Die Batterie auf dem Betonboden entlädt sich nicht: Woher der alte Rat kommt

Das Brett liegt schon bereit. Die Batterie ist raus aus dem Fach unter der Sitzbank, die Pole sind frei, und bevor sie in die Ecke der Garage kommt, schiebst du ein Stück Holz darunter. Eine Batterie auf dem Betonboden, das weiß doch jeder, ist im Frühjahr leer. Hat schon der Vater so gemacht.

Wenn sie im Frühjahr leer ist, dann nicht wegen des Betons. Yuasa, einer der großen Hersteller von Motorradbatterien, nennt den Rat in seinem technischen Handbuch einen verbreiteten Irrtum: Batterien mit Gehäusen aus Polypropylen, wie sie heute üblich sind, können auf Beton stehen, ohne sich deswegen stärker selbst zu entladen. Leer werden kann eine Batterie über den Winter trotzdem, nur spielt das Brett dabei eine kleinere Rolle, als der Vater dachte.

Woher der Rat mit dem Brett kommt

Ausgedacht hat sich den Rat niemand. Er ist ein Überbleibsel aus Jahrzehnten, in denen Batterien anders gebaut waren, und damals stimmte er.

Vor rund 100 Jahren steckten die Zellen in Glasgefäßen, und die saßen in Holzkästen. Stand so ein Kasten auf nassem Beton, quoll das Holz, und die Gläser konnten springen. Später kamen Gehäuse aus Gummi. Der war porös und enthielt Kohlenstoff, also etwas, das Strom leitet. Zog Feuchtigkeit aus dem Boden in das Material, entstand ein schwacher Weg für den Strom, zwischen den Zellen und bis hinunter in den Beton. Die Batterie entlud sich tatsächlich über den Boden.

Auch Yuasa führt den Rat auf die Gummigehäuse von damals zurück. Heutige Gehäuse sind aus Polypropylen, einem Kunststoff, der keinen Strom leitet und kein Wasser aufnimmt. Elektrisch ist der Boden darunter für sie ohne Bedeutung.

Die Wissenschaftskommunikation der McGill-Universität in Montreal hat für so etwas einen passenden Namen gefunden: eine Zombie-Wahrheit. Sie war einmal richtig und geistert weiter herum, obwohl ihr Grund längst verschwunden ist.

Drei Wege, auf denen Ladung verschwindet

Dass eine Batterie im März schwächer ist als im Oktober, ist trotzdem keine Einbildung. Drei Dinge zehren an ihr, und keines davon führt in den Beton.

In der Batterie selbst

Jede Bleibatterie entlädt sich auch dann, wenn nichts an ihr hängt. Das ist Chemie und lässt sich nicht abstellen. Wie schnell es geht, bestimmt vor allem die Temperatur. GS Yuasa, der Konzern hinter der Marke, nennt als Faustregel für eine abgeklemmte Motorradbatterie: bei 10 Grad etwa 0,1 Volt im Monat, und je zehn Grad mehr doppelt so viel.

Über den Schmutz auf dem Deckel

Eine verschmutzte Batterie kann sich über den Film auf ihrem Gehäuse entladen. So steht es in Yuasas technischem Handbuch. Staub, Feuchtigkeit und Säurereste bilden zwischen den Polen eine schwache Brücke, über die ein wenig Strom abfließen kann. Ein sauberer, trockener Deckel verhindert das.

Über das Motorrad

Bleibt die Batterie eingebaut und angeklemmt, ziehen Uhr, Steuergerät und Wegfahrsperre weiter Strom, jeden Tag ein wenig. GS Yuasa schreibt, dass solche Dauerverbraucher die Entladung deutlich beschleunigen. Deshalb raten Honda und Yamaha in ihren Anleitungen, die Batterie für eine längere Pause auszubauen. Bleibt sie drin, soll laut Honda wenigstens das Minuskabel ab.

Warmer Keller, kalte Garage

Mit der Faustregel von GS Yuasa lässt sich rechnen. Eine volle AGM-Batterie zeigt laut Yuasa zwischen 12,8 und 13,0 Volt. Das ist die Bauart ohne Stopfen zum Nachfüllen, die heute in den meisten Motorrädern sitzt. Liegt die Spannung über längere Zeit bei 12,4 Volt oder darunter, erwartet GS Yuasa bleibende Schäden durch Sulfatierung. Vom unteren Ende der vollen Ladung bis zu dieser Grenze sind es also 0,4 Volt.

Bei 10 Grad und 0,1 Volt im Monat braucht die Batterie dafür rund vier Monate. Bei 20 Grad verliert sie doppelt so schnell und ist nach etwa zwei Monaten an der Grenze. Bei 30 Grad reicht ein Monat. Das ist eine Überschlagsrechnung, keine Messung an deiner Batterie, aber die Richtung ist eindeutig.

Eine konventionelle Batterie mit Verschlussstopfen hat es enger. Für sie nennt Yuasa bei voller Ladung 12,6 Volt, bis zur Grenze bleiben also 0,2 Volt, und nach derselben Rechnung ist sie in der halben Zeit dort.

