Den Lenker ein paar Grad verdrehen kostet nichts

Schrauben der Lenkerklemmung lösen, das Rohr ein paar Grad drehen, die Schrauben mit dem richtigen Drehmoment wieder anziehen. Den Lenker verdrehen kostet dich nichts außer dieser Arbeit, und Geld nur dann, wenn dir ein Drehmomentschlüssel fehlt.

Danach liegen deine Hände anders, und zwar anders, als du vielleicht erwartest.

Drehst du den Lenker nach hinten, kommen die Griffe näher, aber sie steigen dabei nicht, sie sinken ein wenig. Und alles, was am Rohr festgeklemmt ist, dreht mit: Hebel, Schalter, Spiegel und der Handschutz, wenn einer verbaut ist.

Zurück heißt näher, nicht höher

Ein Rohrlenker dreht sich um die Achse seines geraden Mittelstücks, dort, wo er in der Klemmung sitzt. Die Griffe liegen bei einem gekröpften Lenker aber nicht auf dieser Achse, sondern höher und weiter hinten. Beim Drehen beschreiben sie deshalb einen Bogen um diese Achse.

Kippt das Rohr nach hinten, zu dir hin, wandern die Griffe auf diesem Bogen nach hinten und zugleich nach unten. Kippt es nach vorn, gehen sie von dir weg und nach oben. Näher und höher zugleich geht mit Drehen allein nicht. Wer das will, braucht andere Teile.

Das Maß bestimmt der Abstand der Griffe zur Klemmachse. Nimm einen Lenker, dessen Griffe sechs Zentimeter über und fünf Zentimeter hinter der Klemmung liegen. Fünf Grad nach hinten bringen sie rund einen halben Zentimeter näher und gut vier Millimeter tiefer. Bei fünfzehn Grad sind es schon um die anderthalb Zentimeter in beide Richtungen.

Ein fast gerader Lenker ändert beim Drehen kaum etwas an der Lage der Griffe. Ein hoch gekröpfter, wie ihn viele Reiseenduros tragen, schon deutlich mehr.

Bei jedem Lenker gleich stark ändern sich dagegen die Winkel. Fünf Grad am Rohr sind fünf Grad an jedem Hebel, an jedem Schalter und, wenn die Spiegel am Lenker sitzen, am Spiegelarm, denn alles ist auf demselben Rohr festgeklemmt. Dazu dreht sich die Biegung des Lenkers ein Stück mit: Nach vorn gedreht zeigen die Griffenden etwas stärker nach oben, nach hinten gedreht etwas weniger.

Eine Gradzahl, die für alle passt, gibt es nicht. Arme, Oberkörper und Sitzposition sind bei jedem anders, und entscheiden kannst du nur im Sattel.

Gestreckte Arme oder angewinkelte Ellbogen

In welche Richtung du drehst, sagt dir dein Körper nach einer längeren Fahrt, nicht der Blick in der Garage.

Fährst du mit fast gestreckten Armen, liegen die Griffe eher zu weit weg. Zurückdrehen holt sie heran, dafür sitzen sie ein paar Millimeter tiefer.

Sind die Ellbogen stark angewinkelt und fühlst du dich eingeengt, liegen die Griffe eher zu nah. Dann schiebt Vordrehen sie weg und ein Stück nach oben.

Knickt dagegen nur das Handgelenk ab, sobald die Finger auf den Hebeln liegen, ist oft nicht das Rohr der Grund, sondern der Winkel der Hebel. Dann stellst du zuerst die Armaturen ein und lässt den Lenker in Ruhe. Das kostet genauso wenig, und die Griffe bleiben, wo sie sind.

Fehlt dir vor allem Höhe, hilft Drehen wenig. Nach hinten gedreht sinken die Griffe noch weiter, und nach vorn gewinnst du Höhe nur zusammen mit mehr Abstand.

Und die Grenze kommt früh. Drehen verschiebt die Griffe um Millimeter, im Beispiel oben bei fünfzehn Grad um anderthalb Zentimeter, und irgendwann stoßen Hebel oder Spiegel beim Einlenken an, oder Züge und Leitungen werden knapp. Wer mehrere Zentimeter braucht, kommt mit Drehen nicht hin. Dann geht es um einen anderen Lenker oder eine Erhöhung.

