Motorrad am Hang parken: Vorderrad bergauf, erster Gang rein

Der Parkplatz am Aussichtspunkt fällt zum Tal hin leicht ab. Du rollst mit der Nase zum Tal hinein, klappst den Seitenständer aus und stellst den Motor im Leerlauf ab, wie auf jedem ebenen Parkplatz. Ein paar Fotos später liegt dein Motorrad auf der linken Seite, und der Ständer ist eingeklappt. Kaputt ist er nicht. Am Hang reicht ein kurzes Stück nach vorn, und ein Seitenständer gibt nach.

Ein Seitenständer hält nur in eine Richtung

Der Seitenständer dreht sich um einen Bolzen in der Nähe der linken Fußraste. Ausgeklappt steht er schräg nach vorn und liegt an einem Anschlag. Einklappen lässt er sich nur nach hinten, so wie du ihn vor dem Losfahren mit dem Stiefel hochschiebst. Am Hang entscheidet diese eine Richtung, ob er hält.

Rollt die Maschine ein Stück zurück, drückt sie den Ständer noch fester gegen diesen Anschlag. Rollt sie nach vorn, bleibt sein Fuß auf dem Boden stehen, und das Motorrad zieht über ihn hinweg. Dabei dreht es den Ständer nach hinten, bis er einklappt und die Maschine auf die linke Seite fällt.

Suzuki beschreibt das für seine V-Strom 650 ohne Umschweife: Das Vorderrad soll bergauf weisen, damit das Fahrzeug nicht nach vorn vom Seitenständer abrollen kann. Steht die Maschine am Hang mit der Nase bergauf, zieht die Schwerkraft sie dorthin, wo der Ständer hält. Mit der Nase bergab zieht die Schwerkraft sie dorthin, wo er nachgibt.

Beim Hauptständer ist es nicht anders. Von ihm holst du die Maschine, indem du sie nach vorn schiebst, und mit der Nase bergab kann das auch die Schwerkraft erledigen. BMW schreibt für beide Ständer denselben Satz: bei Straßengefälle bergauf stellen.

Steht das Motorrad quer am Hang, kommt eine zweite Regel dazu. Liegt der Seitenständer auf der tieferen Seite, lehnt das Motorrad stärker als auf ebenem Boden und kippt nicht so leicht nach rechts. Liegt er auf der höheren Seite, richtet sich die Maschine auf. Ist das Gefälle so groß wie ihre Schräglage auf dem Ständer, steht sie senkrecht und kann nach rechts kippen.

Im ersten Gang stemmt sich der Motor dagegen

Im Leerlauf hält am Hang nichts das Hinterrad fest. Kette und ein Teil des Getriebes laufen mit, das ist alles. Mit eingelegtem Gang und losgelassenem Kupplungshebel hängt das Rad dagegen am Motor. Will es rollen, muss es die Kurbelwelle mitdrehen und die Kolben gegen die Luft in den Zylindern drücken. Diese Verdichtung, auch Kompression genannt, wirkt wie ein Bremsklotz.

Warum es ausgerechnet der erste Gang sein soll, zeigt die Übersetzung. Bei der V-Strom 650 dreht eine Umdrehung des Hinterrads die Kurbelwelle im ersten Gang rund 16-mal, im sechsten rund fünfeinhalbmal. Je öfter der Motor pro Radumdrehung herum muss, desto fester hält er das Rad. Im ersten Gang ist dieser Halt fast dreimal so stark wie im sechsten.

Beim Anhalten am Hang ist der erste Gang meist ohnehin schon drin. Bleib dann im Sattel, den linken Fuß am Boden, den rechten auf dem Fußbremshebel, die Kupplung gezogen. Mit der rechten Hand stellst du die Zündung aus, dann lässt du die Kupplung los, und ab jetzt hält auch der Gang.

Ganz ohne Spiel ist der Antrieb allerdings nicht, weder im Getriebe noch auf dem Weg zum Hinterrad. Nimm deshalb den rechten Fuß langsam vom Bremshebel, solange du noch aufrecht sitzt. Die Maschine kann dabei ein kleines Stück zurückrollen, bis der Motor gegenhält, und du merkst sofort, ob der Gang wirklich greift. Dann ist das Spiel aufgebraucht, bevor der Ständer Last bekommt. Erst danach stellst du den rechten Fuß auf den Boden, klappst mit dem linken den Ständer aus und lehnst die Maschine darauf.

Unbegrenzt hält der Motor die Maschine trotzdem nicht. Die eingeschlossene Luft entweicht langsam an Kolbenringen und Ventilen vorbei. Steht die Maschine lange an einem steilen Stück, kann der Motor nach und nach weiterdrehen. Die englische Fassung der Suzuki-Anleitung formuliert entsprechend vorsichtig: Der erste Gang verringere die Gefahr, vom Seitenständer zu rollen. Aus einem Hang macht er keinen ebenen Platz.

