Wie sinnvoll ist ein anderer Lenker?

Ein neuer Lenker ist schnell bestellt: ein Rohr, zwei Zahlen für Breite und Höhe, ein Foto. Am Motorrad ist er dann der kleinste Teil der Arbeit. Mit ihm ziehen Griffe, Schalter, Hebel und Spiegel um, die Leitungen müssen mitkommen, und an manchen Maschinen sitzen sogar die Blinker in den Handschützern am Lenker.

Ob er überhaupt etwas bringt, zeigt das Foto auch nicht. Sinnvoll wird ein anderer Lenker erst, wenn die Einstellmöglichkeiten deines Motorrads ausgereizt sind und du weißt, welches Maß dir fehlt. Vorher klärst du drei Dinge: was dein Motorrad ab Werk verstellen lässt, was die Zahlen im Datenblatt bedeuten und was am Lenker alles mitwandert.

Was ab Werk schon verstellbar ist

Manche Motorräder haben für den Lenker mehr als einen Platz. An der KTM 890 Adventure von 2023 sitzen die Lenkerhalter in einer von drei Bohrungen der oberen Gabelbrücke, je 15 Millimeter auseinander. Die Bohrung in den Haltern liegt 3,5 Millimeter neben der Mitte, je nach Einbaurichtung sitzt der Lenker also etwas weiter vorn oder hinten. So ergeben sich sechs Positionen.

Die Yamaha MT-09 von 2024 hat zwei Lenkerpositionen, die laut Anleitung eine Yamaha-Fachwerkstatt einstellt. Bei der BMW R 1300 GS ist der Lenker in der Neigung verstellbar, auch das in der Werkstatt, und danach prüfst du, ob die Spiegel ans Windschild stoßen. So steht es in der BMW-Anleitung von 2023.

Ohne Verstellung ab Werk bleiben zwei Möglichkeiten, die nichts kosten: Hebel und Armaturen einstellen und den Lenker ein paar Grad in seiner Klemmung drehen, soweit dein Hersteller es vorsieht. Erst wenn beides nicht reicht, geht es an den Katalog.

Was die Zahlen im Datenblatt meinen

Ein Datenblatt nennt Maße, aber nicht jeder Hersteller misst gleich. Renthal gibt für seine Straßenlenker sechs Werte an und zeigt in einer Skizze, wo gemessen wird:

  • Breite: von Lenkerende zu Lenkerende.
  • Höhe: wie hoch die Enden über dem Mittelstück liegen.
  • Anstieg: wie weit die Biegung neben der Klemmung nach oben geht.
  • Klemmbreite: die Länge des geraden Mittelstücks.
  • Kröpfung: wie weit die Enden nach hinten zu dir kommen.
  • Armaturenlänge: das gerade Stück an jedem Ende für Griff, Schalter und Hebel.

Beim Lenker mit der Nummer 755 stehen dort 733 Millimeter Breite und 104 Millimeter Kröpfung.

Im TÜV-Teilegutachten für die Lenker von LSL stehen nur drei Werte: Breite, Höhe und Tiefe. Der flache Superbike-Lenker hat dort 740, 50 und 140 Millimeter, der Tourer 800, 130 und 210. Wie diese Werte gemessen werden, beschreibt das Gutachten nicht. Vergleichen lassen sich deshalb nur Lenker, deren Maße auf dieselbe Weise entstanden sind, am sichersten zwei aus demselben Datenblatt.

Die Werte im Datenblatt gelten außerdem für das Rohr allein. Am Motorrad entscheidet auch der Winkel, in dem es in der Klemmung steht, und schon ein paar Grad verschieben die Griffe. Drehst du die Enden nach hinten, rücken sie näher an dich heran und tiefer.

Leicht nachmessen kannst du am eigenen Motorrad die Breite und den Durchmesser. Für die Breite reicht ein Maßband von einem Rohrende zum anderen, ohne die Lenkergewichte. Den Durchmesser nimmst du mit dem Messschieber am Rohr gleich neben der Klemmung. Er entscheidet, ob der neue Lenker in deine Halter passt. LSL nennt 22 oder 25,4 Millimeter, Renthals Zoll-Lenker haben 22,2. Dicke Lenker wie Renthals Fatbar messen in der Klemmung 28,6 Millimeter, laufen zu den Griffen hin auf 22,2 zu und brauchen Lenkerhalter in 28,6.

