
„Die steht ja nur ein paar Wochen.“ Der Satz fällt oft Anfang Oktober, wenn die Maschine nach der letzten Runde in die Garage rollt und der Schlüssel an den Haken kommt. Aus den paar Wochen werden zwei Monate, dann fünf, und irgendwann erinnert sich niemand mehr an den Satz.
Wie lange darf ein Motorrad stehen, bevor es etwas braucht? Das verraten die Bedienungsanleitungen recht präzise. Nur sagt nicht jede dasselbe. Die kürzeste Frist liegt bei zwei Wochen, die längste bei drei Monaten.
So sieht es in sieben Anleitungen von sechs Herstellern aus, nach der Standzeit sortiert:
Honda arbeitet bei der NC750X von 2025 ohne Wochenzahl. Für eine Stilllegung über längere Zeit kommt die Batterie heraus und wird voll geladen. Bleibt sie im Motorrad, wird die Minusklemme getrennt.
Alle Fristen gelten für die genannten Modelle. Hat deine Maschine dasselbe Logo, aber eine andere Anleitung, zählt ihre eigene Seite. In fast allen Anleitungen ist zuerst die Batterie dran.
Das gilt nicht nur für den Winter. Drei Wochen Urlaub ohne Motorrad sind bei der Ninja 650 schon ein Fall fürs Ladegerät, bei den übrigen Modellen der Liste noch nicht.
Schaltest du nach Wochen in der Garage die Zündung ein, zeigt das Cockpit die richtige Uhrzeit. Ganz aus war die Maschine also nie. Drei der Hersteller nennen dafür dasselbe Bauteil. Kawasaki schreibt, Stromverbraucher wie die Uhr könnten die angeschlossene Batterie mit der Zeit vollständig entladen. BMW nennt bei R 1300 GS und F 900 GS die Fahrzeugelektronik und setzt in Klammern dazu: zum Beispiel die Uhr.
Suzuki nennt die Frist für die SV650 im Kapitel über die Uhr. Die Uhr wird aus der Batterie des Motorrads versorgt, und steht die Maschine voraussichtlich länger als zwei Monate, kommt die Batterie heraus.
Wie schnell eine eingebaute Batterie nachlässt, hängt auch davon ab, was außer der Uhr noch Strom zieht, etwa eine Alarmanlage oder Zubehör, das direkt an der Batterie hängt. Was im Stand insgesamt fließt, heißt Ruhestrom. KTM führt ihn in der Fehlersuche der 390 Duke als Prüfpunkt auf, wenn die Batterie leer ist.
Was ein kleiner Ruhestrom anrichtet, rechnet Yuasa in seinem Handbuch für Motorradbatterien vor. Die Rechnung gilt für eine große Batterie mit 20 Amperestunden. Zieht etwas ständig 10 Milliampere, ist sie nach 42 Tagen halb leer und nach 83 Tagen ganz. Bei 30 Milliampere sind es 14 Tage bis halb leer und 28 Tage bis ganz leer.
Die Batterien von Ninja 650 und MT-09 haben laut ihren Anleitungen 8,6 Amperestunden, also weniger als die Hälfte. Bei denselben Strömen sind die kleineren entsprechend früher am Ende, bei 10 Milliampere rechnerisch schon nach gut fünf Wochen.
Die Fristen sagen dir also nicht, wann die Batterie leer ist. Sie sagen dir, bis wann du etwas tun sollst.
Was du dann tust, regelt ebenfalls die Anleitung. Die eine lässt die Batterie eingebaut und hängt ein Erhaltungsgerät an, die nächste will sie ausgebaut an einem kühlen, trockenen Platz, die dritte nur den Minuspol getrennt. Wo das Ladegerät angeschlossen wird und welches es sein darf, steht auch dort. Kommt die Batterie heraus, stellst du laut KTM nach der Pause Uhrzeit und Datum neu ein.
Der zweite Punkt, den alle sechs Hersteller nennen, sind die Räder. Aus den paar Wochen vom Oktober werden schnell fünf Monate, und so lange trägt immer dasselbe kleine Stück Reifen das ganze Gewicht. Yamaha nennt für die MT-09 auch die Folge: Liegen die Reifen ständig an derselben Stelle auf, können sie dadurch beschädigt werden.
Bei fünf der sechs Hersteller kommen die Räder für eine lange Pause ganz vom Boden. Honda setzt die NC750X dafür auf einen Wartungsständer und schiebt eine Stütze darunter, bis kein Reifen mehr den Boden berührt. KTM empfiehlt für die 390 Duke Hebevorrichtungen vorn und hinten. Bei der R 1300 GS sollen laut BMW beide Räder entlastet sein, und zwar in einem trockenen Raum. Yamaha und Kawasaki heben MT-09 und Ninja 650 ebenfalls an, bis die Räder frei schweben.
Ohne Ständer findest du nur bei diesen beiden einen Notbehelf. Yamaha lässt die Räder dann einmal im Monat ein Stück drehen, damit die Last wandert. Kawasaki legt unter beide Räder der Ninja 650 Bretter, so stehen die Reifen nicht in der Feuchtigkeit. Die Last liegt dabei weiter auf derselben Stelle. Unabhängig von der Marke rät der ADAC in diesem Fall, die Maschine alle paar Wochen leicht zu bewegen oder die Räder zu drehen, damit sich der Reifen nicht verformt.
