Motorradhelm aus dem Abverkauf: Beginnt die Prüfnummer mit 05, ist er über drei Jahre alt

Im Regal steht der Helm zwischen den neuen Modellen, der alte Preis ist rot durchgestrichen, und es ist sogar deine Größe. Ein Motorradhelm aus dem Abverkauf, neu und nie getragen. Bevor du damit zur Kasse gehst, dreh den Kinnriemen einmal um. Dort ist in aller Regel ein kleines Etikett angenäht, mit einem E im Kreis und einer langen Nummer daneben.

Die ersten beiden Ziffern dieser Nummer sagen dir mehr als das Preisschild. Steht vorn eine 05, wurde das Etikett vor dem 3. Juli 2023 angebracht, und der Helm ist über drei Jahre alt. Ungetragen, aber nicht jung.

Und bei manchen Ratschlägen zum Helmtausch läuft die Uhr schon in der Fabrik los.

Zwei Ziffern am Kinnriemen

Was du da am Riemen siehst, ist die Kennzeichnung nach der Helmregelung ECE 22, offiziell UN-Regelung Nr. 22. Die Zahl im Kreis neben dem E steht für das Land, das den Helmtyp genehmigt hat. Daneben folgt die Genehmigungsnummer, oft auch Prüfnummer genannt. Die Nummer beginnt mit der Fassung der Regelung, nach der genehmigt wurde: 05 oder 06.

Die Fassung 06 gilt seit dem 3. Januar 2021, der Wechsel folgt einem festen Fahrplan. Neue Genehmigungen gibt es seit Juli 2022 nur noch nach 06. Seit dem 3. Juli 2023 müssen die Länder, in denen die Regelung gilt, verbieten, dass ein Helm noch ein Prüfzeichen nach der alten Fassung bekommt. Und seit Januar 2024 dürfen sie sogar den Verkauf von Helmen verbieten, die nur die alte Fassung erfüllen, müssen es aber nicht.

Ein Helm mit 05 vorn bekam sein Etikett also spätestens am 2. Juli 2023. Im Oktober 2026 ist er damit mindestens drei Jahre und drei Monate alt, egal wie frisch der Karton aussieht. Nach oben ist sein Alter offen, er kann auch aus dem Jahr 2019 stammen.

Österreich ist den letzten Schritt gegangen. Dort dürfen Helme seit dem 1. Januar 2025 nur noch zum Verkauf angeboten werden, wenn sie der Fassung 06 entsprechen. In Deutschland werden 05er weiter verkauft, im Onlinehandel sind einzelne im Oktober 2026 noch als Neuware bestellbar, und Restposten entstehen, sobald ein Modell ausläuft. Kaufst du online, schau deshalb in die technischen Angaben: Bei den Angeboten, die wir angesehen haben, stand die Fassung nicht im Produktnamen, sondern erst dort, als Norm oder Sicherheitsnorm.

Fürs Tragen ist das eine andere Frage. In Deutschland verlangt die Helmpflicht in § 21a StVO einen geeigneten Schutzhelm, eine Fassung der Helmnorm nennt sie nicht. Einen 05er darfst du laut ADAC weiter tragen, eine Pflicht zum Austausch gibt es nicht. Auch in Österreich ist die Fassung 06 nur im Handel vorgeschrieben. In der Schweiz lässt die Verkehrsregelnverordnung neben der aktuellen Fassung auch frühere gelten, die in den Schweizer Fahrzeugvorschriften aufgeführt waren. Die Fassung 05 gehörte dazu.

Eine 06 vorn ist umgekehrt kein Beweis für einen jungen Helm. Nach dieser Fassung wird seit Januar 2021 genehmigt, ein 06er aus dem Abverkauf kann also auch schon fünf Jahre im Lager hinter sich haben. So liest du das Alter am Helm ab:

Am Helm stehtWas es über das Alter sagt (Stand Oktober 2026)
Prüf­nummer beginnt mit 05Etikett vor dem 3. Juli 2023 an­gebracht, der Helm ist mindestens drei Jahre und drei Monate alt
Prüf­nummer beginnt mit 06genehmigt frühestens im Januar 2021, das Baujahr verrät die Nummer nicht
Produktions­jahr am Helmdas eigentliche Baujahr; bei einem 06er ist es Pflicht­angabe, bei einem 05er war es keine

Ab wann die Jahre bis zum Tausch zählen

Wann du den Helm gekauft hast, steht auf dem Kassenbon. Wann er gebaut wurde, musst du am Helm suchen, und manche Ratgeber zählen ausdrücklich ab diesem Datum.

