
An der langen Tafel zum 65. Geburtstag sitzen zehn Männer zwischen 60 und 70. Fast die Hälfte von ihnen hat irgendwann den Motorradführerschein gemacht, so sagt es die Statistik. Auf ihre Namen angemeldet sind rechnerisch kaum mehr als zwei Motorräder. Von den Frauen am selben Tisch hat nicht einmal jede zehnte die Klasse A.
Im Fahrerlaubnisregister des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) stand die Klasse A am 1. Januar 2026 gut elf Millionen Mal, dazu kam knapp eine halbe Million Einträge mit A2. Angemeldet waren am selben Tag 4,9 Millionen zweirädrige Krafträder, vom 125er-Roller bis zum Tourer. Ganz so viele Menschen, wie die erste Zahl verspricht, sind es allerdings nicht. Das Register streicht kaum jemanden, der gestorben ist.
Der große Motorradführerschein ist in Deutschland vor allem ein Schein der Älteren. Sieben von zehn Einträgen der Klasse A gehören Menschen ab 55, unter 35 sind es gerade fünf Prozent.
Am stärksten ist der Unterschied bei den Männern mit Führerschein. So viele von ihnen haben die Klasse A oder A2:
Die Frauen liegen auf einer viel flacheren Kurve. Zwischen 55 und 64 hat etwa jede achte mit Führerschein die Klasse A, darüber und darunter sind es weniger.
Am Mindestalter liegt dieser Abstand nicht: A2 gibt es ab 18, die offene Klasse A ohne Umweg ab 24 und nach zwei Jahren mit A2 schon ab 20. Die Jahrgänge um 1960 haben den Motorradschein viel öfter gemacht als ihre Kinder.
Den knapp zwölf Millionen Einträgen mit A oder A2 stehen 4,9 Millionen angemeldete Motorräder und Roller gegenüber. Rechnerisch kommen auf jede dieser Maschinen gut zwei passende Scheine. Mit der Klasse A1 sind es mehr als vier.
Das KBA zählt auch, wie alt die Halter sind, und so lassen sich Scheine und Motorräder derselben Jahrgänge nebeneinanderlegen. Bei den 18- bis 34-Jährigen kommen auf jedes Motorrad in privater Hand gut anderthalb Scheine mit A oder A2. Zwischen 55 und 64 sind es zwei, zwischen 65 und 74 fast drei. Auf Menschen ab 65 entfallen vier von zehn Einträgen der Klasse A, aber nur jedes fünfte Motorrad.
Ganz sauber ist der Vergleich nicht: Mancher Sohn fährt die Maschine, die auf den Vater angemeldet ist. Mit zwei oder drei Motorrädern in der Garage zählt ein Halter zwei- oder dreimal. Wer seine Maschine über den Winter ganz abmeldet, fehlt in der Zählung vom 1. Januar, mit Saisonkennzeichen bleibt sie im Bestand. Und je älter die Gruppe, desto mehr Verstorbene zählt das Register mit.
Viel gefahren werden die angemeldeten Motorräder nicht. Laut KBA kam ein Kraftrad 2025 im Schnitt auf 1.594 Kilometer, ein Pkw auf 10.616. Beim Motorrad entspricht das ungefähr einer Fahrt von Hamburg nach München und zurück, verteilt auf ein ganzes Jahr. Hinter diesem Schnitt stehen Maschinen, die jede Woche unterwegs sind, und solche, die fast das ganze Jahr in der Garage verbringen.
Die gut elf Millionen Motorradführerscheine der Klasse A sind zu hoch gegriffen, und das KBA sagt es selbst. Vom Tod eines Führerscheininhabers erfährt das Zentrale Fahrerlaubnisregister in aller Regel nichts. Gelöscht wird ein Eintrag erst, wenn sein Inhaber 110 Jahre alt wäre.
In einem Werkstattbericht hat das Amt deshalb geschätzt, wie viele Einträge vermutlich Verstorbenen gehören. Für den 1. Januar 2024 kam es auf rund 4,5 Millionen, knapp neun Prozent des ganzen Registers. In der Altersgruppe ab 75 war es fast jeder zweite Eintrag. Bei den Männern ab 86 standen sogar mehr Einträge im Register, als es Männer dieses Alters in Deutschland gab. Das KBA bezeichnet die Ergebnisse als vorläufig.
Bei der Klasse A gehören 2,35 Millionen Einträge Menschen ab 75, also genau der Gruppe mit den meisten Verstorbenen. Eine eigene Schätzung nur für die Motorradklassen hat das Amt nicht veröffentlicht.
Das Register gibt es seit 1999. Ältere Papierführerscheine kommen meist erst beim Umtausch hinein, bis dahin fehlen also manche, die fahren dürfen. Für die Jahrgänge vor 1953 läuft die Frist dafür noch bis zum 19. Januar 2033, für die Jahrgänge ab 1953 sind die Fristen für Papierscheine schon abgelaufen.
