Motorradhelm für große Köpfe: Ab 64 Zentimetern wird es eng

XXL steht auf dem Karton, und mehr kommt aus dem Lager nicht. „Größer hab ich den nicht“, sagt der Verkäufer. Der Helm geht gerade so über die Ohren, und nach ein paar Minuten spürst du ihn an der Stirn. Zu Hause holst du das Maßband aus dem Nähkasten und liest 64 ab.

Ein Motorradhelm für große Köpfe ist kein Exot, er findet sich nur nicht von allein. Manche Hersteller hören bei 64 Zentimetern auf, andere haben eine Nummer mehr, aber nur für ein paar Modelle. Und hinter den drei X auf dem Etikett können je nach Marke drei Zentimeter Unterschied stecken.

Wo bei welchem Hersteller die Tabelle endet

Die Übersicht stammt aus Größentabellen, Katalogen und Modellseiten der Hersteller, Stand Anfang November 2026. Sie zeigt das größte Maß aus diesen Quellen, nicht jeden Helm der Marke.

MarkeGrößtes MaßGilt für
SharkXXL
63-64 cm
die Helme im Hersteller-Shop
AGVXXL
63-64 cm
aktuelle Modelle
HJC3XL
64-65 cm
nur F100 und i91, sonst 2XL
AraiXXXL
64-65 cm
nur RX-7V EVO und FIM-Version, sonst XL
ShoeiXXXL
65-66 cm
nur NXR 2, sonst XXL
SchuberthXXXL
65 cm
zum Beispiel C5 und E2
NolanXXXL
65 cm
mehrere Modelle, keine Jethelme
LS24XL
67-68 cm
nur Vector II, viele andere bis 3XL

64 Zentimeter: „Nimm halt dünnere Polster“

Mit 64 bist du fast überall noch dabei, aber am oberen Rand von XXL. Bei HJC rutschst du schon in 3XL, und das gibt es dort nur bei den Klapphelmen F100 und i91.

Der Satz mit den dünneren Polstern fällt im Laden früher oder später, und zwischen zwei Größen stimmt er oft. Am oberen Ende der Tabelle läuft er ins Leere. In den Anleitungen von Shoei zu NXR 2, GT-Air 3 und Neotec 3 steht dieselbe Übersicht: Größe XL hat drei Stufen für Kopf- und Wangenpolster, XXL nur noch zwei. Die Stufe für den lockeren Sitz fehlt.

XXL nutzt bei diesen Helmen dieselbe Außenschale wie XL und bekommt innen dünnere Polster. Ab Werk steckt das Kopfpolster XL5 drin und das Wangenpolster mit 31 Millimetern, beides die dünnsten der Tabelle. Spürst du in XXL Druck, ist die Reserve schon verbaut.

Auch bei anderen Herstellern teilen sich die obersten Größen eine Schale. Beim C5 und beim E2 von Schuberth sind es XL, XXL und XXXL, beim Vector II von LS2 sind es 2XL, 3XL und 4XL. Die Luft im Innenleben steht dann auf keinem Datenblatt, die spürst du nur mit dem Helm auf dem Kopf.

Einen anderen Weg geht Arai. Beim RX-7V EVO lässt sich laut Datenblatt von Wangen- und Schläfenpolstern eine Schicht von fünf Millimetern abziehen. Das schafft an diesen Stellen Luft, eine Größe mehr wird daraus nicht.

Sicherheitshinweis: Schaff dir nie Platz, indem du Schaum aus dem Helm schneidest, ihn mit den Daumen eindrückst oder die Schale aufbohrst. Shoei nennt das Bohren und Einschneiden in Schale oder EPS-Kern, die feste Schaumschicht unter den Polstern, äußerst gefährlich, weil es den Helm erheblich schwächen kann. Laut ADAC dämpft der Schaum, indem er sich beim Aufprall bleibend zusammendrückt. Was du vorher schon eingedrückt hast, fängt er also nicht mehr ab. Beim Sturz kann dieser Schaum über schwere oder tödliche Kopfverletzungen entscheiden.

