MXGP Frankreich: Renaux Fünfter daheim, Gajser Neunter

MotorradZoneMotorradZoneMotorsportvor 1 Stunde134 Aufrufe

Tausende französische Fans am Hang, blauer Hartboden, ein Lokalmatador im Sattel. Mehr Heimspiel geht kaum. Und trotzdem fehlte Maxime Renaux beim MXGP Frankreich am Ende genau das eine Stück, auf das ganz Lacapelle-Marival gewartet hatte: das Podium.

Der Franzose vom Monster Energy Yamaha Factory MXGP Team holte Rang fünf in der Tageswertung — stark, aber eben nicht das Treppchen vor heimischem Publikum. Sein Teamkollege Tim Gajser erlebte derweil ein Wochenende mit zwei Gesichtern: erst Bronze im ersten Lauf, dann das frühe Aus. Am Ende blieb für den fünffachen Weltmeister nur Platz neun. Ein gemischter Tag für die blaue Truppe — und einer, der in der WM-Tabelle ein interessantes Detail hinterlässt.

Foto: Yamaha Motor Europe

Das Wochenende in Zahlen

Zwei Läufe, zwei sehr unterschiedliche Geschichten. Renaux brachte sechsten und vierten Platz zusammen, macht 33 Punkte und Gesamtrang fünf. Gajser kam im ersten Lauf als Dritter ins Ziel, im zweiten gar nicht — 20 Punkte, Platz neun.

So nüchtern liest sich das auf dem Ergebniszettel. Wer den Tag verfolgt hat, weiß: Zwischen diesen Zahlen lagen Welten. Renaux fuhr konstant nach vorn und scheiterte erst im Zielsprint an einem Landsmann. Gajser fuhr ein famoses erstes Rennen — und sah das zweite vom Streckenrand aus, mit lädiertem Motorrad und schmerzendem Knie.

Beide bleiben in den Top sechs der Meisterschaft. Beide reisen mit unterschiedlichen Gefühlen nach Deutschland weiter, wo schon am kommenden Wochenende der nächste Lauf wartet.

Foto: Yamaha Motor Europe

Renaux beim Heim-Grand-Prix: nah dran, knapp daneben

Der Auftakt machte Mut. Im Qualifikationsrennen am Samstag fuhr Renaux auf Platz vier — eine ordentliche Startaufstellung für die beiden Wertungsläufe am Sonntag. Genau die Art Grundlage, die man beim MXGP Frankreich braucht, wenn man vorn mitfahren will. Auf Hartboden entscheidet der Start fast alles.

Im ersten Lauf legte der Franzose dann auch prompt los. Vorderes Feld, gute Pace, vor den eigenen Leuten. Nach wenigen Runden schob er sich auf Rang fünf — und dann wurde es teamintern eng. Gajser kam, drückte vorbei und schickte Renaux zurück auf sechs. Dort blieb es bis ins Ziel, allerdings dicht am Hinterrad von Andrea Adamo auf Platz fünf. Sechster im ersten Lauf, mit Tuchfühlung nach vorn. Solide.

Lauf zwei war das bessere Rennen. Wieder ein guter Start, wieder weit vorne, diesmal mit echter Aussicht aufs Tagespodium. Dann tauchte Romain Febvre auf und ging vorbei — Rang fünf für Renaux. Aber der Franzose gab nicht auf. Er holte sich die Position über Kay de Wolf zurück und nahm die Verfolgung auf.

Und es wurde eng. Renaux schloss auf Febvre auf, klebte am Hinterrad, suchte die Lücke. Sie kam nicht. Auf der Ziellinie hieß es Platz vier im zweiten Lauf — ein einziger Punkt fehlte zum Tagespodium. So nah. Im Gesamtklassement des Tages blieb Rang fünf, in der WM weiterhin Platz sechs mit 218 Zählern.

Wer schon mal hinter jemandem hergefahren ist, den er nicht überholt bekommt, kennt das Gefühl. Du siehst die Linie. Du weißt, was zu tun wäre. Und die Kraft, der Mut oder schlicht der Platz fehlen im entscheidenden Moment. Renaux selbst räumte hinterher ein, im zweiten Moto nicht mehr die Beine gehabt zu haben, um an Febvre vorbeizukommen — so sinngemäß seine Einschätzung gegenüber dem Team.

MXGP Frankreich in Lacapelle-Marival
Foto: Yamaha Motor Europe

Lacapelle-Marival: die Hartboden-Bühne

Lacapelle-Marival ist kein Stammgast im Kalender der FIM-Motocross-Weltmeisterschaft. Erst zum zweiten Mal überhaupt trug der harte Naturboden-Kurs einen WM-Lauf aus. Und das macht die Strecke besonders.

