Nicht jedes Motorrad will das Ladegerät an derselben Stelle

Wo hängt bei dir im Winter das Ladegerät? An den Polen der Batterie unter der Sitzbank, an der Bordsteckdose oder an einer Batterie, die ausgebaut im Keller steht? Jede dieser Antworten steht in irgendeiner Betriebsanleitung, keine steht in allen. Das eine Ladegerät mit dem einen Handgriff für alle Motorräder gibt es nach den Anleitungen nicht.

Steckdose, Pol oder ausgebaut: die Vorgaben im Überblick

Sechs Hersteller, und jeder beschreibt das Laden auf seine Weise. Die Tabelle fasst zusammen, was in den Anleitungen der genannten Modelle steht.

ModellWohin das LadegerätWann laden
BMW R 1250 GS, R 1300 GSangeschlossen nur über die Bord­steckdose, an den Polen nur bei getrennter Batterieüber vier Wochen Pause ein Lade­erhaltungs­gerät
Honda NC750X (2025)Batterie ausbauen, Ladegerät für Motorrad­batterienvor der Pause voll laden
Honda NT1100, Africa Twin (2025)ausbauen, nur ein vom Batterie­hersteller frei­gegebenes Gerätvor der Pause voll laden, vorher den Händler fragen
Yamaha MT-07, MT-09, Tracer 700Konstant­spannungs-Ladegerät, nach einem Monat Pause ausbauenab zwei Monaten monatlich prüfen
Kawasaki Ninja 125ausgebaut, kein Schnell­ladegerät aus dem Autobereichwöchentlich messen, unter 12,8 Volt laden
KTM 890 Adventure, 390 Dukeeingebaut mit abgeklemmtem Minuskabelalle drei Monate
Suzuki V-Strom 650ausgebaut, 1,2 Ampere für fünf bis zehn Stundeneinmal im Monat

Der Batterieverband im ZVEI sieht die Frage für Bleibatterien allgemeiner. Am liebsten ist ihm die Batterie zum Laden ausgebaut. Im Fahrzeug hält er ein vollautomatisches, spannungsgeregeltes Gerät mit höchstens 14,8 Volt aber für gut geeignet. Die Motorradhersteller sind oft strenger, BMW und KTM begründen das ausdrücklich mit der Bordelektronik.

Laden über die Bordsteckdose

In den Anleitungen der R 1250 GS und der R 1300 GS stehen zum Laden drei Warnungen untereinander. Die erste: Hängt die Batterie am Fahrzeug, gehört das Ladegerät nicht an ihre Pole, weil das die Fahrzeugelektronik beschädigen kann. Wer an den Polen laden will, trennt sie vorher.

Die zweite gilt der völlig leeren Batterie. Woran du sie erkennst, schreibt BMW dazu: weniger als 12 Volt, und bei eingeschalteter Zündung bleiben Kontrollleuchten und Display dunkel. Eine solche Batterie lädst du nicht über die Steckdose, sondern getrennt direkt an ihren Polen. Die dritte: Ein ungeeignetes Ladegerät an der Steckdose kann das Gerät selbst und die Fahrzeugelektronik beschädigen.

Der vorgesehene Weg ist die Bordsteckdose mit einem passenden BMW-Ladegerät. Die Elektronik der Maschine erkennt, wann die Batterie voll ist, und schaltet die Steckdose dann ab. Lädt dein Gerät über die Steckdose gar nicht, ist es laut BMW womöglich nicht auf die Elektronik abgestimmt. Dann bleibt der Weg über die Pole der abgeklemmten Batterie. Auch ein fest an die Pole geschraubtes Ladekabel ist an den beiden GS deshalb nicht der Weg, den BMW für die angeschlossene Batterie vorsieht.

Die Grenze für die Pause nennt BMW ebenfalls. Die Uhr und andere Elektronik ziehen auch im Stand Strom, deshalb soll bei Fahrpausen von mehr als vier Wochen ein Ladeerhaltungsgerät an die Batterie. Für die angeschlossene Batterie hat BMW ein eigenes, auf die Elektronik abgestimmtes Gerät entwickelt. Zum Stilllegen der Maschine, etwa über den Winter, nennt BMW bei beiden GS außerdem den Ausbau der Batterie. Beim Abklemmen löst du zuerst das Minuskabel, beim Anklemmen schließt du zuerst das Pluskabel an.