Für die Selbstentladung zählt nicht, worauf die Batterie steht, sondern wie warm es um sie herum ist. Der Heizungskeller ist deshalb der schlechtere Winterplatz, die kühle Garage der bessere.

Minus drei oder minus 59 Grad

Einen Haken hat die Kälte allerdings, und der hat mit der Ladung zu tun. Eine voll geladene Bleibatterie friert laut Yuasa erst unter minus 59 Grad ein, eine leere schon bei knapp minus drei. Kalt darf es also sein, solange die Batterie voll ist. Nur bleibt sie das über Monate nicht von allein, und der ZVEI rät ohnehin zu einem frostfreien Platz.

Dass eine kalte Batterie morgens schwächer wirkt, hat mit dem Einfrieren nichts zu tun. Kälte verringert laut dem Branchenverband ZVEI die Kapazität, die sich entnehmen lässt, solange die Batterie kalt ist. Verloren ist die Ladung damit nicht, im Warmen steht sie wieder zur Verfügung.

Batterie auf dem Betonboden lagern: worauf es ankommt

Ob die Batterie auf dem Betonboden steht, auf einem Regal oder auf dem Brett, ist für die Ladung gleich. Der Rest nicht. Aus den Anleitungen von Honda und Yamaha und dem Merkblatt des ZVEI ergibt sich eine kurze Liste:

  • Voll geladen einlagern. Eine halb leere Batterie geht schon näher an der Schadensgrenze in den Winter und friert eher.
  • Kühl, aber frostfrei. Eine Garage ohne Frost ist besser als der Heizungskeller.
  • Trocken und sauber. Deckel und Pole abwischen, bevor sie in die Ecke kommt.
  • Im Schatten. Laut ZVEI macht UV-Licht das Gehäuse spröde, bis es brechen kann. Honda nennt ebenfalls einen schattigen Platz.
  • Gut belüftet und fern von Funken. Beim Laden gibt eine konventionelle Batterie Wasserstoff ab, eine AGM-Batterie laut Yuasa erst beim Überladen.

Beim Ausbau gilt die Reihenfolge aus der Anleitung: Zündung aus, zuerst das Minuskabel ab, dann das Pluskabel. Beim Einbau im Frühjahr umgekehrt, erst Plus, dann Minus. Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch.

Sicherheitshinweis: Deck an der gelagerten Batterie mindestens den Pluspol ab, leg kein Werkzeug auf sie oder direkt daneben, und lade nie eine Batterie, die eingefroren ist.

Fällt ein Schraubenschlüssel quer über beide Pole, schließt er die Batterie kurz. Er kann sehr heiß werden, und Funken können das Knallgas zünden, das eine Bleibatterie abgeben kann. Eis kann laut Yuasa das Gehäuse reißen lassen und die Platten verbiegen, und eine eingefrorene Batterie darf nach dem ZVEI-Merkblatt nie ans Ladegerät.

Einmal im Monat messen

Worauf es ankommt, zeigt dir ein einfaches Multimeter an den Polen, nicht das Holz darunter. Steht das Motorrad länger als zwei Monate, lässt Yamaha die Batterie mindestens einmal im Monat prüfen und bei Bedarf laden. GS Yuasa nennt denselben Rhythmus: monatlich messen, ob noch mehr als 12,40 Volt anliegen, und alle drei Monate nachladen, auch wenn die Spannung noch passt.

Gemessen wird die Ruhespannung, also an einer Batterie, die schon eine Weile nicht geladen wurde. Direkt nach dem Laden zeigt sie mehr, als sie hält.

Liegt der Wert unter der Grenze, kommt die Batterie an ein Ladegerät, das zu ihr passt. Für eine verschlossene Bleibatterie, wie sie in den meisten Motorrädern sitzt, schreibt Yamaha ein Konstantspannungs-Ladegerät vor. Wer ohnehin ein gutes Erhaltungsladegerät hat, kommt einfacher davon: GS Yuasa empfiehlt, die Batterie bei längeren Pausen an ein geeignetes Gerät zu hängen, ein- oder ausgebaut.

Lithium lagert anders

Für eine Lithium-Starterbatterie gelten andere Zahlen, und die Bleiregeln von oben passen nicht. Ihre Spannung ist höher und verläuft über den größten Teil der Ladung fast flach. Ein Hersteller nennt 13,2 Volt als gute Ladung, rät darunter zum Nachladen und lässt sie im Lager alle vier bis fünf Monate nachmessen. Andere Hersteller ziehen die Grenze anders. Es gilt, was in der Anleitung deiner Batterie steht.

Auch sie wird gut geladen eingelagert, nicht halb leer. Halb voll einlagern, das ist ein Rat für Notebook- und Handyakkus. In den Anleitungen der Lithium-Starterbatterien, die wir gelesen haben, steht er nicht. Und geladen wird nur mit einem Gerät, das ein eigenes Lithium-Programm hat. Viele Bleiprogramme beginnen mit einer Entsulfatierung, die eine Lithiumbatterie nicht verträgt.