Was mit dem Lenker umzieht

Links müssen Griff, Schalter und Kupplungshebel auf das gerade Stück passen, rechts Gasgriff, Schalter und Bremshebel. Renthal gibt die Länge dieses Stücks eigens an, beim Lenker 755 sind es 223 Millimeter. Damit sich die Armaturen nicht verdrehen, erlaubt das LSL-Gutachten auf beiden Seiten eine Bohrung von fünf Millimetern, etwa 100 bis 200 Millimeter vom Lenkerende. Hat deine Schalterarmatur dafür einen Stift, braucht der neue Lenker diese Bohrung.

Auch innen ist nicht jeder Lenker gleich. Laut LSL-Gutachten misst das Rohr außen 22 Millimeter, innen aber 18 bei Stahl und 14 bei Leichtmetall. Lenkergewichte und Stopfen, die im Rohr stecken, passen deshalb nicht in jeden neuen Lenker.

Dazu kommt der Platz rund um den Lenker. Bei vollem Einschlag dürfen Lenker, Hebel und Armaturen nirgends an Tank oder Verkleidung stoßen. Außerdem muss die Bremspumpe am rechten Hebel mit ihrem Behälter in der Lage bleiben, die der Hersteller vorsieht, damit beim Bremsen keine Luft ins System gelangt. Beides verlangt auch das LSL-Gutachten. Den Einschlag prüfst du auf dem Hauptständer oder lässt dir die Maschine aufrecht halten, denn auf dem Seitenständer kann sie beim Einschlagen kippen.

Dann die Leitungen. Kabel, Züge und Bremsleitungen müssen bei vollem Lenkeinschlag links wie rechts lang genug sein und dürfen nicht knicken oder scheuern. Der Gasgriff muss dabei in jeder Lenkerstellung leicht aufgehen und ganz zurückgehen, so lässt es Honda für die NC750X vor jeder Fahrt prüfen. Hakt er irgendwo, fährst du so nicht los.

Für Bremsschläuche nennt das LSL-Gutachten einen kleinsten Biegeradius von 40 Millimetern, verdreht sein dürfen sie weder beim Einfedern noch beim Lenken. Reicht die Länge nicht, kommen längere Brems- oder Kupplungsleitungen dazu. Auch für sie nennt das Gutachten Bedingungen, für Leitungen anderer Hersteller verlangt es ein eigenes Teilegutachten.

Eine neue Bremsleitung ist Arbeit an der Bremsanlage: Die Anlage wird danach entlüftet, und dafür ist eine Fachwerkstatt die richtige Adresse. Bevor du losfährst, ziehst du im Stand am Bremshebel: Der Druckpunkt muss fest sein, und der Hebel darf nicht näher an den Griff kommen als vorher. Stimmt eins davon nicht, bleibt die Maschine stehen. Auch das LSL-Gutachten verlangt, die Vorderradbremse nach dem Umbau zu prüfen.

Zum Lenkertausch an der R 1300 GS gehört noch mehr. Laut Anleitung braucht es dafür zusätzliche Bauteile, und BMW verweist an die Werkstatt. Die Blinker sitzen dort in den Handschützern. Ist ein Handschutz verdreht, entspricht die Ausrichtung der Blinker laut BMW womöglich nicht mehr den Vorschriften. Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch.

Ein gebrauchter Lenker aus der Kleinanzeige

Ein gebrauchter Lenker spart Geld, aber seine Geschichte kennst du nicht. Nach einem Umfaller wird ein verbogenes Rohr manchmal wieder gerade gerichtet, und ein gerichtetes Rohr verrät das nicht immer auf den ersten Blick.

Sicherheitshinweis: Einen Lenker, der verbogen ist oder schon einmal gerichtet wurde, baust du nicht ein. Beim Kauf aus zweiter Hand fragst du nach Stürzen und lässt im Zweifel die Finger davon. KTM warnt, dass das Material beim Verbiegen und Richten ermüdet und der Lenker brechen kann.

Frag außerdem nach dem Papier und such die Kennzeichnung auf dem Rohr. Bei LSL sitzen Logo und Ausführung laut Gutachten zwischen den Klemmstellen, graviert oder geprägt. Daran erkennt der Prüfer, ob Lenker und Papier zusammengehören.