Welche Batterie verbaut ist, steht in den technischen Daten. Bei der R 1300 GS ist es serienmäßig Lithium-Ionen mit 10 Amperestunden, nur die Ausführung für kalte Länder bekommt AGM. Die R 1250 GS kam mit einer AGM-Batterie, die Anleitung von 2018 nennt 12, die von 2020 14 Amperestunden. Lithium stand dort in der Liste der Sonderausstattungen.

Wenn die Batterie raus muss

Beim Laden geht Honda den anderen Weg. Für die NC750X von 2025 nennt die Anleitung unter „Batterie leer“ ein Ladegerät für Motorradbatterien, und zum Laden baust du die Batterie aus. Ein Ladegerät für Autobatterien soll es nicht sein, weil die Motorradbatterie dabei überhitzen und dauerhaft Schaden nehmen kann. Für eine längere Pause rät Honda, die Batterie auszubauen, voll zu laden und an einem vor Sonne geschützten, gut belüfteten Ort abzustellen. Bleibt sie im Motorrad, trennst du die Minusklemme.

Für die verschlossene Bleibatterie der MT-07, der MT-09 und der Tracer 700 braucht es laut Yamaha ein spezielles Konstantspannungs-Ladegerät. Mit einem herkömmlichen nehme sie Schaden. Steht die Maschine länger als einen Monat, baust du die Batterie aus, lädst sie und lagerst sie kühl und trocken, laut Anleitung zwischen 0 und 30 Grad. Dauert die Pause mehr als zwei Monate, prüfst du mindestens einmal im Monat den Ladezustand und lädst bei Bedarf nach. Zurück ins Motorrad kommt sie nur voll geladen.

Für eine leere Batterie mitten in der Saison nennt Yamaha einen schlichten Weg: so bald wie möglich von einer Yamaha-Fachwerkstatt laden lassen. Lagern solltest du eine entladene Batterie nicht, schreibt Yamaha, das kann sie dauerhaft beschädigen.

Sicherheitshinweis: Lade eine Bleibatterie nur in einem gut belüfteten Raum und halte Funken, offene Flammen und Zigaretten fern. Schließ die Klemmen des Ladegeräts an, bevor du seinen Netzstecker einsteckst, und zieh ihn vor dem Abklemmen wieder. Klemm beim Ausbau zuerst das Minuskabel ab und beim Einbau zuletzt wieder an.

Eine Bleibatterie kann Wasserstoff abgeben, vor allem beim Laden. Yamaha nennt es Knallgas, Kawasaki schreibt, das Gas sei immer in der Batterie, auch wenn sie leer ist. Ein Funke an der Klemme kann es zünden. Im schlimmsten Fall platzt die Batterie, und die Säure verätzt Haut und Augen.

Wie viel Strom und wie oft

Kawasaki legt für die Ninja 125 eine Messlatte an, die sich jeder merken kann. Fährst du selten, misst du einmal pro Woche die Batteriespannung mit einem Voltmeter. Fällt sie unter 12,8 Volt, kommt sie ans Ladegerät. Der Batterieverband nennt für gelagerte Bleibatterien eine tiefere Grenze zum Nachladen, 12,4 Volt. Kawasaki lässt also früher nachladen, lange bevor die Batterie leer wirkt.

Steht die Maschine länger als zwei Wochen, gehört die Batterie ebenfalls ans Ladegerät, und ab vier Wochen ohne Fahrt trennst du sie vom Motorrad. Ein Schnellladegerät aus dem Autobereich schließt Kawasaki aus, weil es die Batterie überladen kann.

