
„Was zahlst du eigentlich an Steuer für das Ding?“ Dein Nachbar lehnt am Gartenzaun, hinter ihm steht sein Kleinwagen mit einem Liter Hubraum. Du sagst: „73 Euro.“ Er grinst: „Ich 46.“ Vier Sitze, ein Dach, eine Heizung, und trotzdem kostet ihn sein Auto weniger Kfz-Steuer als dich dein Motorrad.
Das ist kein Rechenfehler, und der Nachbar hat recht. Mit dem gleichen Hubraum zahlst du am Motorrad oft mehr. Das liegt an zwei Formeln, die wenig miteinander zu tun haben, und an einem Steuersatz, der älter ist als die meisten Motorräder.
Die Kfz-Steuer fürs Motorrad kennt nur eine Größe, den Hubraum. Je angefangene 25 Kubikzentimeter werden 1,84 Euro fällig, so steht es in § 9 des Kraftfahrzeugsteuergesetzes. Eine 1000er hat 40 solcher Portionen, das macht 73,60 Euro. Am Ende fallen die Cent weg (§ 11), auf dem Bescheid stehen 73 Euro. Angefangen heißt voll: 976 Kubik kosten dasselbe wie 1.000, bei 1.001 Kubik kommen 1,84 Euro dazu.
Rechnen lässt sich deine Kfz-Steuer in einer Minute: Hubraum aus Feld P.1 im Fahrzeugschein durch 25 teilen, aufrunden, mal 1,84, nach unten auf volle Euro. Eine 300er liegt bei 22 Euro, eine 500er bei 36, eine 650er bei 47 und eine 1250er bei 92. Wer es amtlich haben will, nimmt den Rechner des Bundesfinanzministeriums.
Beim Benzin-Auto mit Erstzulassung ab 2021 läuft es anders. Für den Hubraum sind nur 2 Euro je angefangene 100 Kubikzentimeter fällig. Ein Liter kostet damit gerade 20 Euro. Den Rest erledigt der CO₂-Wert: Das Gramm über 95 g/km kostet bis 115 Gramm 2 Euro, darüber bis 135 Gramm 2,20 Euro, und danach steigt der Satz weiter.
Der Kleinwagen vom Gartenzaun stößt laut ADAC-Autokatalog 108 g/km aus. Das sind 13 Gramm über der Grenze, also 26 Euro. Zusammen mit den 20 Euro für den Hubraum ergibt das die 46 Euro, mit denen dein Nachbar gegrinst hat.
Auf denselben Nenner gebracht zahlt das Motorrad je 100 Kubik 7,36 Euro, das Auto 2 Euro. Teurer wird das Auto erst über den CO₂-Teil.
Stell die Fahrzeuge einmal nebeneinander, wie in einer ganz normalen Straße. Die Autowerte stehen so im ADAC-Autokatalog, Modelle 2023 bis 2025, fürs Motorrad gilt die Formel mit den heutigen Sätzen.
| Fahrzeug | cm³ | Euro im Jahr |
|---|---|---|
| 125er bis 11 kW | 125 | 0 |
| Toyota Aygo X (108 g) | 998 | 46 |
| Yamaha MT-07 | 689 | 51 |
| Hyundai i10 (116 g) | 998 | 62 |
| Yamaha MT-09 | 890 | 66 |
| Kia Picanto (118 g) | 998 | 66 |
| Honda CB1000 Hornet | 1.000 | 73 |
| Hyundai i10 (126 g) | 998 | 84 |
| BMW R 1300 GS | 1.300 | 95 |
| Honda Gold Wing | 1.833 | 136 |
In der Tabelle zahlt die MT-09 mit 890 Kubik so viel wie ein Picanto mit einem ganzen Liter. Und zwischen den Autos liegen fast 40 Euro, obwohl alle exakt 998 Kubik haben. Der Unterschied kommt allein aus dem CO₂-Wert.
Wo liegt die Grenze? Bis 120 g/km kommt ein Ein-Liter-Benziner billiger weg als die 1000er, bei 121 g/km liegen beide bei 73 Euro. Ab 122 g/km zahlt das Auto mehr. Der ältere i10 mit 126 Gramm liegt schon elf Euro drüber. Deshalb steht in der Überschrift „oft“ und nicht „immer“.
Parkt beim Nachbarn gegenüber ein Auto mit Erstzulassung vor 2021, kann der Abstand noch größer sein, denn für ältere Autos gelten andere Grenzen. Ein Ein-Liter-Benziner von 2016 mit 95 g/km zahlt nur 20 Euro, nicht einmal ein Drittel deiner 1000er.
Für die Höhe der Steuer fragt das Gesetz beim Motorrad nicht nach CO₂, nicht nach der Leistung und nicht nach der Euronorm. Wie sparsam der Motor ist, spielt keine Rolle, und auch eine Drossel für den A2-Führerschein senkt die Steuer nicht. Ein Zweitakter aus den Neunzigerjahren zahlt so viel wie eine neue Maschine mit gleich viel Hubraum.
