
Die erste halbe Stunde merkst du nichts. Dann fängt es am linken Ohr an, ein dumpfer Druck, der bleibt, egal wie du den Kopf hältst. An der nächsten Tankstelle ziehst du den Helm ab, und beide Ohren glühen.
Drei Jahre lang saß dieser Helm perfekt, seit letzter Woche stecken zwei Lautsprecher drin. Der Helm drückt an den Ohren, und trotzdem ist er nicht plötzlich zu klein geworden. Ihm fehlen ein paar Millimeter, und bevor du einen neuen kaufst, lohnt sich die Suche danach.
Bevor du irgendetwas änderst, nimm die Lautsprecher heraus. Meist hängen sie an Klett, das Kabel steckst du so weg, dass es nicht am Ohr scheuert. Dann fährst du dieselbe Strecke wie an dem Tag, an dem es wehgetan hat, mindestens so lange.
Ist der Druck weg, hast du den Täter. Bleibt er, sind die Lautsprecher unschuldig, aber Kabel und Klemme des Geräts stecken noch im Helm. Taste sie ab und schau, ob die Polster wieder richtig sitzen. Erst wenn auch dort nichts aufträgt, stimmt vermutlich etwas an Größe oder Form des Helms. Du hast dabei nichts verloren außer einer Fahrt ohne Musik.
Prüf bei der Gelegenheit auch das Aufsetzen. Klappt dein Ohr beim Überziehen um, drückt es den ganzen Tag, ganz ohne Technik. Zieh den Helm an den Riemen etwas auseinander und fahr mit dem Finger nach, ob das Ohr flach und gerade liegt. Mit Brille gilt das doppelt, denn die Bügel laufen dort durch, wo jetzt auch noch der Lautsprecher sitzt.
Sind die Lautsprecher der Grund, geh von billig nach teuer vor:
Cardo nannte 2021 für die JBL-Lautsprecher seiner Packtalk-Geräte Bold und Slim 40 Millimeter Durchmesser und 9,2 Millimeter Tiefe. Für die aktuelle Packtalk Edge gibt Cardo nur den Durchmesser an. Sena nennt die Dicke bei gleichem Durchmesser in den technischen Daten: 6,5 Millimeter beim 20S EVO, 7,2 beim 5S und 50S, 8,6 beim 60S und neun beim Spider X Slim. Steht dein Gerät nicht dabei, leg den Lautsprecher flach hin und stell ein Lineal senkrecht daneben, dann kennst du deine Zahl. Klett und Polster kommen noch dazu.
Platz dafür sollen die Mulden im Innenschaum schaffen, bei Sena heißen sie Ohraussparungen. Wie tief sie sind, steht allerdings in keinem Datenblatt und keiner Anleitung, die wir gelesen haben. Shoei schreibt beim Hornet ADV „Vorbereitet für Kommunikationssysteme“, LS2 beim Advant II „Ready for LS2 INTERCOM“. Das sagt dir, dass jemand an den Lautsprecher gedacht hat. Wie viele Millimeter dabei herausgekommen sind, sagt es nicht.
Einen Richtwert gibt es nur für Helme, die für Universal-Zubehör und Lautsprecher vorbereitet sind. Für sie verlangt die Helmregelung ECE 22.06 eine Aussparung von mindestens 41 Millimetern Durchmesser und acht Millimetern Tiefe. Hält ein Helm nur dieses Minimum ein, ragt ein Lautsprecher mit 9,2 Millimetern schon ohne Klett aus der Mulde.
Also schau selbst hinein. Wie sich die Wangenpolster lösen, steht in der Anleitung deines Helms. Dahinter siehst du auf Ohrhöhe den Schaum: Liegt dort eine richtige Mulde, oder ist die Stelle nur leicht vertieft? Halte den Lautsprecher mit Klett und Polster davor, so wie er im Helm sitzt, und schau, wie weit er über den Rand steht. Was übersteht, kann später aufs Ohr drücken. Ob es das tut, zeigt erst die Anprobe.
