Janis Reisulis: Platz 6 beim MXGP Frankreich 2026

MotorradZoneMotorradZoneMotorsportvor 1 Stunde133 Aufrufe

Holeshot. Erste Kurve, erster am Gas, freie Strecke vor dem Vorderrad. Genau so hatte sich Janis Reisulis das zweite Rennen in Lacapelle vorgestellt – und genau so begann es. Der Lette zog davon, übernahm die Spitze und fuhr ein Rennen, das aussah wie aus seiner Titelsaison kopiert. Dass am Ende „nur” Rang fünf im Lauf und Platz sechs in der Tageswertung herauskam, lag nicht am Speed. Es lag an der Hitze.

Beim MXGP Frankreich, dem sechsten Lauf zur MX2-Weltmeisterschaft 2026, hat Janis Reisulis das gezeigt, worauf das Monster Energy Yamaha Factory MX2 Team seit Saisonbeginn wartet: Tempo auf dem Niveau der Schnellsten, über ein ganzes Wochenende hinweg. Für seinen älteren Bruder Karlis dagegen wurde der Sonntag im Südwesten Frankreichs zum Wochenende, das man besser schnell abhakt.

Foto: Yamaha Motor Europe

Worum es in Lacapelle ging

Fünf Wochen Pause lagen hinter dem MX2-Feld, als die Weltmeisterschaft in Lacapelle-Marival wieder anrollte. Eine klassische französische Strecke, kein Kunstgebilde: Hartboden, viele Sprünge, tiefe Spurrillen, Hügel, die einem in der dritten Runde die Arme schwer machen. Dazu eine Kulisse, die in Frankreich selten enttäuscht – Motocross ist hier kein Nischensport, sondern Volksfest.

Hartboden ist tückisch. Anders als auf tiefem Sand, wo das Hinterrad sich seine eigene Linie gräbt, findest du auf festem Geläuf nur eine ideale Spur – und die wird über das Rennen härter, glatter, gemeiner. Wer hier vorne mitfahren will, braucht ein präzises Vorderrad und Nerven beim Bremsen in die ausgewaschenen Anbremszonen. Genau dieses Terrain trennt an einem heißen Tag die Schnellen von den ganz Schnellen.

Für Janis Reisulis war es eine Bühne, auf der er sich wohlfühlt. Für Karlis eine, die ihm das ganze Wochenende nicht den richtigen Rhythmus geben wollte.

Foto: Yamaha Motor Europe

Der Tag des jüngeren Reisulis

Den Ton setzte der amtierende EMX250-Champion schon im Qualifikationsrennen am Samstag. Rang drei – ein Statement nach der langen Pause. Wer das Quali-Rennen so weit vorne beendet, hat am Sonntag eine gute Startposition am Gatter und, fast wichtiger, das Gefühl, dass die Maschine passt.

Im ersten Grand-Prix-Lauf legte Reisulis ordentlich los. Start als Dritter, dann der Kampf um die Top Five, mittendrin im Geschehen. In der Schlussphase fehlte ihm ein Quäntchen, ein paar Runden vor dem Ende rutschte er auf Position sechs zurück. Kein Bruch, kein Fehler – eher das Nachlassen, das auf Hartboden in der Hitze fast unausweichlich ist, wenn der Körper noch nicht bei hundert Prozent ist. Sechs Punkte weniger als erhofft. Aber sechster Platz im ersten Lauf eines WM-Sonntags ist eine solide Basis.

Foto: Yamaha Motor Europe

Rennen zwei: der Lauf, der an 2025 erinnerte

Dann kam Rennen zwei. Und mit ihm der Moment, der dieses Wochenende für Reisulis zu einem guten machte.

Holeshot. Der beste Start des Tages, vielleicht des bisherigen Jahres. Reisulis stand vorne, zog das Feld in die ersten Kurven und fuhr an der Spitze ein Tempo, das viele an seine EMX250-Saison 2025 erinnerte – jene Saison, in der er als Europameister die Tür zur Weltmeisterschaft aufstieß. Der Fahrer auf der Yamaha YZ250FM kontrollierte das Rennen, Runde um Runde, technisch fast makellos.

Fast. Denn die Hitze, die in Lacapelle über dem Hartboden flimmerte, forderte ihren Tribut. Im letzten Renndrittel ließ der Körper nach, das Tempo wurde teurer, und Reisulis musste Plätze ziehen lassen. Über die Ziellinie kam er als Fünfter. In der kombinierten Tageswertung – sechs Punkte aus Lauf eins, ein bisschen mehr aus Lauf zwei – stand am Ende Platz sechs.

