine mitgeht und die mit steigendem Tempo stärker wird statt schwächer.
Plane deine Packordnung nach Zugriffshäufigkeit: Alles, was du tagsüber brauchst - Regenjacke, Wasser, Snacks, Karten, Kamera oder Erste-Hilfe-Set - sollte griffbereit sein, ohne dass du gleich das halbe Gepäck abladen musst. Dafür sind Tankrucksäcke oder kleine Hecktaschen ideal.
Unverzichtbar: wasserdichte Taschen oder Dry Bags. Sie schützen deine Ausrüstung auch bei Dauerregen. Kleidung, Elektronik und Dokumente sollten immer doppelt gesichert sein - eine einfache Plastiktüte hilft hier nicht, auch wenn sie verlockend leicht wirkt. Ein echter Outdoor-Sack überlebt, wo ein Müllbeutel beim ersten Windstoß reißt.
Und noch ein Tipp aus Erfahrung: Nimm dir ein paar Packwürfel oder Kompressionsbeutel mit. Damit bleibt selbst nach einer Woche on the road alles sortiert, und du findest selbst im Dunkeln, was du suchst - ohne jedes Mal dein Gepäck komplett zu entleeren.
Ein heißer Kaffee am Morgen oder eine warme Mahlzeit nach einem langen Fahrtag - das ist mehr als Luxus. Das ist Komfort, der sich direkt auf die Stimmung auswirkt. Und genau deshalb ist ein kleiner Gaskocher beim Motorradcamping kein unnötiger Ballast, sondern ein Stück Freiheit.
Kompakte All-in-One-Kocher sind bei Motorradreisenden besonders beliebt. Sie sind leicht, robust und in wenigen Sekunden einsatzbereit - selbst bei Wind oder Nieselregen. Dank integrierter Wärmetauscher gehen sie sparsam mit dem Brennstoff um und bringen eine kleine Menge Wasser in wenigen Minuten zum Kochen. Ideal für Kaffee, Tee, Suppen oder einfache Gerichte mit Pasta oder Couscous.
Ein Detail, das über die Reise entscheidet, ist die Kartusche. Schraubkartuschen mit dem genormten EN-417-Gewinde kannst du jederzeit abnehmen, halbvoll wieder einpacken und am nächsten Morgen weiterbenutzen. Eine Stechkartusche dagegen bleibt am Kocher, sobald sie einmal angestochen ist - auf dem Motorrad ist das die schlechtere Wahl.
Und dann ist da die Kälte, die im Gebirge früher kommt, als dir lieb ist. Der Druck in der Kartusche entsteht dadurch, dass das Flüssiggas verdampft, und jedes Gas hat dabei seine eigene Grenze: Butan siedet erst knapp unter null Grad, Isobutan bei rund minus zwölf, Propan erst bei etwa minus 42 Grad. Eine reine Butankartusche gibt dir am kalten Morgen auf 2.000 Metern deshalb kaum noch Flamme, während eine Mischung mit hohem Propananteil weiterläuft. Wer im Frühjahr, im Herbst oder in Höhenlagen unterwegs ist, greift deshalb zur Wintermischung mit hohem Propananteil. Und wenn die Kartusche morgens trotzdem klamm ist: ein paar Minuten unter der Jacke am Körper angewärmt, dann läuft sie wieder. Über Nacht hat sie im Zelt nichts verloren.
⚠️ Sicherheitshinweis: Der Kocher bleibt draußen. Nicht im Zelt, nicht in der Apsis, auch nicht bei Regen und auch nicht kurz. Jede Gasflamme erzeugt Kohlenmonoxid, und bei schlechter Belüftung steigt der Anteil rasch an. Das Gas ist farb- und geruchlos, macht müde statt alarmiert - wer im Zelt dabei einschläft, wacht unter Umständen nicht mehr auf. Dazu kommt: Flüssiggas ist schwerer als Luft. Eine undichte Kartusche entlüftet sich nicht nach oben, sondern sammelt sich genau dort, wo du liegst. Lagere Kartuschen auch nicht im geschlossenen Topcase in der prallen Sonne.