Bei der SV650 sieht Suzuki etwas anderes vor. Dort steht die Maschine zum Einlagern auf dem Seitenständer, auf festem, ebenem Boden, und die Reifen werden dabei auf normalen Druck gebracht. Auch bei Yamaha und KTM wird der Reifendruck vor der Pause geprüft.
Bei der letzten Fahrt im Herbst stellt sich an der Tankstelle die Frage, ob der Tank voll werden soll. Die Anleitungen gehen hier in zwei Richtungen.
In den Listen von Yamaha, Suzuki, KTM und BMW steht ein voller Tank. Bei der SV650 kommt er laut Suzuki randvoll und mit Stabilisator in die Einlagerung. KTM gibt bei der 390 Duke beim letzten Tanken einen Kraftstoffzusatz dazu und empfiehlt Sprit mit möglichst wenig Ethanol. Für die R 1300 GS rät BMW zum vollen Tank und bei längeren Standzeiten zu Kraftstoffadditiven.
Kawasaki macht es bei der Ninja 650 umgekehrt. Vor der Stilllegung wird das Benzin mit einer Pumpe aus dem Tank in einen Kanister geholt, nach der Pause kommt neuer Kraftstoff hinein. Fürs Abpumpen verlangt Kawasaki einen gut belüfteten Arbeitsplatz ohne Funken und offene Flammen, denn der Kraftstoff ist äußerst feuergefährlich. Dazu zählen ausdrücklich auch Geräte mit einer Zündflamme.
Dass altes Benzin ein Thema ist, zeigt die Fehlersuche derselben Anleitung. Dreht der Anlasser, springt der Motor aber nicht an, steht dort frischer Treibstoff auf der Liste, falls die Maschine länger gestanden hat.
Für Pausen von ein paar Wochen hat Yamaha einen eigenen Rat. Steht die MT-09 oft wochenlang zwischen zwei Fahrten, kommt nach jedem Tanken ein Kraftstoffstabilisator dazu.
Der ADAC unterscheidet zusätzlich nach dem Material. Ein Kunststofftank soll möglichst leer sein, weil Bestandteile des Kraftstoffs durch die Tankwand wandern können. Ein Tank aus Blech wird gegen Rost bis zum Rand gefüllt, aber nur, wenn die Maschine auf dem Hauptständer steht. Sonst verweist auch der ADAC auf die Vorgaben des Herstellers. Die Ninja 650 hat ab Werk nur einen Seitenständer, für sie bleibt es also beim Abpumpen.
Welcher der beiden Wege vor der langen Pause für deine Maschine gilt, entscheidet ihre Anleitung. Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch.
Alle paar Wochen kurz anlassen, damit die Maschine „nicht kaputtsteht“: So machen es manche über den ganzen Winter. KTM hält gerade das bei der 390 Duke für sehr schlecht. Der Motor wird bei so einem kurzen Lauf nicht warm genug. Der Wasserdampf aus der Verbrennung schlägt sich nieder, und Ventile und Auspuff rosten.
Lässt du den Motor an, damit die Batterie nicht leer wird, greifst du zum falschen Mittel: Die Anleitungen sehen dafür das Ladegerät vor, nicht den Anlasser.
Ein Motorlauf steht in drei Listen trotzdem drin, nur mit anderem Zweck. Bei Yamaha läuft der Motor nach dem Tanken mit Stabilisator fünf Minuten, bei Suzuki einige Minuten, bis das behandelte Benzin im ganzen Kraftstoffsystem angekommen ist. Kawasaki wärmt auf diese Weise das Öl an, bevor es gewechselt wird, ebenfalls fünf Minuten lang. Das passiert einmal vor der Pause.
Sicherheitshinweis: Abgase enthalten Kohlenmonoxid, ein giftiges Gas ohne Farbe und Geruch. Schon nach kurzer Zeit kann es dich bewusstlos machen, und im schlimmsten Fall endet das tödlich. Lass den Motor deshalb nur unter freiem Himmel laufen, auch wenn es um wenige Minuten geht, und nicht dort, wo die Abgase durch ein Fenster ins Haus ziehen. Ein offenes Garagentor reicht nicht: Yamaha warnt, dass sich das Gas auch bei geöffneten Türen und Fenstern schnell gefährlich anreichert.
Die Liste für die lange Lagerung der MT-09 beginnt mit einem Punkt, der gar nicht zur Lagerung gehört. Bevor die Maschine länger steht, sollen alle nötigen Reparaturen und Wartungsarbeiten erledigt sein. In den Listen von KTM, Kawasaki und Suzuki steht vor der Stilllegung ein Ölwechsel, bei der 390 Duke samt Filter. Auch der ADAC rät dazu, weil sonst korrosionsfördernde Stoffe im Motor bleiben.
