
Im Herbst ist schnell entschieden, wo du den Motorradhelm lagern willst: oberstes Fach im Kleiderschrank, neben der Lederkombi. Gegen Motten liegt dort ein Säckchen Kugeln, oder es wird einmal kräftig gesprüht. So ein Platz kann dem Helm schaden, und ansehen wirst du es ihm nicht. Ein japanischer Helmhersteller warnt, dass Insektenspray den stoßdämpfenden EPS-Kern beschädigen kann, und rät gleich dazu, den Ablageplatz für den Helm sorgfältig auszuwählen.
Zwischen Schale und Polstern sitzt eine dicke Schicht aus geschäumtem Kunststoff, der EPS-Kern, im Alltag oft einfach Styropor genannt. Bei einem Aufprall wird dieser Kern zusammengedrückt und fängt dabei den Stoß ab. Danach kann er keinen weiteren Stoß mehr dämpfen. Darum tauschst du einen Helm aus, der bei einem Sturz aufgeschlagen ist, auch wenn er von außen heil aussieht.
Der Kern verträgt manches schlecht. Die Sicherheitshinweise von Shoei zählen Insektenspray, Hitze über 50 Grad, Benzin und andere Lösungsmittel auf. Tückisch daran ist, dass der Schaden nicht sichtbar sein muss. Für Benzin, Glasreiniger und Lösungsmittel steht dort ausdrücklich, der Helm könne schwer beschädigt werden, „ohne dass Sie den Schaden sehen können“.
Dazu kommt das Alter. Shoei empfiehlt, einen Helm nach etwa fünf Jahren zu ersetzen, weil die Schutzwirkung des Schaumkerns mit den Jahren nachlässt. Das gilt ausdrücklich bei normaler Nutzung, Pflege und Lagerung. Ein Winter neben Mottenkugeln oder am Heizkörper ist in dieser Rechnung nicht vorgesehen.
Vier Plätze liegen nahe, wenn du deinen Motorradhelm lagern willst, und jeder bringt ein eigenes Problem mit.
Als Beispiel für Insektensprays nennt Shoei Naphthalin, den Stoff, aus dem klassische Mottenkugeln bestehen. Solche Kugeln wirken über ihren Dampf: Der Stoff geht langsam in die Luft über und verteilt sich im geschlossenen Schrank, dafür ist er gemacht. Ein Helm im selben Fach kommt damit in Berührung, ohne dass jemand sprüht.
Ab wann das dem Schaum schadet, beziffert der Hersteller nicht, und nach Wirkstoffen unterscheidet er auch nicht. Was in deinem Mottenschutz steckt, steht auf der Packung. Einfacher ist eine klare Regel: Lagere den Motorradhelm nur in einem Schrank ohne Mottenmittel. Gesprüht wird nie in ein Fach, in dem der Helm steht.
Das oberste Fach hat noch einen Nachteil: Von dort oben rutscht ein Helm beim Herausnehmen leicht ab. Fällt er dir herunter und bist du unsicher, ob er etwas abbekommen hat, frag beim Hersteller nach, bevor du wieder losfährst.
In der Garage stehen Benzinkanister, Kettenspray, Bremsenreiniger und vielleicht noch die Wespenspraydose vom Sommer. Damit ist das Insektenspray schon im Regal, dazu Benzin und Lösungsmittel, und beim Sprühen zieht der Nebel leicht ins Nachbarfach. Vor Dampf schützt die Schale den Schaumkern nur bedingt: Er sitzt innen, hinter dem Polster, und Dampf kommt durch die offene Unterseite an ihn heran.
Bleibt der Helm über den Winter am Motorrad, hängt er schnell einmal am Spiegel, unter der Plane. Davon rät Shoei ab, weil Schale und Schaumkern an solchen gewinkelten Stellen Schaden nehmen können. Auch alles, was Spuren im Styropor hinterlassen kann, taugt nicht als Halter, etwa ein dünner Haken an der Wand.
Neben eine Batterie mit Säurespuren gehört der Helm ebenso wenig, denn Batteriesäure kann die Grundplatte des Visiers beschädigen. Und auf den Tankdeckel legst du ihn auch im Winter nicht: Der Touring Club Schweiz warnt, dass die Dämpfe dort auf Dauer das Material angreifen.
Im geheizten Zimmer kannst du den Motorradhelm lagern, nur nicht direkt an der Heizung. Shoei zieht die Grenze bei 50 Grad. Wärmer soll es dort, wo der Helm liegt, nicht werden, sonst verformen sich der Schaumkern und die Kunststoffteile, und der Helm dämpft Stöße erheblich schlechter. Die 50 Grad sind die Zahl dieses Herstellers, die Grenze für deinen Helm steht in seiner Anleitung.