Für den Strom nennt KTM bei 890 Adventure und 390 Duke eine Regel: höchstens zehn Prozent der Kapazität, die auf dem Gehäuse der Batterie steht. Bei der 10-Amperestunden-Batterie der 890 Adventure ist das 1 Ampere, bei der 390 Duke mit 8 Amperestunden 0,8. Schnelles Laden mit hohem Strom kostet nach KTM Lebensdauer, und zu viel Strom, Spannung oder Zeit drückt Elektrolyt durch die Sicherheitsventile. Die eingebaute Batterie lädst du mit abgeklemmtem Minuskabel, damit die Bordelektronik keinen Schaden nimmt. In einer längeren Pause will KTM sie alle drei Monate nachgeladen haben.

Suzuki gibt für die V-Strom 650 eine Normalladung von 1,2 Ampere über fünf bis zehn Stunden vor. Als Schnellladung nennt die Anleitung eine Stunde mit 5 Ampere und erklärt diesen Wert zum Maximum. Für den Winter baust du die Batterie laut Suzuki aus, lagerst sie frostfrei und frischst ihre Ladung einmal im Monat mit dem vorgeschriebenen Strom auf.

Die Zahlen passen zueinander, wenn du sie auf die Kapazität beziehst: 1,2 Ampere an einer Batterie mit 10 Amperestunden liegen nah an KTMs zehn Prozent. Auch der Batterieverband nennt als Ladestrom etwa ein Zehntel der Kapazität. Die Kapazität dafür steht auf dem Gehäuse deiner Batterie. Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch.

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Lithium braucht ein eigenes Ladegerät

Manche Maschinen haben schon ab Werk eine Lithiumbatterie. Die R 1300 GS hat eine, die NT1100 und die Africa Twin von 2025 ebenfalls. Für diese Batterien gelten die Ratschläge für Blei nur noch eingeschränkt.

Honda ist bei den beiden Lithium-Modellen eindeutig. Das Ladegerät muss der Hersteller der Batterie zugelassen haben. Vorher sprichst du mit dem Händler, und die Batterie kommt zum Laden heraus. Ein nicht empfohlenes Ladegerät könne sie dauerhaft beschädigen, und Starthilfe soll sie laut Honda nicht bekommen. KTM schreibt über das eigene Ladegerät für die Bleibatterien von 890 Adventure und 390 Duke, es sei für Lithium-Ionen-Batterien nicht geeignet.

Riecht es aus dem Batteriefach ungewöhnlich, sollst du die Maschine laut Honda im Freien abstellen, die Zündung ausschalten und Brennbares fernhalten. Danach lässt du sie sofort vom Händler prüfen.

Auch der Tausch ist nicht mehr beliebig. Für die MT-09 schreibt Yamaha vor, ausschließlich eine Originalbatterie zu verwenden. Mit einer anderen könne die IMU ausfallen, der Sensor für Lage und Bewegung der Maschine, und damit der Motor ausgehen. Bei der NT1100 und der Africa Twin will Honda als Ersatz nur eine Lithiumbatterie desselben Typs.

Für die R 1300 GS nennt BMW bei der Meldung „Fehler in der Bordnetzbatterie“ als mögliche Ursache einen Batterietyp, der nicht zur Codierung des Steuergeräts passt. Nach einem Wechsel des Batterietyps lässt BMW die Codierung in der Fachwerkstatt prüfen.

Holst du im Winter das alte Ladegerät aus dem Regal, schau zuerst, was du laden willst. Viele Geräte für Bleibatterien haben ein Programm, das Sulfat mit erhöhter Spannung von den Platten lösen soll. Die Anleitung einer Lithium-Starterbatterie fürs Motorrad schließt solche Geräte aus. Als Ladespannung nennt sie 14,4 Volt, höchstens 14,6. Steht Lithium auf der Batterie und kennt das Gerät kein Lithiumprogramm, bleibt es im Regal.

Vor der Pause in die Anleitung

Die Antwort für deine Maschine steht an zwei Stellen. Die erste ist die Zeile Batterie in den technischen Daten. Dort stehen Typ und Kapazität, bei vielen Herstellern auch die Bauart: Blei, AGM oder Lithium-Ionen. Bei einer gebrauchten Maschine vergleichst du das mit dem Aufdruck auf der Batterie, denn sie kann schon getauscht sein. Die zweite ist der Abschnitt zum Laden oder zur Stilllegung, je nach Hersteller unter Batterie, Batterie leer oder Lagern.

