
Ein Café an der Passstraße, Sonntagmittag. Am Nebentisch sitzt jemand in Jeans, Flanellhemd und Sneakern, der Helm liegt neben dem Kaffee. Vor zehn Jahren hättest du gedacht, der fährt ohne Ausrüstung. Heute kann jedes dieser Teile geprüfte Schutzausrüstung sein.
Ob es das ist, siehst du nicht am Schnitt, sondern am Etikett. Zwei Daten markieren diesen Wandel: der 21. April 2018 und das Jahr 2020. Das eine ist der Tag, seit dem die heutige EU-Verordnung für Schutzausrüstung gilt, das andere das Jahr, in dem die Norm für Motorradkleidung Klassen bekam.
Seit dem 21. April 2018 gilt die EU-Verordnung über persönliche Schutzausrüstung, sie hat eine ältere Richtlinie abgelöst. Als Schutzausrüstung zählt dort Ausrüstung, die entworfen und hergestellt wird, um ihren Träger vor Risiken für Gesundheit oder Sicherheit zu schützen.
Die EU-Kommission führt die Norm für Motorradschutzkleidung, EN 17092, in ihrer Liste der harmonisierten Normen zu dieser Verordnung. Neu gefasst wurde die Liste zuletzt im Juni 2026. Kleidung, die danach geprüft ist, trägt das CE-Zeichen, und ihr Beipackzettel muss bestimmte Angaben enthalten.
Bis 2020 gab es für solche Kleidung eine Normenreihe von 2002, und schon ihr Titel sagte, für wen sie gedacht war: Schutzkleidung für professionelle Motorradfahrer. 2020 hat die Reihe EN 17092 sie ersetzt.
Die neue Reihe teilt Schutzkleidung in Klassen ein. Damit soll sie, so der Änderungsvermerk der deutschen Fassung, unterschiedlichen Fahraktivitäten, Fahrumgebungen und Risiken gerecht werden. Es gibt fünf Klassen, von AAA über AA und A bis B und C. Klasse A etwa soll einen begrenzten Schutz vor Verletzungen durch Abrieb und Aufprall bieten, beim Fahren auf der Straße.
Eine leichte Hose für die Stadt hat damit einen eigenen Maßstab bekommen, statt an einer Norm für Berufsfahrer gemessen zu werden. Was die fünf Klassen im Einzelnen verlangen, erklärt der Text über Jeans im Kasten.
Unter den 50 meistzugelassenen Motorrädern in Deutschland steht seit 2022 in jedem Jahr mindestens eines im Stil früherer Jahrzehnte. Mit solchen Maschinen kam ein Stil auf die Straße, der eher nach Werkstatt und Café aussieht als nach Rennstrecke.
Ob Jeans und Hemd dabei mehr sind als Mode, zeigt ihre Klasse. Sneaker, die schützen sollen, werden nach einer eigenen Norm für Motorradschuhe geprüft. Wie ein Teil aussieht, sagt wenig über seinen Schutz. Eine Jeans kann höher eingestuft sein als eine dicke Textiljacke, und eine Lederjacke ohne Prüfung bleibt eine Lederjacke.
Auf dem Etikett geprüfter Kleidung stehen die Norm und die Klasse, auf Protektoren zusätzlich ihre eigene Norm und ihr Level. Mehr steht im Beipackzettel. Was er enthalten muss, legt die Verordnung fest, darunter:
Steht dort eine Klasse nach EN 17092, weißt du, woran das Teil gemessen wurde. Fehlen CE-Zeichen, Klasse und Konformitätserklärung, hast du Kleidung gekauft.
Bei Helmen hat die Serie 06 der UN-Regelung 22 die ältere Serie 05 für neue Genehmigungen abgelöst. Handschuhe, Stiefel und Protektoren haben eigene Normen, aufblasbare Protektoren etwa die EN 1621-4. Was das für deinen Helm und eine Airbag-Weste heißt, liest du in den letzten beiden Texten im Kasten.
Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel ordnet die Lage allgemein und journalistisch ein (Stand: Oktober 2026). Er ist keine Rechtsberatung, und Einzelfälle können anders liegen. Ob ein Kleidungsstück geprüft ist, zeigen Etikett, Beipackzettel und die EU-Konformitätserklärung des Herstellers.
Der Motorradfahrer im Café sieht heute aus wie die anderen Gäste, und das ist ein Fortschritt, solange die Klasse auf dem Etikett zu seiner Fahrt passt. Du darfst nach Werkstatt aussehen. Was dich beim Rutschen über den Asphalt schützt, steht auf dem kleinen Stück Stoff im Kragen oder am Bund.
Welche Regeln gelten für Motorradschutzkleidung?
Motorradschutzkleidung fällt unter das europäische Recht für persönliche Schutzausrüstung, das in seiner heutigen Form seit April 2018 gilt. Geprüft wird sie in der Regel nach der Norm EN 17092, die seit 2020 fünf Klassen kennt.
Was hat die Norm EN 17092 geändert?
Die Norm EN 17092 hat 2020 eine Reihe von 2002 ersetzt, die für professionelle Motorradfahrer gedacht war. Neu sind fünf Klassen von AAA bis C, die verschiedene Arten des Fahrens abbilden sollen. AAA ist die höchste Klasse.
Ist eine Motorradjeans echte Schutzkleidung?
Eine Motorradjeans ist echte Schutzkleidung, wenn sie nach EN 17092 geprüft ist und eine Klasse trägt. Sind Protektoren eingesetzt, steht ihr Level auf den Protektoren selbst. Ohne diese Angaben bleibt sie eine Jeans.
Was muss im Beipackzettel von Motorradkleidung stehen?
Im Beipackzettel von Motorradschutzkleidung stehen nach der EU-Verordnung unter anderem die Schutzklassen und Verwendungsgrenzen, das Risiko, vor dem das Teil schützt, und Pflegehinweise. Prüfstelle, Norm mit Datum und die Internetadresse der EU-Konformitätserklärung gehören ebenfalls hinein, es sei denn, die Erklärung liegt selbst bei.
Ist Leder sicherer als Textil oder Jeans?
Leder schützt nicht von sich aus besser als Textil oder Jeans. Es kommt auf die geprüfte Klasse nach EN 17092 an, egal aus welchem Material. Eine Lederjacke ohne diese Prüfung hat gar keine Klasse.
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