
Für die Winterpause schreibt Kawasaki in der Anleitung zur Ninja 125: Tank mit einer Pumpe oder einem Heber leeren, im Frühjahr frisch befüllen. Yamaha sieht bei der MT-07 das Gegenteil vor: Tank füllen und einen stabilisierenden Zusatz dazugeben. Beide Anleitungen haben recht, jede für ihr Motorrad.
Rund um den Tank hörst du an der Zapfsäule viele Meinungen, zu Kraftstoff-Additiven, E10 und E-Fuels ebenso wie zur Winterpause. Fünf davon halten sich besonders hartnäckig. Was die Hersteller in ihren Anleitungen dazu schreiben, ist nüchterner und hilft dir mehr.
Mehr Leistung durch einen Zusatz im Tank verspricht keine der zitierten Anleitungen. BMW beschreibt in der Anleitung zur R 1300 GS, was Kraftstoffadditive tun: Sie reinigen Einspritzung und Brennraum. Beim Tanken von Kraftstoff niedriger Qualität oder bei längeren Standzeiten sollten sie laut BMW genutzt werden.
Bei den Zusätzen, die nicht hineingehören, werden die Anleitungen deutlicher. Unter der Warnung vor Schäden am Katalysator nennt BMW dort auch Kraftstoff mit metallischen Zusätzen wie Mangan oder Eisen. Honda schließt Kraftstoff mit Ölzusätzen aus, also Zweitaktgemisch, und ebenso abgestandenen oder verunreinigten Kraftstoff.
Gleich mehrere Hersteller empfehlen für die Standzeit einen Kraftstoffstabilisator. Yamaha nennt bei der MT-07 für den vollen Tank samt Stabilisator zwei Gründe: Der Tank soll nicht rosten, und der Kraftstoff soll sich chemisch nicht verändern. Bei der MT-09 von 2024 geht Yamaha weiter: Steht das Motorrad oft wochenlang zwischen zwei Fahrten, empfiehlt es sich, nach jedem Tanken einen Stabilisator zu verwenden.
Suzuki lässt für die V-Strom 650 den Motor nach dem Zumischen einige Minuten laufen, bis das stabilisierte Benzin die ganze Einspritzanlage füllt, bei der MT-09 sind es laut Yamaha fünf Minuten. Das passiert im Freien, nie in der Garage. KTM schreibt für die 390 Duke, beim letzten Tanken vor der Stilllegung ein Additiv zuzugeben und Sprit mit dem geringsten verfügbaren Ethanolanteil zu tanken.
Yamaha, Suzuki, KTM und BMW lassen den Tank für die Stilllegung füllen. Suzuki schreibt sogar „randvoll“, setzt beim Tanken aber selbst die Grenze: nie höher als bis zur Unterkante des Einfüllstutzens, weil sich Benzin bei Wärme ausdehnt und auslaufen kann. Ausgelaufener Kraftstoff kann sich laut Suzuki leicht entzünden.
Kawasaki lässt den Tank bei der Ninja 125 dagegen leeren und vor der nächsten Saison mit frischem Kraftstoff füllen. Honda erwähnt ihn in der Stilllegungsliste der NC750X gar nicht. Welche Regel für dich gilt, steht deshalb in deiner Anleitung und nicht in einer Faustregel.
Leerst du den Tank, gelten Kawasakis Vorsichtsregeln: Zündung aus, nicht rauchen, ein gut belüfteter Ort ohne Flammen und Funken, auch ohne Geräte mit Zündflamme. Kraftstoff, den du nicht wieder tankst, entsorgst du nach Kawasakis Hinweis ordnungsgemäß, die zulässigen Wege kennt die Abfallberatung vor Ort.
In allen Anleitungen, die für diesen Text auf dem Tisch lagen, ist E10 vorgesehen. Bei Honda, Yamaha, Kawasaki, KTM und Suzuki endet die Freigabe bei zehn Prozent Ethanol. Mehr kann laut Honda die Lackierung des Tanks angreifen, die Gummischläuche der Kraftstoffleitung beschädigen und den Tank korrodieren lassen. KTM schließt höhere Anteile ebenso aus wie jeden Kraftstoff mit Methanol. Nur BMW geht weiter und erlaubt für die R 1300 GS bis 15 Prozent.