Die Markierung am Rohr

Bevor du etwas löst, such die Werksstellung. Viele Lenker tragen dafür eine Markierung. Bei der ersten Yamaha MT-07 von 2014 ist es ein Körnerpunkt links am Lenker, der laut Werkstatthandbuch mit der Oberkante des unteren Lenkerhalters fluchtet. Mach ein Foto davon, dann findest du jederzeit zurück. Siehst du keinen Punkt, markier die Ausgangslage selbst, mit einem feinen Strich vom Lackstift auf dem Rohr, direkt an der Kante des Halters. Ritz dort nichts ein, eine Kerbe an der Klemmung schwächt das Rohr.

BMW beschreibt es für die R 1250 GS und die R 1300 GS anders. Laut den Betriebsanleitungen von 2020 und 2023 ist der Lenker dort „in den Bereichen der Markierung“ in der Neigung einstellbar, also innerhalb eines markierten Bereichs. BMW rät, das von einer Fachwerkstatt machen zu lassen, am besten von einem BMW-Partner. Und nach jeder Änderung soll geprüft werden, ob Spiegel und Windschild aneinanderstoßen.

Der Körnerpunkt zeigt dir noch etwas anderes. Steht er nach einem Umfaller nicht mehr dort, wo er vorher stand, hat sich das Rohr in der Klemmung verdreht. Dann löst du die Halterschrauben, drehst das Rohr zurück, ziehst sie mit dem Drehmomentschlüssel wieder an und machst die Probe im Stand.

Steht der Punkt richtig und stehen die Griffe trotzdem schief, ist der Lenker verbogen oder die Gabel in den Brücken verzogen, und beides gehört in die Werkstatt. Einen verbogenen Lenker richtest du nicht: Yamaha warnt im Werkstatthandbuch davor, ihn geradezubiegen, weil ihn das gefährlich schwächen kann.

Das alles gilt für den klassischen Rohrlenker in zwei Haltern. Stummellenker an der Gabel und Lenker mit eigener Verstellung folgen anderen Regeln, dort zählt allein die Anleitung deiner Maschine.

Lenker verdrehen in fünf Schritten

Du brauchst den passenden Schlüssel für die Halterschrauben und einen Drehmomentschlüssel. Gelöst, gedreht und angezogen wird, während die Maschine auf dem Ständer steht. Zum Probesitzen kommt sie dagegen herunter: BMW warnt für die R 1250 GS und die R 1300 GS, dass die Seitenstütze kein zusätzliches Gewicht verträgt und der Hauptständer bei starken Bewegungen einklappen kann.

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  1. Löse die Schrauben der Lenkerhalter so weit, dass sich das Rohr mit etwas Kraft drehen lässt. Herausdrehen musst du sie nicht.
  2. Dreh das Rohr ein kleines Stück, am Griffende nur ein paar Millimeter. Dann ziehst du die Schrauben so weit an, dass nichts verrutscht, wenn du die Maschine vom Ständer nimmst und dich draufsetzt.
  3. Setz dich mit Handschuhen drauf und halt sie mit beiden Füßen gerade, wie an der Ampel. Leg die Hände auf und prüf, ob du Blinker, Hupe und Lichtschalter ohne Umgreifen erreichst. Die Schaltereinheiten sitzen oft mit einem Zapfen in einer Bohrung im Lenker und lassen sich später nicht nachstellen. Passt es noch nicht, kommt die Maschine zurück auf den Ständer, und du drehst nach.
  4. Passt die Lage, ziehst du die Schrauben auf dem Ständer in der Reihenfolge und mit dem Drehmoment an, wie es das Werkstatthandbuch deiner Maschine vorgibt. Hast du keins, frag deine Werkstatt nach den Werten. Yamaha schreibt für die MT-07 vor: zuerst die vorderen Schrauben der Halter, dann die hinteren, 28 Newtonmeter an den oberen Haltern. Bleibt ein Spalt zwischen den Hälften, sitzt er damit hinten.
  5. Stell zum Schluss die Hebel auf ihre neue Lage ein und richte die Spiegel nach, dann folgt die Probe im Stand.