SHARP, das Helmbewertungsprogramm des britischen Verkehrsministeriums, rät allgemein, den Tausch spätestens alle fünf Jahre einzuplanen. Für einen neuen Helm rechnet das Programm ein Beispiel vor: Er kann zwei Jahre im Ladenregal gelegen haben, und dann müsstest du innerhalb von drei Jahren an den Tausch denken. Gerechnet wird dort also ab der Herstellung.

Der britische Arai-Vertrieb nennt für den Tausch zwei Zahlen: sieben Jahre nach der Herstellung und fünf nach dem Kauf. Die sieben Jahre begründet er mit dem Schaumkern, der nach und nach seine Luftzellen verliere, auch wenn der Helm gar nicht benutzt wird. Nach dieser Zeit liege seine Dämpfung unter dem eigenen Sicherheitsmaßstab der Marke. Zur Lagerzeit schreibt derselbe Vertrieb, dass Händler einen Helm Monate oder sogar Jahre vorrätig haben können.

Shoei empfiehlt in seinen Antworten auf häufige Fragen, einen Helm bei normaler Nutzung, Pflege und Lagerung nach etwa fünf Jahren zu tauschen. Ob ab Kauf oder ab Werk, sagt der Satz nicht. Die Begründung daneben: Eine unbeschädigte Außenschale aus dem Shoei-Material AIM sei sehr alterungsbeständig, die Schutzwirkung der Innenschale aus expandiertem Polystyrol, kurz EPS, nehme aber im Lauf der Jahre ab.

Nicht alle sehen die Zeit im Regal so. Die amerikanische Snell Foundation, die Helme prüft und zertifiziert, schreibt, dass unbenutzte, gut gelagerte Helme nach fünf Jahren nicht einfach verfallen. Auch Snell rät zu fünf Jahren, meint damit aber normale Nutzung und stützt sich auf den Verschleiß beim Auf- und Absetzen.

SHARP schreibt selbst, dass ihm keine unabhängigen Tests bekannt sind, die zeigen, wie lange ein Helm hält. Über die fünf Jahre seien sich Helmentwickler und Prüfer einig, als allgemeinen Rat und nicht als Messwert.

Was einem 05er noch bleibt

Der jüngste 05er, den es geben kann, stammt von Anfang Juli 2023. Zählst du wie SHARP fünf Jahre ab der Herstellung, ist er im Juli 2028 so weit. Kaufst du ihn im Oktober 2026, bleiben dir bis dahin weniger als zwei Jahre. Mit den sieben Jahren des Arai-Vertriebs wären es weniger als vier.

Bei jedem älteren 05er schrumpft die Zeit entsprechend, und einer von 2020 hätte die Fünf-Jahre-Marke nach dieser Rechnung schon im Laden hinter sich.

Rechnest du wie Snell ab der Nutzung, sieht es freundlicher aus, solange der Helm gut gelagert war. Ob das so war, kannst du beim Kauf allerdings kaum prüfen.

Zwei gleiche Kartons können zum selben Preis nebeneinanderstehen, im einen ein Helm frisch aus dem Werk, im anderen einer, der drei Jahre auf Lager war.

Garantie und Ersatzteile zählen ebenfalls ab Werk

Shoei gewährt dem Erstkäufer eines neuen Helms auf Material- und Herstellungsfehler fünf Jahre Garantie ab dem Kauf oder sieben ab dem Herstellungsdatum, je nachdem, was zuerst eintritt. Lag ein Helm vier Jahre im Lager, bleiben dir nach dieser Rechnung von den fünf Jahren Garantie nur drei.