Eine echte Feststellbremse haben nur wenige Motorräder, etwa Hondas NC750X, Africa Twin und NT1100 mit Doppelkupplungsgetriebe, kurz DCT. Bei ihnen ist nach dem Einschalten der Zündung automatisch Neutral gewählt, und spätestens dann hält kein Gang mehr das Hinterrad. Beim Parken sollst du laut Honda die Feststellbremse anlegen.

Sicherheitshinweis: Stell dein Motorrad am Hang so ab, dass das Vorderrad bergauf zeigt, und leg den ersten Gang ein. Ist der Hang steil oder der Boden weich, such dir einen ebenen, festen Platz.

Rollt die Maschine nach vorn, kann der Seitenständer einklappen, und sie fällt um. Dabei kann sie Menschen daneben verletzen. Tritt Kraftstoff aus, steigt neben heißem Motor und Auspuff die Brandgefahr.

Die meisten Anleitungen wollen ebenen Boden

In fast jeder Anleitung steht beim Abstellen derselbe Wunsch: fester, ebener Untergrund. KTM begründet das knapp: Rollt das Fahrzeug weg oder fällt es um, kann erheblicher Schaden entstehen. In der Parkroutine von Kawasaki und KTM steht der Leerlauf.

Das widerspricht Suzuki nur scheinbar. Beide Routinen gehen von ebenem Boden aus, und dort zieht kein Hang die Maschine vom Ständer. Vom Abstellen am Hang raten Kawasaki und Yamaha ab, Yamaha auch wegen der Brandgefahr, wenn eine umgefallene Maschine Kraftstoff verliert.

Weicher Boden ist am Hang das zweite Problem. Auf Wiese, Kies oder sommerweichem Asphalt drückt sich der schmale Ständerfuß langsam ein, und die Maschine neigt sich weiter zur Seite, bis sie umfallen kann. Eine flache, feste Unterlage unter dem Fuß verteilt das Gewicht.

Honda lässt eine Tür offen: Musst du an einem Gefälle oder auf unbefestigtem Grund abstellen, sollst du darauf achten, dass sich das Fahrzeug nicht bewegen oder umstürzen kann.

Wie das am Hang aussehen kann, beschreiben Suzuki und BMW, und beide sind sich einig. Auch Suzuki will die Maschine möglichst auf festem, ebenem Boden sehen. Geht es nicht anders, rät die Anleitung zum Vorderrad bergauf und zum ersten Gang. Eine Anmerkung dort spricht von einer leichten Steigung. BMW sieht in den Ausgaben der R 1250 GS von 2018 und 2020 und der R 1300 GS von 2023 dieselben zwei Schritte vor, dazu den Lenker nach links eingeschlagen. Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch.

Vor dem Start zurück in den Leerlauf

Der eingelegte Gang meldet sich, wenn du zurückkommst. Willst du die Maschine ein Stück schieben, bewegt sie sich kaum, bis du die Kupplung ziehst. Nach dem Einschalten der Zündung bleibt die grüne Leerlaufanzeige dunkel. An der V-Strom 650 springt der Motor außerdem nicht an, solange der Seitenständer draußen und ein Gang drin ist. Dafür sorgt die Seitenständer-Sperre, ein Schalter, der den Zündkreis unterbricht.

Suzuki hängt an den Rat zum ersten Gang gleich den nächsten Satz: Vor dem Starten zurück in den Leerlauf. Mit hochgeklapptem Ständer und gezogener Kupplung ließe sich die V-Strom 650 zwar auch im Gang starten. Rutscht dir dabei aber der Kupplungshebel aus der Hand, ruckt die Maschine los oder der Motor geht aus.

Am Hang kommt es auf die Reihenfolge an. Sobald der Leerlauf drin ist, hält nur noch deine Bremse die Maschine:

  1. Zündung an, Bremse fassen: Schalte die Zündung ein, solange der Ständer noch draußen ist. Fass dann die Vorderradbremse, bevor du das Motorrad aufrichtest, und klapp den Ständer hoch.
  2. Aufsitzen, Hand an der Bremse: Der rechte Fuß steht auf dem Boden, der linke geht an den Schalthebel.
  3. Leerlauf, dann starten: Kupplung ziehen, Leerlauf einlegen, Motor starten. Die Vorderradbremse hält weiter.
  4. Anfahren über die Fußbremse: Ersten Gang einlegen. Dann die Füße wechseln, während die Vorderradbremse fest gezogen bleibt: erst den linken auf den Boden, dann den rechten auf den Fußbremshebel. Jetzt die Vorderradbremse loslassen, Kupplung kommen lassen, Gas geben und den Fußbremshebel lösen, sobald die Kupplung greift.

Sicherheitshinweis: Leg am Hang den Leerlauf erst ein, wenn du im Sattel sitzt und die Vorderradbremse fest gezogen hast. Rollt die Maschine rückwärts den Hang hinunter, fängst du sie kaum noch auf.

