Heizweste mit Akku: Warum sie auf der höchsten Stufe mittags schon kalt sein kann

6:40 Uhr, drei Grad. Du stellst die Weste auf die höchste Stufe, die Wärme zieht in den Rücken, und die Landstraße kann kommen.

9:15 Uhr, erste Pause. Immer noch warm, der Kaffee auch.

10:40 Uhr, irgendwo hinter Regensburg. Der Rücken wird kühler, ein paar Kilometer später bist du wieder allein mit dem Fahrtwind. Bis zum Abend sind es noch sechs Stunden.

Defekt ist da nichts. Eine Heizweste mit Akku tut, was im Datenblatt steht: Ein Hersteller nennt für sein größtes Akkupaar auf der höchsten Stufe 3,5 bis vier Stunden. Auf der niedrigsten sind es zehn bis zwölf. Weißt du das vor der Abfahrt, planst du den Tag anders, und manchmal nimmst du gleich das Kabel.

6:40 Uhr: Die Heizweste mit Akku und ihre Stufen

So weit gehen die Angaben der Anbieter auseinander:

Weste und AkkuHochMittelNiedrig
Lenz Heat Vest 2.0, rcB 20003,5-4 h5,5-6,5 h10-12 h
Lenz Heat Vest 2.0, rcB 12002-2,5 h3-4 h5,5-7,5 h
Keis V501, 12 V, 5.000 mAh3 h5,2 h8,5 h
Gerbing 7V, 3.400 mAh2,5 h3,5 h5 h

Zur Lenz-Weste gehören zwei Heizfelder, an die je ein Akku kommt, und die Akkus kaufst du dazu. Dieselbe Weste kommt also auf der höchsten Stufe je nach Akkupaar auf gut zwei oder knapp vier Stunden, und die Stufe bewegt die Zahl noch stärker. Beim größten Lenz-Paar liegt zwischen hoch und niedrig rund das Dreifache. Bei der Gerbing-Weste ist es das Doppelte, und dort steht auch die Temperatur dabei: 57 Grad auf der hohen, 46 auf der mittleren und 41 auf der niedrigen Stufe.

Die Rechnung dahinter ist einfach. Für den Gerbing-Akku stehen 25,4 Wattstunden im Datenblatt. Reichen sie auf der hohen Stufe für 2,5 Stunden, heizt die Weste im Schnitt mit rund zehn Watt. Diese zehn Watt tauchen beim Kabel gleich wieder auf.

Manche Westen kommen ganz ohne eigenen Akku. Die SHIMA Powerheat läuft an einer Powerbank und schafft auf der hohen Stufe bis zu vier Stunden, laut Katalog abhängig von der Stromversorgung. Ein großer Händler nennt dafür 12 Volt am USB-Anschluss, der SHIMA-Katalog von 2023 nur eine Powerbank. Ohne dass Weste und Powerbank eine höhere Spannung aushandeln, gibt eine USB-Buchse nur 5 Volt ab. Bevor du die alte aus der Schublade einplanst, vergleiche die Anleitung deiner Weste mit dem Etikett der Powerbank: Dort steht, wie viel Volt sie am Ausgang liefert.

9:15 Uhr: Was Kälte und Fahrtwind davon übrig lassen

Alle Zahlen in der Tabelle kommen von den Anbietern. Wie viel davon bei drei Grad und Tempo 100 bleibt, nennt keiner von ihnen. Keis schreibt immerhin dazu, dass die Laufzeit auch von der Außentemperatur abhängt. Wer dir also verspricht, deine Weste halte auf der Tour fünf Stunden, kennt deine Tour nicht.

Einen Vorteil hat die Weste bei Kälte trotzdem gegenüber dem Handschuh: Ihr Akku steckt näher am Körper, bei Keis zum Beispiel in einer Tasche. Den Ersatzakku lässt du deshalb nicht im Topcase auskühlen, und geladen wird drinnen, nicht in der kalten Garage.

Dazu kommt der Wind. Eine dünne Jacke über der Weste lässt mehr Wärme entweichen als eine dichte, und je mehr Wärme nach außen geht, desto eher greifst du zur höheren Stufe. Dieselbe Weste kann deshalb in der Tourenjacke auf Niedrig reichen und unter der Sommerjacke auf Hoch nicht mehr. Die Zahl dazu liefert nur dein eigener erster kalter Tag.