Klingt nach einem normalen Ergebnis. Ist es nicht. Wer in einer Weltmeisterschaft ein Rennen über weite Strecken anführt, beweist, dass er nicht im Feld mitschwimmt, sondern es gestalten kann. Das ist der Unterschied zwischen einem Top-Ten-Fahrer und einem künftigen Siegkandidaten.

Foto: Yamaha Motor Europe

Karlis Reisulis: ein Wochenende ohne Flow

Während der jüngere Bruder vorne kämpfte, suchte der ältere den ganzen Sonntag nach seinem Rhythmus – und fand ihn nicht. Karlis Reisulis war mit Rückenwind nach Frankreich gereist. Beim letzten Lauf in Italien hatte er mit Rang fünf sein bislang bestes Saisonergebnis eingefahren, die Form schien zu stimmen.

Lacapelle aber wollte nicht. Im ersten Lauf reichte es nur zu Position 14, im zweiten arbeitete er sich auf Rang elf nach vorne. Macht Platz elf in der Tageswertung – und sichtbaren Frust. Das Team habe alles versucht, um ihm zu helfen, hieß es nach dem Rennen; es habe an diesem Wochenende einfach nicht zusammengepasst.

Solche Tage gehören dazu. Gerade in einer Weltmeisterschaft, gerade auf einem Untergrund, der keine Fehler verzeiht. Wer auf Hartboden den richtigen Punkt zum Bremsen und Beschleunigen nicht findet, verliert nicht eine Zehntelsekunde, sondern in jeder Kurve ein bisschen – und am Ende zwei, drei Plätze. In der WM-Wertung bleibt Karlis nach sechs Runden auf Position acht.

Foto: Yamaha Motor Europe

Was die beiden nach dem Rennen sagten

Janis Reisulis zeigte sich im Team-Statement zufrieden, ohne den Tag schönzureden. Ein solides Wochenende sei es gewesen, und er sei froh, nach der fünfwöchigen Pause wieder zu fahren. In der Zeit ohne Rennen habe er viel körperlich gearbeitet, und sein Tempo sei heute richtig gut gewesen – vor allem im zweiten Lauf. Sein Speed, so der Lette, habe sich das ganze Wochenende auf Augenhöhe mit den Schnellsten angefühlt.

Die Starts seien gemischt gewesen, der zweite aber perfekt – und genau das habe geholfen. Im zweiten Moto habe er sich stark gefühlt auf dem Motorrad, auch wenn die Hitze körperlich hart gewesen sei. Dass er über weite Teile geführt habe, sei ein großes Plus. An seiner Ausdauer müsse er weiter arbeiten, aber das Wochenende sei ein Schritt in die richtige Richtung gewesen.

Bei Karlis Reisulis klang es nüchterner. Ein schwieriger Tag sei das gewesen, er habe das ganze Wochenende nicht in seinen Flow gefunden – obwohl das Team alles Mögliche getan habe, um ihm zu helfen. Es enttäusche ihn, dass er das Ergebnis nicht zurückgeben konnte, das die Mannschaft verdient hätte. Aber solche Wochenenden gehörten zum Lernprozess; er nehme die Lektionen mit und komme stärker zurück. Es sei schlicht nicht ihr Wochenende gewesen.

Zwei Brüder, zwei Stimmungen, ein Team. Wer Geschwister im selben Fahrerlager kennt, weiß: An solchen Tagen ist das Boxenzelt ein kompliziertes Pflaster. Der eine will den Erfolg feiern, der andere am liebsten verschwinden. Beides nebeneinander, in derselben Hospitality.

Foto: Yamaha Motor Europe

Die MX2-WM nach sechs Runden

Ein Blick auf die Zahlen, denn die erzählen die zweite Hälfte der Geschichte. Janis Reisulis sammelte beim MXGP Frankreich 31 Punkte und steht in der MX2-Weltmeisterschaft nach sechs Läufen auf Rang sieben mit 209 Punkten. Karlis Reisulis holte in Frankreich 17 Zähler und liegt mit 167 Punkten auf Position acht.

42 Punkte trennen die Brüder in der Tabelle – ein Abstand, der über eine lange Saison schnell schrumpfen oder wachsen kann. Beide fahren im vorderen Feld der MX2-WM, in Sichtweite der Top Five, beide sind in Schlagdistanz zueinander. Für ein Werksteam, das mit zwei jungen Fahrern in die WM geht, ist das eine komfortable Ausgangslage: zwei Eisen im Feuer, beide noch mit Luft nach oben.

