
Gut drei Stunden auf der höchsten Stufe, gut zwölf auf der kleinsten: So weit liegen die Angaben eines Herstellers für ein und denselben Akkusatz auseinander. Gegen kalte Finger im November gibt es Heizgriffe, Handschützer und dicke Winterhandschuhe. Wärme ohne Kabel am Motorrad liefern beheizbare Motorradhandschuhe mit Akku. Gekauft wird dabei keine feste Laufzeit, sondern eine Spanne. Wo du in ihr landest, entscheiden vor allem die Stufe, der Akku und das Wetter.
Viele beheizbare Handschuhe gibt es zweimal: als Handschuh allein und als Kit mit Akkus und Ladegerät. Der Handschuh allein ist für alle gedacht, die schon passende Akkus haben oder ihn am Motorrad anschließen wollen. Ohne Strom heizt er nicht, dann ist er ein ganz normaler Handschuh.
Beim Ladezubehör unterscheiden sich die Hersteller ebenfalls. Bei einem liegt zu den zwei Akkus ein USB-Ladegerät im Karton. Ein anderer legt nur ein USB-C-Kabel bei, ein Netzteil musst du dann selbst stellen. Bei einem dritten hängt es vom Produktionsdatum ab, ob ein Wandladegerät oder nur ein USB-Kabel dabei ist.
Vor dem Kauf lohnt deshalb ein Blick auf vier Punkte:
Neue Akkus kommen nicht unbedingt voll geladen. Bei einem Hersteller steht in der Anleitung, sie vor dem ersten Einsatz komplett zu laden. Häng sie deshalb schon am Abend davor an die Steckdose.
Oft zeigt eine Leuchte den Ladestand, auf dem Handrücken oder am Akku selbst. Ein Blick darauf gehört vor die Abfahrt, nicht auf die halbe Strecke.
Auf den Akkus steht meist die Kapazität in Milliamperestunden, etwa 2200 oder 3000. Vergleichen lassen sich solche Zahlen nur bei gleicher Spannung. Viele Handschuh-Akkus arbeiten mit 7,4 Volt, manche mit 12 Volt. Mehr sagt die gespeicherte Energie in Wattstunden, und die ist schnell gerechnet: Spannung mal Kapazität in Amperestunden.
Ein Akku mit 7,4 Volt und 3000 Milliamperestunden, also drei Amperestunden, speichert 22,2 Wattstunden, so steht es auch auf dem Datenblatt eines Herstellers. Einer mit 2200 Milliamperestunden kommt bei gleicher Spannung auf gut 16. Ein 12-Volt-Akku mit drei Amperestunden hätte 36.
Mehr Wattstunden heißen allerdings nicht automatisch längere Laufzeit. Ein Handschuh an 12 Volt heizt kräftiger und braucht dafür mehr Strom. Ein anderer Hersteller nennt für seine Handschuhe 8 Watt je Stück an 7,4 Volt und 18 Watt an 12 Volt. Der größere Akku hat also auch mehr zu tun.
Was eine Stufe bedeutet, bestimmen die Hersteller selbst. Einer rechnet in Prozent der vollen Leistung, mit 25, 50, 75 und 100. Ein anderer beginnt bei 40 Prozent und geht in Schritten von 20 nach oben. Ein dritter nennt Temperaturen: 48 Grad auf der niedrigen, 59 auf der mittleren und 70 auf der hohen Stufe.
Entsprechend weit liegen die Laufzeiten auseinander. Der Hersteller mit den Viertelstufen nennt 200 Minuten auf voller Leistung und 735 auf einem Viertel, mit Akkus von je 22,2 Wattstunden. Der mit den Temperaturangaben gibt dreieinhalb Stunden auf der hohen und fünf auf der niedrigen Stufe an, bei Akkus mit 2200 Milliamperestunden. Ein weiterer Hersteller nennt für seinen Handschuh zwei bis vier Stunden, je nach Modus.
Beim Vergleich zählt deshalb gleiche Wärme, nicht die gleiche Ziffer. Ein Hersteller, der Akkus für beide Spannungen anbietet, sagt es selbst: Stufe 1 an 12 Volt lässt sich am ehesten mit Stufe 3 an 7,4 Volt vergleichen.
Manche beheizbaren Handschuhe regeln außerdem selbst nach. Bei einem Modell nimmt die Steuerung nach den ersten zehn Minuten die Heizstufe zurück, damit nichts überhitzt. Willst du danach wieder die volle Wärme, kannst du die Handschuhe laut Hersteller aus- und wieder einschalten. Bei einem anderen Hersteller starten die Handschuhe auf der höchsten Stufe. Nach ein paar Minuten schaltest du auf die Stufe herunter, die du brauchst, so ist es dort vorgesehen. Umgeschaltet wird am besten im Stand, denn für den Knopf an einem Handschuh muss die andere Hand vom Lenker.