Den Akku bis zum Abend strecken

Die wichtigste Entscheidung fällt vor dem Losfahren. Lenz schreibt selbst, die niedrige Stufe reiche für die meisten Anwendungen. Keis rät, auf der hohen Stufe aufzuheizen und für die Fahrt auf eine niedrigere zu wechseln, die Temperatur aber nicht während der Fahrt zu verstellen. Es muss sich am Morgen also nicht heiß anfühlen, sondern warm genug.

Zum Umschalten brauchst du allerdings einen richtigen Halt, denn der Knopf sitzt je nach Modell am Akku oder an der Weste und damit unter der Jacke. Auch die App mit Stufen und Intervallbetrieb, die Lenz anbietet, stellst du vor der Fahrt oder in der Pause ein. An der Ampel am Reißverschluss zu fummeln, ist keine gute Idee.

Der Rest ist Zeit gegen Zeit. Pendelst du zweimal 45 Minuten, reicht auf dem Papier selbst die kürzeste Angabe aus der Tabelle für beide Wege, viel Puffer bleibt auf hoher Stufe aber nicht. Für eine Tagestour von acht Stunden auf mittlerer Stufe schafft es auch das größte Lenz-Akkupaar nicht allein. Dann brauchst du ein zweites Paar in der Tasche oder die niedrige Stufe.

Und wenn die Weste für ein paar Monate Pause hat, leg den Akku nicht leer weg. Keis empfiehlt für die Lagerung 40 bis 60 Prozent Ladung an einem kühlen, trockenen Ort und alle sechs Monate ein Nachladen auf etwa die Hälfte. Für andere Marken zählt ihre eigene Anleitung.

12:30 Uhr: Die Weste am Kabel

Mittagspause an der Raststätte. Deine Akkus sind längst leer, und am Nachbartisch baumelt jemandem ein Spiralkabel unter der Jacke hervor.

Am Bordnetz endet die Rechnung mit der Laufzeit. Eine 12-Volt-Weste heizt, solange der Motor läuft, und oft kräftiger als die kleine Akkuweste. Keis nennt für seine V501 auf der hohen Stufe 17 Watt, Gerbing für seine 12-Volt-Weste 4,5 Ampere, also rund 54 Watt. Die 54 Watt sind gut fünfmal so viel wie die zehn Watt vom Akku. Dual-Power-Westen wie die Macna Cloud lassen dir die Wahl zwischen 7,4 und 12 Volt.

Die Frage ist nur, wo du einsteckst, denn die Bordsteckdose ist nicht bei jeder Maschine gleich belastbar. An NT1100 und Africa Twin von 2025 ist die Steckdose laut Honda für 24 Watt ausgelegt, also 2 Ampere. Eine Weste mit 54 Watt ist dort zu viel, eine mit 17 Watt passt. Für die BMW F 900 GS nennt die Anleitung von 2023 höchstens 5 Ampere für alle Steckdosen zusammen, Navi und Handy zählen also mit. Die KTM 890 Adventure (2023) gibt bis 10 Ampere frei.

Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch. In den Honda-Anleitungen steht außerdem, dass der Motor laufen sollte, solange du Strom abnimmst. Reicht die Steckdose nicht, gibt es Kabel mit eigener Sicherung direkt an die Batterie. Keis legt seiner Weste so ein Kabel bei, mit einem Satz Sicherungen, aus dem du nach dem Strombedarf deiner Kleidung wählst.

Eng wird es, wenn mehr dazukommt. Die Heizjacke J501 nennt Keis auf der hohen Stufe mit 60 Watt, das Dreieinhalbfache der Weste. Mit Handschuhen und Hose derselben Marke sind es 127 Watt, also gut zehn Ampere, zusätzlich zu Licht und Zündung. Im Leerlauf liefert die Lichtmaschine nur einen Teil ihrer Nennleistung, im Stau zahlt dann die Batterie drauf. Hängt der Sozius mit am selben Anschluss, addieren sich die Ampere, und Kabel und Sicherung müssen das hergeben.

Am Kabel musst du allerdings vor jedem Absteigen ausstecken, und wer es vergisst, merkt es am Zug in der Jacke. Pendelst du oder hältst oft an, fährst du mit Akku freier. Bist du lange Tage in der Kälte unterwegs, hast du am Kabel mehr Freude.

Zwischen Haut und Jacke

Eine Heizweste gehört nicht auf die nackte Haut. Keis schließt das aus, und auch in der Beschreibung der Gerbing-Weste steht eine dünne Schicht darunter. Darüber sitzt die Jacke, möglichst winddicht, damit die Wärme bleibt, wo sie hingehört.

