Warum scheuert der Schalthebel immer dieselbe Stelle am Motorradstiefel durch?

Stell deine Motorradstiefel einmal nebeneinander. Am linken ist oben auf dem Vorfuß, kurz hinter der Spitze, eine Stelle matt und grau, am rechten nicht. Irgendwann ist das Leder dort dünn, und irgendwann ist es durch.

Den Fleck macht der Schalthebel, bei jedem Hochschalten an derselben Stelle. Ganz verhindern lässt sich das nicht. Wie schnell es geht, entscheiden aber vor allem der Stiefel und die Stellung des Hebels, und an beidem kannst du etwas tun.

Beim Hochschalten drückt der Hebel aufs Leder

Zum Hochschalten geht der Hebel nach oben. Dafür schiebst du die Fußspitze unter den Hebel und hebst sie an. Das Trittstück am Ende des Hebels drückt dabei von unten gegen das Obermaterial und rutscht außerdem etwas darüber, weil sich Fuß und Hebel um verschiedene Punkte drehen.

Die Stelle ist jedes Mal dieselbe. Dein Fuß steht auf der Raste immer ungefähr gleich, und der Hebel dreht sich um einen festen Punkt. Also trifft das Trittstück denselben Fleck Leder, Gang für Gang und Saison für Saison. Beim Herunterschalten drückst du den Hebel dagegen mit der Sohle nach unten, und die ist dafür gemacht. Rechts gibt es den Fleck nicht, weil du die Hinterradbremse ebenfalls mit der Sohle trittst. Hat dein Motorrad eine Schaltwippe, wie manche Cruiser, kannst du mit der Ferse hochschalten und schonst die Spitze.

Wie schnell der Fleck wächst, hängt auch von deinen Strecken ab. In der Stadt und auf Passstraßen schaltest du ständig, auf der Autobahn kaum. Ein Quickshifter ändert daran nichts, und auch mit der E-Clutch, die Honda für die CBR650R anbietet, ziehst du den Schalthebel mit dem Fuß nach oben. Nur die Hand am Kupplungshebel bleibt dabei in Ruhe. Anders an einer R 1300 GS, die den automatisierten Schaltassistenten hat: Im Modus D übernimmt das Motorrad alle Gangwechsel selbst, und hochschalten musst du mit dem Fuß gar nicht mehr.

Schneller dünn wird die Stelle durch Kontakt zwischen den Schaltvorgängen. Liegt der Hebel schon in Ruhestellung am Stiefel an, oder ruht der Fuß beim Dahinrollen unter dem Hebel, reibt das Trittstück auch dann, wenn du gar nicht schaltest. Bei jeder Bodenwelle bewegt sich der Fuß ein wenig, und das Leder schiebt sich mit ihm über den Gummi.

Der Hebel selbst hat seinen Anteil. Ein schwergängiger Hebel braucht mehr Kraft, und die drückt das Trittstück fester gegen den Stiefel. Yamaha lässt die Funktion von Fußbrems- und Schalthebel vor jeder Fahrt prüfen und die Drehpunkte bei Bedarf schmieren.

Die Schaltverstärkung nutzt sich ab, dafür ist sie da

Viele Motorradstiefel haben genau an dieser Stelle eine zweite Lage, links auf dem Vorfuß. Die Hersteller nennen sie Schaltverstärkung, Schalthebelverstärkung oder auf Englisch Gear Shift Reinforcement. Sie soll sich abreiben, damit das Obermaterial darunter heil bleibt.

Dass sie dabei verschleißt, ist also kein Mangel. Ein deutscher Stiefelhersteller bietet in seinem Reparaturservice sogar an, nur sie zu erneuern.

Schau dir deshalb zuerst an, was an deinem linken Stiefel grau wird. Ist es die aufgesetzte Lage, arbeitet sie so, wie sie soll. Ist sie durchgescheuert oder hat dein Stiefel gar keine, reibt der Hebel direkt am Obermaterial. Diese Frage entscheidet, was du als Nächstes tust.