Sicherheitshinweis: Schau bei langen Fahrten auf hoher Stufe in den Pausen nach, ob die Haut an den Fingern gerötet ist. Zu viel Wärme über längere Zeit kann Verbrennungen verursachen. Nimmst du Wärme oder Kälte schlecht wahr, etwa wegen Diabetes, klär den Gebrauch vorher mit deinem Arzt.
Richtwerte sind die Minuten aus den Datenblättern, mehr nicht. Einer der Hersteller merkt gleich dazu an, dass Temperatur und Laufzeit vom Fahrtwind und von der Außentemperatur abhängen. Auf der Landstraße im November sitzt du mitten in beidem.
Zum Wind kommt die Kälte im Akku selbst. Lithium-Akkus können bei niedrigen Temperaturen Kapazität einbüßen. So steht es bei Bosch für E-Bike-Akkus, verbunden mit dem Rat, sie bei Raumtemperatur zu laden und bei Frost bis kurz vor der Fahrt drinnen zu lagern. Wie viel ein Handschuh-Akku bei null Grad verliert, beziffert keiner der vier Hersteller, deren Zahlen hier stehen.
Auf beheizbare Handschuhe übertragen: Lade die Akkus drinnen statt in der kalten Garage und steck sie erst kurz vor dem Losfahren ein. Das gilt auch am Arbeitsplatz: Nimm die Akkus mit hinein, statt sie den Tag über im Handschuh am Motorrad zu lassen. Ein zweiter Satz für den Rückweg bleibt in der Innentasche der Jacke wärmer als im Topcase.
Nässe kostet ebenfalls Wärme. Nach Angabe eines Herstellers heizen seine Handschuhe trocken am besten. Die Akkutaschen sind bei ihm gegen Spritzwasser geschützt, und damit kein Wasser in Buchse und Stecker gelangt, bleibt der Akku in der Tasche angeschlossen. Den zweiten Satz tauschst du deshalb im Trockenen, etwa unter einem Tankstellendach.
Dazu altern Akkus. Hält ein Satz merklich kürzer als im ersten Winter oder lässt er sich nicht mehr laden, ist es laut Herstellerangabe Zeit für einen neuen.
Für die Planung reicht eine schlichte Rechnung. Bei zweimal 45 Minuten Pendeln liegen selbst die kürzesten Herstellerangaben für die hohe Stufe darüber. Wie viel Puffer dir Wind und Kälte davon übrig lassen, zeigt erst der eigene Winter. Einen ganzen Tag im Sattel schafft kein Satz auf voller Leistung, da hilft nur eine kleinere Stufe, ein zweiter Akkusatz oder das Bordnetz.
Reicht der Akku knapp für beide Wege, heiz auf dem Hinweg sparsamer, solange die Finger warm bleiben. Ein Hersteller bietet in seiner App Zeitschaltungen an, etwa damit für den Heimweg noch die Hälfte des Akkus übrig bleibt. Eingestellt wird so etwas vor dem Losfahren.
Manche beheizbaren Motorradhandschuhe lassen sich wahlweise mit Akku oder per Kabel am Motorrad betreiben. Am Bordnetz entfällt dann die Rechnung mit dem Akku, und während der Fahrt heizen die Handschuhe ohne Pause. Ein Hersteller bietet dafür drei Kabel an, eins für BMW, eins als universelle Lösung und eins für den Anschluss direkt an der Batterie.
Über diese Kabel bekommen solche Handschuhe die Spannung des 12-Volt-Bordnetzes und heizen kräftiger als mit einem 7,4-Volt-Akku. Derselbe Hersteller nennt dafür 18 Watt je Handschuh, für das Paar also 36 Watt. Die Lichtmaschine liefert diese Leistung zusätzlich zu Licht, Zündung und Einspritzung, und im Leerlauf ist ihre Reserve klein. Kommen Heizgriffe oder eine Heizweste dazu, kann es an der Ampel eng werden.
Lästig bleibt das Kabel. Es läuft durch den Ärmel zur Maschine, und jedes Absteigen beginnt mit dem Abstecken.
Einen Mittelweg gibt es auch. Ein Hersteller bietet einen größeren Akku für die Jackentasche an, von dem aus Kabel durch die Ärmel zu den Handschuhen laufen. Das Motorrad bleibt dabei frei, die Kabel im Ärmel hast du trotzdem.
Wer lange Tage in der Kälte fährt, etwa Touren im Spätherbst, ist am Bordnetz gut aufgehoben oder nimmt einen zweiten Akkusatz mit. Wer pendelt, zwischen Motorrädern wechselt oder nicht an der Maschine hängen will, fährt mit Akku freier.
Im März wandern die Handschuhe für ein halbes Jahr in den Schrank, die Akkus brauchen dann eigene Pflege. Ein Hersteller schreibt vor, die Akkus dafür voll geladen, trocken und bei Zimmertemperatur zu lagern, getrennt vom Handschuh und vom Ladegerät. Ein anderer lässt die Akkus abstecken, sobald die Handschuhe länger als ein paar Tage nicht gebraucht werden.