Wenn du die MX2-Klasse verfolgst, weißt du, wie unberechenbar so eine Saison ist. Ein guter Start, eine verpasste Anbremszone, ein Stein im falschen Moment – die Nachwuchsklasse der Weltmeisterschaft lebt von genau dieser Wildheit. Konstanz ist hier die härteste Währung, und genau die hat Janis Reisulis in Lacapelle ein Stück weit eingelöst.

Nächster Halt: Teutschenthal – und dann das Heimspiel

Es kommt jetzt dick für die Brüder Reisulis. Schon am kommenden Wochenende reist das Team nach Teutschenthal zum MXGP von Deutschland, dem siebten WM-Lauf. Eine Strecke mit eigenem Charakter, traditionsreich, und für viele Fahrer ein gänzlich anderes Terrain als das französische Hartgeläuf.

Und dann, eine Woche später, geht es weit nach Norden. Nach Kegums. Heim-Grand-Prix in Lettland, vor eigenem Publikum, vor Familie und Freunden. Für zwei lettische Werksfahrer ist das mehr als ein weiterer Punkt im Kalender – das ist das Rennen, das man sich im Winter rot anstreicht. Wenn du selbst schon einmal vor heimischem Publikum angetreten bist, kennst du den Druck, der da auf den Schultern liegt. Was an einem solchen Heimwochenende möglich ist, lässt sich seriös nicht vorhersagen; der Druck kann beflügeln oder lähmen. Aber wenn Janis Reisulis sein Tempo aus Rennen zwei von Lacapelle mitnimmt und an seiner Ausdauer arbeitet, wie er es selbst angekündigt hat, dürfte in Kegums einiges drin sein.

Der Holeshot in Frankreich war kein Zufall. Er war ein Versprechen. Jetzt müssen zwei Wochenenden zeigen, ob aus dem Versprechen ein Ergebnis wird – am besten vor heimischem Publikum.

❓ Häufige Fragen zu Janis Reisulis und dem MXGP Frankreich

Wer ist Janis Reisulis?

Janis Reisulis ist ein lettischer Motocross-Fahrer im Monster Energy Yamaha Factory MX2 Team und startet in der MX2-Weltmeisterschaft. 2025 wurde er EMX250-Europameister und gilt als eines der größten Nachwuchstalente im internationalen Motocross.


Wie hat Janis Reisulis beim MXGP Frankreich 2026 abgeschnitten?

Janis Reisulis fuhr in Lacapelle-Marival auf Platz sechs in der Tageswertung. Im ersten Lauf wurde er Sechster, im zweiten Fünfter, nachdem er das Rennen nach dem Holeshot lange angeführt hatte. Im Qualifikationsrennen am Samstag belegte er Rang drei.


Welches Motorrad fährt Janis Reisulis?

Janis Reisulis fährt eine Yamaha YZ250FM, das Werks-Motocrossmotorrad des Monster Energy Yamaha Factory MX2 Teams für die 250er-Klasse der Weltmeisterschaft.


Wer ist Karlis Reisulis?

Karlis Reisulis ist der ältere Bruder von Janis und ebenfalls Fahrer im Monster Energy Yamaha Factory MX2 Team. Beim MXGP Frankreich kam er auf Platz elf der Tageswertung und liegt nach sechs Runden auf Rang acht der WM-Wertung.


Wo steht Janis Reisulis in der MX2-WM 2026?

Nach sechs Läufen liegt Janis Reisulis mit 209 Punkten auf Rang sieben der MX2-Weltmeisterschaft. Sein Bruder Karlis folgt mit 167 Punkten auf Platz acht.


Wo findet das nächste MX2-Rennen statt?

Der nächste Lauf ist der MXGP von Deutschland in Teutschenthal (Runde sieben). Eine Woche später folgt der Heim-Grand-Prix der Brüder Reisulis in Kegums, Lettland.


Was ist der Unterschied zwischen MX2 und MXGP?

MX2 ist die Nachwuchsklasse der Motocross-Weltmeisterschaft: Motorräder bis 250 ccm und ein Höchstalter von 23 Jahren für die Fahrer. MXGP ist die Königsklasse mit den stärkeren 450er-Maschinen und ohne Altersgrenze. Beide Klassen fahren an denselben Grand-Prix-Wochenenden.

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