Der Katalysator sitzt oft unter dem Motor, und das Gras reicht bis dorthin

Der Schotterparkplatz am Sportplatz ist längst voll, also rollst du beim Saisonabschlusstreffen auf die Wiese daneben, auf der schon zwei Dutzend Maschinen stehen. Nach dem sonnigen Nachmittag raschelt das Gras eher, als dass es federt. Du suchst dir eine Lücke und schaust vorher noch nach deinem Endtopf. Der hängt hoch genug, denkst du, da berührt nichts.

Nur sitzt der Katalysator bei vielen Motorrädern gar nicht im Endtopf. Er steckt in einem Kasten aus Blech unter dem Motor, dort, wo die Krümmer zusammenlaufen, und er arbeitet nur, wenn er richtig heiß ist. Oft hängt er nur anderthalb Handbreit über dem Boden. Auf dieser Wiese sitzt er damit genau in der Höhe, in der das Gras steht.

Was in dem Kasten unter dem Motor steckt

Der Kasten hat viele Namen. Im Prospekt heißt er Vorschalldämpfer, in der Werkstatt Sammler, und wer ihn zum ersten Mal von der Seite sieht, hält ihn leicht für einen Motorschutz. Gemeint ist das Stück der Auspuffanlage, in das die Krümmer vom Zylinderkopf aus münden, bevor das Abgas zum Endtopf weiterläuft.

Der Katalysator sitzt dort mit Absicht. Schadstoffe umwandeln kann er erst, sobald er auf Temperatur ist, und die liefert ihm das Abgas. Je näher er am Motor sitzt, desto früher ist er nach dem Start so weit. Nebenbei bleibt das Gewicht tief und mittig, und hinten reicht ein kurzer Endtopf.

In der Pressemappe zur luft-/ölgekühlten R 1200 GS von 2004 beschreibt BMW einen Vorschalldämpfer, der unter dem Getriebe liegt und den Katalysator in der Mitte trägt. Es geht aber auch anders. Bei der Honda NC750X von 2021 steckt der Kat laut Honda im fünfeckigen Endtopf.

Bei deiner eigenen Maschine lässt sich das schnell eingrenzen. Geh neben ihr in die Hocke und leuchte mit dem Handy unter den Motor, schau aber nur hin und fass nichts an, solange sie warm ist. Laufen die Krümmer dort in einem Kasten zusammen, bevor ein einzelnes Rohr zum Endtopf führt, ist dieser Kasten der erste Kandidat.

Hat deine Maschine eine Lambdasonde, gibt sie dir einen zweiten Hinweis. Das ist ein Fühler mit Kabel, der in einem der Rohre steckt. Die erste Sonde vom Motor aus misst das Abgas, bevor es in den Katalysator strömt. Such den Kat also dahinter, auf dem Weg zum Endtopf.

Unter der Maschine siehst du auch gleich, wie wenig Luft dort bleibt. Für die MT-09 von 2024 gibt Yamaha 140 Millimeter Bodenfreiheit an, gemessen am tiefsten Punkt der Maschine. Gras, das höher steht, reicht an alles heran, was dort unten hängt.

Ein Katalysator muss heiß sein, sonst arbeitet er nicht

Im Katalysator sitzen Edelmetalle, an denen chemische Reaktionen bei hoher Temperatur ablaufen. Dabei entsteht zusätzliche Wärme: Was an Kohlenmonoxid und unverbrannten Resten im Abgas steckt, wird im Katalysator zu Kohlendioxid und Wasser, und diese Umwandlung heizt ihn von innen auf.

Unterwegs kühlt ihn der Fahrtwind, der unter der Maschine durchzieht. Nach dem Abstellen fällt diese Kühlung weg. Über dem Kasten sitzt dann ein Motor, der selbst noch Wärme abgibt, und darunter liegt das, worauf du gerade geparkt hast.

Auf den Endtopf achtest du, weil er neben deiner Wade hängt. Er sitzt aber am Ende der Anlage, und das Abgas hat bis dorthin schon einen Teil seiner Wärme an Krümmer und Rohre abgegeben. Ein Katalysator unter dem Motor bekommt es früher und heißer, und er hängt dort, wo du beim Parken nicht hinschaust.

Eine Temperatur für den Katalysator nach der Ausfahrt nennen die Anleitungen nicht, sie wäre ohnehin nach jeder Fahrt eine andere. Trockenes Gras kann sich nach Angaben des Auto Club Europa schon bei 300 Grad entzünden. Deutlicher als jede Zahl sind die Warnungen in den Anleitungen: Mehrere Hersteller schreiben, dass Gras an ihren Auspuffanlagen Feuer fangen kann.