Sicherheitshinweis: Gib einen Akku mit beschädigter Hülle gleich zur Entsorgung und heize nicht weiter mit einem Handschuh, dessen Kabel beschädigt ist. Bei unsachgemäßem Umgang mit Lithium-Akkus besteht Explosionsgefahr.
Bei beheizbaren Motorradhandschuhen lohnt auch ein Blick in die Garantie. Ein Hersteller gibt zehn Jahre auf die Heizelemente. Akkus und Anschlusskabel zählen bei ihm dagegen zu den Verschleißteilen. Ein Ersatzsatz Akkus gehört damit früher oder später ohnehin auf deine Einkaufsliste.
Die Heizung ist ein Zusatz. Am Lenker zählen weiter Passform, Schutz und das Gefühl für Kupplung und Bremse. Achte auch bei beheizbaren Modellen auf das CE-Zeichen für Motorradhandschuhe nach EN 13594. Bei zwei Herstellern steht dort etwa die Schutzstufe 1 mit dem Zusatz KP für die Fingerknöchel.
Probier die Handschuhe mit der Jacke an, mit der du im Winter fährst, und streck die Arme dabei nach vorn wie auf dem Motorrad. Der Akku sitzt in einer Tasche an der Stulpe oder am Handgelenk, bei einem Hersteller auf der Seite der Handfläche. Ob der Akku unter dem Ärmel drückt, merkst du erst in dieser Haltung. Einige beheizbare Modelle gibt es auch als Damenversion.
Der Haken zeigt sich mit leerem Akku: Dann wärmt dich nur noch das Futter, und da gehen die Modelle weit auseinander. Ein Hersteller füttert seinen Heizhandschuh für kalte Tage dick, ein anderer beschreibt seinen als leichteren Handschuh für die Übergangszeit. Aussuchen solltest du deinen deshalb so, dass er auch ohne Heizung zu deinen Fahrten passt.
Wie lange halten beheizbare Motorradhandschuhe mit Akku?
Beheizbare Motorradhandschuhe mit Akku halten nach Herstellerangaben je nach Stufe und Akku zwischen zwei und gut zwölf Stunden. Die langen Zeiten gelten für die kleinste Stufe, auf voller Leistung nennen die Hersteller zwei bis dreieinhalb Stunden. Fahrtwind, Kälte und Nässe verkürzen die Zeit.
Was ist bei beheizbaren Handschuhen im Kit enthalten?
Ein Kit enthält neben den Handschuhen zwei Akkus, einen für jede Hand, und je nach Hersteller ein Netzteil, ein USB-Ladegerät oder nur ein Ladekabel. Fehlt das Netzteil, brauchst du eines mit der Leistung, die der Hersteller vorgibt. Ohne Kit bekommst du nur die Handschuhe.
Kann ich beheizbare Handschuhe am Motorrad anschließen?
Anschließen lassen sich manche beheizbaren Handschuhe auch direkt an das 12-Volt-Bordnetz, über ein Kabel, das durch den Ärmel zum Motorrad führt. Dann heizen sie während der Fahrt ohne Pause und kräftiger als mit einem 7,4-Volt-Akku. Ob dein Modell das kann und welches Kabel nötig ist, verraten Produktseite und Anleitung.
Wie viel Strom brauchen beheizbare Handschuhe?
Der Strombedarf beheizbarer Handschuhe hängt von Modell und Spannung ab. Ein Hersteller nennt 8 Watt je Handschuh an 7,4 Volt und 18 Watt an 12 Volt, am Bordnetz also 36 Watt für das Paar. Laufen Heizgriffe oder eine Heizweste mit, kann die Lichtmaschine im Leerlauf an ihre Grenze kommen.
Wie lagere ich die Akkus von Heizhandschuhen über den Sommer?
Die Akkus von Heizhandschuhen lagerst du über den Sommer so, wie es in der Anleitung zu deinen Handschuhen steht. Ein Hersteller schreibt voll geladene Akkus vor, trocken und bei Zimmertemperatur, getrennt von Handschuh und Ladegerät. Andere Hersteller können das anders regeln.
Funktionieren beheizbare Handschuhe auch ohne Akku?
Tragen lassen sich beheizbare Handschuhe auch ohne Akku, nur heizen sie dann nicht. Ein Hersteller schreibt, dass sie nach dem Herausnehmen der Akkus wie ein konventioneller Handschuh weiter benutzt werden können. Das gilt auch, wenn die Heizung nach einem Schaden ausgeschaltet bleiben muss.
Sind beheizbare Handschuhe für Diabetiker geeignet?
Ob beheizbare Handschuhe bei Diabetes infrage kommen, besprichst du am besten vorher mit dem Arzt. So rät es ein Hersteller allen, die Wärme oder Kälte nicht richtig wahrnehmen, denn zu viel Wärme über längere Zeit kann Verbrennungen verursachen. Kontrollier in den Pausen, ob die Haut gerötet ist.
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