Sicherheitshinweis: Zieh die Halterschrauben mit dem Drehmomentschlüssel und nach Handbuch an, nicht nach Gefühl, und fahr erst los, wenn jede Schraube ihren Wert hat.

Ein Lenker, der zu lose sitzt, kann sich beim harten Bremsen in der Klemmung verdrehen, genau dann, wenn du dich am stärksten auf ihn stützt. Zu fest angezogene Schrauben können Halter oder Rohr beschädigen. Ohne Drehmomentschlüssel und ohne die Werte ist die Werkstatt die bessere Wahl.

Die Hebel drehen mit

Nach dem Drehen stehen alle Armaturen im neuen Winkel. Kippen Brems- und Kupplungshebel aus der Linie deines Unterarms, stellst du sie danach zurück. Das geht wie beim Einstellen der Hebel selbst: Klemmung der Armatur lösen, drehen, in der vorgegebenen Reihenfolge festziehen. Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch.

Auch für die Armaturen gibt es Werkspunkte. Yamaha setzt bei der MT-07 den Schlitz der Kupplungsarmatur auf einen Körnerpunkt am Lenker, Honda bei der CB1000R die Trennfuge der Bremspumpe. Wer die Armaturen von diesen Punkten wegdreht, verlässt auch dort die Werksstellung. Das darf sein, solange danach alles frei läuft. Ein Navi- oder Handyhalter am Rohr kippt genauso mit und muss danach neu ausgerichtet werden.

Bei einer Bremspumpe mit angebautem Ausgleichsbehälter kippt der Behälter mit. Dreh sie nur so weit, dass er annähernd waagerecht bleibt, sonst zeigt dir das Schauglas den Flüssigkeitsstand nicht mehr richtig an.

Mit Handschutz kommt eine zweite Rechnung dazu. Ist er am Lenkerende befestigt, macht er jede Drehung des Rohrs mit, die Armatur aber stellst du danach zurück. Damit ändert sich der Abstand zwischen Hebel und Handschutz.

Für die R 1300 GS nennt BMW eine Änderung der Ergonomie als Anlass, genau diesen Abstand links und rechts zu prüfen. Berührt der Hebel den Handschutz oder läuft er aus der Ruhelage nicht leicht nach vorn, soll eine Fachwerkstatt den Handschutz ausrichten, denn ein verdrehter Handschutz kann den Hebel dauerhaft betätigen. Bei der R 1300 GS sitzen dort auch die Blinker, und stehen sie danach schief, gilt derselbe Weg.

Die Probe im Stand

Losgefahren wird erst nach der Probe. Die Maschine steht gerade, entweder auf dem Hauptständer, dann stehst du daneben, oder du sitzt drauf und hältst sie mit den Füßen. Auf dem Seitenständer geht es nicht: Wer dort bis zum rechten Anschlag lenkt, verlagert das Gewicht der Front, und genau so fallen gerade hohe Maschinen um.

Dreh den Lenker langsam ganz nach links und ganz nach rechts und zieh dabei beide Hebel voll durch. Nichts darf an Tank, Verkleidung oder Handschutz anstoßen, und kein Zug, keine Leitung, kein Kabel darf stramm werden oder eingeklemmt sein.

Bei einer Kupplung mit Seilzug zeigt dir das Spiel am Hebel, ob der Zug beim Einlenken spannt. Ändert es sich beim Einschlagen, liegt er zu straff, und du drehst den Lenker ein Stück zurück oder lässt die Verlegung prüfen.

Das Gehäuse am Gasgriff sitzt ebenfalls auf dem Rohr und dreht mit, bei einem Gaszug ändert sich damit dessen Weg. Der Gasgriff muss deshalb aus jeder Stellung von selbst zuschnappen, auch bei vollem Einschlag. Für den Gaszug nennt Kawasaki bei der Z900 noch eine Prüfung mit laufendem Motor, und die machst du im Freien: Leerlauf, Lenker ganz nach links und ganz nach rechts, und die Drehzahl muss gleich bleiben. Ein elektronischer Gasgriff ohne Zug kann beim Einlenken nicht am Gas ziehen.