Natürlich kannst du dich auch unterwegs versorgen - Tankstellen, Bistros und Supermärkte finden sich fast überall. Aber spätestens, wenn du spät abends auf einem abgelegenen Pass ankommst oder das einzige Restaurant geschlossen hat, wirst du froh sein, deinen eigenen kleinen Küchenhelfer dabeizuhaben.
Was du kochst, bleibt dir überlassen: von der klassischen Tütensuppe bis zum improvisierten Risotto aus Instantreis, Gemüse und etwas Käse ist vieles möglich. Ein kleiner Titan-Topf oder Emaillebecher, ein faltbarer Löffel, etwas Olivenöl, Salz und Pfeffer - und schon wird die Mahlzeit zum Erlebnis.
Und ja, auch eine einfache Mahlzeit schmeckt unter freiem Himmel doppelt so gut. Besonders dann, wenn der Sonnenuntergang langsam hinter deinem Zelt verschwindet und das Motorrad in der Abendsonne glänzt.
Die große Frage aller Abenteurer: Zelt ich einfach da, wo’s schön ist - oder lieber offiziell auf dem Campingplatz? Die Antwort hängt von Land, Region und deiner Risikobereitschaft ab.
In der DACH-Region gelten restriktive Vorschriften in Bezug auf Wildcamping. Informiere dich unbedingt vorab über die spezifischen lokalen Gesetze. Wer sich einfach in die Natur stellt, riskiert nicht nur eine Geldstrafe, sondern verärgert auch lokale Behörden und Anwohner.
Ganz anders in Skandinavien: Dort gilt das Jedermannsrecht - aber weder als Freibrief noch überall gleich. Norwegen nennt im Friluftsloven konkrete Grenzen: mindestens 150 Meter Abstand zum nächsten bewohnten Haus, und ohne Zustimmung des Eigentümers höchstens zwei Nächte am selben Fleck; im Hochgebirge und fernab jeder Bebauung darfst du länger bleiben. In Schweden lautet die Faustregel der Naturschutzbehörde schlicht: eine Nacht. Und in Dänemark gibt es dieses Recht in dieser Form gar nicht. Dort ist freies Zelten auf rund 275 eigens ausgewiesene Staatswälder beschränkt, mit klaren Vorgaben: eine Nacht, höchstens zwei Zelte für je drei Personen, und das Zelt gehört unter Bäume, außer Sichtweite von Wegen und Gebäuden.
Und jetzt der Punkt, der Motorradreisende besonders betrifft und in fast jedem Camping-Ratgeber fehlt: Das Jedermannsrecht ist ein Recht für Fußgänger. Es deckt kein Fahrzeug. Schweden sagt das ausdrücklich - nach dem Geländefahrgesetz zählt dort fast jeder Naturboden als Gelände, in dem weder gefahren noch geparkt werden darf, und daran kann nicht einmal der Grundeigentümer etwas ändern. In den dänischen Staatswäldern ist Motorverkehr abseits der Wege ebenfalls untersagt. Für dich heißt das: Das Motorrad bleibt auf dem Weg oder auf dem Parkplatz, der Zeltplatz wird zu Fuß gesucht. Wer quer über die Wiese zum schönsten Fleck rollt, verlässt genau in diesem Moment den erlaubten Rahmen - auch dort, wo das Zelten selbst völlig in Ordnung wäre.
Für alle übrigen Länder gilt: vorher nachlesen. Die Regeln unterscheiden sich nicht nur von Staat zu Staat, sondern oft auch von Region zu Region, und ein Nationalpark oder ein Naturschutzgebiet hat fast immer eigene, strengere. Der kürzeste legale Weg zum Traumplatz bleibt übrigens der unspektakulärste: den Grundeigentümer fragen.
Wer lieber auf Nummer sicher geht, findet in Mitteleuropa viele offizielle Campingplätze und Biker-Camps. Viele davon sind auf Motorradfahrer eingestellt: mit Trockenräumen, Waschmöglichkeiten, Stromanschluss, manchmal sogar kleinen Werkstätten oder Gemeinschaftsräumen. Und das Beste? Du lernst schnell Gleichgesinnte kennen. Abends am Lagerfeuer tauschst du Routen, Schraubertipps und Anekdoten aus - das ist Motorradkultur in Reinform.