65 und 66 Zentimeter: XXXL ist nicht gleich XXXL

Mit 65 sind Shark und die aktuellen AGV-Modelle raus, bei Shoei bleibt nur noch ein Modell, bei Arai nur der RX-7V EVO. Der Katalog von Shoei führt XXXL in der Größentabelle, gebaut wird die Größe laut Katalog aber nur beim NXR 2, mit eigener Schale und in zwei Farben, Weiß und Mattschwarz. Bei AGV steht XXXL mit 65 bis 66 Zentimetern nur noch beim AX9 nach der alten Norm 22.05.

Arai führt XXXL auf seiner europäischen Seite nur beim Integralhelm RX-7V EVO und dessen FIM-Version, und das nur in Uni-Farben. Die übrigen Modelle enden dort bei XL. Ein buntes Dekor gibt es in dieser Größe also weder bei Shoei noch bei Arai. Willst du bei einer dieser Marken bleiben, frag den Händler nach dem konkreten Helm.

Bestell dabei nie nach dem Buchstaben. Drei X bedeuten bei Shoei und LS2 65 bis 66 Zentimeter, bei Schuberth 65 und bei HJC 64 bis 65. Selbst innerhalb einer Baureihe wandern sie: In der Teileliste von Arai steht XXXL beim älteren RX-7V für 66, beim RX-7V EVO für 64 bis 65. Beim Sportmodular von AGV stehen sie für 63 bis 64, also für das, was bei derselben Marke sonst XXL heißt. Bei einem großen Händler steht an einem Jethelm sogar XXXL mit 62/63.

Die Größe entscheidet oft auch über die Bauart. Bei HJC bleiben für 3XL nur Klapphelme, bei Shoei für XXXL nur ein Integralhelm. Die Jethelme von Nolan enden bei XXL, während mehrere Integral- und Klapphelme wie der N60-6 und der N100-6 eine Nummer weiter gehen. Suchst du mit 65 Zentimetern einen Jethelm, fallen HJC, Shoei und Nolan damit schon weg.

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Ab 67 Zentimetern bleiben zwei Helme

Mit 67 sind von diesen acht Marken nur noch zwei Helme übrig: der Vector II von LS2 und seine Carbon-Version. LS2 ist hier ohnehin am breitesten aufgestellt, von den 37 Modellen auf der Hersteller-Seite reichen 27 bis 3XL oder 4XL.

Die Europa-Tabelle von HJC reicht bis 5XL mit 68 bis 69 Zentimetern. Im europäischen Shop der Marke steht aber nichts über 3XL. Eine Größe in der Tabelle heißt also noch nicht, dass du dafür hier einen Helm bekommst.

Übersichtlicher wird es oben nicht. 4XL meint bei LS2 67 bis 68 Zentimeter, in der Tabelle von HJC 66 bis 67 und beim selben großen Händler an einem Klapphelm 65. Bestellst du mit 66 Zentimetern einen 4XL-Helm, kann er dir zu klein sein, obwohl er auf dem Papier zwei Nummern über XXL liegt.

Such deshalb die Zentimeter in der Klammer, und steht im Shop nur der Buchstabe, schlag in der Tabelle des Modells nach.

Ein halber Zentimeter entscheidet

Bei 58 Zentimetern kostet dich ein Messfehler einen Buchstaben. Bei 64 kann er dich die halbe Modellauswahl kosten. Liegt das Band einen Finger zu hoch oder zu tief, stehst du am Ende mit der falschen Liste im Laden.

Miss so, wie es der Hersteller deines Wunschhelms beschreibt. Shoei legt das Band zwei Zentimeter über Augenbrauen und Ohransatz und führt es hinten über die stärkste Wölbung, AGV um die breiteste Stelle des Kopfes. Beide Wege müssen nicht dieselbe Zahl ergeben. Miss mehrmals und lass jemanden hinten nachsehen, denn am eigenen Hinterkopf siehst du nicht, ob das Band verrutscht ist.

