
Der Heckständer ist drunter, das Hinterrad schwebt, die Kette glänzt frisch, und das Thema Winter fühlt sich erledigt an. Nur dein Vorderrad steht jetzt bis März auf demselben Fleck, und daran hat der Ständer nichts geändert.
Musst du dein Motorrad im Winter aufbocken, und reicht dafür ein Ständer? Schlägst du die Anleitungen auf, gehen die Antworten weiter auseinander, als du vielleicht erwartest.
Fünf Hersteller wollen beide Räder vom Boden haben. Einer stellt die Maschine auf den Seitenständer. Und ein Reifenhersteller sagt, was passiert, wenn du gar nichts tust.
Die meisten Garagen sehen nicht aus wie die Abbildung in der Anleitung. Entscheidend ist also, was in deiner steht.
Dann ist das Hinterrad versorgt und das Vorderrad dein Thema. Du kannst einen Vorderradständer dazunehmen. Die Reihenfolge nennt KTM: erst hinten aufheben, dann vorn, und im Frühjahr umgekehrt herunter. Hängt ein Motorrad nur vorn in der Luft, steht es nicht sicher.
Schau vor dem Kauf, wo dein Motorrad angehoben werden will. An der 390 Duke verlangt KTM vorn einen eigenen Aufnahmebolzen und hinten Aufnahmen an der Schwinge mit passenden Adaptern, das kann nicht jedes Modell aus dem Regal. Kawasaki schreibt für die Ninja 650 außerdem, dass Heckständer-Adapter vor dem Aufsitzen und vor dem Fahren wieder abmüssen, sonst drohen Schäden an Auspufftopf oder Schwinge.
Willst du keinen zweiten Ständer kaufen, kannst du die Maschine einmal im Monat herunternehmen, ein Stück schieben und wieder aufbocken. Nur ist jedes Aufbocken auch ein Moment, in dem sie kippen kann. Ist dir das zu heikel, lass das Vorderrad stehen und gib ihm etwas mehr Luft, wie es Continental erlaubt. Der Heckständer ist auch so nicht umsonst. Er hält das Motorrad aufrecht und entlastet immerhin ein Rad.
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Bequemer geht es nicht, denn er hängt schon an der Maschine. Der Reifenhersteller Continental nennt ihn neben dem Motorradheber sogar als erste Wahl. Schau dir aber an, was er an deinem Motorrad hebt, denn viele Hauptständer heben nur ein Rad an. Dann gilt, was Honda für NT1100 und Gold Wing schreibt: ein Block darunter, bis beide frei sind.
Wohin dieser Block gehört, sagt Honda nicht. Rate das nicht. Ölfilter und Verkleidung sind keine Auflagepunkte, davor warnt etwa Suzuki für den Heber an der V-Strom 650. Kennst du keinen sicheren Punkt, frag die Werkstatt oder lass das andere Rad eben am Boden, wie beim Heckständer.
Für die R 1300 GS (Anleitung 02.2025) gilt ein eigenes Kapitel. Der Hauptständer ist dort Sonderausstattung, BMW nennt ihn Kippständer. Die Aufbockhilfe, die dafür das Fahrwerk anhebt, gibt es nur zusammen mit der adaptiven Fahrzeughöhenregelung. Zum Ausprobieren in der Garage ist sie nicht gedacht: Zu häufige Aktivierung führt laut BMW zu Beschädigung und kostet Batterieladung.
Auch das geht. Für diesen Fall schreibt Yamaha: einmal im Monat die Räder etwas drehen. Am Motorrad heißt das, die Maschine ein Stück zu schieben, bis eine andere Stelle des Reifens unten liegt, und sie wieder abzustellen. Ein Reifen hat rund zwei Meter Umfang, ein halber Meter vor oder zurück reicht also, und der ist auch in einer engen Garage drin. Trag dir den Termin ins Handy ein, sonst denkt im Februar niemand mehr daran.
Und wenn der Termin in eine Frostwoche fällt? Im Stand macht normalen Motorradreifen die Kälte wenig aus: Continental zieht die Lagergrenze erst bei minus 20 Grad, für Rennreifen schon bei null Grad. Nur steht in denselben Lagerhinweisen auch, dass Reifen nach null Grad oder weniger mindestens 24 Stunden bei rund 20 Grad warm werden sollen, bevor sie montiert oder gewalkt werden.
Gemeint sind dort Reifen im Lager. Für Reifen am stehenden Motorrad nennt Continental nur das monatliche Bewegen, ohne Ausnahme für Frost. Mit normalen Motorradreifen kannst du also auch in einer Frostwoche schieben.
Steht die Maschine auf den Reifen, empfiehlt Continental außerdem, sie komplett zu entladen, damit möglichst wenig Gewicht darauf ruht. Koffer und Topcase kommen also runter. Die Stellfläche soll dabei fest, einigermaßen eben und sauber sein, ohne stehendes Wasser. Steht ein Rad in einem Ölfleck, ist das damit mehr als ein Schönheitsfehler.