Die Polster aus dem Karton sollen nicht das Ohr schonen. Sie bringen den Lautsprecher näher heran, damit er besser klingt. Sena sieht sie für Helme mit tiefen Aussparungen vor, Cardo empfiehlt dafür Klett-Pads und Schaum als Abstandhalter.
Am deutlichsten wird es in der Sena-Anleitung zum SRL-EXT, dem Nachrüstsystem für Shoei-Helme wie den NXR 2. Dort sind die Polster beim Kauf schon am Lautsprecher. Für den besten Klang rät Sena, den Lautsprecher so nah wie möglich ans Ohr zu bringen, mit den dicksten Polstern. Direkt darunter steht, was du tun kannst, wenn das unangenehm wird: dünnere Polster nehmen oder sie ganz weglassen. Das ist dein erster Schritt, und er kostet keinen Cent.
Dafür gibst du etwas Klang ab. Dreh dann nicht einfach lauter. Liegt der Lautsprecher zu hoch, zu tief oder zu weit hinten, verlierst du laut Cardo Klarheit, Lautstärke und Bass. Mit der richtigen Position, schreibt der Hersteller, bekommst du mehr davon, ohne aufzudrehen.
Beim NXR 2 von Shoei spielt noch ein Teil mit: das Ohrpolster. Sena lässt es beim Einbau herausnehmen und danach wieder einsetzen. In Shoeis eigener Anleitung fehlt es aber in der Liste der Teile, die vor dem Fahren befestigt sein müssen, dort stehen nur Kopfpolster, Wangenpolster und Kinnriemenabdeckungen. Ein Versuch ohne Ohrpolster ist damit drin.
Sena schreibt, die Lautsprecher gehörten zentriert vor die Ohren. Cardo räumt ein, dass die Mulde im Helm nicht immer zu deinem Ohr passt, und für den Klang könnten schon wenige Millimeter Versatz viel ausmachen. Deshalb kann derselbe Helm mit demselben Lautsprecher dem einen passen und dem anderen wehtun.
Die Probe ist schnell gemacht: Helm auf, Finger seitlich hinein, und fühl nach, ob die Mitte des Lautsprechers vor deinem Gehörgang liegt. Sitzt er zu weit hinten, zu hoch oder zu tief, setz ihn um. Cardo hält es ausdrücklich für in Ordnung, ihn dafür ein Stück aus der Mulde zu rücken.
Ganz ohne Haken geht das nicht. Liegt der Lautsprecher mit einer Kante auf dem Rand der Mulde, steht er dort höher. Dann gewinnst du Klang und verlierst möglicherweise Platz. Probier deshalb in kleinen Schritten, und merk dir vorher, wo der Lautsprecher saß.
Jede Änderung testest du zuerst auf dem Sofa, bevor du sie auf eine Tour mitnimmst. Helm auf, Visier hoch, eine Stunde lang. Das sieht albern aus, aber der Druck kam ja auch nicht in den ersten zehn Minuten.
Tut nur eine Seite weh, vergleich beide Lautsprecher direkt miteinander. Deine Ohren müssen nicht auf gleicher Höhe sitzen, mach die Fingerprobe also links und rechts einzeln.
Stimmt die Position auf beiden Seiten, nimm dir das Kabel vor. Cardo warnt in seinem Einbau-Ratgeber davor, es dort zu verlegen, wo Wangenpolster es einklemmen oder wo es gegen den Kopf drückt. Überlänge lässt sich beim Einbau leicht zu einer Schlaufe zusammenschieben, und die kann hinter dem Ohr landen. Fühl mit dem Finger unter dem Polster nach. Beim NXR 2 gehören Stecker und Kabel laut Sena in Aussparungen hinten im Helm, festgeklebt mit Klebeband.