Ähnlich steht es bei Ersatzteilen. Arai Europe sagt auf seiner Seite zum Zubehör zu, sich auch um ältere Helme zu kümmern, bis zu sieben Jahre nach dem Produktionsdatum. Und ist das Etikett am Kinnriemen ausgeblichen und nicht mehr lesbar, kann Shoei ein Ersatzzertifikat ausstellen, auch das nur innerhalb von sieben Jahren ab der Herstellung.

Ein Grund, auf einen Restposten zu verzichten, ist das nicht. Neben der Garantie hast du zwei Jahre lang die gesetzlichen Gewährleistungsrechte gegenüber dem Händler, darauf weist Shoei in den Garantiebedingungen hin. Von den Fristen der Hersteller bleibt dir aber umso weniger, je länger der Helm im Regal lag. Rechne das vor dem Bezahlen durch, nicht erst, wenn die Visiermechanik kaputtgeht.

Wo das Baujahr im Helm steht

Für das Prüfetikett schreibt die Regelung kein Datum vor. Das Baujahr steht oft woanders. Bei einem 06er ist die Suche leichter, denn seit dieser Fassung gehört das Produktionsjahr zu den Pflichtangaben am Helm, gut lesbar, haltbar und an einer leicht zugänglichen Stelle. Welche Stelle das ist, legt die Regelung nicht fest.

Bei einem 05er war das Jahr keine Pflichtangabe. Manche Hersteller vermerken es trotzdem am Helm, nur eben nicht an einer festen Stelle. SHARP nennt die üblichen Plätze: außen auf der Schale, auf einem Etikett am Kinnriemen oder auf einem Aufkleber unter dem Futter.

Bei Shoei sitzt das Herstellungsdatum auf einem kleinen weißen Aufkleber unter dem Kopfpolster, zusammen mit der Seriennummer. Bei Arai ist es nach Angaben des britischen Vertriebs verschlüsselt und steht am Kinnriemen oder am D-Ring: ein Buchstabe für das Jahr und eine Zahl für den Monat. In der Tabelle des Vertriebs steht W für 2023, X für 2024, Y für 2025 und Z für 2026. Stehen am Riemen nur Ziffern wie 03/07, heißt das März 2007.

Im Laden fragst du am besten, ob du das Kopfpolster kurz anheben darfst. Ist der Helm noch verpackt, bitte den Verkäufer, den Karton zu öffnen oder das Datum nachzusehen. Bestellst du online, schau gleich beim Auspacken nach.

Findest du gar nichts, frag den Kundendienst des Herstellers und nenn ihm die Seriennummer. Sie steht zusammen mit der Genehmigungsnummer auf dem Prüfetikett.

Ein Helm aus dem Abverkauf muss trotzdem passen

Von einem auslaufenden Modell stehen im Abverkauf selten noch alle Größen im Regal. Fehlt deine, ist eine Nummer größer oder kleiner verlockend, weil das Angebot so gut ist.

Probier auch einen Restposten so an, als würdest du den vollen Preis bezahlen. Schließ den Kinnriemen, nimm den Helm in beide Hände und dreh ihn vorsichtig nach links und rechts. Passt ein Integralhelm, gehen deine Wangen dabei mit, weil die Polster fest anliegen. Rutscht er dagegen auf dem Kopf, auch beim Kippen nach vorn und hinten, ist es vermutlich die falsche Größe.

Druckstellen oder rote Abdrücke darf der Helm nirgends hinterlassen. Passt das, behalte ihn ein paar Minuten auf, bevor du dich entscheidest. Drückt der Wunschhelm oder rutscht er, such dir lieber ein anderes Modell in deiner Größe.

Sicherheitshinweis: Lass einen Helm liegen, der schon beim Anprobieren locker sitzt, egal wie günstig er ist. Sitzt ein Helm schlecht, verschiebt er sich bei einem Sturz laut Snell Foundation eher zu weit oder geht sogar vom Kopf.