Was du am linken Stiefel siehstWas du tust
Verstärkung grau, Leder darunter heilAbstand zum Hebel prüfen, Leder pflegen
Verstärkung durch oder keine vorhandenSchoner darüber oder Verstärkung erneuern lassen
Obermaterial dünnReparatur anfragen, bis dahin Schoner
Obermaterial durchReparatur, schon wegen der Nässe

Zwischen Schalthebel und Stiefel gehört Luft

Den Dauerkontakt zwischen den Schaltvorgängen schließt ein Maß aus, das KTM für die 890 Adventure angibt. Sitzt du in Fahrposition, soll der Hebel in seiner Grundstellung frei über dem Stiefel stehen, 10 bis 20 Millimeter von dessen Oberseite entfernt. Drückt er ständig auf den Stiefel, leidet laut KTM das Getriebe unter der Dauerlast, und auch ein Quickshifter kann dann Fehler machen.

Gemessen wird im Sitzen, und dafür brauchst du zwei Helfer. Auf einen Ständer setzt du dich dabei nicht: Hersteller wie BMW und Kawasaki warnen davor, auf der Maschine zu sitzen, solange sie auf dem Haupt- oder Seitenständer steht.

Ein Helfer hält das Motorrad deshalb gerade, während du in Fahrposition sitzt, beide Stiefel auf den Rasten wie unterwegs. Der andere misst mit dem Zollstock zwischen Stiefel und Hebel. Für den Stiefel ist der Abstand ein Gewinn, denn dann reibt der Hebel nur noch beim Schalten.

Nach dem Gangwechsel gehört der Fuß mit dem Fußballen zurück auf die Raste, statt mit der Spitze unter dem Hebel zu bleiben. Für die Schaltassistenten von R 1300 GS und F 900 GS gibt BMW vor, den Hebel nach jedem Schaltvorgang vollständig zu entlasten. Dort geht es um die Technik, dem Stiefel tut es genauso gut.

Schalt außerdem entschlossen. Für die XSR900 GP rät Yamaha, den Hebel beim Schalten kräftig zu bewegen, bis der Gang spürbar sitzt. Ein zögerliches Antippen kann den Gang kosten, und dann schiebst du das Trittstück beim zweiten Versuch noch einmal über dieselbe Stelle.

Ob du die Grundstellung selbst ändern kannst, zeigt das Handbuch. An der F 900 GS und der F 800 GS setzt du das Trittstück in eine von zwei Aufnahmen und drehst es in die passende Lage. An der R 1300 GS geht das nur mit bestimmten Ausstattungspaketen.

KTM lässt den Hebel an der 890 Adventure und an der 390 Duke mit der Schaltstange verstellen, in einem begrenzten Bereich. Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch. Die Anleitungen der Yamaha Tracer 700, der Honda CBR650R und der Kawasaki Ninja 650 sagen zum Verstellen nichts. Steht der Weg nicht in deinem Handbuch, gehört die Frage in die Werkstatt.

Auch ein Umfaller kann den Abstand verändern. Liegt die Maschine auf der linken Seite, kann es den Schalthebel treffen, und ein verbogener Hebel sitzt danach an einer anderen Stelle als vorher. Schau ihn dir nach so einem Tag genau an und lass ihn im Zweifel in der Werkstatt prüfen, statt ihn selbst zurückzubiegen oder dich an die neue Lage zu gewöhnen.

Sicherheitshinweis: Ein Hebel, der beim Schalten anschlägt oder falsch steht, kann dich einen Gang verfehlen lassen. Dann fehlt plötzlich der Antrieb, und mitten im Überholen kann das gefährlich werden. Prüf deshalb nach jeder Änderung am Hebel auf einer ruhigen Strecke, ob alle Gänge sauber einrasten.