Auch das Wachstum der letzten Jahre hat mit diesem Umtausch zu tun. 2017 stand die Klasse A 8,6 Millionen Mal im Register, 2026 sind es 11,4 Millionen. Im selben Zeitraum wuchs das ganze Register von 37,5 auf 56,5 Millionen Einträge. Laut KBA kamen seit 2014 viele ältere Menschen hinzu, deren Fahrerlaubnis vor 1999 erteilt und deshalb noch nicht erfasst war.
Wie viele Menschen in Deutschland Motorrad fahren dürfen, lässt sich deshalb nur ungefähr sagen. Belastbarer als die Gesamtsumme sind die Anteile innerhalb einer Altersgruppe.
2025 haben laut Prüfungsstatistik des KBA gut 81.000 Prüflinge die praktische Prüfung für die Klasse A bestanden und gut 45.000 die für A2. Ein Teil der A-Prüfungen gehört Aufsteigern, die vorher schon A2 hatten. Zusammen entspricht das gut einem Prozent der Einträge, die das Register für beide Klassen führt.
Die Klasse A2 gibt es erst seit 2013, in ihre Zahl fließen also fast nur neue Prüfungen ein und kaum alte Papierscheine. 2017 stand sie rund 238.000 Mal im Register, 2026 sind es 462.000, fast doppelt so viele. Wer inzwischen auf A aufgestiegen ist, zählt dort schon nicht mehr mit.
Kaum seltener als die Klasse A steht im Register die A1. Bei 9,9 Millionen Einträgen ist sie die höchste Motorradklasse, ihre Inhaber dürfen 125er mit höchstens 11 kW fahren. Für eine A1, die ab dem 19. Januar 2013 erteilt wurde, kommt eine dritte Grenze dazu: höchstens 0,1 kW je Kilogramm Gewicht. Auf einem Übungsplatz mit Pylonen stand für die A1 längst nicht jeder. 8,2 Millionen dieser Einträge gehören Menschen ab 65, und bei ihnen steckt die A1 meist in einem alten Autoführerschein.
Wurde die alte Klasse 3 vor April 1980 erteilt, gehören auch 125er dazu, und auf der neuen Karte steht dafür die A1. Mitten durch den Geburtstagstisch vom Anfang läuft dieser Stichtag. Von den Frauen zwischen 65 und 69 mit Führerschein haben sechs von zehn eine A1 im Register, zwischen 60 und 64 ist es etwa jede achte. Die meisten Jüngeren waren im März 1980 noch nicht 18. So darf manche Frau am Tisch 125er fahren, die nie auf einem Motorrad saß.
Noch weiter reichen ganz alte Fahrerlaubnisse: Eine Klasse 3, die vor dem 1. Dezember 1954 erteilt wurde, wird beim Umtausch sogar zur offenen Klasse A. Bei den Scheinen der Klasse 3 ab Dezember 1954 sieht das anders aus. Hast du so einen gegen die Karte getauscht, lohnt ein Blick auf ihre Rückseite. In der Zeile A steht dann in der Regel ein Datum, daneben in Spalte 12 aber die Schlüsselzahlen 79.03 und 79.04. Sie bedeuten: nur dreirädrige Fahrzeuge, bei 79.04 auch mit kleinem Anhänger.
Für ein Motorrad reicht dieses A nicht, nur bei Scheinen aus der Zeit vor April 1980 bleibt die A1 für die 125er. Wer ein Motorrad fährt, für das die eigene Fahrerlaubnis nicht gilt, macht sich nach § 21 des Straßenverkehrsgesetzes strafbar.
Mitgezählt ist dieses Dreirad-A in den gut elf Millionen der Klasse A nicht, sonst stünde bei fast jeder Frau zwischen 60 und 70 im Register die Klasse A. Unsichtbar bleiben auch die Autofahrer mit der Schlüsselzahl 196. Wer mindestens 25 ist und seit mindestens fünf Jahren die Klasse B hat, darf nach einem Kurs bei der Fahrschule in Deutschland ebenfalls 125er fahren. Diese Erlaubnis hängt aber an der Klasse B und taucht in keiner Motorradklasse auf.
Unter den Bundesländern fallen fünf aus der Reihe. In Thüringen, Sachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt tragen rund 28 Prozent aller Einträge im Register die Klasse A oder A2, in Mecklenburg-Vorpommern 26 Prozent. Bayern und Baden-Württemberg kommen auf gut 21, Nordrhein-Westfalen auf knapp 19 Prozent. In Berlin, Hamburg und Bremen sind es 15 bis 16 Prozent.
Der Vorsprung geht fast ganz auf die Männer zurück. In den vier Ländern an der Spitze haben 45 bis 46 Prozent der Männer mit Führerschein die Klasse A oder A2, in Bayern und Baden-Württemberg 33 Prozent. Bei den Frauen liegen Ost und West gleichauf, in Sachsen bei 8,1 Prozent, in Bayern bei 8,0.
Viele der Männer im Osten haben den Schein noch in der DDR gemacht. In den Achtzigern dauerte es dort zwölf Jahre und länger, bis ein bestellter Trabant kam, ein Motorrad gab es ohne lange Wartezeit und für weniger Geld.