Auch die Fensterbank fällt weg. Die Wintersonne steht tief und scheint weit ins Zimmer, und direkte Sonne soll den Helm nicht treffen. Neonfarben bleichen in der Sonne schneller aus als andere Farben, und ein Visier aus Polycarbonat wird durch die UV-Strahlung spröde.
Zum Trocknen gehört der Helm genauso wenig auf den Heizkörper. Die Anleitungen dieses Herstellers schließen Wäschetrockner und Haartrockner aus, der Schaumkern sei sehr empfindlich gegenüber Hitze. War der Helm hohen Temperaturen ausgesetzt, soll ihn der Händler oder der Hersteller begutachten.
Der ADAC rät, alle Teile vor dem Einlagern vollständig trocknen zu lassen und den Helm an einem trockenen Platz aufzubewahren. Ein Kellerregal, an dem es im Februar klamm riecht, erfüllt das nicht. Ein Innenpolster, das feucht dorthin kommt, trocknet in der kühlen, feuchten Luft auch kaum.
Bei manchen Helmen kann eine eingebaute Sonnenblende unter bestimmten Lagerbedingungen durch Luftfeuchtigkeit weiß anlaufen. Dann reinigst du die Blende mit einem weichen Tuch, wie es für Brillen verwendet wird. Die Antibeschlagscheibe nimmt große Mengen Feuchtigkeit auf, darauf beruht ihre Wirkung. Ausgebaut liegt die Scheibe am besten in einem weichen Tuch, an einem dunklen Ort ohne Feuchtigkeit und Staub.
In den Shoei-Unterlagen taucht Kälte nicht als Gefahr für den Helm auf. Der ADAC nennt trotzdem Zimmertemperatur als Ideal und rät zu einem Platz mit möglichst gleichbleibender Temperatur, ohne das näher zu begründen. Ein naheliegender Grund: Wo die Temperatur schwankt, schlägt sich Feuchtigkeit an kalten Flächen nieder. Eine unbeheizte Garage folgt dem Wetter. Ein trockener Keller schneidet besser ab, weil es dort gleichmäßiger kühl bleibt. Am nächsten kommt dem Ideal aber ein Platz in der Wohnung.
Sicherheitshinweis: Ein geschwächter EPS-Kern kann aussehen wie ein intakter, und ob er dich noch schützt, zeigt sich erst bei einem Sturz. Hat dein Helm über den Winter Insektenspray, Benzin, Lösungsmittel oder große Hitze abbekommen, frag deshalb beim Händler oder beim Hersteller nach, bevor du wieder damit fährst. Im Zweifel ersetzt du den Helm.
Für die Schale nennt Shoei eine einfache Mischung: fünf bis sechs Tropfen milde Seife auf einen Viertelliter warmes Wasser. Damit befeuchtest du ein weiches Tuch, wischst den Helm sauber und nimmst die Lauge mit einem nassen Tuch wieder ab. Politur und Wachs lässt du weg, vor allem auf matten Helmen hinterlassen sie leicht Verfärbungen.
Nach einer Saison können in den Lüftungsöffnungen Insekten und Schmutz stecken. Kontrollier und säubere das Belüftungssystem, sonst behindern verstopfte Kanäle die Frischluft. Merken würdest du das erst an einem warmen Frühlingstag. Die Gummidichtung am Visierausschnitt reinigst du mit lauwarmem Wasser und einem weichen Tuch, damit der Gummi nicht am Visier verklebt. Lag im Karton deines Helms Silikonöl für den Gummi, wie bei einigen Modellen, gibst du danach ein wenig davon an die Stellen aus der Anleitung. Was zu viel ist, wischst du ab, bevor es aufs Visier gerät.
Dann kommen die Polster an die Reihe. Bei Shoei lassen sie sich herausnehmen und von Hand oder im Wäschesäckchen lauwarm in der Maschine waschen. Getrocknet wird im Schatten, ohne Trockner und ohne Föhn. Den Schaumkern selbst wischst du nur mit einem weichen Tuch und etwas neutraler Seifenlösung ab. Beachte immer die Freigaben und Angaben in der Gebrauchsanweisung deines Helms.
Erst wenn alles trocken ist, geht der Helm ins Lager. Das Visier bleibt dabei ein Stück offen, damit Restfeuchte entweichen kann, und die Dichtung wird nicht monatelang zusammengedrückt. Die Handschuhe kommen nicht in den Helm, mit ihnen wandern Dreck und Feuchtigkeit hinein.
