Gebrauchtkauf-Guide: Die 10 besten Motorräder für Einsteiger (A2-konform) unter 5.000 Euro

Die Anzeige klingt gut: A2-tauglich, TÜV neu, 4.800 Euro. In der Hofeinfahrt steht ein Naked Bike der Mittelklasse, daneben der Verkäufer mit den Papieren in der Hand. Ob dein A2-Führerschein dafür reicht, verraten weder die Fotos noch das Inserat, sondern die Papiere, allen voran die Zulassungsbescheinigung.

Das muss schon bei der Probefahrt passen. Passt das Motorrad nicht in die Klasse A2, deckt dein Führerschein es nicht ab, und das Fahren ohne die erforderliche Fahrerlaubnis ist eine Straftat. Dieser Ratgeber zeigt, wie du die Papiere liest, was du in zehn Minuten am Motorrad prüfst und welche zehn Modelle sich für den Einstieg anbieten (Stand: Oktober 2026).

Die A2-Falle und wie du sie vermeidest

Für die Klasse A2 nennt § 6 der Fahrerlaubnis-Verordnung drei Grenzen, und alle drei müssen passen:

  • Leistung: Mehr als 35 kW Motorleistung sind nicht erlaubt.
  • Leistungsgewicht: Pro Kilogramm sind höchstens 0,2 kW erlaubt, gerechnet als Verhältnis von Leistung zu Gewicht.
  • Herkunft: Abgeleitet sein darf das Motorrad nur von einem Kraftrad, das nicht mehr als 70 kW leistet.

Die dritte Grenze überrascht viele. Stammt ein Motorrad von einer Version mit mehr als 70 kW ab, fällt es nach der Verordnung auch mit einer sauber eingebauten Drossel auf 35 kW nicht unter A2. Die zweite Grenze, das Leistungsgewicht, wird vor allem bei leichten Maschinen knapp.

Für das Leistungsgewicht musst du nicht rechnen: Es ist dieselbe Größe, die bei deinem Kraftrad in Feld Q steht. Welches Gewicht genau gemeint ist, legt die Verordnung allerdings nicht fest, und Trockengewicht aus dem Prospekt, fahrfertiges Gewicht und Leermasse sind drei verschiedene Zahlen. Ist die Einstufung unklar, kläre sie vor dem Kauf, etwa mit einer Prüforganisation.

Sicherheitshinweis: Fahren ohne die erforderliche Fahrerlaubnis stellt § 21 StVG unter Strafe. Bei Vorsatz sind bis zu ein Jahr Freiheitsstrafe oder eine Geldstrafe möglich, und wer fahrlässig handelt, riskiert bis zu sechs Monate Freiheitsstrafe oder eine Geldstrafe von bis zu 180 Tagessätzen. Strafbar macht sich auch der Halter, der so eine Fahrt anordnet oder zulässt.

Für ältere A2-Führerscheine gibt es eine Übergangsvorschrift. Wer seine A2-Berechtigung zwischen dem 19. Januar 2013 und dem 27. Dezember 2016 erteilt bekommen hat, darf nach der Fahrerlaubnis-Verordnung auch Krafträder fahren, deren Leistung von über 70 kW abgeleitet ist. Diese Ausnahme gilt laut Verordnung nur im Inland.

Vor dem Kauf heißt das konkret:

  • Feld P.2: Hier steht die Nennleistung, eingetragen in der Zulassungsbescheinigung Teil I. Für A2 dürfen es höchstens 35 kW sein.
  • Ausgangsleistung: Bei einer ab Werk gedrosselten Version steht im COC-Papier die Leistung dieser Version, nicht die des offenen Grundmodells. Die findest du in den Unterlagen zur Drosselung oder beim Hersteller.
  • Eintrag: Eine nachgerüstete Drossel muss in den Papieren stehen. Liegt der Drosselsatz nur in einer Kiste bei, fährst du ein offenes Motorrad, auch auf dem Heimweg.