Manche Fristen laufen nur nach dem Kalender. Im Plan der MT-09 steht der Wechsel der Bremsflüssigkeit alle zwei Jahre, der Kühlflüssigkeit alle drei. Ob die Maschine in dieser Zeit 20.000 Kilometer gefahren ist oder in der Garage stand, ändert daran nichts.
Hat ein Motorrad eine ganze Saison ausgesetzt, liegen zwischen zwei Fahrten schnell anderthalb Jahre. Eine Frist von zwei Jahren ist dann fast aufgebraucht, ohne dass ein einziger Kilometer dazugekommen ist. Ein Blick in den Wartungsplan zeigt, was schon fällig ist.
In der KTM-Anleitung steht ein Rat, der mit Technik wenig zu tun hat. Muss an der 390 Duke etwas gemacht werden, ein Service, eine Reparatur oder ein Umbau, dann am besten während der Stilllegung. Die Vertragspartner sind in dieser Zeit weniger ausgelastet, schreibt KTM, und zum Saisonbeginn fallen dadurch lange Wartezeiten weg.
Die Arbeiten, die der Wartungsplan nach Jahren fordert, gehören deshalb in den Winter und nicht in den April. Nach der Pause gehst du die Punkte dieses Plans durch, so sieht es die Honda-Anleitung der NC750X für die Wiederinbetriebnahme vor.
Machst du es so, darfst du im Oktober ruhig wieder sagen, dass die Maschine nur ein paar Wochen steht. Der Satz ist dann zwar immer noch falsch, aber er kostet nichts mehr.
Wie lange kann ein Motorrad stehen, bevor die Batterie Pflege braucht?
Wie lange ein Motorrad ohne Batteriepflege stehen kann, legt jede Anleitung selbst fest. Bei der Kawasaki Ninja 650 wird die Batterie nach zwei Wochen ohne Fahrt geladen, an BMW R 1300 GS und F 900 GS gehört nach über vier Wochen Standzeit ein Ladeerhaltungsgerät. Angeschlossen wird bei BMW ein dafür geeignetes Gerät über die Steckdose am Motorrad. Für die Yamaha MT-09 sieht die Anleitung nach einem Monat den Ausbau vor, bei der KTM 390 Duke wird die Batterie alle drei Monate nachgeladen und für die lange Pause ausgebaut.
Sollte ich mein Motorrad im Winter zwischendurch laufen lassen?
Ein kurzer Motorlauf zwischendurch schadet eher, als er nützt. Laut Anleitung der KTM 390 Duke bleibt der Motor dabei zu kalt, das Wasser aus den Abgasen setzt sich im Motor ab und lässt Ventile und Auspuffanlage rosten. Gegen eine leere Batterie hilft ein passendes Ladegerät deutlich mehr als der Anlasser.
Muss ein Motorrad in der Winterpause aufgebockt werden?
Ein Ständer, der beide Räder vom Boden nimmt, steht für die lange Pause in den Anleitungen von Honda NC750X, KTM 390 Duke, BMW R 1300 GS, Kawasaki Ninja 650 und Yamaha MT-09. Als Notbehelf ohne Ständer lässt Yamaha die Räder monatlich ein Stück weiterdrehen, Kawasaki legt Bretter gegen Bodenfeuchte unter. Die Suzuki SV650 lagert dagegen auf dem Seitenständer, mit Reifen auf normalem Druck.
Soll der Tank voll sein, wenn das Motorrad lange steht?
Ob der Tank in der langen Pause voll oder leer sein soll, regelt die Anleitung des Modells. Bei Yamaha MT-09, Suzuki SV650, KTM 390 Duke und BMW R 1300 GS geht die Maschine vollgetankt und mit Kraftstoffzusatz in die Pause. Den Tank der Kawasaki Ninja 650 lässt die Anleitung vor der Stilllegung leer pumpen, danach wird frisch getankt. Beim ADAC zählt zusätzlich das Material: Ein Kunststofftank bleibt möglichst leer, ein Blechtank wird nur auf dem Hauptständer ganz gefüllt.
Ab wann gilt eine Standzeit als Langzeitlagerung?
Yamaha nennt eine feste Grenze für die Langzeitlagerung: Bei der MT-09 beginnt sie nach 60 Tagen. Dazu gehören laut Anleitung ein voller Tank mit Stabilisator, Öl zum Schutz der Zylinder und eine geladene Batterie. Die Räder hängen frei oder werden einmal im Monat gedreht. Honda, Kawasaki und Suzuki sprechen dagegen allgemein von einer längeren Zeit.
Läuft die Wartung weiter, wenn das Motorrad nur steht?
Wartung nach Zeit läuft auch ohne Kilometer weiter. Die Yamaha MT-09 braucht alle zwei Jahre neue Bremsflüssigkeit und alle drei Jahre neue Kühlflüssigkeit. Bei KTM 390 Duke, Kawasaki Ninja 650 und Suzuki SV650 gehört ein Ölwechsel zur Stilllegung. Die Fristen deines Modells findest du im Wartungsplan seiner Anleitung.
0 Stimmen: 0× Daumen hoch, 0× Daumen runter (0 Punkte)