Der Schoner hält nur auf heilem Leder

Schoner zum Überziehen, im Handel etwa als Schaltschutz oder Schaltschützer angeboten, gibt es für Stiefel ohne eigene Verstärkung, oder wenn sie schon durch ist. Das kann etwa ein Stück Rindleder sein, das mit einem Gummiband über dem Vorfuß sitzt. Es nimmt den Abrieb auf und wird durch ein neues ersetzt, wenn es verbraucht ist. Wichtig ist, dass so ein Schoner stramm sitzt und nicht verrutscht. Er macht die Stiefelspitze außerdem ein wenig dicker. Miss den Abstand zum Hebel deshalb mit dem Schoner noch einmal nach.

Ein Schoner reicht, solange das Leder darunter noch heil ist. Er bremst den Verschleiß, repariert aber nichts. Ist das Obermaterial schon durch, gehört der Stiefel zuerst in die Reparatur.

Gegen Verletzungen hilft ein Schoner nicht. Er schützt den Stiefel, nicht den Fuß, und aus einem Sneaker macht er keinen Motorradstiefel: Knöchelschutz und feste Sohle fehlen weiterhin. Gedacht ist der Schoner für Motorradstiefel, deren Verstärkung fehlt oder abgenutzt ist.

Auch am Hebel lässt sich etwas tun. Schau dir das Trittstück an: Ist sein Gummi rissig oder abgefahren, liegt ein Teil des Problems dort. Für abgenutzte Trittstücke gibt es Gummikappen zum Überstülpen.

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Pflege für die graue Stelle, Reparatur für das Loch

Solange die Stelle nur grau und rau ist, hilft Pflege. Der Stiefelhersteller mit dem Reparaturservice rät in seiner Pflegeanleitung, Staub und Schmutz mit einem Tuch oder einer nicht zu harten Bürste zu entfernen. Vor dem Hochdruckreiniger warnt die Anleitung, weil der das Leder brüchig macht.

Nach dem Reinigen kommt eine dünne Schicht Lederpflege auf das saubere Leder. Bei Stiefeln mit Gore-Tex-Membran nennt derselbe Hersteller Pflegemittel mit wenig Fett oder Öl, damit die Stiefel atmungsaktiv bleiben. Ein neues Mittel probierst du am besten zuerst an einer Stelle, die keiner sieht, denn manches Mittel verändert den Farbton.

Grau wird die Stelle, weil zuerst Farbe und Oberfläche abgerieben werden. Für solche strapazierten Stellen in schwarzem Leder nennt die Anleitung Lederschwärze. Das ist Kosmetik, dicker wird das Leder davon nicht.

Ist es schon dünn, hat der Asphalt bei einem Sturz an dieser Stelle weniger Material abzureiben, bevor er beim Fuß ankommt. Ist es durch, kann Wasser eindringen, und bei Stiefeln mit Membran kann auch die darunter gelitten haben. Spätestens dann gehört der Stiefel in die Reparatur.

Hat dein Stiefel eine Membran, frag zuerst beim Hersteller, ob er die Arbeit übernimmt, denn eine Naht, die beim Flicken durch alle Lagen geht, kann die Membran durchstechen. Ein Schuhmacher oder Sattler, der Motorradstiefel annimmt, ist vor allem für Stiefel ohne Membran die richtige Adresse.

Neue Stiefel, neuer Abstand

Der Abstand zum Hebel hängt auch vom Stiefel ab. Ein gefütterter Winterstiefel oder eine dickere Sohle, und der Abstand, den du mit dem alten Paar gemessen hast, stimmt nicht mehr. Im Herbst, wenn die warmen Stiefel aus dem Schrank kommen, passiert das oft ganz nebenbei.