Auf den Boden reagiert sie so wenig wie eine Bleibatterie. Ihr Gehäuse ist ebenfalls aus Kunststoff.

Für den Winterplatz heißt das: Bei Blei wie bei Lithium kommt es auf den Ladezustand an und auf die Temperatur, bei der die Batterie die Monate verbringt. Ob die Batterie auf dem Betonboden steht oder im Regal, ändert daran nichts.

Was das Brett trotzdem kann

Wegwerfen musst du das Brett deshalb nicht. Es schadet nicht, und ganz umsonst liegt es auch nicht da.

Ein Betonboden, unter dem keine Sperrschicht liegt, holt sich Feuchtigkeit aus dem Erdreich, und direkt über ihm ist die Luft feuchter als auf Tischhöhe. Im Winter kommt Schneematsch mit Salz dazu, den das Auto nebenan oder die Stiefel hereintragen, dazu ein Tropfen Kettenöl hier, eine Pfütze vom Waschen dort.

Kommt nach Frosttagen milde, feuchte Luft in die Garage, bleibt der Beton noch lange kalt. Was direkt auf ihm steht, kühlt mit, und an kalten Flächen schlägt sich Wasser aus der Luft nieder. Ein Brett trennt die Batterie vom kalten Boden, ein Regal erst recht.

Eine Batterie mitten in Dreck und Nässe bekommt schneller einen schmierigen, feuchten Film aufs Gehäuse, und über diesen Film kann sie sich entladen. Auf einem Regal, im Schatten und weg von der Werkbank, auf die jemand Werkzeug legt, bleibt sie sauberer und trockener.

Das Brett schützt also vor Schmutz, Pfützen und Schwitzwasser. Einen Stromweg in den Beton, gegen den es helfen müsste, gibt es bei heutigen Gehäusen nicht. An der Selbstentladung ändert es kaum etwas. Die hängt an der Temperatur im Raum und läuft in einer warmen Garage schneller als in einer kalten.

Wenn du im Januar mit dem Multimeter vor ihr stehst, verrät dir die Zahl nicht, worauf sie stand. Ob ihr Platz kühl genug war, lässt sie dich zumindest ahnen. Wie warm ist es dort, wo deine Batterie diesen Winter verbringt?

❓ Häufige Fragen zur Batterie auf dem Betonboden

Entlädt sich eine Motorradbatterie auf dem Betonboden?

Nein, nicht über das Gehäuse. Das galt für alte Batterien mit Gummigehäusen, die Feuchtigkeit aus dem Boden aufnahmen. Heutige Gehäuse sind aus Polypropylen, und Yuasa hält die Sorge für einen Irrtum. Verlieren kann die Batterie trotzdem Ladung, durch Selbstentladung, Schmutz und Ruhestrom.


Wie schnell verliert eine abgeklemmte Motorradbatterie ihre Ladung?

GS Yuasa rechnet bei 10 Grad mit etwa 0,1 Volt pro Monat und mit dem Doppelten für jede zehn Grad mehr. Im warmen Raum bei 20 Grad ist eine volle AGM-Batterie so nach grob zwei Monaten an der kritischen Marke von 12,4 Volt. Alter und Zustand verschieben das.


Wo lagere ich die Batterie im Winter am besten?

Voll geladen, kühl und frostfrei, trocken, im Schatten und gut belüftet, mit abgedecktem Pol. Eine unbeheizte, trockene Garage ist besser als der warme Heizungskeller, weil Wärme die Selbstentladung beschleunigt. Ob die Batterie dabei auf Beton, Holz oder im Regal steht, spielt für die Ladung keine Rolle.


Kann eine Motorradbatterie im Winter einfrieren?

Eine leere schon. Yuasa nennt für eine entladene Bleibatterie einen Gefrierpunkt von knapp minus drei Grad, für eine voll geladene erst unter minus 59 Grad. Gefriert sie, kann das Gehäuse reißen, und ans Ladegerät darf sie in diesem Zustand nicht. Voll geladen und frostfrei gelagert, droht ihr das nicht.


Wie oft sollte ich die eingelagerte Batterie prüfen?

Einmal im Monat mit dem Multimeter, so steht es bei Yamaha und GS Yuasa. Liegt die Ruhespannung einer Bleibatterie unter 12,4 Volt, gehört sie ans Ladegerät. GS Yuasa rät zusätzlich, sie alle drei Monate nachzuladen, auch wenn die Spannung noch stimmt.


Gilt das auch für eine Lithiumbatterie?

Beim Boden ja, auch Lithiumbatterien stecken in Kunststoff. Anders sind die Werte fürs Nachladen: Eingelagert wird sie gut geladen, und ein Hersteller lässt schon unter 13,2 Volt nachladen. An die Batterie kommt nur ein Ladegerät mit Lithium-Programm.

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