Und die Versicherung? Den Unfallgegner entschädigt die Kfz-Haftpflicht, selbst wenn sie im Verhältnis zu dir leistungsfrei ist. Im Vertrag darf die Pflicht stehen, nur mit der vorgeschriebenen Fahrerlaubnis zu fahren. Verletzt du sie, kann sich der Versicherer nur bis zu einer Grenze von 5.000 Euro auf Leistungsfreiheit berufen (§ 5 KfzPflVV). War die Pflichtverletzung für den Unfall nicht ursächlich, muss der Versicherer trotzdem leisten, außer bei Arglist.

Manche Verkäufer winken bei dem Thema ab: „Ist eh gedrosselt“, „hat der Vorbesitzer schon gemacht“. Glaub das nie ungeprüft. Ein Blick in die Papiere dauert zwei Minuten und erspart dir später den Ärger mit Polizei, Prüfstelle und Versicherung.

Der Schnell-Check vor dem Kauf

Deine 5.000 Euro sollen auf der Straße Spaß machen und nicht in der Werkstatt verschwinden. Bevor du ans Bezahlen denkst, nimm dir zehn Minuten für einen ehrlichen Blick aufs Motorrad. Mit Misstrauen hat das nichts zu tun: „Top gepflegt“ kann jeder ins Inserat schreiben.

Beginne mit dem, was du siehst und was dich später Geld kostet:

  • Reifen: Schau an der Reifenflanke auf die DOT-Nummer: Ihre letzten vier Ziffern zeigen, in welcher Woche und welchem Jahr er gebaut wurde. Ein gesetzliches Höchstalter für Reifen gibt es nicht, vorgeschrieben ist eine Profiltiefe von mindestens 1,6 Millimetern im Hauptprofil. Michelin empfiehlt eine jährliche Kontrolle durch einen Fachmann, sobald ein Reifen fünf Jahre in Gebrauch ist, und den Wechsel nach zehn Jahren, selbst wenn er noch gut aussieht. Ein neuer Satz gehört zu den großen Posten nach dem Kauf; den Preis für dein Modell nennt dir die Werkstatt.
  • Kette und Ritzel: Zieh die Kette bei abgestelltem Motor an der Hinterseite des Kettenrads, auf Höhe der Achse, nach hinten weg. Klafft eine deutliche Lücke oder zeigen die Zähne das Haifischmuster, steht bald ein kompletter Satz an. KTM rät in der Betriebsanleitung zur 390 Duke, Kette, Ritzel und Kettenrad stets als Satz zu wechseln.
  • Bremsen: Fühl mit dem Finger über die Bremsscheibe, aber nur, wenn sie kalt ist: Ist das Motorrad gerade gefahren worden, etwa bei deiner Probefahrt, verbrennst du dir daran die Finger. Tiefe Rillen, Kanten oder ungleichmäßige Abnutzung sind Warnzeichen. Die Mindeststärke ist auf der Scheibe eingeprägt, meist als „MIN TH“ mit einer Zahl in Millimetern. Wie viel Belag noch übrig ist, siehst du mit einer Taschenlampe im Bremssattel; sind die Beläge fast blank, ist das ein Argument beim Preis.
  • Hauptuntersuchung: „TÜV neu“ heißt: Die Hauptuntersuchung ist frisch gemacht, bei Krafträdern ist die nächste erst nach 24 Monaten fällig. Läuft die Plakette bald ab, frag nach dem Warum. Wurde der Termin vergessen, oder gab es beim letzten Versuch Mängel? Das sagt oft mehr über den Zustand als jedes Foto. Lass dir den letzten Prüfbericht zeigen, denn dort stehen auch geringe Mängel, mit denen es die Plakette trotzdem gab.
  • Papiere: Die Fahrzeug-Identifizierungsnummer ist meist am Lenkkopf eingeschlagen und muss mit Feld E der Zulassungsbescheinigung Teil I übereinstimmen. Auch Teil II gehört auf den Tisch. Fehlt er oder passt die Nummer nicht, lass die Finger davon.

Verlange außerdem Service-Nachweise. Fehlen sie ganz, bleibt offen, was am Motorrad gemacht wurde, und das gehört in die Preisverhandlung. Stehen Ölwechsel, Ventilspiel oder Bremsflüssigkeit nicht darin, rechne damit, dass auch anderes liegen geblieben ist.

Bleibt der angenehmere Teil: die Frage, welche Modelle du dir überhaupt ansiehst.