Bei der Anprobe hilft großen Köpfen ein Rat des britischen Arai-Vertriebs: Geht der Helm nicht über Wangen oder Kiefer, heißt das noch nicht, dass er zu klein ist. Es zählt der Sitz rund um den Oberkopf, dort, wo das Band einer Baseballkappe anliegt. Zur Probe nimmst du deshalb zusammen mit dem Verkäufer die Wangenpolster heraus und tastest dich durch die Größen, bis der Helm oben fest sitzt. Erst danach kommen die Wangen dran, und gefahren wird nur mit allen Polstern.

Drückt es vorn an der Stirn, obwohl der Umfang stimmt, kann auch die Form schuld sein. Arai schneidet seine Modelle länger oder runder oval, und zwei Helme gleicher Größe sitzen deshalb verschieden. Probier also nicht nur die größte Nummer einer Marke, sondern mehrere Modelle. Und gib jedem Zeit: Laut ADAC soll ein Helm im Laden mindestens zehn Minuten auf dem Kopf bleiben, damit sich Druckstellen zeigen.

Die große Schale wiegt mehr, die größte Größe kaum

Schuberth nennt beim E2 das Gewicht je Größe, ohne Zubehör. In Größe 57/59 sind es 1.720 Gramm, in 61/63 dann 1.900 und in Größe 65 schließlich 1.910 Gramm. Der Sprung von 180 Gramm, etwa das Gewicht eines Smartphones, kommt mit dem Wechsel auf die große Schale zwischen L und XL. Von 63 auf 65 sind es nur noch zehn Gramm.

Beim C5 sieht der Sprung ähnlich aus: 1.660 Gramm in Größe 59, 1.810 Gramm in Größe 61, jeweils plus oder minus 50. Für Größe 65 nennt Schuberth dort keinen Wert.

Trägst du heute XL oder XXL, wird XXXL beim E2 also kaum schwerer. Die Zahl, die für L im Prospekt steht, gilt für dich aber nicht. Nennt ein Hersteller nur einen Wert, frag nach der Größe dahinter. LS2 nennt beim Vector II 1.500 Gramm, plus oder minus 50, aber nicht, für welche der sechs Schalen.

Mehr Schalen sparen Gewicht, schreibt LS2, weil dann niemand einen Helm tragen muss, der für ihn zu groß ist. Von XXL bis 4XL trägst du beim Vector II aber dieselbe Schale, die größte der sechs.

Einen Motorradhelm für große Köpfe kaufen

Ob ein Händler XXXL vorrätig hat, steht in keinem Katalog. Ruf an, bevor du losfährst, und frag nach Modell und Zentimetern statt nach der Marke. Bestellst du im Netz, probier den Helm zu Hause ebenfalls mindestens zehn Minuten und lass Etiketten und die Schutzfolie am Visier dran, falls er zurückgehen muss.

Schau dabei auf das Prüfzeichen, gerade bei Exoten. Bei einem Helm mit 67/68 Zentimetern schreibt der Händler selbst dazu, er habe keine ECE-Zulassung und sei nach einer US-Norm gefertigt. Der Größenfilter im Shop unterscheidet das nicht. Shoei weist in seinen FAQ darauf hin, dass solche Helme im europäischen Ausland möglicherweise nicht zulässig sind und es in Deutschland nach einem Unfall Komplikationen mit der Versicherung geben kann. In der Schweiz verlangt die Verkehrsregelnverordnung ausdrücklich einen Helm, der nach UNECE-Reglement Nr. 22 geprüft ist.

Prüf deshalb vor dem Kauf, ob eine ECE-Prüfnummer genannt ist, im Laden steht sie auf dem Etikett am Kinnriemen. Bei einem Motorradhelm für große Köpfe reicht es nicht, dass er endlich passt.

Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel ordnet die Lage allgemein und journalistisch ein (Stand: November 2026). Er ist keine Rechtsberatung, und Einzelfälle können anders liegen. Wenn es bei dir konkret wird, frag deinen Helmhändler, deine Versicherung oder eine Prüforganisation.

Die größte Nummer ist auch zu klein

Bleibt es auch in der größten Nummer eng, schreib dem Importeur der Marke, bevor du aufgibst. Arai bietet auf seiner europäischen Seite an, einen Helm auf besonderen Wunsch an deinen Kopf anzupassen, wenn die Größen nicht reichen. Einen Preis nennt die Seite nicht.

Greifbarer ist Shoei. Gegen eine punktuelle Druckstelle nennt der Hersteller andere Polster oder einlegbare Pads, für eine maßgenaue Anpassung des Innenpolsters eigene Stützpunkthändler. Eine größere Schale entsteht dadurch nicht, aber der Helm kann sich besser an deine Kopfform anlegen.

Nur ein Weg fällt aus: den zu engen Helm tragen, bis er passt. Das Innenfutter gibt laut ADAC mit der Zeit etwas nach. Aus einem Helm, der dir nach einer Stunde die Stirn zusammendrückt, macht das noch keinen passenden.

Der richtige Helm ist der, den du nach zwei Stunden vergessen hast. Für einen großen Kopf dauert die Suche länger. Aber sie endet nicht bei XXL.

❓ Häufige Fragen zu Helmen für große Köpfe

Welche Helmgröße brauche ich bei 64 Zentimetern Kopfumfang?

Ein Kopfumfang von 64 Zentimetern entspricht bei den meisten Herstellern XXL, das dort von 63 bis 64 reicht. HJC führt dieses Maß dagegen als 3XL. In XXL liegst du damit am oberen Rand, bei HJC am unteren, deshalb sagt die Anprobe mehr als der Blick in die Tabelle.


Welche Motorradhelme gibt es für 65 Zentimeter Kopfumfang?

Helme für 65 Zentimeter Kopfumfang laufen meist als XXXL oder 3XL. Anfang November 2026 führten LS2, Schuberth und Nolan solche Modelle, Shoei den NXR 2 und Arai den RX-7V EVO. HJC nennt für 3XL 64 bis 65 Zentimeter, die aktuellen Modelle von AGV und die Helme von Shark enden früher.


Gibt es Motorradhelme in 4XL?

Motorradhelme in 4XL sind selten, aber es gibt sie. LS2 führt den Vector II mit 67 bis 68 Zentimetern. HJC listet 4XL und 5XL zwar in der Größentabelle, im europäischen Shop der Marke stand im November 2026 aber nichts oberhalb von 3XL.


Ist XXXL bei allen Helmherstellern gleich groß?

XXXL ist keine einheitliche Größe. Je nach Hersteller und Modell liegt sie zwischen 62 und 66 Zentimetern. HJC rechnet mit 64 bis 65, Shoei mit 65 bis 66, der Sportmodular von AGV mit 63 bis 64. Maßgeblich sind deshalb die Zentimeter in der Tabelle des Modells.


Sind Helme in großen Größen schwerer?

Große Helme wiegen mehr, vor allem wegen der größeren Außenschale. Der Schuberth E2 legt zwischen Größe 59 und 61 rund 180 Gramm zu, von 63 auf 65 nur zehn Gramm. Frag beim Kauf nach dem Gewicht deiner Größe, nicht nach dem Prospektwert.


Was tun, wenn auch der größte Helm drückt?

Drückt auch die größte Nummer, probier ein Modell mit anderer Innenform, denn Helme sind unterschiedlich oval geschnitten. Dünnere Polster bringen in XXL oft nichts mehr, bei mehreren Shoei-Helmen stecken dort ab Werk schon die dünnsten. Schneid nichts aus dem Helm, das kann den Schutz erheblich schwächen.

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