Die Warnung steht im Kapitel über den Katalysator

Suzuki beschreibt in der deutschen Anleitung der V-Strom 650, wie ein Brand im Gras entsteht. Trockenes Gras und trockene Blätter können den Katalysator und andere heiße Auspuffteile berühren, wenn das Motorrad in ihrer Nähe steht oder läuft, und dabei Feuer fangen. In der Nähe von solchem Material soll die Maschine deshalb weder geparkt noch betrieben werden.

Betrieben heißt auch gefahren. Wer auf dem Zeltplatz eines Treffens durch hohes, dürres Gras zu seinem Platz rollt, zieht den heißen Kasten mitten hindurch, und im Schritttempo kühlt ihn kaum noch Fahrtwind.

Yamaha stellt die Warnung in den Anleitungen der MT-07 und der MT-09 gleich in den Abschnitt über den Katalysator. Die Auspuffanlage ist nach dem Betrieb heiß, und das Fahrzeug soll niemals in der Nähe möglicher Brandgefahren wie Gras abgestellt werden. Im Kapitel zum Parken heißt es dann: nicht auf weichem Untergrund abstellen, weil die Maschine umfallen kann und austretender Kraftstoff die Brandgefahr erhöht.

Auf einer Wiese trifft beides zusammen: Der Seitenständer kann einsinken, die Maschine neigt sich tiefer ins Gras, und fällt sie um, kann Benzin auf einen Auspuff tropfen, der gerade noch gearbeitet hat.

Sicherheitshinweis: Stell die Maschine nach der Fahrt auf Asphalt, Pflaster oder festen Schotter, nicht auf trockenes Gras und nicht auf Laub. Schau vorher, ob unter dem Motor etwas liegt oder wächst, das an den Kasten heranreicht, und lass den Motor dort nicht im Stand laufen.

Dürres Gras und Laub können sich an den heißen Teilen der Abgasanlage entzünden. Ein Feuer unter der Maschine erreicht Kabel, Kunststoff und Kraftstoffleitungen, und auf einer Wiese voller geparkter Motorräder stehen die nächsten direkt daneben.

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Im Herbst liegt Laub darunter

Im Hochsommer denkst du an verdorrtes Gras. Ab Oktober ist es eher das Laub. Auf Parkplätzen unter Bäumen, am Biergarten und vor der Hütte sammelt es sich in den Ecken und an den Rändern. Dort stellen sich die Motorräder hin, wenn zwischen den Autos kein Platz mehr ist. Nach ein paar trockenen Tagen raschelt die obere Schicht, auch wenn es darunter noch feucht ist.

Laub bleibt auch nicht, wo es liegt. Der Wind treibt es gegen Tore, Mauern und Zäune. Stellst du die Maschine nach der Tour in der Einfahrt ab, schau vorher nach, was sich dort seit dem Morgen gesammelt hat.

Wer im Spätsommer zu einem Treffen auf dem Land fährt, parkt manchmal auf einem abgeernteten Feld. Die Stoppeln sind kurz, doch dazwischen liegt trockenes Stroh, und der Kasten unter dem Motor steht mitten darüber.

An Reiseenduros mit Motorschutz kommt eine Stelle dazu, die von außen kaum jemand sieht. Zwischen Platte und Motor bleibt hängen, was du unterwegs aufliest, auf Schotterstrecken auch Gras und Blätter, und dort sitzt es direkt an den heißen Teilen. Nach solchen Strecken schaust du hinter die Platte, sobald die Maschine kalt ist, und holst heraus, was sich dort verfangen hat.

Wenn der Motor stottert, wird der Kat noch heißer

Heißer als normal wird der Katalysator, wenn unverbrannter Kraftstoff hineingelangt. Das passiert bei Zündaussetzern und auf den letzten Metern vor einem leeren Tank, wenn einzelne Füllungen nicht mehr zünden. BMW schreibt in den Anleitungen der R 1250 GS von 2020 und der R 1300 GS von 2023, dass der Kat so überhitzen und beschädigt werden kann. Bei Aussetzern verlangen beide Anleitungen, den Motor sofort abzustellen. Zum Schutz des Kats gehört dort auch, die vorgesehenen Wartungsintervalle einzuhalten. Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch.

Oft merkst du Aussetzer am Ruckeln, an einem unrunden Leerlauf oder an einem Knallen im Auspuff. An der CB650R kommt die Motorkontrollleuchte dazu: Laut Honda blinkt sie, sobald die Elektronik Zündaussetzer erkennt. Die Anleitung verlangt dann, die Maschine an einem sicheren Ort ohne brennbare Gegenstände abzustellen und mindestens zehn Minuten mit abgestelltem Motor zu warten, bis sie abgekühlt ist. Ein stotternder Motor ist damit ein Grund mehr, die Wiese zu meiden.