Dort steht auch der Kalender: vier Wochen an den beiden GS, zwei Wochen an der Ninja 125, ein Monat an den drei Yamahas, drei Monate an den beiden KTM. Die Zahlen meinen nicht einmal dasselbe, mal die Länge der Pause, ab der du etwas tun sollst, mal den Abstand zwischen zwei Ladungen. Gemeinsam ist ihnen nur, dass die Batterie die Pause nicht leer verbringen soll.

Dann bleibt das Ladegerät selbst. Sein Programm muss zur Batterie passen, sein Strom zu ihrer Kapazität, und anschließen darfst du es nur dort, wo dein Hersteller es haben will. An den beiden GS heißt das bei angeschlossener Batterie, dass es mit der Bordsteckdose zurechtkommt, an der NT1100 und der Africa Twin, dass der Batteriehersteller es freigibt.

Wenn du gleich in die Garage gehst und das Gerät aus dem Regal ziehst: Steht auf seinem Typenschild etwas, das zu deiner Batterie passt?

❓ Häufige Fragen zum Ladegerät am Motorrad

Lade ich die Motorradbatterie eingebaut oder ausgebaut?

Schau in deine Betriebsanleitung: Ob die Motorradbatterie eingebaut oder ausgebaut geladen wird, regelt jeder Hersteller selbst. An R 1250 GS und R 1300 GS führt BMW den Strom bei angeschlossener Batterie über die Bordsteckdose. An der 890 Adventure und der 390 Duke löst du vorher das Minuskabel, an NC750X, NT1100 und Africa Twin kommt die Batterie heraus. Für Bleibatterien hält der Batterieverband ZVEI Laden im Fahrzeug mit einem Automatikgerät bis 14,8 Volt für gut geeignet, die Vorgabe deines Herstellers geht trotzdem vor.


Warum lädt mein Ladegerät nicht über die BMW-Steckdose?

Lädt ein Ladegerät nicht über die Bordsteckdose, kann die Batterie schon voll sein, denn dann schaltet die Maschine die Steckdose ab. Sonst ist das Gerät laut BMW für R 1250 GS und R 1300 GS womöglich nicht auf die Elektronik des Motorrads abgestimmt. In diesem Fall trennst du die Batterie und lädst sie direkt an ihren Polen, ebenso wenn sie unter 12 Volt gefallen ist.


Wie viel Ampere darf ein Ladegerät für die Motorradbatterie haben?

KTM nennt für die 390 Duke und die 890 Adventure höchstens zehn Prozent der aufgedruckten Kapazität als Ladestrom, bei 10 Amperestunden also 1 Ampere. Für die V-Strom 650 nennt Suzuki 1,2 Ampere als Normalladung und eine Stunde mit 5 Ampere als Obergrenze. Kawasaki schließt für die Ninja 125 Schnellladegeräte aus dem Autobereich aus. Für deine Batterie gilt, was auf ihrem Gehäuse und in deiner Anleitung steht.


Wie oft muss die Motorradbatterie im Winter geladen werden?

Wie oft du die Motorradbatterie im Winter lädst, hängt vom Modell ab. BMW will an R 1250 GS und R 1300 GS bei mehr als vier Wochen Pause ein Ladeerhaltungsgerät, Kawasaki an der Ninja 125 eine wöchentliche Messung und Laden unter 12,8 Volt. Yamaha lässt ab zwei Monaten Pause monatlich prüfen, Suzuki an der V-Strom 650 monatlich nachladen, KTM alle drei Monate. Leer überwintern soll die Batterie nach keiner der Anleitungen.


Kann ich eine Lithiumbatterie mit meinem alten Ladegerät laden?

Eine Lithiumbatterie lädst du nur mit einem Gerät, das für Lithium ausgelegt ist. Honda verlangt für die Lithiumbatterien von NT1100 und Africa Twin ein vom Batteriehersteller zugelassenes Gerät und rät, vorher mit dem Händler zu sprechen. KTM nennt das eigene Ladegerät für Bleibatterien ungeeignet für Lithium-Ionen-Batterien.

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