Hartboden fährt sich anders als der tiefe Sand, den viele mit Motocross verbinden. Wenig Grip, glasige Spuren, Bremswellen, die mit jeder Runde tiefer werden. Wer hier Zeit gutmachen will, fährt sauber statt brachial — und bezahlt jeden Fehler sofort. Linienwahl schlägt rohe Gewalt.

Für Renaux hat dieser Ort eine besondere Note. Beim bislang einzigen anderen WM-Gastspiel 2021 stand er als Gesamtdritter auf dem Podest — in jener Saison, in der er später den MX2-Weltmeistertitel einfuhr. Insofern kehrte er an einen Ort mit guten Erinnerungen zurück. Dass es diesmal nicht wieder aufs Treppchen reichte, dürfte ihn doppelt geärgert haben.

Gajser: vom Podest zum Aus in einer Kurve

Tim Gajser fuhr das erste Rennen, das man sich von einem fünffachen Weltmeister wünscht. Kein Bilderbuchstart — er kam von weiter hinten —, aber dann griff das, was den Slowenen ausmacht: lesen, schieben, Druck machen. Rang drei im Ziel. Bronze im ersten Lauf, daheim beim Teamkollegen, vor vollem Haus.

Dann kam Lauf zwei. Und mit ihm die erste Kurve.

Gajser erwischte keinen guten Start und steckte im Pulk. In der ersten Kurve krachte es: Er traf das Motorrad von Tom Vialle, ausweichen war nicht möglich. Der Einschlag richtete sein eigenes Bike so übel zu, dass an den Neustart nicht zu denken war. Laut Team zog sich der Slowene dabei zusätzlich eine leichte Knieblessur zu — der genaue Umfang ist bislang unbestätigt und soll erst untersucht werden.

Das Bittere daran: Die Rennleitung ließ ihn nicht wieder ans Gitter. Kein Restart, kein zweiter Versuch, null Punkte aus dem zweiten Lauf. Für einen Fahrer, der nach eigener Aussage gerade richtig gut auf der Maschine sitzt, ist so ein Ausgang schwer zu schlucken. „That’s motocross”, würde der Engländer sagen. Erste Kurve, falscher Moment, Wochenende gelaufen.

So bleibt für Gajser ein Tag, der mit Bronze begann und mit einem demolierten Motorrad endete. Bittersüß trifft es ganz gut.

Foto: Yamaha Motor Europe

Die WM-Tabelle: Gajser vor Renaux — trotz schlechterem Tag

Und hier wird es spannend. Renaux hat das Wochenende sportlich für sich entschieden — fünf gegen neun, klare Sache an diesem Sonntag. In der Gesamtwertung führt trotzdem Gajser.

Der Slowene steht nach Runde sechs auf Rang vier mit 223 Punkten. Renaux folgt auf Platz sechs mit 218 Zählern. Fünf Punkte. Mehr trennt die beiden Yamaha-Piloten nicht — und das, obwohl der eine gerade ein Rennen ausließ und der andere zweimal in den Top sechs ankam.

Genau das ist die Logik einer langen Saison. Ein einzelner Grand Prix gewinnt dir die WM nicht, aber er kann dich teuer zu stehen kommen. Gajsers Polster aus den ersten Läufen trägt ihn über dieses Wochenende hinweg. Renaux dagegen sammelt konstant, ohne den großen Wurf — solide Punkte, die sich über eine Saison summieren, aber eben nicht das Ausrufezeichen setzen.

Wer am Ende vorn liegt, entscheidet sich nicht an einem Sonntag in Frankreich. Sondern an der Summe vieler solcher Sonntage.

Was die Fahrer nach dem Rennen sagten

Renaux gab sich im Rückblick gemischt. Sinngemäß: Über die ganze Saison betrachtet sei es ein gutes Wochenende für die Meisterschaft gewesen, kurzfristig aber enttäuschend, das Podium beim Heim-GP zu verpassen. Im zweiten Moto hätten ihm schlicht die Körner gefehlt, um an Febvre vorbeizugehen. Er nehme die positiven Dinge mit, wisse aber um Baustellen, an denen das Team noch arbeiten müsse. Gute Punkte fürs Klassement — und der klare Wille, demnächst um mehr zu kämpfen.

Gajser ordnete sein Wochenende offen ein. Der erste Lauf sei richtig gut gewesen, trotz mäßigem Start habe sich sein Fahren stark angefühlt. Im zweiten habe er erneut keinen guten Start erwischt und dann in der ersten Kurve das Motorrad von Vialle getroffen — unvermeidbar aus seiner Sicht. Der Aufprall habe sein Bike zerstört, dazu das lädierte Knie. Dass er nicht wieder starten durfte, sei besonders bitter gewesen, gerade weil er sich auf der Maschine gerade so wohlfühle. So sei Motocross eben. Man werde das Knie checken und hoffe, am kommenden Wochenende zurück zu sein.