Die Bremse hält, nicht die Kupplung. Suzuki warnt davor, das Motorrad an einer Steigung mit Gas und schleifender Kupplung auf der Stelle zu halten, weil das die Kupplung beschädigen kann.

Manche Maschinen helfen beim Anfahren am Hang. Die Hill Start Control, die BMW für die R 1250 GS und die R 1300 GS beschreibt, hält das Motorrad nach einem kräftigen Druck auf Hand- oder Fußbremshebel fest, bis du losfährst. Laut Anleitung ist sie ein Komfortsystem zum leichteren Anfahren und „darf deswegen nicht mit einer Parkbremse verwechselt werden“. An beiden GS schaltet sie sich ab, sobald du den Seitenständer ausklappst oder den Motor abstellst.

Wenn am Hang nur die Nase bergab passt

Nicht jeder Parkplatz lässt dir die Wahl. Die Bucht geht vielleicht nur bergab, und rückwärts hineinrollen willst du mit einer schweren Maschine nicht. Dazu ist die Nase bergab bequem: Du rollst vorwärts hinein und, wenn vor dir Platz bleibt, später vorwärts wieder hinaus. Endet die Bucht vor dem Vorderrad, musst du die Maschine rückwärts bergauf herausschieben. Sicherer ist fast immer etwas anderes.

Am einfachsten ist ein anderer Platz. Ein paar Meter weiter ist der Boden oft flacher, und genau den wünschen sich die Anleitungen. Manchmal findet sich am Rand auch ein Stück, auf dem du mit der Nase bergauf halten kannst.

Geht das nicht, stell die Maschine quer zum Gefälle, mit dem Seitenständer auf der tieferen Seite. Nach vorn rollen kann das Motorrad dann kaum, weil der Hang zur Seite abfällt. Dafür lehnt es stärker, und beim Aufrichten hängt mehr Gewicht an deinen Armen. Der Ständerfuß braucht besonders festen Grund, weil mehr Last auf ihm liegt.

Steht die Maschine am Ende doch mit der Nase bergab, hält allein der erste Gang sie davon ab, nach vorn zu rollen, also in die Richtung, in die der Ständer nachgibt. Umso wichtiger ist hier die Reihenfolge aus dem zweiten Abschnitt: den Fuß von der Bremse nehmen, solange du noch aufrecht im Sattel sitzt. Dann braucht die Maschine das Spiel im Antrieb auf, während du sie noch hältst, und nicht erst auf dem Ständer. Einen eigenen Rat für diesen Fall hat keine der Anleitungen.

Bevor du am Hang den Ständer ausklappst, schau zuerst auf den Boden unter seinem Fuß und dann die Straße hinauf. Zeigt das Vorderrad dorthin und ist der erste Gang drin, drückt der Hang den Ständer nur noch gegen seinen Anschlag.

❓ Häufige Fragen zum Parken am Hang

Soll ich mein Motorrad bergauf oder bergab parken?

Am Hang parkst du dein Motorrad bergauf, mit dem Vorderrad zum höheren Ende der Straße. Suzuki und BMW nennen dazu den ersten Gang. Zeigt die Nase bergab und rollt die Maschine ein Stück nach vorn, dreht sich der Seitenständer nach hinten weg, und das Motorrad kippt nach links.


Muss beim Parken ein Gang drin sein?

Auf ebenem, festem Boden muss beim Parken kein Gang drin sein. Kawasaki und KTM sehen in ihrer Parkroutine den Leerlauf vor. Am Hang gehört der erste Gang hinein, weil er das Hinterrad über den Motor festhält. Vor dem Starten schaltest du wieder in den Leerlauf, am Hang erst im Sattel und mit fest gezogener Vorderradbremse.


Warum ausgerechnet der erste Gang?

Der erste Gang ist am kürzesten übersetzt. Das Hinterrad müsste die Kurbelwelle in diesem Gang am häufigsten herumdrehen, bei einer V-Strom 650 rund 16-mal pro Radumdrehung. Entsprechend kräftig arbeitet die Verdichtung in den Zylindern dagegen.


Hält der erste Gang mein Motorrad an jedem Hang?

Der erste Gang hält ein Motorrad nicht an jedem Hang. Die Verdichtung wird mit der Zeit schwächer, weil die Luft im Zylinder entweicht. Suzuki spricht beim ersten Gang von einer leichten Steigung. Wo es steil wird oder der Untergrund nachgibt, ist ein ebener, fester Platz die bessere Wahl.


Ist eine Berganfahrhilfe eine Parkbremse?

Eine Berganfahrhilfe ist keine Parkbremse. Laut BMW dient die Hill Start Control von R 1250 GS und R 1300 GS dem leichteren Anfahren an Steigungen. An beiden arbeitet sie nur bei laufendem Motor und eingeklapptem Seitenständer. Eine Feststellbremse mit eigenem Hebel haben dagegen einige Honda-Modelle mit DCT.

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