Sicherheitshinweis: Lass den Motor für die Leerlaufprobe nur im Freien laufen, nie in der Garage. Steigt die Drehzahl beim Einschlagen oder bleibt der Gasgriff hängen, fährst du nicht los, bevor Zug und Verlegung in Ordnung sind.

Ein Gaszug, der beim Einlenken zieht, gibt beim Wenden und Rangieren Gas, bei Schritttempo und voll eingeschlagenem Lenker. Und Kohlenmonoxid bemerkst du nicht, es ist unsichtbar und geruchlos, und in einer geschlossenen Garage wird schon das Standgas gefährlich.

Hast du den Lenker verdreht, bremst du vor der ersten richtigen Runde einmal kräftig aus niedrigem Tempo, auf einem leeren Platz oder wo niemand hinter dir fährt. Erst dann verlässt du dich auf die neue Lage.

Der Weg zurück ist markiert

Gefällt dir die neue Lage nach ein paar Fahrten nicht, ist nichts verloren. Der Körnerpunkt oder dein eigener Strich sitzt noch auf dem Rohr.

Schrauben lösen, Punkt an die Kante, anziehen wie beim ersten Mal. Hebel zurück auf ihre Werkspunkte, Spiegel nachrichten, Probe im Stand, Bremsprobe.

❓ Häufige Fragen zum Lenker verdrehen

Kann ich den Lenker am Motorrad einfach verdrehen?

Einen Rohrlenker in zwei Haltern meistens ja, innerhalb der Grenzen, die der Hersteller vorgibt. Viele Lenker haben eine Markierung für die Werksstellung, an der BMW R 1250 GS und der R 1300 GS ist ein Bereich markiert, und BMW rät dort zur Fachwerkstatt. Stummellenker und verstellbare Lenkerböcke folgen eigenen Regeln.


Was passiert, wenn ich den Lenker nach hinten drehe?

Bei einem gekröpften Lenker kommen die Griffe näher und sinken dabei ein wenig, weil sie auf einem Bogen um die Klemmachse wandern. Nach vorn gedreht gehen sie weg und nach oben. Hebel, Schalter und am Lenker sitzende Spiegel kippen um denselben Winkel mit. Hebel und Spiegel stellst du danach meist nach, die Schalter sitzen oft mit einem Zapfen im Lenker fest. Bevor du festziehst, prüfst du deshalb mit beiden Füßen am Boden, nicht auf dem Ständer, ob dein Daumen Blinker und Hupe noch bequem trifft.


Welche Schrauben ziehe ich zuerst an?

Das steht im Werkstatthandbuch deiner Maschine. Yamaha schreibt für die MT-07 vor, zuerst die vorderen Schrauben der Lenkerhalter anzuziehen und dann die hinteren, mit 28 Newtonmetern an den oberen Haltern. Angezogen wird auf dem Ständer, mit dem Drehmomentschlüssel und nicht nach Gefühl.


Muss ich danach die Hebel neu einstellen?

Meistens ja. Die Armaturen drehen mit dem Rohr mit und stehen danach im neuen Winkel. Stell sie so, dass Unterarm, Hand und Hebel wieder eine Linie bilden. Ein angebauter Bremsflüssigkeitsbehälter bleibt annähernd waagerecht, und mit Handschutz prüfst du, dass die Hebel ihn nicht berühren und frei nach vorn laufen.


Was muss ich nach dem Verdrehen prüfen?

Auf dem Hauptständer oder mit gerade gehaltener Maschine, nicht auf dem Seitenständer, den Lenker von Anschlag zu Anschlag drehen und beide Hebel ziehen: Nichts darf anstoßen, kein Zug und kein Kabel stramm werden. Der Gasgriff muss in jeder Stellung von selbst zuschnappen, und im Leerlauf darf sich die Drehzahl beim Einschlagen nicht ändern. Den Motor dafür nur im Freien laufen lassen. Vor der ersten Tour einmal kräftig aus langsamer Fahrt bremsen, auf einem leeren Platz.

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