
Junge Menschen steigen immer öfter aufs Motorrad. Diesen Satz liest du oft, und auch über diesem Artikel stand er lange als Überschrift. Wir haben ihn deshalb überprüft, mit den amtlichen Statistiken aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Das Ergebnis ist weniger eindeutig als der Satz, dafür interessanter. Jedes der drei Länder zeigt ein anderes Bild, und in einem davon führt die Spur zu den Unfallzahlen.
Das Kraftfahrt-Bundesamt zählt jedes Jahr, wie viele Fahrerlaubnisse erteilt werden. Für die Motorradklassen A1, A2 und A waren es 2016 insgesamt 233.008, im Jahr 2025 noch 203.686. Bei den Jugendlichen bis 17 sank die Zahl im selben Zeitraum von 45.186 auf 38.736. Bei den 18- bis 24-Jährigen bewegt sie sich seit Jahren zwischen rund 65.000 und 71.000, 2025 waren es 69.001.
Innerhalb dieser Zahlen verschiebt sich trotzdem etwas. 2016 bekamen 35.820 junge Männer bis 17 eine Motorradfahrerlaubnis, 2025 waren es 26.675. Bei den jungen Frauen bis 17 ging es dagegen von 9.366 auf 12.061 nach oben, bei den Frauen zwischen 18 und 24 von 11.849 auf 16.414. Bei den Fahrerlaubnissen wird das Motorrad unter jungen Menschen also nicht häufiger, aber weiblicher.
Auch der Blick auf die Halter spricht nicht für einen Boom. Am 1. Januar 2015 waren in Deutschland 14.909 Krafträder auf Halter bis 17 Jahre zugelassen, am 1. Januar 2025 noch 9.549. Die größte Gruppe stellen die 55- bis 59-Jährigen mit 882.338 Krafträdern. Wer im Fahrzeugschein steht, fährt allerdings nicht zwingend selbst. Bei Jugendlichen können zum Beispiel auch die Eltern als Halter eingetragen sein.
Beide Statistiken haben Grenzen. Die Erteilungen zählen Fahrerlaubnisse und keine Menschen, die zum ersten Mal aufs Motorrad steigen, dazu kann auch der Aufstieg in eine höhere Klasse gehören. Eine Aussage darüber, wie viel jemand tatsächlich fährt, steckt in keiner der Zahlen.
Klar nach oben geht es in Deutschland bei einer anderen Klasse. Für die Klasse AM nahmen die Prüfer 2016 genau 14.648 praktische Prüfungen ab, 2025 waren es 49.093. Die Prüfungsstatistik nennt kein Alter und enthält auch Wiederholungen, die Richtung ist trotzdem deutlich.
Bei A2, der Motorradklasse ab 18, ging die Zahl der praktischen Prüfungen im selben Zeitraum von 61.574 auf 48.928 zurück. Der Industrie-Verband Motorrad schreibt, Kleinkrafträder sprächen alle Altersgruppen an, seien aber bei jungen Fahranfängerinnen und Fahranfängern besonders beliebt.
In Österreich zeigt die Kurve nach oben. Statistik Austria zählte 2025 genau 25.712 ausgestellte Motorradführerscheine der Klassen A, A1 und A2, so viele wie seit 2006 nicht mehr. 2016 waren es 16.276. Am stärksten wuchs gegenüber 2024 die Klasse A1 mit einem Plus von zehn Prozent.
Junge Menschen stellen dabei die Mehrheit. Rund 17.000 der Motorradführerscheine gingen 2025 an 15- bis 24-Jährige, im Jahr davor waren es 16.023. Allein 3.331 A1-Führerscheine bekamen 16-Jährige. Den deutlichsten Zuwachs innerhalb der Altersgruppen sieht Statistik Austria allerdings nicht bei den Jungen, sondern bei den 40- bis 49-Jährigen mit plus 13 Prozent.
In der Schweiz dürfen seit 2021 schon 16-Jährige Motorräder bis 125 Kubikzentimeter fahren, vorher lag die Grenze bei 18 Jahren. Mit 15 gibt es seither den Ausweis für Kleinmotorräder bis 45 km/h.