Drückt es nur auf der Seite, an der das Gerät hängt, taste auch nach der Klemme. Ihre Rückplatte steckt zwischen Innenpolster und Außenschale, und dort kann sie auftragen.
Bringt das alles nichts, bleiben zwei Wege. Der erste ist ein flacherer Lautsprecher, und zwischen den Zahlen von oben liegen immerhin fast drei Millimeter. Solche Sätze gibt es als Zubehör, nur passt nicht jeder Stecker an jedes Gerät, und die Bauhöhe steht nicht immer dabei. Frag vor dem Kauf nach der Tiefe in Millimetern und vergleich sie mit deiner Zahl vom Lineal.
Der zweite Weg sind dünnere Wangenpolster, und den gehst du zuletzt. Sie helfen nur, wenn das Polster selbst gegen Ohr und Lautsprecher arbeitet, und sie lockern den ganzen Helm. Bei vielen Shoei-Helmen liegen zwischen den Standardpolstern und der dünneren Stufe vier Millimeter pro Seite.
Prüf danach den Sitz. Fass den Helm mit beiden Händen und versuch, ihn nach oben, unten und zu den Seiten zu schieben, während dein Kopf stillhält. Bewegt er sich leicht, ist er jetzt zu locker, und dann bringt die gewonnene Ruhe am Ohr nichts mehr. Ein zu großer Helm kann verrutschen, die Sicht behindern oder sich bei einem Unfall lösen.
Früher oder später liest du in einem Forum den Tipp, die Mulde einfach tiefer zu schneiden oder den Schaum einzudrücken. Das klingt logisch und ist der einzige Rat in dieser Geschichte, der dich richtig teuer zu stehen kommen kann. Der harte Schaum unter den Polstern ist kein Füllstoff. Er ist der Teil des Helms, der beim Aufprall den Schlag aufnimmt.
Sicherheitshinweis: Schneide, bohre oder drücke nie im Schaum oder an der Schale deines Helms, um Platz für Lautsprecher zu schaffen. Bohren und Einschneiden nennt Shoei äußerst gefährlich, weil beides die Helmstruktur erheblich schwächen kann. Bei einem Sturz auf diese Stelle drohen dann schwere oder tödliche Kopfverletzungen. Passt der Lautsprecher nicht, tausch den Lautsprecher oder den Helm.
Bleibt der Druck trotz aller Versuche, ist dieser Helm für dieses System zu eng. Teuer, ja. Aber wer den halben Tag denkt, der Helm drückt an den Ohren, denkt in dieser Zeit nicht an die Straße.
Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel ordnet die Lage allgemein und journalistisch ein (Stand: November 2026). Er ist keine Rechtsberatung, und Einzelfälle können anders liegen. Wenn es bei dir konkret wird, frag deinen Helmhersteller oder eine Prüforganisation.
Den nächsten Helm suchst du anders aus. Manche Hersteller stimmen Helm und Sprechanlage aufeinander ab, etwa Shoei mit dem SRL3 oder Schuberth mit dem SC2. Ein Nachrüstgerät lässt sich dagegen an viele Helme bauen, nur die Lautsprecher müssen sich ihren Platz suchen, und das prüfst du schon im Laden.
Schau dort auch auf das Etikett am Kinnriemen. Bei Helmen nach ECE 22.06 zeigt das Prüfzeichen, ob der Helm für Zubehör vorbereitet ist. SA steht für Zubehör zu einem bestimmten Helmmodell, UA für separat genehmigtes Universal-Zubehör, und ein zusätzliches S heißt, dass der Helm mit Lautsprecher-Attrappen von 40 Millimetern Durchmesser geprüft wurde. UA ist noch selten, Schuberth nennt seinen Klapphelm Concept den ersten Helm mit dieser Genehmigung.