Enger wird ein Helm mit den Jahren nicht, im Gegenteil: Das Innenpolster setzt sich, wenn du den Helm regelmäßig trägst, und der anfangs straffe Sitz kann nachlassen.

Das Datum kommt erst an zweiter Stelle. Ein Motorradhelm aus dem Abverkauf, der passt und dessen Baujahr du kennst, kann auch mit einer 05 am Riemen der richtige sein. So weißt du schon an der Kasse, wie viele Jahre du mitkaufst.

Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel ordnet die Lage allgemein und journalistisch ein (Stand: Oktober 2026). Er ist keine Rechtsberatung, und Einzelfälle können anders liegen. Welche Fassung der Helmnorm dein Helm erfüllt und ob er für eine Fahrt im Ausland ausreicht, sagen dir der Hersteller, eine Prüforganisation oder die Automobilclubs.

Was ein Jahr im Lager kostet

Rechnest du wie SHARP, kostet dich jedes Jahr im Lager ein Fünftel des Helms. Zwei Jahre im Regal machen 40 Prozent, und erst ein Rabatt in dieser Höhe gleicht sie aus. Beim jüngsten 05er sind es im Oktober 2026 schon rund zwei Drittel. Steht so viel Rabatt auf dem Preisschild?

❓ Häufige Fragen zum Helm aus dem Abverkauf

Wie alt darf ein neuer Motorradhelm beim Kauf sein?

Die Helmregelung ECE 22 nennt kein Höchstalter für den Verkauf neuer Motorradhelme. Das britische Helmprogramm SHARP zählt die empfohlenen fünf Jahre ab der Herstellung und zieht die Lagerzeit davon ab. Hat ein Helm zwei Jahre im Laden gelegen, bleiben dir nach dieser Rechnung noch drei Jahre bis zum Tausch.


Welche Ziffern zeigen, ob ein Helm nach ECE 22.05 oder 22.06 genehmigt ist?

Die Fassung eines Helms erkennst du an den ersten zwei Ziffern der Genehmigungsnummer auf dem Etikett am Kinnriemen, gleich neben dem E im Kreis. 05 bedeutet ECE 22.05, 06 bedeutet ECE 22.06. Die Zahl im Kreis gehört nicht dazu, sie nennt nur das Land, das den Helmtyp genehmigt hat.


Ab wann zählen die Jahre bis zum Helmtausch?

Der Startpunkt für den Helmtausch hängt davon ab, wessen Empfehlung du folgst. Das britische Helmprogramm rechnet ab der Herstellung, der Arai-Vertrieb in Großbritannien nennt sieben Jahre ab der Herstellung und fünf ab dem Kauf. Die amerikanische Snell Foundation zählt dagegen fünf Jahre normaler Nutzung.


Muss auf einem neuen Motorradhelm das Baujahr stehen?

Ein neuer Helm nach ECE 22.06 muss sein Produktionsjahr gut lesbar tragen, die Stelle legt die Regelung aber nicht fest. Für Helme nach ECE 22.05 war es keine Pflicht. Oft sitzt das Datum unter dem Kopfpolster, außen auf der Schale oder auf einem kleinen Schild am Kinnriemen.


Altert ein Helm auch, wenn er ungetragen im Karton liegt?

Ein ungetragener Helm im Karton altert nach Ansicht des britischen Helmprogramms SHARP ebenfalls: Mit dem Alter lasse ein Helm nach, ob er benutzt wird oder nicht. Die Snell Foundation sieht es anders: Gut gelagerte, unbenutzte Helme verfallen nach ihren Angaben nicht einfach nach fünf Jahren. Auch SHARP kennt nach eigener Aussage keine unabhängigen Tests zur Lebensdauer.


Wie lange kann ein neuer Helm im Laden liegen?

Zwischen Werk und Ladenkasse können bei einem neuen Helm Monate vergehen, manchmal Jahre. Der britische Arai-Vertrieb rechnet bereits mit vier bis acht Wochen, bis die Helme bei ihm ankommen. Danach könne ein Helm bei den Händlern noch Monate oder sogar Jahre im Laden stehen.

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