Zwei Fahrer, zwei Tonlagen. Der eine ärgert sich über den knapp verpassten großen Auftritt, der andere über das, was ihm außerhalb seiner Kontrolle lag. Beide schauen schon nach vorn.

Einordnung: ein Tag, der mehr Fragen als Antworten lässt

Für das Monster Energy Yamaha Factory MXGP Team war dieser Sonntag kein schwarzer Tag — aber auch keiner zum Feiern. Renaux zeigt Konstanz, ohne den Knoten ganz zu lösen. Gajser zeigt Speed, zahlt aber für einen Rennzwischenfall, an dem er wenig ändern konnte.

Manche Beobachter dürften nach diesem Wochenende fragen, ob Renaux die letzten Zehntel zum Podium noch findet — die Pace war da, das Ergebnis blieb knapp darunter. Andere werden Gajser auf der Rechnung haben, sobald die erste Kurve mal sauber durchläuft. Belastbar ist beides nicht: Ein Grand Prix ist eine Stichprobe, keine Diagnose. Was bleibt, ist ein Bild zweier Fahrer, die nah an ihrem Maximum sind und denen jeweils ein Detail im Weg stand.

Die Yamaha YZ450FM lief jedenfalls dort, wo es zählte. Renaux brachte sie zweimal in die Top sechs, Gajser im ersten Lauf aufs Podest. Das Material war nicht das Problem an diesem Sonntag in Lacapelle-Marival.

Weiter geht’s in Deutschland

Viel Zeit zum Grübeln bleibt nicht. Schon am kommenden Wochenende rollt der Tross zum MXGP von Deutschland — und für beide Yamaha-Fahrer ist das die nächste Antwort auf offene Fragen.

Renaux braucht das Podium, das ihm daheim durch die Finger glitt. Gajser braucht vor allem ein Knie, das mitspielt, und einen sauberen Start ohne Kontakt in der ersten Kurve. Was nach dem MXGP Frankreich bleibt, ist kein Drama und kein Triumph, sondern dieser eine, vertraute Satz, den jeder Rennfahrer kennt: nächstes Wochenende, neues Spiel.

Manchmal ist das die einzige Wahrheit, die im Motocross zählt.

❓ Häufige Fragen zum MXGP Frankreich

Wie hat Maxime Renaux beim MXGP Frankreich abgeschnitten?

Maxime Renaux belegte beim Heim-Grand-Prix in Lacapelle-Marival Gesamtrang fünf. Im ersten Lauf wurde er Sechster, im zweiten Vierter und verpasste das Tagespodium damit um einen einzigen Punkt. Mit 33 Punkten bleibt er Sechster der MXGP-Gesamtwertung.


Warum kam Tim Gajser nur auf Platz neun?

Gajser fuhr im ersten Lauf als Dritter aufs Podest, schied im zweiten Lauf aber nach einer Kollision in der ersten Kurve mit dem Motorrad von Tom Vialle aus. Sein Bike war zu stark beschädigt für einen Neustart, den ihm die Rennleitung zudem nicht erlaubte. Ohne Punkte aus Lauf zwei reichte es in der Tageswertung nur zu Rang neun.


Wo fand der MXGP Frankreich statt?

Der Grand Prix wurde in Lacapelle-Marival ausgetragen, einem harten Naturboden-Kurs. Es war erst das zweite Mal, dass die Strecke einen Lauf zur FIM-Motocross-Weltmeisterschaft beherbergte. Das erste Gastspiel fand 2021 statt.


Wie steht es nach dem MXGP Frankreich in der WM-Tabelle?

In der Gesamtwertung führt unter den beiden Yamaha-Werksfahrern weiterhin Tim Gajser: Er liegt nach Runde sechs auf Rang vier mit 223 Punkten. Maxime Renaux folgt auf Platz sechs mit 218 Zählern. Trotz des besseren Renntags von Renaux trennen die beiden also nur fünf Punkte.


Hat sich Tim Gajser bei dem Sturz verletzt?

Nach Angaben des Teams zog sich Gajser bei der Kollision eine leichte Knieblessur zu. Der genaue Umfang ist bislang unbestätigt und soll erst medizinisch abgeklärt werden. Gajser äußerte die Hoffnung, am folgenden Wochenende wieder antreten zu können.


Welches Motorrad fahren Renaux und Gajser?

Beide starten für das Monster Energy Yamaha Factory MXGP Team auf der Yamaha YZ450FM. An diesem Wochenende war das Material nicht der limitierende Faktor – Renaux brachte die Maschine zweimal in die Top sechs, Gajser im ersten Lauf aufs Podest.


Wann ist der nächste MXGP-Lauf?

Schon am darauffolgenden Wochenende geht es weiter mit dem MXGP von Deutschland. Für Renaux ist es die Chance auf das verpasste Podium, für Gajser hängt der Einsatz vom Zustand seines Knies ab.

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