Steht der Hebel danach zu tief, quetschst du die Fußspitze bei jedem Hochschalten darunter, und das Leder bekommt mehr Druck ab als vorher. Steht er zu hoch, etwa wenn im Frühjahr wieder das leichtere Paar dran ist, musst du den Fuß weiter anheben und triffst den Hebel womöglich nicht beim ersten Versuch. Beides merkst du nach ein paar Kilometern, der Stiefel merkt es nach einer Saison.

Rechts gilt dasselbe für den Fußbremshebel, und dort zählt es mehr als jeder Fleck. Erwischst du den Bremshebel mit dem dickeren Stiefel schlechter, bremst du hinten später oder schwächer als gewohnt. Liegt der Stiefel dagegen ständig leicht auf dem Hebel, schleift die Hinterradbremse mit. Wohin das führen kann, beschreibt KTM für die 890 Adventure beim Leerweg des Fußbremshebels: Fehlt dieser Leerweg, baut sich in der hinteren Bremse Druck auf, und eine überhitzte Bremsanlage fällt aus.

An der R 1300 GS lässt sich mit denselben Ausstattungspaketen auch das Trittstück der Fußbremse verstellen, durch Drehen um 90 Grad.

Miss den Abstand neu, wenn du den Stiefel wechselst, und probier das erste Hochschalten und Bremsen mit dem neuen Paar nicht im Berufsverkehr. Fährst du zwei Paar im Wechsel, miss mit beiden: Die Hebel sollen bei keinem Paar in Ruhe aufliegen und mit beiden sicher zu treffen sein. Passt es nicht mehr, gilt dasselbe wie für jede Hebeleinstellung: nach Anleitung oder in der Werkstatt.

Beim nächsten Stiefelkauf schau dir deshalb den linken Vorfuß genau an. Sitzt dort eine aufgesetzte zweite Lage, und lässt sie sich später erneuern?

❓ Häufige Fragen zu Schalthebel und Motorradstiefel

Warum bekommt der linke Motorradstiefel ein Loch?

Der linke Motorradstiefel bekommt ein Loch, weil das Trittstück des Schalthebels beim Hochschalten immer an derselben Stelle gegen das Obermaterial drückt. Liegt der Hebel auch in Ruhestellung am Stiefel an oder ruht der Fuß darunter, reibt das Trittstück zusätzlich zwischen den Gangwechseln. Eine Schaltverstärkung oder ein Schoner fängt diesen Abrieb ab.


Wie viel Abstand braucht der Schalthebel zum Stiefel?

Für den Schalthebel der 890 Adventure nennt KTM 10 bis 20 Millimeter zwischen Oberkante des Stiefels und Hebel, gemessen in Fahrposition. In der Grundstellung soll der Hebel den Stiefel dort nicht berühren. Für andere Modelle steht ein Wert, falls es einen gibt, in der jeweiligen Anleitung.


Kann ich den Schalthebel selbst einstellen?

Den Schalthebel stellst du nur selbst ein, wenn das Handbuch deines Motorrads den Weg dafür beschreibt. Für BMW F 900 GS und KTM 890 Adventure gibt es eine solche Anleitung, für Tracer 700, CBR650R und Ninja 650 nicht. Fehlt sie, ist die Werkstatt der richtige Ansprechpartner.


Lässt sich eine abgescheuerte Schaltverstärkung erneuern?

Eine abgescheuerte Schaltverstärkung lässt sich erneuern, wenn der Hersteller oder ein Schuhmacher das übernimmt, bei Stiefeln mit Membran am besten der Hersteller. Bis dahin hält ein Schoner den Hebel vom Leder fern.


Hilft ein Schalthebelschoner auch bei Sneakern?

Ein Schalthebelschoner ist kein Ausweg für Sneaker. Er schont das Obermaterial, den Fuß schützt er bei einem Sturz nicht, und Knöchelschutz und eine feste Sohle bekommt der Schuh dadurch auch nicht. Gedacht ist er für Motorradstiefel ohne eigene oder mit abgenutzter Verstärkung.

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