Die 10 besten A2-Motorräder unter 5.000 Euro

Feste Preise nennen wir nicht. Ob ein bestimmtes Exemplar in dein Budget passt, entscheiden Baujahr, Laufleistung, Historie und Zustand stärker als das Modell. Die Leistungsangaben stammen von den Herstellern, und welcher Wert für dein Exemplar gilt, steht immer in Feld P.2.

Ab Werk mit höchstens 35 kW

Bei diesen fünf ist in der genannten Ausführung keine Drossel nötig:

  • Honda CB 500 F (ab 2013): Honda hat den Zweizylinder mit 35 kW (48 PS) auf den Markt gebracht, passend zur Leistungsgrenze der Klasse A2. Ob dein Wunschexemplar ABS hat, siehst du am Sensorring an der Radnabe und an der ABS-Leuchte, die beim Einschalten der Zündung angeht.
  • KTM 390 Duke (ab 2013): Der Einzylinder ist leicht, und genau deshalb zählt hier das Papier. KTM schreibt, dass die 390 Duke ab dem Modelljahr 2017 ab Werk für die A2-Fahrprüfung zugelassen ist, bis zum Modelljahr 2016 muss sie dafür umgebaut und abgenommen werden. Das Modell von 2021 hat laut KTM 32 kW (44 PS) bei 150 Kilogramm Trockengewicht.
  • BMW G 310 R: BMW gibt für den Einzylinder 25 kW (34 PS) an, dazu serienmäßiges ABS und eine Sitzhöhe von 785 Millimetern. Gerade kleinere Einsteiger kommen damit gut auf den Boden.
  • Royal Enfield Interceptor 650: Ein luft- und ölgekühlter Zweizylinder im klassischen Stil. Im deutschen Datenblatt von Royal Enfield stehen 34,5 kW (47 PS), also knapp unter der 35-kW-Grenze.
  • Kawasaki W800: Luftgekühlter Zweizylinder, klassische Optik. Die aktuelle Generation hat laut Kawasaki 35 kW (48 PS) und ABS. Gebraucht triffst du auch auf die erste Generation von 2011 bis 2016; bei ihr zeigen Feld P.2 und die ABS-Leuchte beim Einschalten, was du vor dir hast.

Mittelklasse mit eingetragener Drossel

Bei diesen fünf ist die offene Version stärker als 35 kW. Für A2 brauchst du die Drossel, sie muss in den Papieren stehen, und die Ausgangsleistung darf 70 kW nicht übersteigen:

  • Yamaha MT-07 (ab 2014): Für die stärkste Variante nannte Yamaha 2019 55,0 kW (74,8 PS), für die MT-07 Pure von 2023 54,0 kW (73,4 PS), und beide gab es auch als 35-kW-Version. Weil sie bei Einsteigern beliebt ist, prüf Lenkerenden, Hebel, Fußrasten und Motordeckel auf Kratzer, die von einem Umfaller erzählen.
  • Suzuki SV650: Ein Naked Bike mit V-Zweizylinder. Suzuki Deutschland bietet die SV650 als 35-kW-Variante an, die sich später auf die volle Leistung von 54 kW umrüsten lässt.
  • Kawasaki Z650: Das aktuelle Modell leistet laut Kawasaki 50,2 kW (68 PS), dazu gibt es einen 35-kW-Kit. Findest du stattdessen die Vorgängerin ER-6n, prüf wie bei allen anderen Feld P.2 und den Eintrag der Drossel.
  • Honda NC 700 X und NC 750 X (ab 2012): Die erste NC 700 X gab es laut Honda mit 38,1 kW und als A2-Version mit 35 kW. Die NC 750 X kam 2014 auf 40,3 kW (55 PS) und seit 2021 auf 43,1 kW (59 PS), seit 2018 gibt es sie auch als 35-kW-Version. Wo sonst der Tank sitzt, hat sie Platz für einen Integralhelm.
  • Suzuki V-Strom 650: Die Reiseenduro mit dem 645-Kubik-V-Zweizylinder. Für das Modelljahr 2024 gibt Suzuki 71 PS an und bietet eine 35-kW-Variante. Prüf beim Gebrauchtkauf das hintere Federbein auf Ölspuren, gerade wenn das Motorrad oft beladen unterwegs war.

Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel ordnet die Lage allgemein und journalistisch ein (Stand: Oktober 2026). Er ist keine Rechtsberatung, und Einzelfälle können anders liegen. Geht es bei einem konkreten Angebot um die A2-Einstufung, lass dir die Papiere zeigen und frag im Zweifel eine Prüforganisation oder deine Fahrerlaubnisbehörde.

Vor dem ersten Kilometer

Welche Marke auf dem Tank steht, entscheidet beim ersten Motorrad weniger als der Zustand des einzelnen Exemplars und die Frage, ob die Papiere zu deinem Führerschein passen. Lass dir Zeit, lies die Felder P.2 und Q, prüf den Eintrag der Drossel, und hast du Zweifel, nimm jemanden mit, der schon ein paar Motorräder gekauft hat.

Eine eingetragene Drossel fährt sich genauso wie eine, die zwar eingebaut, aber nicht eingetragen ist. Der Unterschied steht allein im Papier, und genau dort schaut die Polizei bei einer Kontrolle nach.

❓ Häufige Fragen zum A2-Gebrauchtkauf

Woran erkenne ich, ob ein Motorrad wirklich A2-konform ist?

An drei Punkten. Die Nennleistung in Feld P.2 darf 35 kW nicht übersteigen. Fürs Leistungsgewicht setzt die Verordnung 0,2 kW pro Kilogramm als Obergrenze; in Feld Q steht bei Krafträdern dieselbe Größe. Und ein Grundmodell, das über 70 kW leistet, schließt A2 aus.


Was bedeutet die 70-kW-Grenze genau?

Stammt ein Motorrad von einem Grundmodell ab, das ab Werk über 70 kW hat, fällt es aus der Klasse A2 heraus. Daran ändert auch die beste Drossel nichts, denn für diese Grenze zählt die Leistung des Grundmodells, nicht die nach dem Umbau.


Ich habe meinen A2 zwischen 2013 und 2016 gemacht. Gilt die 70-kW-Grenze auch für mich?

Für Berechtigungen aus der Zeit vom 19. Januar 2013 bis zum 27. Dezember 2016 macht die Fahrerlaubnis-Verordnung eine Ausnahme. Du darfst damit auch Maschinen fahren, die von einem Modell mit über 70 kW abstammen, aber nur in Deutschland.


Was gilt bei der Versicherung, wenn Führerschein und Motorrad nicht zusammenpassen?

Der Unfallgegner bekommt sein Geld von der Kfz-Haftpflicht trotzdem. Fahren ohne die vorgeschriebene Fahrerlaubnis darf sie im Vertrag als Pflichtverletzung regeln, dir gegenüber ist ihre Leistungsfreiheit dann auf 5.000 Euro begrenzt. Hatte die Pflichtverletzung mit dem Unfall nichts zu tun, muss sie leisten, Arglist ausgenommen.


Reicht das COC-Papier, um die Ausgangsleistung zu prüfen?

Nicht immer. Ist die Version schon ab Werk gedrosselt, steht im COC-Papier ihre eigene Leistung. Wie stark das offene Grundmodell ist, erfährst du aus den Drosselunterlagen oder direkt vom Hersteller.


Wie alt darf ein Motorradreifen sein?

Vorgeschrieben ist kein Höchstalter, sondern eine Mindestprofiltiefe. Continental rät, Reifen zu ersetzen, die laut Herstellungsdatum älter als zehn Jahre sind, Michelin nennt zehn Jahre ohne Reifenwechsel als Grenze. Wann ein Reifen gebaut wurde, steht in der DOT-Nummer seitlich am Reifen.


Was kommt nach dem Kaufpreis noch an Kosten dazu?

Rechne den Verschleiß ein, den du beim Termin schon siehst, etwa Reifen, Kettensatz und Bremsbeläge. Dazu kommen Zulassung, Versicherung und gegebenenfalls Einbau und Eintragung einer Drossel. Wer die 5.000 Euro komplett in den Kaufpreis steckt, hat für die erste Saison nichts mehr übrig.

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