
Dein Helm in L sitzt perfekt, also kommt der nächste ebenfalls in L in den Warenkorb. Drei Tage später drückt der neue an der Stirn, oder er wackelt, sobald du den Kopf schüttelst. Kaputt ist nichts. Die beiden Helme kommen von zwei Herstellern, die unter L etwas anderes verstehen.
Die Helmgröße legt jeder Hersteller selbst fest. Beim japanischen Helmhersteller reicht L laut Katalog 2026 von 59 bis 60 Zentimeter Kopfumfang, beim koreanischen laut eigener Größentabelle von 58 bis 59. Mit 60 Zentimetern trägst du also beim einen L und beim anderen XL. Der Buchstabe auf dem Etikett ist eine Übersetzung, kein Maß.
Nebeneinander sieht das so aus, nach den Tabellen der Hersteller im Oktober 2026:
| Hersteller und Tabelle | Größe L | Bei 59 cm | Bei 60 cm |
|---|---|---|---|
| Shoei, Katalog 2026 | 59 bis 60 cm | L | L |
| HJC, Größentabelle Europa | 58 bis 59 cm | L | XL |
| AGV K3, K5, K6 S und weitere | 59 bis 60 cm | L | L |
| AGV Sportmodular | 58 bis 59 cm | L | XL |
Mit 59 Zentimetern trägst du bei allen vier L, mit 60 Zentimetern bei zweien schon XL. Ob dich das betrifft, hängt davon ab, wo dein Kopfumfang in den Spannen liegt. Je näher an einer Grenze, desto eher wechselt der Buchstabe von Marke zu Marke.
Bei HJC überlappen die Größen sogar. M endet bei 58 Zentimetern, L beginnt bei 58. Mit 58 Zentimetern kommen also beide infrage, und nur die Anprobe sagt dir, welche.
Auch innerhalb einer Marke gilt nicht überall dieselbe Tabelle. AGV führt für den Sportmodular eine eigene, dort endet L einen Zentimeter früher als bei K3, K5 oder K6 S. Für eine ältere Version des AX9 nennt AGV außerdem Zwischengrößen, MS und ML.
Shoei sagt es auf seiner japanischen Seite ganz direkt: Anders als bei einem Hut lasse sich die Helmgröße nicht allein über den Kopfumfang bestimmen. Und selbst beim selben Hersteller fühle sich dieselbe Größe je nach Modell anders an. Die Tabelle gehört deshalb zum Modell, nicht zur Marke.
Du brauchst ein weiches Maßband, wie es im Nähkasten liegt, und am besten jemanden, der hinten nachschaut. Shoei beschreibt die Messung so: Das Band liegt zwei Zentimeter über den Augenbrauen, zwei Zentimeter über dem Ansatz der Ohren und hinten über dem Punkt, der am weitesten vorsteht.
AGV beschreibt es etwas anders, an der breitesten Stelle des Kopfes, etwa auf halber Höhe der Stirn. Die beiden Wege führen nicht zwingend zur selben Zahl. Miss deshalb so, wie es der Hersteller beschreibt, dessen Helm du kaufen willst, und miss mindestens zweimal. Am besten so, wie du später fährst: ohne Mütze und mit der Frisur, die du unter dem Helm trägst. Fehlt das Maßband, tut es eine Kordel, die nicht nachgibt, und danach ein Zollstock.
Krumme Werte sind normal. Misst du 59,5 Zentimeter, liegst du bei Shoei mitten in L und bei HJC zwischen L und XL. In so einem Fall entscheidet die Anprobe und nicht die Tabelle.
Das Ergebnis ist ein Richtwert. Shoei rät, die Größe zu wählen, die dem gemessenen Umfang am nächsten kommt, und bei Zweifeln den Händler zu fragen. HJC schreibt über die eigene Tabelle ausdrücklich, sie diene nur der Orientierung, entscheidend sei die Anprobe.
Nicht jede Helmgröße hat eine eigene Außenschale. Den Neotec 3 baut Shoei mit drei Schalen: eine für XS bis M, eine für L und eine für XL und XXL. Andere Modelle der Marke haben vier oder fünf. So sitzt ein kleiner Kopf nicht in derselben Schale wie ein großer.
Teilen sich zwei Größen eine Schale, unterscheiden sie sich im Innenleben. Beim Neotec 3 trägt XXL zum Beispiel dünnere Polster als XL. Tauschen lassen sich die Polster aber in jeder Größe: Wangenpolster gibt es mit 31, 35 und 39 Millimetern, das Kopfpolster in bis zu drei Stärken.
Dazu schreibt Shoei: Lässt sich der Helm mit beiden Händen leicht verschieben, während dein Kopf stillhält, probier eine kleinere Größe oder dickere Polster. Drückt er an einer Stelle, eine größere oder dünnere. Welche Polster es für dein Modell gibt, steht in der Anleitung des Helms.
Manche Händler messen den Kopf aus und passen die Polster gegen Aufpreis an. Wenn du genau zwischen zwei Größen liegst, ist das einen Versuch wert.
Passt der Umfang und ist der Helm an Stirn oder Schläfen trotzdem zu eng, liegt es oft nicht an der Größe, sondern an der Form. Drückt er an den Schläfen, ist der Helm vermutlich zu oval für einen runden Kopf, drückt er an der Stirn, eher zu rund für einen länglichen.
Ein neuer Helm soll ringsum fest am Kopf anliegen. Zu fest ist er, sobald er an einer Stelle drückt: Dann ist der Helm zu klein oder falsch geformt, und laut Shoei kann dieser Druck Kopfschmerzen verursachen.