Nordrhein-Westfalen führt in absoluten Zahlen mit 2,25 Millionen Einträgen der Klasse A, Bayern folgt mit 1,9 Millionen.
Eine Wohnanschrift speichert das Register allerdings nicht, es ordnet jeden Führerschein der Behörde zu, die ihn ausgestellt hat. Wer seine Karte in Leipzig bekommen hat und heute in Nürnberg wohnt, zählt weiter für Sachsen. Die Länderzahlen zeigen also, wo der Motorradführerschein ausgestellt wurde, nicht, wo seine Inhaber heute fahren.
Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel ordnet die Lage allgemein und journalistisch ein (Stand: Oktober 2026). Er ist keine Rechtsberatung, und Einzelfälle können anders liegen. Welche Klassen in deinem alten Führerschein stecken und bis wann du ihn umtauschen musst, sagt dir die Führerscheinstelle deines Wohnorts.
Hast du den Motorradführerschein seit Jahren nicht gebraucht, kannst du beruhigt sein, zumindest was die Erlaubnis angeht. Die Klasse A selbst wird nach § 23 der Fahrerlaubnis-Verordnung unbefristet erteilt. Ablaufen kann nur das Dokument: Karten ab dem 19. Januar 2013 gelten 15 Jahre, ältere Führerscheine werden nach Geburts- oder Ausstellungsjahr gegen die neue Karte getauscht. Wer die Frist verpasst hat, holt den Tausch bei der Führerscheinstelle nach, die Erlaubnis bleibt dieselbe. Ob nach langer Pause auch die Übung noch reicht, klärt ein Sicherheitstraining besser als die erste Ausfahrt.
Vielleicht erklärt die unbefristete Erlaubnis am besten, warum es so viel mehr Scheine als Motorräder gibt. Ein Motorrad wird verkauft, wenn die Kinder kommen oder das Geld fürs Haus gebraucht wird. Der Motorradführerschein bleibt im Portemonnaie. Auf dem alten grauen oder rosa Papier stand für das Motorrad meist noch eine Eins. Auf der Karte, die viele inzwischen dafür bekommen haben, steht stattdessen ein A.
Abgelaufen ist es nicht.
Wie viele Deutsche haben einen Motorradführerschein?
Das Kraftfahrt-Bundesamt führte am 1. Januar 2026 rund 11,4 Millionen Motorradführerscheine der Klasse A im Register, dazu knapp 0,5 Millionen mit A2. Weitere 9,9 Millionen Einträge betreffen die A1 für Leichtkrafträder, viele davon aus alten Autoführerscheinen. Ein Teil der Einträge gehört Verstorbenen, weil das Register erst zum 110. Geburtstag löscht.
Wie viele Motorradfahrer gibt es in Deutschland?
Das Kraftfahrt-Bundesamt zählt Führerscheine und angemeldete Fahrzeuge, aber nicht, wer damit unterwegs ist. Angemeldet waren am 1. Januar 2026 rund 4,9 Millionen zweirädrige Krafträder, und ein Kraftrad kam 2025 durchschnittlich auf 1.594 Kilometer. Einen passenden Führerschein haben deutlich mehr Menschen, als Maschinen angemeldet sind.
In welchem Alter haben die meisten den Motorradführerschein?
Der Motorradführerschein der Klasse A gehört überwiegend Menschen ab 55, auf sie entfallen gut 70 Prozent der Einträge. Unter Männern zwischen 60 und 69 mit Führerschein hat fast jeder zweite die Klasse A. Bei den 25- bis 29-jährigen Männern ist es mit A2 zusammen etwa jeder achte.
Werden Verstorbene aus dem Führerscheinregister gelöscht?
Verstorbene bleiben im Zentralen Fahrerlaubnisregister meist eingetragen, weil das Kraftfahrt-Bundesamt vom Tod in aller Regel keine Mitteilung bekommt. Aus dem Register fällt ein Eintrag erst zum 110. Geburtstag. Nach der Schätzung des Amts waren es Anfang 2024 rund 4,5 Millionen solcher Einträge, bei Menschen ab 75 fast die Hälfte aller Einträge.
Läuft der Motorradführerschein irgendwann ab?
Die Fahrerlaubnis für Motorräder ist in Deutschland unbefristet und gilt auch nach Jahrzehnten ohne eigene Maschine weiter. Ein Ablaufdatum hat nur das Dokument, Kartenführerscheine ab dem 19. Januar 2013 sind 15 Jahre gültig. Wer vor 1953 geboren ist und noch einen aus Papier besitzt, muss ihn bis zum 19. Januar 2033 gegen eine Karte tauschen. Für alle Jüngeren mit Papierführerschein ist die Frist schon abgelaufen, sie müssen den Tausch nachholen.
In welchem Bundesland haben die meisten Menschen einen Motorradführerschein?
Die meisten Motorradführerscheine der Klasse A sind in Nordrhein-Westfalen registriert, gefolgt von Bayern. Gemessen an allen Führerscheinen eines Landes führen Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg mit jeweils rund 28 Prozent für A oder A2. Zugeordnet wird jeder Führerschein der Behörde, die ihn ausgestellt hat, nicht dem heutigen Wohnort.
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