Bretter unter den Rädern sind Kawasakis Lösung für diesen Fall, um die Reifen vor Feuchtigkeit zu schützen. Es geht dabei um Nässe, nicht um den Beton an sich. Der alte Garagensatz, ein Reifen dürfe nicht auf kaltem Beton stehen, kommt in keiner dieser Anleitungen vor. Auf trockenem, sauberem Boden muss also nichts darunter.
Den Reifendruck darfst du laut Continental sogar bis auf den Höchstwert von der Reifenflanke anheben, wenn die Reifen das Fahrzeug tragen. Vor dem ersten Ausritt gehört er dann zurück auf den Betriebswert. Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch.
Sicherheitshinweis: Ein Motorrad, das vom Ständer kippt, bringt rund 200 Kilo oder mehr auf deinen Fuß, dein Bein oder ein Kind, das in der Garage spielt. Bock nur auf festem, ebenem Boden auf, halte die Maschine dabei senkrecht und lass den Seitenständer draußen, bis sie sicher steht. Auf einem aufgebockten Motorrad sitzt niemand.
So weit die Garage. Schlag das Kapitel zur Stilllegung auf, und es klingt fast überall gleich:
| Modell | Was die Anleitung will |
|---|---|
| Honda NC750X | Wartungsständer und Stütze, beide Reifen frei |
| Yamaha MT-09 | alle Räder in der Luft, ab 60 Tagen Pause |
| Kawasaki Ninja 650 | beide Räder frei |
| KTM 390 Duke | Hebevorrichtung hinten und vorn |
| BMW R 1300 GS (02.2025) | beide Räder entlastet |
| BMW F 900 GS (07.2023) | dazu die Ständer für vorn und hinten |
Fast alle wollen beide Räder frei. Ein Heckständer allein schafft das nicht, er nimmt nur dem Hinterrad die Last ab. Das Vorderrad trägt weiter, was es immer getragen hat. Warum das alles? Honda, KTM und BMW schreiben es nicht dazu.
Yamaha spricht den Grund aus: Die Reifen sollen nicht ständig an derselben Stelle aufliegen, weil sie dadurch beschädigt werden können.
Am konkretesten wird Continental. Der Reifenhersteller nennt für Motorrad- und Rollerreifen zwei Risiken an der Stelle, auf der das Gewicht ruht: Ozonrisse und Flachstellen. Ozon steckt in der Luft und greift Gummi an, Risse bildet es dort, wo das Gummi gedehnt ist. Gedehnt ist das Gummi da, wo der Reifen unter der Last nachgibt. An derselben Stelle verliert er seine runde Form, so entstehen Flachstellen.
Dagegen rät auch Continental, das Fahrzeug jeden Monat zu bewegen. Dann folgt der Satz, der vielen die Winterangst nehmen dürfte: Bekommen die Reifen trotzdem flache Stellen, verschwinden diese in der Regel nach kurzer Fahrt.
Zum Nichtstun lädt das nicht ein, es rückt aber die Größenordnung zurecht. Ein Standplatten nach einem Winter ist bei einem intakten Reifen meist ein leichtes Rumpeln auf den ersten Kilometern und kein Grund für einen neuen Satz. Ab wie vielen Monaten ein Motorradreifen bleibend leidet, sagt Continental allerdings nicht, und auch die Anleitungen nennen dafür keine Zahl.
Etwas anderes kannst du selbst beeinflussen: den Luftdruck. Stellst du die Maschine an einem milden Oktobertag bei 20 Grad mit 2,5 bar ab, zeigt das Manometer bei null Grad rund 0,2 bar weniger, ganz ohne Loch im Reifen. Ein weicher Reifen gibt unter der Last stärker nach. Nicht umsonst steht der Druck bei Yamaha, KTM und Suzuki mit auf der Liste.
Und die Federn? Unter Schraubern hält sich der Rat, Gabel und Federbein im Winter zu entlasten. In den sechs Kapiteln zur Stilllegung steht davon kein Wort. Alle reden von Rädern und Reifen.
Suzuki macht es anders. In den Anleitungen von SV650 und V-Strom 650 kommt das Motorrad zum Einlagern „auf einem festen, ebenen Untergrund, wo es nicht umfallen kann, auf den Seitenständer“. Bei der V-Strom gehört dazu, den Lenker nach links einzuschlagen, das Lenkschloss zu schließen und den Schlüssel abzuziehen. Die Reifen werden auf normalen Druck gebracht, von Ständern ist keine Rede. Grundsätzlich empfiehlt Suzuki, die Einlagerung dem Händler zu überlassen, diese Zeilen gelten für alle, die es selbst machen.