Papiere und Abnahme

Ein anderer Lenker braucht in der Regel ein Papier, etwa eine Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) oder ein Teilegutachten. Zu einem Teilegutachten wie dem von LSL gehört eine Abnahme durch einen Prüfer. Was ohne sie passiert, sagt das Gutachten deutlich: Wird sie nicht unverzüglich nach dem Umbau gemacht und bestätigt oder hältst du dich nicht an die Auflagen, ist die Betriebserlaubnis des Motorrads erloschen.

Welche Auflagen für deinen Lenker gelten, steht in seinem Papier, bei einer ABE auch, ob sie eine Abnahme verlangt. Daran hält sich auch der Prüfer. Den korrekten Einbau sieht er sich mit an, und laut LSL-Gutachten kann er dafür eine Bestätigung einer Fachwerkstatt verlangen.

Die Bestätigung der Abnahme führst du danach mit den Fahrzeugpapieren mit, bis diese berichtigt sind. Gemeldet wird die Änderung laut LSL-Gutachten, wenn die Zulassungsstelle das nächste Mal mit deinen Papieren zu tun hat.

Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel ordnet die Lage allgemein und journalistisch ein (Stand: Oktober 2026). Er ist keine Rechtsberatung, und Einzelfälle können anders liegen. Wenn es bei dir konkret wird, frag zu Papier und Abnahme bei einer Prüforganisation nach und zum Umbau bei einer Fachwerkstatt.

Die dritte Stunde im Sattel

Ob ein anderer Lenker sinnvoll war, zeigt sich nicht auf der ersten Runde um den Block. Die verrät nur, dass sich etwas anders anfühlt. Die Antwort kommt erst auf einer langen Ausfahrt, irgendwann in der dritten Stunde, wenn du merkst, ob Hände und Nacken ruhig bleiben.

❓ Häufige Fragen zum anderen Motorradlenker

Wie messe ich einen Motorradlenker aus?

Bei einem Motorradlenker misst du Breite und Durchmesser am einfachsten selbst, mit dem Maßband von Rohrende zu Rohrende und mit dem Messschieber neben der Klemmung. Höhe und Kröpfung geben die Hersteller verschieden an: Renthal nennt sechs Maße nach einer Skizze, LSL drei Werte ohne Messvorschrift. Vergleiche deshalb Lenker aus demselben Datenblatt.


Welchen Durchmesser hat ein Motorradlenker?

Der Durchmesser eines Motorradlenkers liegt an den Griffen bei 22 oder 22,2 Millimetern, je nachdem, ob der Lenker nach metrischem Maß oder in Zoll gefertigt ist. LSL führt außerdem Lenker mit 25,4 Millimetern. Dicke Lenker haben in der Mitte 28,6 Millimeter und brauchen dafür passende Halter.


Kann ich einen verbogenen Motorradlenker geradebiegen?

Einen verbogenen Motorradlenker tauschst du aus, statt ihn zu richten. Laut KTM ermüdet das Material beim Verbiegen und beim Geradebiegen, und der Lenker kann brechen. Bei gebrauchten Lenkern fragst du deshalb nach Stürzen.


Was muss beim Lenkerwechsel mit umgebaut werden?

Beim Lenkerwechsel ziehen Griffe, Gasgriff, Schalter, Hebel und Spiegel mit um. Sind Kabel, Züge oder Bremsleitungen zu kurz, kommen längere dazu, und an der Bremse folgen Entlüften und Bremsprobe. Manche Armaturen brauchen eine Bohrung im neuen Rohr, und an der BMW R 1300 GS gehören die Blinker zum Handschutz.


Kann ich die Lenkerposition ändern, ohne einen neuen Lenker zu kaufen?

Die Lenkerposition lässt sich an manchen Modellen ohne neuen Lenker ändern. Laut Anleitung kennt die KTM 890 Adventure sechs Stellungen und die MT-09 von Yamaha zwei, an der R 1300 GS von BMW ist der Lenker in seiner Neigung verstellbar. Bei Yamaha und BMW übernimmt das die Werkstatt. An anderen Maschinen bleiben das Drehen des Lenkers in der Klemmung und das Einstellen der Hebel.

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