Wer mit vollem Gepäck unterwegs ist, merkt sofort: Das vertraute Fahrgefühl verändert sich. Das Motorrad wirkt schwerer, reagiert träger in den Kurven und braucht beim Bremsen ein paar Meter mehr. Vor allem in engen Kehren oder bei Seitenwind zeigt sich, wie sensibel die Balance geworden ist. Genau deshalb gilt: Übung ist keine Schande, sondern Pflicht.
Bevor du zu einer großen Tour aufbrichst, fahr ein paar Proberunden mit komplett beladenem Bike - am besten auf vertrauten Straßen. So merkst du schnell, ob etwas verrutscht, klappert oder das Fahrverhalten beeinflusst. Prüfe und korrigiere den Reifendruck entsprechend der Herstellerangaben für „volle Beladung“ (oft 0,2 bis 0,4 Bar höher). Ein zu geringer Druck mit Zusatzgewicht führt zu deutlich reduzierter Fahrstabilität und erhöht die Gefahr der Überhitzung der Reifen - ein Sicherheitsrisiko. Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch.
Auch das Auf- und Absteigen mit Gepäck will geübt sein - besonders, wenn die Taschen hoch montiert sind oder das Motorrad durch das zusätzliche Gewicht etwas tiefer einsinkt. Und beim Rangieren gilt: lieber schieben als riskant kurbeln. Ein voll bepacktes Motorrad kippt schneller, als du denkst.
Wichtig ist außerdem die seitliche Balance. Wenn links und rechts ungleich gepackt ist, kann sich das beim Fahren anfühlen, als würde das Motorrad ständig leicht „ziehen“. Das kostet Konzentration und macht lange Strecken anstrengend.
Plane deine Tagesetappen realistisch - lieber kürzer, dafür entspannter. Das Fahren mit Gepäck verlangt nicht nur körperlich, sondern auch mental mehr Energie. Nach sechs Stunden in der Hitze oder auf kurvigen Pässen bist du müder, als du denkst. Und ehrlich: Das Camp bei Tageslicht aufzubauen, ist tausendmal angenehmer, als im Halbdunkel zwischen Mücken und Müdigkeit das Zelt zu suchen.
Wenn du dich an dein beladenes Bike gewöhnst, wirst du schnell merken, dass die anfängliche Unsicherheit verschwindet. Dann wird das Gewicht nicht mehr zur Belastung - sondern zum vertrauten Teil deiner Maschine.
Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel ordnet die Lage allgemein und journalistisch ein (Stand: September 2026). Er ist keine Rechtsberatung, und Einzelfälle können anders liegen. Wenn es bei dir konkret wird, frag vor dem Übernachten die Gemeinde, das Forstamt oder die Tourismusstelle vor Ort, in der Schweiz den Kanton, und bei der Zuladung eine Prüforganisation.
Motorradcamping bedeutet, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren - und genau das macht seinen Zauber aus. Es geht nicht um Luxus oder perfekte Ausrüstung, sondern um das Gefühl, draußen zu sein, frei und unabhängig. Wenn du klug packst, gut planst und dein Material kennst, brauchst du keine vier Sterne, um dich reich zu fühlen.
Ein Zelt, ein Kocher, ein klarer Himmel - manchmal ist das alles, was es braucht, um sich lebendig zu fühlen. Motorradcamping ist kein Wettkampf in Minimalismus, sondern eine Einladung zur Achtsamkeit: weniger Dinge, mehr Erlebnisse.
Und wer einmal morgens aus dem Zelt steigt, den Geruch von Kaffee in der Luft und das eigene Bike im ersten Sonnenlicht sieht, weiß: Das ist Freiheit - in ihrer schönsten, ehrlichsten Form.
Wie viel Gepäck darf ich aufs Motorrad packen?