Die Zahl der neuen Motorradlenkenden zwischen 15 und 17 stieg danach kurz an, von 5.717 im Jahr 2021 auf 6.837 im Jahr 2022. Seitdem sinkt sie, 2025 waren es 4.919. Bei den Neulenkenden zwischen 18 und 24 ging es seit 2022 dagegen nach oben, von 10.589 auf 13.639. Gezählt werden in dieser Statistik des Bundesamts für Strassen nur Menschen, die zum ersten Mal einen Motorradausweis erwerben, die Kleinmotorräder eingeschlossen.
Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel ordnet die Lage allgemein und journalistisch ein (Stand: September 2026). Er ist keine Rechtsberatung, und Einzelfälle können anders liegen. Welche Klasse du ab welchem Alter fahren darfst, sagt dir die Führerscheinstelle, in der Schweiz das Strassenverkehrsamt.
In der Schweiz lohnt ein Blick auf eine zweite Statistik. Die Beratungsstelle für Unfallverhütung BFU schreibt, seit der Senkung der Altersgrenze seien die Unfallzahlen signifikant gestiegen. Pro Jahr seien 135 Jugendliche zwischen 15 und 17 mit dem Motorrad schwer verunfallt, vier seien gestorben. In den drei Jahren vor der Änderung waren es im Schnitt 51 Schwerverletzte und ein Todesopfer.
Der Bund hat die obligatorische praktische Grundschulung für A1 zwar von acht auf zwölf Stunden verlängert. Der BFU reicht das nicht, sie spricht sich dafür aus, das Mindestalter wieder anzuheben (Stand: März 2025).
Steigen junge Menschen also immer öfter aufs Motorrad? In Österreich zuletzt ja, in Deutschland eher nicht, und in der Schweiz gab es bei den 15- bis 17-Jährigen nach der Gesetzesänderung nur einen kurzen Sprung, während die Zahl der neuen Fahrer zwischen 18 und 24 seit 2022 steigt. Dort zeigt sich auch, was ein früherer Einstieg kosten kann: Seit Jugendliche früher aufsteigen dürfen, zählt die BFU deutlich mehr schwer verletzte Jugendliche.
Machen in Deutschland mehr junge Menschen den Motorradführerschein als früher?
Nein. Laut Kraftfahrt-Bundesamt bekamen 2016 insgesamt 45.186 Jugendliche bis 17 eine Fahrerlaubnis für A1, A2 oder A, 2025 waren es 38.736. Bei den 18- bis 24-Jährigen ist die Zahl ungefähr gleich geblieben.
Fahren mehr junge Frauen Motorrad?
Bei den Fahrerlaubnissen ja. In Deutschland stieg die Zahl bei Frauen bis 17 von 9.366 im Jahr 2016 auf 12.061 im Jahr 2025 und bei Frauen zwischen 18 und 24 von 11.849 auf 16.414. Bei jungen Männern ging sie im selben Zeitraum zurück.
Wie viele Motorradführerscheine wurden 2025 in Österreich ausgestellt?
Statistik Austria zählte 25.712 Führerscheine der Klassen A, A1 und A2, der höchste Wert seit 2006. Rund zwei Drittel gingen an 15- bis 24-Jährige.
Ab welchem Alter darf ich in der Schweiz eine 125er fahren?
Seit 2021 ab 16 Jahren, vorher ab 18. Für Kleinmotorräder bis 45 km/h reicht in der Schweiz ein Alter von 15 Jahren.
Gibt es in der Schweiz mehr Motorradunfälle mit Jugendlichen?
Laut der Beratungsstelle für Unfallverhütung BFU ja. Seit der Senkung der Altersgrenze verunfallten pro Jahr 135 Jugendliche zwischen 15 und 17 schwer, vorher waren es im Schnitt 51. Die BFU spricht sich für eine erneute Anhebung des Mindestalters aus.
Wie aussagekräftig sind Führerscheinstatistiken?
Die Zahlen zeigen, wie viele Fahrerlaubnisse erteilt werden, aber nicht, wie viel jemand fährt. In Deutschland kann auch ein Klassenaufstieg mitgezählt werden, und bei den Haltern von Motorrädern stehen bei Jugendlichen mitunter die Eltern im Fahrzeugschein.
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