Anders wird es erst mit einem Oldtimer-Kennzeichen. Damit sind es pauschal 46 Euro, der Betrag des Nachbarn. Bis 625 Kubik bringt das H an der Steuer also nichts, bis 600 Kubik kostet es sogar mehr.
Der Steuersatz selbst ist ein Stück Geschichte. Die 1,84 Euro sind umgerechnet die 3,60 Mark, die schon vor 1985 für 25 Kubik galten. Autos zahlten damals je Hubraum denselben Satz, 14,40 Mark je 100 Kubik. Für Pkw kamen danach Stufen nach Abgaswerten, seit Juli 2009 der CO₂-Anteil und zum 1. Januar 2021 die heutige Staffel. Der Satz für Krafträder blieb stehen.
Für dich ist das gar nicht so schlecht. Seit 1985 haben sich die Verbraucherpreise laut Statistischem Bundesamt gut verdoppelt, dein Steuersatz nicht. Wäre er mitgewachsen, stünden bei einer 1000er heute gut 150 Euro auf dem Bescheid. In heutigem Geld zahlst du für dieselbe Maschine also nur noch rund die Hälfte von damals.
Warum das Motorrad bei der CO₂-Rechnung außen vor blieb, steht nicht im Gesetz. Das hat zwei Seiten: Ein sparsamer Motor bringt dir keinen Cent, ein durstiger kostet aber auch keinen Aufschlag.
Das gilt für Deutschland. In Österreich heißt die Abgabe motorbezogene Versicherungssteuer, und bei Motorrädern mit Erstzulassung ab Oktober 2020 fließt der CO₂-Wert ein. Nach der Formel des Finanzministeriums kommt eine R 1300 GS, Jahrgang 2025, mit 110 g/km dort auf rund 350 Euro im Jahr, in Deutschland auf 95. In der Schweiz entscheiden die Kantone.
Spiel es einmal durch: Was würde dein Motorrad zahlen, wenn die Formel für neue Benzin-Autos auch dafür gälte? Die CO₂-Werte nennen die Hersteller selbst. Gemessen wird beim Motorrad zwar im eigenen Zyklus WMTC und nicht im Auto-Zyklus WLTP, für einen Überschlag reicht es aber.
| Modell | g/km | heute | wie Auto |
|---|---|---|---|
| CB650R | 112 | 47 | 48 |
| MT-07 Y-AMT | 97 | 51 | 18 |
| F 900 GS | 103 | 66 | 34 |
| NT1100 | 116 | 80 | 64 |
| R 1300 GS | 110 | 95 | 56 |
Beträge in Euro im Jahr, die letzte Spalte ist unsere Rechnung und keine geltende Steuer. Bis auf die CB650R käme jede Maschine günstiger weg, die MT-07 läge bei gut einem Drittel.
Damit sieht der Vergleich am Gartenzaun anders aus. Die MT-07 mit dem automatisierten Y-AMT-Getriebe stößt laut Yamaha 97 g/km aus, der Aygo des Nachbarn 108 g/km, gemessen zwar verschieden, aber in derselben Größenordnung. Trotzdem zahlt sie mehr. Das liegt nicht am CO₂-Wert, sondern an der Formel: Am Motorrad zählt er gar nicht, und am Auto kostet der Hubraum fast nichts.
Mit einem Saisonkennzeichen zahlst du je Tag nur ein 365stel der Jahressteuer, und die Saison März bis Oktober hat 245 Tage.
Die 1000er kommt so von 73,60 auf 49,40 Euro, abgerundet 49 Euro. Sie liegt damit nur drei Euro über dem Aygo und unter jedem anderen Auto aus der Tabelle. Die MT-07 kommt mit derselben Saison auf 34 Euro, die R 1300 GS auf 64 Euro. Der Wechsel selbst kostet allerdings eine Gebühr bei der Zulassungsstelle und ein neues Schild, das gehört mit in die Rechnung.
Der Nachbar mit seinen 46 Euro bleibt also vorn, aber nur noch knapp. Beginnt deine Saison erst im April, sind es 214 Tage und 43 Euro, dann ziehst du an ihm vorbei. Gegen die größeren Autos in der Straße gewinnst du meist ohnehin. Dafür fahren die auch im Januar.
Der Vergleich geht nur gegen Autos mit wenig CO₂ verloren. Das sind nicht bloß die kleinsten: Ein Kompakt-Hybrid mit 1,8 Litern und 100 g/km kommt nach derselben Formel auf die 46 Euro des Nachbarn. Sobald mehr Hubraum und mehr CO₂ zusammenkommen, steigt die Kfz-Steuer am Auto aber schnell.