Zubehör gehört nach den Vorgaben des Helmherstellers angebracht. Garantieren kann die Schutzwirkung mit Gerät laut Regelung nur Zubehör, das bei der Typprüfung des Helms bewertet wurde, oder genehmigtes Universal-Zubehör an einem UA-Helm. Ob das auf dein Gerät zutrifft, weiß der Helmhersteller, frag ihn vor dem Kauf.
Frag den Verkäufer, ob du ein Wangenpolster herausnehmen darfst, und schau dir die Mulde an. Halt den Lautsprecher hinein. Dann trag den Helm mindestens zehn Minuten, gern länger. Das gilt auch für den zweiten Helm im Haushalt, denn wer hinten sitzt, hat andere Ohren als du, selbst im selben Modell.
Pack die Lautsprecher beim nächsten Helmkauf also in die Jackentasche. Und wenn der Verkäufer fragt, was du mit den zwei kleinen Scheiben vorhast: Du prüfst, ob neun Millimeter in diesen Helm passen. Das steht in keinem Datenblatt.
Warum drückt der Helm an den Ohren, seit das Intercom drin ist?
Lautsprecher tragen im Helm auf, meist dort, wo vorher Luft am Ohr war. Reicht die Mulde im Schaum nicht aus, kann der Überstand auf die Ohrmuschel drücken, und das spürst du oft erst nach einer Weile. Klett und Abstandspolster tragen zusätzlich auf.
Wie dick sind Intercom-Lautsprecher?
Intercom-Lautsprecher bauen je nach Modell unterschiedlich hoch. Cardo nennt für die JBL-Lautsprecher von Packtalk Bold und Slim 9,2 Millimeter Tiefe bei 40 Millimetern Durchmesser, Sena je nach Gerät 6,5 bis neun Millimeter. Für dein eigenes Set hilft am schnellsten ein Lineal.
Kann ich die Polster hinter den Lautsprechern weglassen?
Abstandspolster lassen sich weglassen, wenn sie stören. Sena nennt das in einer Anleitung ausdrücklich als Möglichkeit. Sie sollen nur den Abstand zum Ohr verringern, ohne sie kann es deshalb etwas leiser und bassärmer klingen.
Wo müssen die Lautsprecher im Helm sitzen?
Die Lautsprecher gehören mittig vor den Gehörgang. Taste das mit aufgesetztem Helm und einem Finger ab, denn die Mulde im Schaum liegt nicht bei jedem Kopf am richtigen Fleck. Cardo hält es für in Ordnung, den Lautsprecher dafür etwas aus der Mulde zu rücken.
Darf ich für die Lautsprecher Schaum aus dem Helm schneiden?
Schaum solltest du für Lautsprecher nie aus dem Helm schneiden oder eindrücken. Laut Shoei kann das Einschneiden die Helmstruktur erheblich schwächen. Sinnvoller sind flachere Lautsprecher oder ein Helm mit tieferer Mulde.
Haben alle Helme Aussparungen für Lautsprecher?
Aussparungen für Lautsprecher haben viele Helme, aber nicht alle sind gleich tief, und eine Tiefe nennen die Hersteller meist nicht. Nur für Helme mit UA und S im Prüfzeichen verlangt die Regelung ECE 22.06 mindestens acht Millimeter. „Vorbereitet für Kommunikationssysteme“ sagt darüber wenig aus. Nimm vor dem Kauf ein Wangenpolster heraus und sieh dir die Stelle an.
Passt ein Intercom zu jedem Helm?
Ein Intercom passt nicht automatisch zu jedem Helm. Ein Helm nach ECE 22.06 nennt im Prüfzeichen, ob er für Zubehör vorbereitet ist: SA für Zubehör zu einem bestimmten Modell, UA für genehmigtes Universal-Zubehör. Ob dein System zu deinem Helm gehört, klärst du am besten direkt mit dem Helmhersteller.
0 Stimmen: 0× Daumen hoch, 0× Daumen runter (0 Punkte)