Wer hat nun recht? Das lässt sich aus den Texten nicht ablesen. Eine Begründung nennt Suzuki nicht, aber der Wortlaut zeigt, worauf es dort ankommt: Die Maschine soll nicht umfallen. Das wiegt schwerer, als es klingt, denn Aufbocken ist selbst ein Risiko. Auf dem eigenen Seitenständer steht ein Motorrad so, wie es gebaut wurde. Auf zwei Radständern hängt es an deiner Sorgfalt.
Der Seitenständer ist also kein Fehler. Du lässt nur eine Vorsorge weg, die andere Hersteller für sinnvoll halten.
Ab 60 Tagen spricht Yamaha von langfristiger Lagerung. Eine feste Grenze für Reifenschäden ist das nicht, aber ein guter Anhaltspunkt. Es zählt, wie lange die Maschine am Stück steht. Drehst du mit ganzjährigem Kennzeichen alle paar Wochen eine trockene Runde, kommst du gar nicht so weit, und die Reifen werden ohnehin bewegt. Eine einzelne Runde im Januar reicht dafür nicht, davor und danach steht die Maschine jeweils zwei Monate oder länger.
Stehen im Frühjahr neue Reifen an, kann dir ein Standplatten auf den alten ebenfalls egal sein. Das Geld für den zweiten Ständer kannst du dir dann für den Satz aufheben.
Der dritte Fall ist der wichtigste. Hast du eine schwere Reiseenduro und bist allein in einer engen Garage, wiegt das Risiko beim Aufbocken mehr als der Nutzen. Ein Umfaller kostet schnell mehr als jeder Standplatten. Das Motorrad im Winter aufzubocken, ist dann kein Muss: Lass es wie bei Suzuki auf dem Seitenständer und beweg es regelmäßig ein Stück.
Irgendwann im März steht das Garagentor offen, und du willst nur noch los. Nimm dir vorher die Reifen vor. Prüf den Druck, vor allem wenn du ihn für den Winter erhöht hast. Schieb die Maschine dann ein Stück und schau an der Stelle, die monatelang unten lag, nach Rissen.
Dann fahr die ersten Kilometer ruhig. Rumpelt es leicht, ist das vermutlich die Standstelle, und die läuft sich laut Continental in der Regel schnell weg. Bleibt das Rumpeln, lass die Reifen ansehen, bevor du die erste Passstraße des Jahres ansteuerst.
Muss ich mein Motorrad im Winter aufbocken?
Ein Motorrad muss im Winter nicht zwingend aufgebockt werden, fünf von sechs Herstellern aus diesem Vergleich raten aber dazu. Honda, Yamaha, Kawasaki, KTM und BMW wollen beide Räder entlastet sehen, Suzuki stellt SV650 und V-Strom 650 auf den Seitenständer. Ohne Ständer hilft es, die Maschine einmal im Monat ein Stück zu bewegen.
Reicht ein Heckständer für das Winterlager?
Ein Heckständer entlastet nur das Hinterrad, das Vorderrad trägt weiter. Für die Anleitungen, die beide Räder frei sehen wollen, reicht das also nicht ganz. Du kannst einen Vorderradständer ergänzen oder die Maschine einmal im Monat herunternehmen und ein Stück schieben, damit das Vorderrad auf einer anderen Stelle steht.
Darf das Motorrad den Winter über auf dem Seitenständer stehen?
Auf dem Seitenständer darf ein Motorrad überwintern, Suzuki sieht das für SV650 und V-Strom 650 sogar so vor. Wichtig sind ein fester, ebener Untergrund und der richtige Reifendruck. Bewegst du die Maschine einmal im Monat etwas, liegt nicht immer dieselbe Stelle der Reifen unten.
Wie oft sollte ich mein Motorrad im Winter bewegen?
Einmal im Monat ist ein guter Rhythmus für ein Motorrad, das auf den Reifen steht. Yamaha und Continental nennen diesen Abstand. Ein Stück schieben genügt, der Motor muss dafür nicht laufen. Am Ende soll eine andere Stelle des Reifens unten liegen.
Darf ein Motorradreifen im Winter auf Beton stehen?
In den Anleitungen aus diesem Vergleich ist trockener Beton für einen Motorradreifen kein Thema. Kawasaki nennt Bretter nur gegen Feuchtigkeit, falls sich die Maschine nicht anheben lässt. Continental verlangt eine feste, saubere Stellfläche ohne stehendes Wasser, und das erfüllt ein trockener Garagenboden.
Bekommen Motorradreifen im Winter Standplatten?
Standplatten können an Motorradreifen entstehen, wenn das Gewicht monatelang auf derselben Stelle ruht. Laut Continental verschwinden solche Flachstellen in der Regel nach kurzer Fahrt wieder. Bleibt ein Rumpeln, lass die Reifen prüfen.
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