Ein Benziner mit 1,5 Litern und 150 g/km, also eher Kompaktklasse als Kleinwagen, kommt auf 30 Euro für den Hubraum und 121,50 Euro für den CO₂-Anteil, zusammen 151 Euro. Mit 180 g/km sind es 239 Euro. Eine Gold Wing mit 1,8 Litern bleibt mit ihren 136 Euro unter beiden.
Und ganz unten steht das Motorrad konkurrenzlos: Eine 125er mit höchstens 11 kW, also ein Leichtkraftrad, zahlt gar keine Kfz-Steuer. Für Fahrzeuge mit reinem Elektroantrieb sieht das Gesetz außerdem eine befristete Steuerbefreiung vor, Krafträder nimmt es davon nicht aus. Bei Erstzulassung bis Ende 2030 sind es bis zu zehn Jahre, längstens bis Ende 2035, und einen Antrag braucht es laut Zoll nicht.
Beim Kauf spielen die Steuerstufen kaum eine Rolle, dafür sind sie zu klein. Zwischen NC750X und CB750 Hornet liegen zehn Kubik, in der Steuer zwei Euro im Jahr. Von der MT-07 zur MT-09 sind es 15 Euro im Jahr. Wer nur wegen der Kfz-Steuer eine Klasse kleiner kauft, spart an der falschen Stelle.
Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel ordnet die Lage allgemein und journalistisch ein (Stand: November 2026). Er ist keine Rechtsberatung, und Einzelfälle können anders liegen. Wenn es bei dir konkret wird, frag dein Hauptzollamt oder deine Zulassungsbehörde.
Eine Zahl behältst du vielleicht besser für dich. Ein Kraftrad rollte 2025 laut Kraftfahrt-Bundesamt im Schnitt 1.594 Kilometer, ein Pkw 10.616. Teilst du die Steuer durch diese Durchschnittswerte, kommt die 1000er auf rund 4,6 Cent je Kilometer, der Aygo auf 0,4 Cent.
Rechnerisch das Zehnfache. Für dich und deinen Nachbarn zählt am Ende der echte Tacho. Dafür ist jeder deiner Kilometer einer, den du freiwillig fährst. Würdest du tauschen?
Was kostet die Kfz-Steuer für eine 1000er?
Eine 1000er kostet in Deutschland 73 Euro Kfz-Steuer im Jahr. Rechnerisch sind es 73,60 Euro, die Cent entfallen. Mit einem Saisonkennzeichen 03 bis 10 bleiben 49 Euro.
Wie berechne ich die Motorradsteuer?
Die Motorradsteuer ergibt sich allein aus dem Hubraum. Je angefangene 25 Kubik fallen 1,84 Euro an, am Ende entfallen die Cent. Bei 689 Kubik sind das 28 Portionen und damit 51 Euro im Jahr.
Warum spielt der CO₂-Wert bei der Motorradsteuer keine Rolle?
Der CO₂-Wert gehört in Deutschland nur bei Pkw zur Berechnung. Für Krafträder nennt das Gesetz allein den Hubraum, der Satz stammt noch aus der Zeit der D-Mark. In Österreich zählt der CO₂-Wert bei der motorbezogenen Versicherungssteuer für Motorräder mit Erstzulassung ab Oktober 2020 dagegen mit.
Was zahlt eine 125er an Kfz-Steuer?
Eine 125er zahlt keine Kfz-Steuer, wenn sie als Leichtkraftrad gilt, also höchstens 125 Kubik und 11 kW hat. Sie braucht trotzdem ein Kennzeichen und eine Haftpflichtversicherung. Über diesen Grenzen fällt die normale Steuer an.
Zahlt ein Kleinwagen weniger Steuer als ein Motorrad?
Ein Kleinwagen ist bei der Steuer nur dann günstiger als eine 1000er, wenn sein CO₂-Wert niedrig bleibt. Ein Benziner mit einem Liter Hubraum und Erstzulassung ab 2021 zahlt bis 120 g/km weniger als 73 Euro. Ab 122 g/km zahlt er mehr. Mit einem Saisonkennzeichen für März bis Oktober kostet die 1000er nur noch 49 Euro.
Wie viel spart ein Saisonkennzeichen bei der Kfz-Steuer?
Ein Saisonkennzeichen senkt die Steuer im Verhältnis der Tage. Bei März bis Oktober fallen 120 Tage weg, das spart rund ein Drittel. Eine 1000er zahlt dann 49 statt 73 Euro, eine Maschine mit 689 Kubik 34 statt 51 Euro.
Wer zieht die Motorradsteuer ein?
Die Kfz-Steuer zieht das Hauptzollamt ein, auch beim Motorrad. Der Betrag wird in der Regel einmal im Jahr im Voraus fällig. Deinen Wert findest du im Kfz-Steuer-Rechner des Bundesfinanzministeriums.
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