Zwei Grenzen gelten gleichzeitig. Die erste ist die Zuladung: technisch zulässige Gesamtmasse (Ziffer F.1 der Zulassungsbescheinigung Teil I) minus Masse in Betrieb (Ziffer G) - davon geht zuerst dein eigenes Gewicht in voller Montur ab. Die zweite ist die Traglast des Trägers oder Topcases, für die Hersteller meist fünf bis zehn Kilogramm angeben; dieser Wert schließt den Koffer und die Grundplatte mit ein. Es gilt immer der kleinere der beiden Werte.
Wohin gehört schweres Gepäck am Motorrad?
So tief und so nah am Schwerpunkt wie möglich, also in die Seitenkoffer oder den Tankrucksack. Weiches, leichtes Gepäck kommt auf den Soziussitz. Was hoch und hinter der Hinterachse sitzt, wirkt am längsten Hebel und senkt die Schwelle, ab der die Maschine bei höherem Tempo anfängt zu pendeln.
Welchen Schlafsack brauche ich für Nächte in den Bergen?
Entscheidend ist der Komfortwert nach EN ISO 23537-1, nicht der Extremwert - der ist ein reiner Überlebenswert, bei dem laut Norm mit Unterkühlung zu rechnen ist. Rechne außerdem die Höhe ein: Pro 100 Meter Anstieg sinkt die Lufttemperatur grob um ein halbes bis ein ganzes Grad, und am kältesten ist die Stunde kurz vor Sonnenaufgang.
Was bedeutet der R-Wert bei einer Isomatte?
Der R-Wert beschreibt, wie gut die Matte gegen Bodenkälte isoliert. Seit Anfang 2020 wird er nach dem Standard ASTM F3340-18 gemessen, indem die Matte zwischen eine warme und eine kalte Platte gespannt wird. Weil alle Hersteller dasselbe Verfahren nutzen, sind so geprüfte Matten direkt vergleichbar: je höher der Wert, desto wärmer.
Darf ich beim Motorradcamping im Zelt kochen?
Nein. Jede Gasflamme erzeugt Kohlenmonoxid, und im Zelt oder in der Apsis reichert es sich an. Das Gas ist farb- und geruchlos und macht müde statt alarmiert. Dazu ist Flüssiggas schwerer als Luft: Eine undichte Kartusche entlüftet sich nicht nach oben, sondern sammelt sich genau dort, wo du liegst. Der Kocher gehört nach draußen, auch bei Regen.
Warum brennt mein Gaskocher am kalten Morgen kaum noch?
Weil der Druck in der Kartusche davon abhängt, dass das Flüssiggas verdampft, und jedes Gas hat dabei seine eigene Grenze: Butan siedet erst knapp unter null Grad, Isobutan bei rund minus zwölf, Propan erst bei etwa minus 42 Grad. Eine reine Butankartusche versagt deshalb an einem kalten Morgen im Gebirge. Für Frühjahr, Herbst und Höhenlagen ist eine Mischung mit hohem Propananteil die richtige Wahl.
Darf ich in Skandinavien überall wild zelten?
Nicht überall und nicht gleich. Norwegen verlangt mindestens 150 Meter Abstand zum nächsten bewohnten Haus und erlaubt ohne Zustimmung des Eigentümers höchstens zwei Nächte am selben Fleck. In Schweden lautet die Faustregel eine Nacht. Dänemark kennt dieses Recht in dieser Form nicht: Dort ist freies Zelten auf rund 275 ausgewiesene Staatswälder begrenzt. Wichtig für Motorradreisende: Das Jedermannsrecht gilt für Fußgänger, es deckt kein Fahrzeug - das Motorrad bleibt auf dem Weg.
2 Stimmen: 2× Daumen hoch, 0× Daumen runter (2 Punkte)







Für die Reichweitenmessung mit Google Analytics bitten wir um Ihre Einwilligung. Stimmen Sie zu, setzt Google zwei Cookies mit einer Laufzeit von bis zu zwei Jahren, die Google selbst auslesen kann. Ohne Ihre Einwilligung speichern wir in Ihrem Browser nur, was die Seite zum Funktionieren braucht: diese Entscheidung, die gewählte Darstellung und, wenn Sie einen Beitrag bewerten, einen Vermerk dazu. Sie entscheiden frei und können Ihre Wahl jederzeit für die Zukunft widerrufen.