In der ersten Minute vor dem Spiegel spürst du genau diesen Druck kaum. Er kommt mit der Zeit, spätestens auf der Autobahn in der zweiten Stunde, wenn du den Kopf lange still hältst. Laut ADAC solltest du den Helm im Laden mindestens zehn Minuten tragen. Das reiche, um Druckstellen zu erkennen. Setz den Helm danach ab und schau in den Spiegel: Rote Abdrücke an Stirn oder Schläfen zeigen dir, wo es gedrückt hat.
In die andere Richtung arbeitet die Zeit auch. Dazu passt, was der ADAC über die Innenausstattung schreibt: Sie gebe bei der Nutzung noch etwas nach, daher solle der Helm nicht zu groß sein. Ein Helm, der neu spürbar fest sitzt, ohne zu drücken, wird also eher angenehmer als enger.
Nimm zur Anprobe mit, was du später im Helm trägst. Mit Brille brauchen die Bügel Platz zwischen Polster und Kopf, und sollen Lautsprecher in die Ohrtaschen, kann es am Ohr enger werden als ohne. Eine Sturmhaube macht den Sitz ebenfalls straffer.
Sicherheitshinweis: Ist ein Helm zu groß, kann er sich laut Shoei bei einem Unfall lösen. Dann schützt er den Kopf nicht mehr, was schwere oder tödliche Verletzungen zur Folge haben kann. Als zwei Grundregeln nennt der Hersteller die richtige Größe und einen fest angezogenen Kinnriemen, unter den nur noch ein oder zwei Finger passen. Der Riemen ersetzt die Größe also nicht. Dass die größere Nummer im Laden bequemer sitzt, ist deshalb kein Grund, sie zu nehmen.
Umgekehrt ist ein Helm, der nach einer halben Stunde Kopfschmerzen macht, keiner, an den du dich gewöhnst. Probier dann dünnere Polster, eine Nummer größer oder ein anderes Modell, bevor du ihn behältst.
Bestellst du den nächsten Helm im Netz, miss zuerst und such dann die Tabelle des Modells, nicht die der Marke. Den Buchstaben wählst du erst danach. Manche Shops schreiben die Zentimeter in Klammern dahinter, andere nicht. Steht dort nur ein L, such die Zentimeter beim Hersteller. Liegst du auf der Grenze zweier Größen, hilft keine Tabelle weiter: Dann probier das Modell vorher beim Händler an.
Dasselbe gilt für den zweiten Helm, der für Mitfahrer im Keller liegt. Wer hinten sitzt, braucht einen Helm in der eigenen Größe, nicht in deiner, und ein zu großer schützt auf dem Soziussitz genauso wenig wie vorn.
Trägst du schon einen Helm, der perfekt sitzt, ist sein Buchstabe nur beim selben Hersteller und am besten beim selben Modell eine gute Spur. Merk dir deshalb nicht L, sondern den Hersteller, das Modell und deinen Umfang. Mit diesen drei Angaben findest du deine Helmgröße auch bei einer Marke, die du noch nie auf dem Kopf hattest.
Ein Umfang, eine Form und manchmal eine Brille, die auch noch Platz braucht: Mehr bringt dein Kopf nicht mit. Die Größe hat der Helm, und jeder Hersteller vergibt sie nach seiner eigenen Tabelle.
Miss beim nächsten Helmkauf noch einmal nach, auch wenn du deine Zahl zu kennen glaubst, und zwar so, wie es der Hersteller des neuen Helms beschreibt. Oder weißt du noch, wo das Maßband beim letzten Mal an deinem Kopf lag?
Wie messe ich meine Helmgröße richtig?
Für die Helmgröße misst du den Kopfumfang mit einem weichen Maßband. Laut Shoei gehört das Band zwei Zentimeter über die Augenbrauen, zwei Zentimeter über den Ansatz der Ohren und hinten über den am weitesten vorstehenden Punkt. Den Wert vergleichst du mit der Tabelle des Modells, das du kaufen willst.
Ist Größe L bei allen Helmherstellern gleich?
Größe L bedeutet nicht bei jedem Hersteller dasselbe. Shoei nennt dafür 59 bis 60 Zentimeter Kopfumfang, HJC 58 bis 59 Zentimeter. Selbst innerhalb einer Marke wie AGV unterscheiden sich die Tabellen von Modell zu Modell.
Was tun, wenn ich zwischen zwei Helmgrößen liege?
Zwischen zwei Größen probierst du am besten beide an, jede mindestens zehn Minuten lang, wie es der ADAC für die Anprobe empfiehlt. Sitzt der Helm locker, sind die kleinere Größe oder dickere Polster der Weg, drückt er, die größere oder dünnere. Einige Händler übernehmen das Anpassen gegen Aufpreis.
Wie fest muss ein neuer Motorradhelm sitzen?
Ein neuer Motorradhelm soll rund um den Kopf fest anliegen, ohne an einer Stelle zu drücken. Lässt er sich leicht verschieben, ist er zu groß. Drückt er, ist er zu klein oder für deine Kopfform falsch geschnitten, und das kann auf längeren Fahrten Kopfschmerzen machen.
Kann ich einen Helm eine Nummer größer nehmen, wenn er bequemer ist?
Eine Nummer größer aus Bequemlichkeit ist keine gute Idee. Ein zu großer Helm kann sich laut Shoei im Ernstfall vom Kopf lösen, und auch ein straff gezogener Kinnriemen macht ihn nicht passend. Besser ist die passende Größe mit dünneren Polstern oder ein anderes Modell.
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