Auch langer Leerlauf treibt die Temperatur hoch. Auf einem Treffen steht mancher Motor minutenlang im Stand, weil sich jemand noch unterhält oder die Maschine warm werden soll. Im selben Warnkasten, der vor dem Gras warnt, verlangt Yamaha, den Leerlauf auf einige Minuten zu begrenzen, weil sich der Motor sonst stark erwärmen kann. Über trockenem Gras hat ein Katalysator, der vor sich hin arbeitet, nichts verloren.

Ein paar Sekunden vor dem Abstellen

Bevor der Seitenständer runtergeht, schaust du dir den Boden an, über dem gleich der Motor steht. Liegt dort Laub oder trockenes Gras, rollst du noch ein Stück weiter. Lieber läufst du ein paar Meter mehr, als die schöne Lücke am Waldrand zu nehmen.

Muss es doch eine Wiese sein, nimm die Stelle, an der das Gras kurz und grün ist und kein Laub liegt, und leg eine feste Unterlage unter den Seitenständer. Gestartet wird dort zum Losfahren, nicht zum Warmlaufen.

❓ Häufige Fragen zum Katalysator und zum Parken im Gras

Wo sitzt der Katalysator beim Motorrad?

An vielen Maschinen sitzt der Katalysator vorn im Abgasweg, in einem Sammelkasten unterhalb des Motors. An anderen steckt er hinten im Endtopf, etwa an der NC750X von Honda aus dem Jahr 2021. Bei deiner Maschine hilft ein Blick unter den Motor: Sitzt dort ein Kasten, in dem die Krümmer zusammenlaufen, ist er die erste Adresse.


Kann ein Motorrad trockenes Gras in Brand setzen?

Ein Motorrad, das gerade gefahren ist, kann trockenes Gras entzünden. Suzuki warnt in der Anleitung der V-Strom 650 vor trockenem Gras und trockenen Blättern, die am Katalysator und an anderen heißen Auspuffteilen Feuer fangen können. Yamaha schreibt Ähnliches für die MT-07 und die MT-09. Nach der Fahrt gehört die Maschine deshalb auf einen festen Untergrund ohne Bewuchs.


Wie lange bleibt der Katalysator nach dem Abstellen heiß?

Wie lange der Katalysator heiß bleibt, geben die Hersteller für den Normalfall nicht an. Im Stand gibt der Kat seine Wärme nur langsam ab, weil kein Fahrtwind mehr unter der Maschine durchzieht und der Motor darüber selbst noch warm ist. Für den Fall erkannter Zündaussetzer verlangt Honda bei der CB650R mindestens zehn Minuten Wartezeit an einer Stelle ohne Brennbares.


Ist kurzes, grünes Gras unter dem Motorrad auch ein Problem?

Die Hersteller warnen in erster Linie vor trockenem Gras und trockenen Blättern. Kurzes, grünes Gras fängt deutlich schwerer Feuer, ideal ist eine Wiese trotzdem nicht: Einzelne hohe Halme reichen an heiße Teile heran, und im weichen Boden kann der Seitenständer einsinken. Ist eine feste Fläche frei, nimm sie.


Warum wird der Katalysator bei Zündaussetzern heißer?

Bei einem Zündaussetzer bleibt die Füllung im Zylinder ungezündet. Ihr Kraftstoff strömt in die Abgasanlage und verbrennt erst im heißen Kat. Für die R 1250 GS und die R 1300 GS nennt BMW in den Handbüchern von 2020 und 2023 Überhitzung und Schäden als mögliche Folge. Stottert der Motor, stell ihn ab, und zwar nicht über Gras oder Laub.


Ist nicht der Endtopf das heißeste Teil am Auspuff?

Der Endtopf bekommt das Abgas zuletzt, wenn es auf dem Weg nach hinten schon Wärme abgegeben hat. Ein Kat nahe am Motor sitzt dagegen früh im Abgasstrom und legt durch seine eigene Arbeit noch Wärme drauf. Für das Gras unter der Maschine zählt vor allem, was unter dem Motor hängt.


Was mache ich, wenn es unter dem geparkten Motorrad qualmt?

Qualmt es unter dem geparkten Motorrad, starte den Motor nicht. Geht es gefahrlos, schieb die Maschine auf festen Boden und lösch die Glut mit Wasser oder tritt sie aus. Schlagen schon Flammen an der Maschine hoch, halte Abstand, warne die Leute ringsum und ruf die Feuerwehr unter 112.

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