Heikel wird es, wenn das Heizfeld lange fest gegen den Körper gepresst wird, etwa von der Lehne am Topcase bei deinem Sozius oder vom vollen Rucksack auf deinem Rücken. Dort kann sich Hitze stauen, und Keis warnt ausdrücklich vor engen oder schweren Schichten über den Heizelementen. Gedacht ist die Weste trotzdem als Schicht unter der Schutzkleidung: Anliegen soll sie, eingeklemmt sein aber nicht.

Auch Nässe verträgt sie schlecht. Wird sie nass, trennst du sie sofort vom Strom und lässt sie ganz trocknen.

Sicherheitshinweis: Haut kann bei längerem Kontakt schon ab etwa 44 Grad Blasen bekommen, und die hohe Stufe einer Weste kann deutlich darüber liegen. Lass die Weste deshalb nicht lange auf der höchsten Stufe laufen, schon gar nicht im Stand, und achte bei den ersten Fahrten genau darauf, wie warm sie sich anfühlt. Spürst du zu viel Hitze, Taubheit oder Schmerz, halte an, schalte ab und zieh die Weste aus. Hast du ein vermindertes Hitzeempfinden, Durchblutungsstörungen, Diabetes oder ein Implantat, frag vorher deinen Arzt. Unbemerkte Verbrennungen können schwer sein.

Mit einer Heizweste am Akku planst du den Tag vom Abend her: erst die letzte Stunde, dann die erste.

17:30 Uhr: Der Heimweg

Der Tag aus dem Anfang sieht mit ein paar Griffen anders aus. Du heizt vor der Abfahrt kurz auf der hohen Stufe auf, fährst auf der mittleren los, schaltest beim ersten Kaffee herunter, und das zweite Akkupaar wartet warm in der Innentasche.

Nach Sonnenuntergang wird es wieder kälter, und dann brauchst du die Reserve. Vor der Haustür ist der Rücken noch warm, das zweite Paar fast leer, und in der Küche wartet das Ladegerät.

❓ Häufige Fragen zur Heizweste

Wie lange hält eine Heizweste mit Akku?

Eine Heizweste mit Akku hält nach Herstellerangaben auf der höchsten Stufe rund zwei bis vier Stunden, auf der niedrigsten bis zu zwölf. Das hängt stark vom Akku ab. Wie viel im Fahrtwind bei Kälte übrig bleibt, geben die Anbieter nicht an.


Heizweste mit Akku oder am 12-Volt-Bordnetz?

Akku oder Bordnetz hängt von deiner Strecke ab. Mit Akku bist du frei und steigst ohne Stecker ab, die Laufzeit bleibt aber begrenzt. Am 12-Volt-Bordnetz heizt die Weste ohne Pause und oft kräftiger, dafür hängst du am Kabel. Für lange kalte Tage passt das Kabel oft besser.


Kann ich eine Heizweste an die Steckdose am Motorrad anschließen?

Anschließen lässt sich eine 12-Volt-Heizweste an die Bordsteckdose, sofern diese genug Strom hergibt. Für NT1100 und Africa Twin nennt Honda 24 Watt, bei der F 900 GS begrenzt BMW laut Anleitung von 2023 alle Steckdosen zusammen auf 5 Ampere. Vergleiche den Wert im Handbuch deiner Maschine mit der Angabe der Weste.


Wie viel Strom braucht eine Heizweste?

Der Strombedarf einer Heizweste ist je nach Modell sehr unterschiedlich. Für die hohe Stufe seiner 12-Volt-Weste gibt Keis 17 Watt an, das 12-Volt-Modell von Gerbing zieht 4,5 Ampere und damit rund 54 Watt. Eine Akkuweste von Gerbing liegt auf der hohen Stufe rechnerisch im Schnitt nur bei rund zehn Watt.


Heizweste oder Heizjacke?

Eine Heizweste reicht, wenn dir vor allem Rücken und Brust kalt werden, und sie belastet das Bordnetz weniger. Die Heizjacke wärmt auch die Arme, zieht aber deutlich mehr Strom. Bei Keis braucht die Jacke auf der hohen Stufe das Dreieinhalbfache der Weste, und am 5.000-mAh-Akku hält sie 50 Minuten statt drei Stunden.


Was ziehe ich unter die Heizweste?

Unter die Heizweste gehört eine dünne Funktionsschicht, nie die nackte Haut, so steht es auch bei Keis und Gerbing. Die Weste soll anliegen, ohne dass Rucksack oder Lehne das Heizfeld lange gegen den Körper pressen, denn das kann zu Verbrennungen führen.

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