Für ältere Maschinen, vor allem aus der Zeit vor E10, entscheidet die Freigabe des Herstellers. Fehlt sie in der Anleitung, fragst du beim Händler oder beim Importeur nach. Bis dahin ist Super E5 die vorsichtigere Wahl.
E-Fuels entstehen aus Wasserstoff, der mit Strom gewonnen wird, und aus Kohlendioxid. In der Debatte um das Verbrenner-Aus ging es um Autos: Die EU-Verordnung mit den CO₂-Flottengrenzwerten gilt für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge. Motorräder stehen nicht in ihrem Geltungsbereich, ein Verbrenner-Aus für sie folgt daraus nicht.
Für deinen Motor zählt etwas anderes, nämlich die Norm in der Anleitung. KTM verlangt für die 390 Duke Super bleifrei nach DIN EN 228 mit 95 Oktan, Yamaha verweist für die MT-09 auf dieselbe europäische Norm. Ein synthetisch hergestelltes Benzin, das diese Norm erfüllt, ist für den Motor Super wie jedes andere.
Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel ordnet die Lage allgemein und journalistisch ein (Stand: Oktober 2026). Er ist keine Rechtsberatung, und Einzelfälle können anders liegen. Welche Kraftstoffe dein Modell verträgt, sagt dir im Zweifel der Hersteller oder dein Händler.
Was in deinen Tank gehört, steht in deiner Anleitung auf wenigen Seiten: Oktanzahl, Norm und höchster Ethanolanteil bei den technischen Daten, der Umgang mit dem Tank im Kapitel zur Stilllegung. Wer diese Seiten einmal liest, weiß über Kraftstoff-Additive, E10 und E-Fuels mehr als nach jeder Diskussion an der Zapfsäule.
Brauche ich Additive im Motorradtank?
Additive verlangt keine der hier zitierten Anleitungen für den Alltag. BMW sieht Reinigungsadditive bei Sprit niedriger Qualität und langen Standzeiten vor, mehrere Hersteller einen Stabilisator für die Winterpause.
Soll der Motorradtank über den Winter voll oder leer sein?
Der Tank kommt über den Winter in den Zustand, den deine Anleitung nennt, und die Hersteller sind sich da nicht einig. Yamaha, Suzuki, KTM und BMW wollen ihn gefüllt, meist mit einem Zusatz gegen Alterung, Kawasaki will ihn bei der Ninja 125 leer.
Darf E10 in den Motorradtank?
E10 darfst du nach allen hier zitierten Anleitungen tanken, von Honda bis BMW. Mehr als zehn Prozent Ethanol erlaubt davon nur BMW bei der R 1300 GS, und bei älteren Maschinen fragst du nach der Freigabe.
Was bringt ein Kraftstoffstabilisator?
Ein Kraftstoffstabilisator soll verhindern, dass sich das Benzin in der Standzeit chemisch verändert. Zusammen mit einem vollen Tank soll er laut Yamaha auch Rost im Tank vorbeugen. Nach dem Zumischen läuft der Motor draußen einige Minuten, damit das behandelte Benzin überall ankommt.
Kann ich E-Fuels im Motorrad tanken?
E-Fuels passen in dein Motorrad, wenn sie die Kraftstoffnorm aus deiner Anleitung erfüllen, etwa DIN EN 228 mit der vorgeschriebenen Oktanzahl. Einen eigenen Motorrad-Kraftstoff brauchen sie nicht.
Gilt das Verbrenner-Aus auch für Motorräder?
Das Verbrenner-Aus betrifft Motorräder nicht. Es stammt aus den EU-Regeln zum CO₂-Ausstoß neuer Autos und Lieferwagen, und Krafträder kommen darin nicht vor.
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