Der Platz selbst ist trocken und dunkel, mit Abstand zur Heizung und ohne Spraydosen im selben Regal. Den Helmbeutel, der vielen Helmen beiliegt, ziehst du darüber, dann bleibt der Staub draußen. Eine verschlossene Plastiktüte passt nicht dazu, denn durch das offene Visier soll die Restfeuchte ja hinaus.
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Steckt ein Kommunikationssystem am Helm, braucht dessen Akku über den Winter ein wenig Aufmerksamkeit. Der Hersteller Cardo rät, seine Geräte mindestens alle drei Monate volle vier Stunden zu laden. Der Akku entlädt sich auch ausgeschaltet. Für andere Systeme gilt deren Anleitung.
Lädst du das Gerät vor dem Einlagern voll und trägst dir den nächsten Ladetermin gleich in den Kalender ein, kannst du den Motorradhelm lagern, bis die Saison wieder beginnt.
Bevor der Helm im März wieder auf den Kopf kommt, machst du den Check, den die Sicherheitshinweise vor jeder Fahrt vorsehen. Visier und Schrauben prüfen und die Schrauben bei Bedarf nachziehen, den Helm auf Risse ansehen, den Kinnriemen fest schließen und nur mit eingesetztem Kopf- und Wangenpolster fahren. Findest du Risse oder Schäden am Helm, fährst du nicht mehr mit ihm. Lässt nur ein Teil wie das Visier nach, tauschst du es aus oder besorgst dir einen neuen Helm.
Ein zweiter Test braucht kein Werkzeug: Halte die Nase ins Innenfutter. Riecht es nach Mottenkugeln oder nach Lösungsmittel, stand der Helm über den Winter zu nah an der Quelle. Dann klärst du mit dem Händler oder dem Hersteller, ob du den Helm noch tragen kannst.
Unter dem Kopfpolster klebt bei Shoei ein kleiner weißer Aufkleber mit dem Herstellungsdatum. Liegt das gut fünf Jahre zurück, ist der Frühling ein guter Moment, über einen neuen Helm nachzudenken.
Ein Helm sieht im März aus wie im Oktober, ganz gleich, wo er gelegen hat. Was er dazwischen erlebt hat, kannst nur du beantworten.
Welcher Platz eignet sich im Winter für den Motorradhelm?
Ein Motorradhelm überwintert am besten in einem trockenen, dunklen Raum bei etwa Zimmertemperatur, im Helmbeutel und mit leicht geöffnetem Visier. Fernhalten solltest du den Helm von Heizkörpern, direkter Sonne, Insektenmitteln und Lösungsmitteln.
Schaden Mottenkugeln dem Motorradhelm?
Mottenkugeln gehören nicht in die Nähe des Helms. Shoei warnt vor Insektensprays in Helmnähe und nennt als Beispiel Naphthalin, den klassischen Inhaltsstoff solcher Kugeln. Betroffen wäre der EPS-Kern im Inneren, und einen Schaden dort siehst du von außen nicht.
Kann der Helm im Winter in der Garage liegen?
In einer unbeheizten Garage liegt der Helm im Winter nicht ideal, weil die Temperatur dort mit dem Wetter schwankt. Der ADAC rät zu einem trockenen Platz mit möglichst gleichbleibender Temperatur, am besten bei Zimmertemperatur. Muss der Helm trotzdem in die Garage, dann trocken und weit weg von Benzin, Sprays und Lösungsmitteln.
Wie warm darf es beim Lagern des Helms werden?
Beim Lagern sollte ein Helm laut Shoei nicht wärmer als 50 Grad werden, als Beispiel nennt der Hersteller die Nähe einer Heizung. Darüber können sich EPS-Kern und Kunststoffteile verformen. Direkte Sonne soll den Helm ebenfalls nicht treffen.
Wie reinige ich den Helm vor dem Einlagern?
Vor dem Einlagern säuberst du die Helmschale mit warmem Wasser und wenig milder Seife, Shoei nennt fünf bis sechs Tropfen auf einen Viertelliter. Benzin, Glasreiniger und andere Lösungsmittel sind tabu, Politur und Wachs ebenso. Herausnehmbare Polster werden lauwarm gewaschen und im Schatten getrocknet.
Darf der Motorradhelm über den Winter am Spiegel hängen?
Am Spiegel des Motorrads sollte ein Helm auch im Winter nicht hängen. Shoei warnt vor gewinkelten Stellen als Halter, weil Schale und Schaumkern Schaden nehmen können. Auf einem Regalbrett im Helmbeutel liegt er besser.
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